{"id":363,"date":"2022-11-28T21:21:32","date_gmt":"2022-11-28T20:21:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/vermittlungdesign\/?page_id=363"},"modified":"2022-11-28T21:21:32","modified_gmt":"2022-11-28T20:21:32","slug":"bilderbuecher-illustriert-inszeniert","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/vermittlungdesign\/bilderbuecher-illustriert-inszeniert\/","title":{"rendered":"Bilderb\u00fccher: illustriert &amp; inszeniert"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine Kooperation des BA Art Education mit dem Gewerbemuseum Winterthur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Ausstellung \u00abBilderb\u00fccher: illustriert &amp; inszeniert\u00bb im Gewerbemuseum Winterthur entwickelten die Studierenden des 6. Semesters Bachelor Art Education der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste digitale und analoge Vermittlungsprojekte. Sie tauchten in die Welt der Bilderb\u00fccher ein und suchten im Aussenraum das Gespr\u00e4ch \u00fcber eigene Geschichten, Kindheitserinnerungen und Lieblingsb\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<p>Anna-Brigitte Schlittler und Eva Wandeler, Dozentinnen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Jonas Biland: Schnittgeschichten <\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"FS22 Kooperation Gewerbemuseum Winterthur &amp;ndash; Schnittgeschichten &amp;ndash; Jonas Biland\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/718270437?h=fbe72d6c99&amp;dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"840\" height=\"473\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Kunstvermittlung im \u00f6ffentlichen Raum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen Menschen auf offener Strasse motiviert werden, spontan bei einem Vermittlungsprojekt mitzumachen? Im folgenden Text werde ich einige Faktoren zusammentragen, die zum Gelingen von k\u00fcnstlerischen Vermittlungsprojekten im \u00f6ffentlichen Raum beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst scheint alles von der Kontaktaufnahme abh\u00e4ngig zu sein. Gelingt es, zum Mitmachen zu animieren oder wird das Weite gesucht? Doch der erste Moment ist nicht allein entscheidend. Denn die Kontaktaufnahme erfolgt idealerweise nicht nur im Gespr\u00e4ch, sondern auch mit visuellen Mitteln, zum Beispiel mit einer bereits bestehenden Installation. So wird Neugierde geweckt, und alles kann zuerst einmal in Ruhe betrachtet werden. Je mehr Leute bereits mitgemacht haben, umso mehr wird die Hemmschwelle gesenkt, selber auch mitzuwirken. Die Leute sollten das Gef\u00fchl haben, einen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen, statt ausgestellt zu werden. Mit dem Wachsen einer Installation entsteht eine Mitmach-Dynamik. Die bereits sichtbaren Arbeiten f\u00fchren zur Erkenntnis: \u00abDas kann ich auch!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also nicht alles vom ersten Kontakt abh\u00e4ngig. Visuelle Beispiele wecken Interesse und wollen zuerst einmal in Ruhe betrachtet werden. So gibt es auch Kunstprojekte im \u00f6ffentlichen Raum, bei denen gar keine K\u00fcnstler:innen oder Vermittler:innen anwesend sind \u2013 etwa die Installation \u00abConnecting Dots\u00bb von Fiona K\u00f6nz, die 2020 auf dem Lindenhof in Z\u00fcrich zum Verbinden von Punkten auf Plakaten eingeladen hatte. Wichtig ist hierbei auch die Aufgabe, zwei oder mehr Punkte mit einem Strich zu verbinden. Es stehen nicht einfach weisse Plakate herum mit der Aufforderung: \u00abHinterlasse deine Zeichnung\u00bb. Stattdessen erh\u00e4lt ein Werk durch eine kleine Aufgabenstellung einen spezifischen Charakter, und die Teilnehmenden erlernen eine gemeinsame Bildsprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bildsprache wird stark durch die Materialwahl geleitet. Bei meinem Projekt \u00abSchnittgeschichten\u00bb kamen farbiges Papier und Schere zum Einsatz. Die Bildsprache als verbindendes Element war&nbsp; also farbiges Papier. Im Minimalfall wurde ein oranges Papier unbearbeitet an den Karton gepinnt. In anderen F\u00e4llen kreierten Einzelpersonen mehrere komplexe, vielfarbige Bilder, die einen hohen Zeitaufwand