



{"id":1285,"date":"2011-08-12T11:29:57","date_gmt":"2011-08-12T09:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/?p=1285"},"modified":"2011-11-14T10:54:12","modified_gmt":"2011-11-14T08:54:12","slug":"rekursivitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/rekursivitat\/","title":{"rendered":"Rekursivit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff der Rekursivit\u00e4t bezeichnet im urspr\u00fcnglich mathematischen Wortgebrauch eine wiederholte Anwendung immer derselben und auf sich selbst bezogenen Funktion. Sp\u00e4ter auch von der Linguistik \u00fcbernommen, bedeutet Rekursivit\u00e4t die Bildung einer unendlichen Menge von S\u00e4tzen aus einem endlichen Inventar von sprachlichen Elementen und Regeln. Ein rekursives Vorgehen zeichnet sich in diesem Sinne durch eine kreative Handhabung aus, die von einem beschr\u00e4nkten Set von M\u00f6glichkeiten ausgeht.<\/p>\n<p>Im transdisziplin\u00e4ren Forschungsdiskurs findet der Begriff der Rekursivit\u00e4t in Bezug auf die Gestaltung des Forschungsprozesses Verwendung. Christian Pohl und Gertrude Hirsch Hadorn definieren das rekursive Vorgehen folgendermassen:<\/p>\n<p>\u00abEin generelles Gestaltungsprinzip der transdisziplin\u00e4ren Forschung, welches sowohl f\u00fcr den ganzen Forschungsprozess als auch f\u00fcr jede der Phasen gilt. [Die drei Phasen nach Pohl und Hirsch Hadorn: Projektidentifikation und -strukturierung, Problembearbeitung, In-Wert-Setzung.] Damit ist gemeint, Forschungsprozesse so zu gestalten, dass die Angemessenheit des Vorgehens immer wieder \u00fcberpr\u00fcft wird, und dass auf die daf\u00fcr getroffenen Voraussetzungen zur\u00fcckgekommen wird, wenn sie sich nicht als geeignet erweisen\u00bb (Pohl, Hirsch Hadorn 2006: 39).<\/p>\n<p>Ein rekursives Forschungsvorgehen hilft, vorl\u00e4ufige Ergebnisse durch kritisches Pr\u00fcfen weiterzuentwickeln, geplante Vorg\u00e4nge aufgrund der gewonnenen Erfahrungen zu korrigieren und schrittweise die Komplexit\u00e4t der Problemstellung zu reduzieren.<br \/>\nIm rekursiv gestalteten Forschungsprozess beeinflussen Erkenntnisse eines Arbeitsschrittes die Gestaltung der darauffolgenden Arbeitsschritte und haben so das Potenzial, den gesamten Projektverlauf zu ver\u00e4ndern. Die Forschungsbeteiligten n\u00e4hern \u00absich der L\u00f6sung eines Forschungsproblems schrittweise durch wiederholte Anwendung derselben Verfahrensvorschrift\u00bb an. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen in einem rekursiven Vorgehen \u00absowohl fachliche Beitr\u00e4ge als auch Beitr\u00e4ge aus der Praxis schrittweise einbezogen, aufeinander bezogen und angepasst werden, sodass ein integratives Gesamtbild entsteht\u00bb (Bergmann et al. 2010: 132-133). Ziel eines rekursiven Forschungsvorgehens ist es, ein umfassendes und konfliktl\u00f6sendes Ergebnis mithilfe eines offenen Prozesses und unter Ber\u00fccksichtigung m\u00f6glichst vieler verschiedener <a title=\"Wissensformen\" href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/wissensformen\/\">Wissensformen<\/a> zu generieren. In einem rekursiven Prozess schaffen sich alle Forschungsbeteiligten gemeinsam eine eigenverantwortliche Qualit\u00e4tssicherung.<\/p>\n<p>Im gegenw\u00e4rtigen transdisziplin\u00e4ren Diskurs zwischen den K\u00fcnsten sowie zwischen Kunst und <a title=\"Lebenswelt\" href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/lebenswelt\/\">Lebenswelt<\/a> wird der Begriff der Rekursivit\u00e4t nicht verwendet. Es stellt sich die Frage, ob die k\u00fcnstlerische Praxis durch eine erh\u00f6hte Selbstreflexivit\u00e4t an sich schon eine Form der Rekursivit\u00e4t aufweist und diese deshalb nicht als neues und spezifisches Merkmal diskutiert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Pohl, Christian; Hirsch Hadorn, Gertrude: Gestaltungsprinzipien f\u00fcr die transdisziplin\u00e4re Forschung. M\u00fcnchen 2006.<\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Bergmann, Matthias; Jahn, Thomas; Knoblauch, Tobias; Krohn, Wolfgang; Pohl, Christian; Schramm, Engelbert: Methoden transdisziplin\u00e4rer Forschung: Ein \u00dcberblick mit Anwendungsbeispielen. Frankfurt a. M. 2010.<\/p>\n<p><em>(lt, vr)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff der Rekursivit\u00e4t bezeichnet im urspr\u00fcnglich mathematischen Wortgebrauch eine wiederholte Anwendung immer derselben und auf sich selbst bezogenen Funktion. 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