



{"id":1255,"date":"2011-08-12T10:42:52","date_gmt":"2011-08-12T08:42:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/?p=1255"},"modified":"2011-12-19T15:09:17","modified_gmt":"2011-12-19T13:09:17","slug":"hybride","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/hybride\/","title":{"rendered":"Hybride"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff des Hybriden bezeichnet im urspr\u00fcnglich biologischen Wortgebrauch einen Bastard, ein aus einer Kreuzung hervorgegangenes Produkt von Vorfahren mit unterschiedlichen Merkmalen. In natur- und technikwissenschaftlichen Bereichen wie z.B. der Chemie, Medizin, Informatik, Mathematik oder Physik wird die Hybride als Fachterminus f\u00fcr eine Kombination von Materialien oder Energien und die daraus erfolgende Umwandlung bezeichnet. So entsteht eine Effizienzsteigerung und eine h\u00f6here Komplexit\u00e4t, wobei gemeinsame Synergien genutzt werden.<\/p>\n<p>Der Begriff des Hybriden wird in den 1980er und 90er Jahren aus dem natur- und technikwissenschaftlichen Zusammenhang gel\u00f6st und im gesellschaftlichen Diskurs f\u00fcr die metaphorische Beschreibung kultureller sowie sozialer Ph\u00e4nomenbereiche verwendet. Irmela Schneider nennt in ihrem einflussreichen Buch \u00abHybridkultur\u00bb (1997) verschiedene Felder, in denen sich Diskurse des Hybriden entwickelt haben; die Literaturwissenschaft, die Medientheorie, die Medienkunst, die Postmoderne- sowie die Gender-Debatte (Schneider 1997: 21). Gegenw\u00e4rtig findet der Begriff in einer Vielzahl von Diskurszusammenh\u00e4ngen Verwendung, wobei er jeweils unterschiedliche Auslegungen erf\u00e4hrt. Schneider unterteilt die unterschiedlichen Deutungen in drei grob gefasste Einheiten: Erstens beschreibt die metaphorische Verwendung des Hybriden Ph\u00e4nomene, die traditionell dichotomisch sind, also eine Gegen\u00fcberstellung von Einheitlichkeit und Homogenit\u00e4t. Zweitens wird damit, vor allem in der Postmoderne-Debatte, ein Gegenbegriff f\u00fcr das Hierarchische und Hegemoniale entworfen. Drittens bezeichnet die Metapher des Hybriden in den Medientheorien eine Phase des \u00dcbergangs.<\/p>\n<p>Der Begriff des Hybriden wird wegen des mit ihm verbundenen Produktivit\u00e4ts- und Effizienzgedanken in den Bereichen Wirtschaft und Politik zunehmend f\u00fcr werbetechnische Zwecke genutzt. Der Kulturwissenschaftler Ki\u00ean Ngh\u1ecb Ha sieht darin einen Missbrauch des Begriffs und bef\u00fcrchtet dessen Verw\u00e4sserung durch die Anwendung in diversen Gebieten und Fachbereichen (Ha, Ki\u00ean Ngh\u1ecb 2005: 13). Die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte erachtet den Begriff des Hybriden in Zukunft nur dann f\u00fcr ergiebig, wenn sich seine Bedeutung st\u00e4rker konturieren l\u00e4sst oder zumindest eine klare Verwendung des metaphorischen Charakters erfolgt. Ansonsten sei eine Anwendung auf kulturelle Ph\u00e4nomene nicht mehr produktiv zu gestalten (Fischer-Lichte 2010: 21).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Theoriebildung der Transdisziplinarit\u00e4t ist die Begriffsgeschichte des Hybriden als Grundlage sowie als Vergleichsmoment der eigenen Diskussionsbasis relevant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Fischer-Lichte, Erika; Hasselmann, Kristiane; Rautzenberg, Markus (Hg.): Ausweitung der Kunstzone: Interart Studies- Neue Perspektiven der Kunstwissenschaft. Bielefeld 2010.<\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Ha, Ki\u00ean Ngh\u1ecb: Hype Um Hybridit\u00e4t. Kultureller Differenzkonsum und postmoderne Verwertungstechniken im Sp\u00e4tkapitalismus. Bielefeld 2005.<\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Schneider, Irmela; Thomsen, Christian W. (Hg.): Hybridkultur: Medien, Netze, K\u00fcnste. K\u00f6ln 1997.<\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Spielmann, Yvonne: Hybridkultur. Berlin. 2010.<\/p>\n<p><em>(vr)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff des Hybriden bezeichnet im urspr\u00fcnglich biologischen Wortgebrauch einen Bastard, ein aus einer Kreuzung hervorgegangenes Produkt von Vorfahren mit unterschiedlichen Merkmalen. 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