ben\u00f6tigten. Als n\u00e4chstes also zum Faktor Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wenigsten Leute haben bekanntlich Zeit. Sie gilt es mit einer sehr simplen Aufgabe abzuholen, die wenig Aufwand erfordert. Ist diese Einstiegsaufgabe erledigt, bleibt nicht selten doch noch Zeit f\u00fcr einen zweiten Versuch. An diesem Punkt kommen Hocker ganz gelegen. So k\u00f6nnen Gespr\u00e4che und eine Gruppendynamik entstehen, ein kleiner Tumult, der wiederum Schaulustige anzieht. Der Ort ist auch nicht unwichtig. Bei der Arbeit \u00abConnecting Dots\u00bb wurde mit dem Lindenhof eine zentral gelegene Oase gew\u00e4hlt. Viele suchen hier einen ruhigen Moment und finden Zeit, sich solche weissen Plakate auch mal genauer zu betrachten und vielleicht sogar einige Punkte zu verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes Beispiel aus dem Stadtzentrum ist \u00abBignik\u00bb, der Aktionsk\u00fcnstler Frank und Patrik Riklin, das jedes Jahr in Degersheim stattfindet. Hier werden Strassen f\u00fcr einen Tag zur Picknickwiese mit \u00fcber zweitausend T\u00fcchern. Diese werden von den Teilnehmenden selbst ausgelegt. Auf der Homepage ist zu lesen: \u00abJe mehr T\u00fccher ausgelegt sind, umso eindr\u00fccklicher das Endergebnis.\u00bb Bei dieser Aktion zeigt sich nochmals die Gruppendynamik. Wer w\u00fcrde schon allein auf der Strasse eine Decke auslegen? Doch in der Gruppe scheint dies kein Kuriosum zu sein. Der Stadtkern wird kurzerhand zur Picknickwiese. Gemeinsam entsteht eine Gesamtkomposition.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunstvermittlung im \u00f6ffentlichen Raum bietet die Chance, \u00fcber sich hinauszuwachsen und ist eine meist sehr willkommene Abwechslung im Alltag. Ein Platz wird zum Museum, Passant:innen werden zu K\u00fcnstler:innen. Teil eines \u00f6ffentlichen Kunstwerks zu sein, mitzuwirken, scheint ein grosses Bed\u00fcrfnis zu sein. Doch diesem steht eine gewisse Skepsis im Weg. \u00abIst es gratis?\u00bb oder \u00abWas passiert damit?\u00bb sind Fragen, die gestellt werden. Haben bereits ein paar Leute mitgemacht oder sind sogar grad damit besch\u00e4ftigt, \u00fcberwiegt das Interesse schnell. Es ist wichtig, die Mitmachenden nicht zu \u00fcberfordern, sondern ihnen zu zeigen, welche k\u00fcnstlerische F\u00e4higkeiten in ihnen steckt. Eine simple Technik kombiniert mit einer einfachen Aufgabe f\u00fchrt schnell zu Begeisterung. Pl\u00f6tzlich stellt sich nicht mehr die Frage des Mitmachens, sondern jene, wie konzentriert arbeitenden Teilnehmer:innen am besten gesagt werden kann, dass jetzt dann eigentlich Feierabend ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>N&#8217;doua Bossard: Ich w\u00e4re gern&#8230; Portraitgeschichten <\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"FS22 Kooperation Gewerbemuseum Winterthur &amp;ndash; Ich wa\u0308re gern &amp;hellip; &amp;ndash; N&amp;rsquo;Doua Bossard\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/718268865?h=f45efb979c&amp;dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"840\" height=\"473\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>I<strong>ch w\u00e4re gerne\u2026 <br>\u2026als Strassenk\u00fcnstler in der Kunstvermittlung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was geschieht, wenn man als Kunstvermittler:in die Institution verl\u00e4sst und sich in den \u00f6ffentlichen Raum begibt? Welche Mittel k\u00f6nnen eingesetzt werden, um mit einem bestehenden und neuen Publikum in einen Dialog zu treten?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mein Projekt im \u00f6ffentlichen Raum befasste ich mich mit der Popul\u00e4rfigur des Strassenk\u00fcnstlers. Geplant war eine Aktion, bei der ich als Strassenk\u00fcnstler auf Menschen im \u00f6ffentlichen Raum zugehe und versuche, mit ihnen ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gewerbemuseum Winterthur findet derzeit eine Ausstellung zum Thema Bilderb\u00fccher statt. Diese werden oft von Kindern gelesen bzw. angeschaut. In der Kindheit stellt man sich immer wieder vor, wie es w\u00e4re, eine andere Figur zu sein. Es kann ein Tier, ein:e Superheld:in oder ein Traumberuf sein. Kinder