



{"id":5183,"date":"2013-01-14T14:40:02","date_gmt":"2013-01-14T12:40:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/?p=5183"},"modified":"2013-04-08T18:47:57","modified_gmt":"2013-04-08T16:47:57","slug":"institut-fur-theorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/trans\/institut-fur-theorie\/","title":{"rendered":"Institut f\u00fcr Theorie (ith)"},"content":{"rendered":"<p>Theorie-Arbeit und Transdisziplinarit\u00e4t<\/p>\n<p>Das ith orientiert sich in seiner Arbeit, beispielsweise in der Entwicklung einer Theorie der \u00c4sthetik, im Horizont verschiedener k\u00fcnstlerischer Praxen. Um diese zu beobachten, zu analysieren, zu verstehen und sie dabei auf die \u00c4sthetik zu beziehen und zu befragen, begreifen wir die jeweilige Situation (das jeweilige Setting) als Dispositiv (Bippus et al. 2012a, vgl. hier die weiterf\u00fchrende Literatur). Abgek\u00fcrzt formuliert bezeichnen wir mit diesem Begriff ein Zusammen von Elementen, Akteuren, Kr\u00e4ften, Wirkungen (Institutionen, Architekturen, Menschen, Dinge, Apparate, Instrumente), in denen aufgrund von ausl\u00f6senden Dynamiken (Krisen, Veranlassungen, Expositionen, Ereignissen) etwas in Gang gesetzt wird, etwas geschieht. Dieses Geschehen kann zur Ver\u00e4nderung des Dispositivs und damit zu einem neuen Dispositiv f\u00fchren. So k\u00f6nnen wir auf diese Weise ein Gem\u00e4lde, ein Konzert, die ZHdK, ein Filmfestival, ein Computerlabor&#8230;) untersuchen. Es geht dabei um Relationen, Verh\u00e4ltnisse \u2013 von Kr\u00e4ften und auch von Macht. Es geht um Autorit\u00e4ten, Zuweisungen, Erm\u00e4chtigungen. Das Problem ist, dass wir diese \u00abDispositiv-Analyse\u00bb nicht von aussen leisten k\u00f6nnen, da wir immer auch Teil des Settings sind und uns in diesem Mit-Teil-Sein bedenken m\u00fcssen. Die Arbeit an der Theorie der \u00c4sthetik macht deutlich, dass wir mit dem Begriff des Dispositivs Konstellationen k\u00fcnstlerischer Praxis auch immer als Konstellationen von Subjektivierungen verstehen: Eine \u00c4sthetik der K\u00fcnste steht denn auch in Bezug zu einer \u00c4sthetik der Lebensweisen, d.h. auch zu dem Politischen.<br \/>\nDiese kurzen Ausf\u00fchrungen sollen deutlich machen, dass unsere Arbeit nicht auf dem Begriff der \u00abDisziplin\u00bb aufbaut. Es geht in der Theoriepraxis nicht darum, Kunst und Wissenschaft zu vermitteln, und es geht auch nicht darum, in der Analyse eines Dispositivs das Instrumentarium und Wissen verschiedener Disziplinen (Soziologie, Kulturanalyse, Musiktheorie etc.) zu \u00abverbinden\u00bb oder entgrenzend ineinander zu f\u00fchren. Und vor allem: Eine Theorie der \u00c4sthetik ist selbst keine Disziplin, sondern ein Ensemble diskursiver Praxen. Sie definiert und begrenzt keine bestimmte Wissensform. Eine \u00e4sthetisch diskursive Praxis erm\u00f6glicht eine Denkerfahrung, ein Denken also, das die Welt nach Gesichtspunkten des \u00c4sthetischen vernimmt und analysiert (Bippus et al. 2012b). Folglich entwickeln und reflektieren wir unsere Forschungspraxis, d.h. Analyse, Diskurs und Exposition (und damit Empirie und Theorie), in verschiedenen Konstellationen von Medien, Orten\/B\u00fchnen, \u00d6ffentlichkeiten, Teilnahmen, Adressierungen, die wir wiederum als Dispositive verstehen. Die drittmittelgef\u00f6rderte Projektform ist nur eine M\u00f6glichkeit unter anderen. Dabei geht es nicht darum, eine Frage- oder Problemstellung \u00abvon verschiedenen Seiten\u00bb oder \u00abaus der Perspektive verschiedener Disziplinen\u00bb zu beleuchten. Eine Problemstellung der Forschung ist eine Exposition von Kraftlinien, Relationen, Prozessen und Effektproduktion und sie macht damit gleichzeitig ein solches Gef\u00fcge (das wir auch Gegenwart nennen k\u00f6nnen) erst \u00fcberhaupt bemerkbar und sichtbar (h\u00f6rbar etc.): in seiner Genealogie wie auch seiner Weiter- und \u00dcberf\u00fchrung in etwas Anderes. Und, wie gesagt: da die Forschungspraxis Teil dieser jeweiligen Gef\u00fcge ist, organsiert sie sich nicht in der Formatierung von Disziplinen.<br \/>\nUnser Beitrag zur Frage der Transdisziplinarit\u00e4t kann deshalb darin bestehen, dass wir den Begriff, seine Geschichte, seine institutionalisierte Auspr\u00e4gung, seine \u00abAnwendung\u00bb in den Wissenskulturen, den Geltungsanspruch und die Sinnstiftung, die sich mit ihm verbinden und behauptet werden, sowie seine Konjunkturen als Kraftlinien in spezifischen Dispositiven (der ZHdK-Forschung etwa) bestimmen und untersuchen \u2013 beispielsweise als eine Weise der Ideologieproduktion. Wichtig ist uns der Kontext, den die aktuellen Entwicklungen der Hochschulen und Universit\u00e4ten unter dem Stern von Bologna, die Pragmatisierung von \u00abAusbildung\u00bb hinsichtlich wirtschaftlicher Kalk\u00fcle sowie der Triumph von Kreativwirtschaft und privatwirtschaftlicher Managementtechnik liefern. Und wichtig ist uns damit die Frage, wie wir in diese Verwaltungsmaschinerie, die Funktion\u00e4re und Professionen etabliert sowie Zust\u00e4ndigkeiten und Kompetenzen zuteilt und damit auch das Spiel der Ent- und Erm\u00e4chtigung spielt, eine Kritik einziehen k\u00f6nnen: im Spiel mit den Figuren einer nomadischen Praxis, von Verfahren des Durchzugs, Strategien von Querverl\u00e4ufen, chiastischen Durchkreuzungen, eines nicht festzustellendes Geschehens, einer Prozessdynamik von Kontingenzen und Emergenzen. Wenn die Trandisziplinarit\u00e4t eine Antwort ist auf die historische Ausdifferenzierung der Wissensproduktion in Disziplinen innerhalb dieser Logik, dann versucht die Praxis, die wir verfolgen, deren Transzendierung.<\/p>\n<p><em>J\u00f6rg Huber, Leitung ith<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Bippus, Elke; Huber, J\u00f6rg; Nigro; Robert (Hg.): \u00c4sthetik x Dispositiv. Z\u00fcrich, Wien, New York 2012a.<\/p>\n<p style=\"margin-left: 30px;text-indent: -30px\">Bippus, Elke; Huber, J\u00f6rg; Nigro, Roberto: \u00c4sthetik? In: Zett, Vol. 2, 2012b, S. 26.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theorie-Arbeit und Transdisziplinarit\u00e4t Das ith orientiert sich in seiner Arbeit, beispielsweise in der Entwicklung einer Theorie der \u00c4sthetik, im Horizont verschiedener k\u00fcnstlerischer Praxen. 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