m\u00f6gen Rollenspiele. Beim Erwachsenwerden nehmen diese Rollenspiele wieder ab oder werden vielleicht gar nicht mehr gemacht. Die Wunschvorstellungen von sich selbst existieren noch, aber sie werden nicht mehr ausgelebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen sollten sich wieder in ihr kindliches Selbst zur\u00fcckversetzen und mir sagen, was sie gerne w\u00e4ren und ich versuchte diesen Aussagen eine gestalterische Form zu geben. Die Schwierigkeit dabei war, Menschen zu finden, die willig waren, an meinem Projekt teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Projekt sprach ich nur Menschen im \u00f6ffentlichen Raum an, welche meiner Meinung nach Interesse zeigen k\u00f6nnten. Es wurden so allerdings nur Personen erreicht, die sich auf ein solches Vermittlungsprojekt mit k\u00fcnstlerischen Mitteln einlassen wollten. Es sollte aber die Aufgabe von Vermittlung im \u00f6ffentlichen Raum sein, viele Menschen abzuholen, zum Nachdenken zu bringen und ihnen so einen Zugang in die Welt der K\u00fcnste zu erm\u00f6glichen. Kunst und Kunstvermittlung soll nicht nur kunstaffine und -begeisterte Menschen erreichen, sondern alle. Kunstvermittlung im \u00f6ffentlichen Raum hat genau dieses Potential. Losgel\u00f6st von Institutionen kann Kunstvermittlung viel besser Menschen erreichen und dazu anregen, an \u00abProjekten\u00bb oder \u00c4hnlichem zu partizipieren. Es wird kein Unterschied gemacht zwischen den Menschen. Jede Person kann das sehen, was sie sehen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunstvermittlung kann die vier W\u00e4nde des Museums verlassen und sich in einem neuen Setting erproben. Die g\u00e4ngigen Vermittlungsformen, bei denen eine Institution vorgibt, wie die Vermittelnden den Ort gegen aussen repr\u00e4sentieren sollen, mit befugten und unbefugten Sprecher:innen (Affirmative Vermittlungsform<sup>1<\/sup>), kann ver\u00e4ndert werden. Zusammen mit dem Publikum kann die Institution kritisch hinterfragt werden (Dekonstruktive Vermittlungsform<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>) oder das politische und gesellschaftliche Verst\u00e4ndnis der Institutionen kann ver\u00e4ndert und erweitert werden (Transformative Vermittlungsform<sup>1<\/sup>).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunstvermittlung kann mit Hilfe des \u00f6ffentlichen Raumes, viele verschiedene Menschen erreichen, bilden und schlussendlich f\u00fcr die K\u00fcnste begeistern (Reproduktive Vermittlungsform<sup>1<\/sup>). Es kann ein Zugang in eine etwas verschlossene Welt, welche sich als offen bezeichnet, verschafft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00f6ffentliche Raum birgt ein riesiges Potenzial f\u00fcr die Kunstvermittlung. Es kann nicht nur ein neues Publikum erreicht werden, sondern es k\u00f6nnen neue Konzepte und Formen der Kunstvermittlung erprobt werden. Kunstvermittler:innen k\u00f6nnen sich k\u00fcnstlerischer Mittel bedienen, um so ein neues Publikum zu generieren. Die Herausforderung dabei ist, m\u00f6glichst inklusiv zu sein und niemanden auszuschliessen, um so die Kunstwelt f\u00fcr alle zug\u00e4nglicher zu machen. Kunstvermittler:innen k\u00f6nnen aus Vermittlungsprojekten im \u00f6ffentlichen Raum viel \u00fcber sich selbst lernen und an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> M\u00f6rsch, Carmen: Am Kreuzpunkt von vier Diskursen: Die documenta 12 Vermittlung zwischen<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">I<strong>laria Fosca: Hintergrundgschicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"FS22 Kooperation Gewerbemuseum Winterthur &amp;ndash; Hintergrundgschicht &amp;ndash; Ilaria Fosca\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/718269824?h=e95049c94e&amp;dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"840\" height=\"473\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Museumsvermittlung mit anekdotischem Ansatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Inwiefern kann einem breiten Publikum \u2013 unabh\u00e4ngig von Alter, Bildung und Herkunft \u2013 ein Zugang zum Museum bzw. zur Thematik der Ausstellung erm\u00f6glicht werden? Im Folgenden gehe ich auf Faktoren ein, welche Hemmungen und Schamangst im Museum verursachen und erl\u00e4utere mit dem anekdotischen Ansatz eine Herangehensweise, wie man dieser Problematik entgegenwirken k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Museale Normen<\/p>\n\n\n\n<p>Der Museumsbesuch ist f\u00fcr viele Menschen mit Assoziationen verkn\u00fcpft, bestimmte Verhaltens- und Kommunikationsregeln einhalten zu m\u00fcssen, um den vermeintlich musealen Normen gerecht zu werden. Eine tiefsitzende Hemmung durch untypisches Verhalten Bildungsl\u00fccken zu offenbaren. Aber auch partizipative Kunstgespr\u00e4che k\u00f6nnen bei den Besucher:innen zu Unbehagen f\u00fchren \u2013 etwa dann, wenn eine Ungewissheit \u00fcber die Einordnung von Kunstwerken besteht oder K\u00fcnstler:innen nicht identifiziert werden k\u00f6nnen. Solche Erlebnisse im Museum k\u00f6nnen eine pr\u00e4gende Schamangst ausl\u00f6sen, die nicht nur mit dem k\u00fcnstlerischen Fachwissen (bzw. Nichtwissen) verkn\u00fcpft ist, sondern auch mit gesellschaftlichen Milieus und sozialen Schichten. Demzufolge ist nicht zwingend ein Desinteresse an der ausgestellten Kunst vorhanden. Oftmals ist es der verankerte Habitus im Museum, wie es auch in \u201eDas Museum \u2013 Ein Ort der Reflexion, nicht der Sensation\u201c von Hans Belting beschrieben und mit dem der Kirche verglichen wird, der die Leute von einem Museumsbesuch abh\u00e4lt oder gar abschreckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zug\u00e4nglichkeit durch Anekdoten<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Erinnern von Begegnungen, Orten und Erlebnissen bez\u00fcglich Bilderb\u00fcchern habe ich versucht, Leute diverser Altersstufen auf pers\u00f6nlicher Ebene zu begegnen \u2013 losgel\u00f6st von richtig und falsch, von Wissen und Unwissen. Anekdoten werden grunds\u00e4tzlich gerne erz\u00e4hlt und weitergegeben, da sie mit pr\u00e4genden, individuellen Erinnerungen und Emotionen verbunden sind. Die eigenen Ber\u00fchrungspunkte mit der Thematik hinterfragen, diese teilen und eine pers\u00f6nliche Bedeutung herstellen; eine Einstiegsform in einen Themenbereich, der keine spezifischen Fachkompetenzen erfordert und daher, so meine Erfahrungen im Zuge des Projektes, gut zug\u00e4nglich ist. Durch das Sammeln von Assoziationen und Anekdoten soll den Partizipant:innen ein (pers\u00f6nlicher) Zugang zur Thematik erm\u00f6glicht und das Interesse f\u00fcr die museale Ausstellung geweckt werden. Meiner Erfahrung nach freuen sich die Leute einerseits sehr dar\u00fcber, wenn aktiv nach ihren Erfahrungen gefragt wird, man ihnen aufmerksam zuh\u00f6rt und auf die Antworten eingeht. Andererseits hat dieser Austausch bei vielen auch Fragen zur Thematik aufgeworfen. Ein guter Ankn\u00fcpfungspunkt, um sich vertieft mit dem Thema auseinanderzusetzen und beispielsweise die Ausstellung zu besuchen. Trotz allem sind Anekdoten \u00e4usserst privat und intim. Umso wichtiger ist die Methode der Vermittlungsarbeit: Das transparente Aufzeigen, worum es sich handelt, sowie das gezielte Formulieren der Fragen sind entscheidend, um das Vertrauen zu gewinnen. Durch diese besucherorientierte Herangehensweise findet man nicht nur heraus, welche Ber\u00fchrungspunkte, Interessen und Fragestellungen die Leute mitbringen, sondern gibt ihnen das Gef\u00fchl, dass sie willkommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Belting, Hans (2002): Das Museum. Ein Ort der Reflexion, nicht der Sensation; J. G. Cotta\u2018sche Buchhandlung Nachfolger GmbH<br>Saehrendt, Christian (2018): Bin ich bl\u00f6d, wenn ich mich im Museum langweile?; Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Daniel Gerzner: Wallet Stories<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"FS22 Kooperation Gewerbemuseum Winterthur &amp;ndash; Wallet Stories &amp;ndash; Daniel Gerzner\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/718273657?h=a42de09d60&amp;dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"840\" height=\"473\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Museum digitalisieren<br>Das Potential der neuen Medien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Kooperationsprojekt wurde mir der Wert der sozialen Plattformen neu bewusst. Die Reichweite, welche erreicht werden kann, und die M\u00f6glichkeiten eines guten, ansprechenden digitalen Auftritts darf nicht untersch\u00e4tzt werden, auch in Bezug auf ein Museum.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit meinem Instagram-Account konnte ich in kurzer Zeit \u00fcber hundert Followers generieren. Die Zahl ist sehr stark abh\u00e4ngig von der eigenen Aktivit\u00e4t auf der Plattform. Was mir besonders auffiel: Die Reichweite von den Reels, welche ich zus\u00e4tzlich zu den Videos erstellt habe. Die Reels auf Instagram sind eine neue Ebene an Inhalt. Die vertikalen Videos d\u00fcrfen maximal eine Minute lang sein und sind daher sehr schnelllebig. Auf der Plattform gibt es extra einen Bereich, wo nur diese abgespielt werden. Dabei k\u00f6nnen auch frische und unbekannte Beitr\u00e4ge hineinrutschen. Auch wenn ein solches Reel ein zus\u00e4tzlicher Aufwand war, spricht die Anzahl der erreichten Accounts f\u00fcr sich. Ich erkannte w\u00e4hrend der Zeit, in welcher ich meinen Account aktiv f\u00fchrte, dass mit etwas Aufwand ein Medium geschaffen werden kann, welches ansprechend, frisch und relevant sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Umsetzung muss man auf einige Faktoren achten, damit man das Beste herausholt. Es braucht eine einheitliche Bildsprache. Oft sieht man Accounts, welche auf den ersten Blick sehr unruhig sind. Jeder Beitrag, jede Schriftwahl \u2013 grunds\u00e4tzlich alles muss in ein erdachtes Konzept passen, was im ersten Schritt v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Inhalt ist. Ich habe dies bei meinem Account mit Hilfe der drei Grundfarben gemacht. Mit mehr Aufwand h\u00e4tte ich die handgeschriebene Schrift noch h\u00e4ufiger einbringen k\u00f6nnen. Mit der Bildsprache verbunden ist der Inhalt. Passen die beiden zusammen? Welche Zielgruppe habe ich? Es ist wichtig, dass man sich m\u00f6glichst klar abgrenzt und inhaltlich, wie auch visuell, eine klar definierte Gruppierung als Ziel setzt. Dieser Inhalt muss klar ersichtlich sein. Wenn jemand auf den Account klickt, muss dieser in kurzer Zeit erkennbar sein. Doch was ist nun ein guter oder passender Inhalt? Ich glaube nicht, dass es eine klare Antwort darauf gibt. Meiner Meinung nach ist die Authentizit\u00e4t sehr gefragt. In meinem Fall w\u00e4ren gestellte Videos, welche ich im Vorfeld geskriptet h\u00e4tte, vielleicht manchmal etwas knackiger und gef\u00fcllter, aber nicht authentisch gewesen. Ich musste mich regelm\u00e4ssig in dieses Spannungsfeld begeben, als ich die Videos schnitt. Wie viel darf und m\u00f6chte ich zu Gunsten der Dynamik der Videos wegschneiden und k\u00fcrzen? Vor allem bei den Reels, welche nur eine Minute lang sein d\u00fcrfen, stand ich immer wieder vor einer Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Regelm\u00e4ssige Posts sind ein wichtiges Element. Dabei muss man auf die Aktivzeiten der Follower achten, nicht dass der Post auf der Startseite zu stark nach unten rutscht. Die eigene Aktivit\u00e4t ist auch sehr entscheidend. Je mehr man kommentiert, liked, teilt, etc. desto hochwertiger stuft Instagram den eigenen Account ein. Nun kommt das Medium noch ins Spiel. Mit Stories erreicht man sehr gut die eigenen Abonnenten, wobei mit Reels auch viele neue Accounts dazukommen. Die Frage ist jedoch im Raum, ob mit diesem Auftritt wirklich eine Vermittlung passiert, oder ob lediglich Likes und Views gesammelt werden. Ich hatte bei einem Reel 1\u2018890 Views und dennoch nur zwei Likes. Aus dieser grossen Zahl entstand nicht gleich eine Community. Zahlen sagen viel aus, dennoch ist es wichtig, darauf zu achten, auf welche Zahlen man schaut und welchen nachgejagt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Malvina Artheau in ihrem Essay schreibt, ist es heute essenziell, dass kunstvermittlerische Organisationen sich mit der digitalen Welt auseinandersetzen. Was f\u00fcr die Institutionen schliesslich von Nutzen ist und was umgesetzt wird, muss immer noch selbst entschieden werden. Meiner Meinung nach, mitunter durch diese Erfahrung des Kooperationsprojekt beeinflusst, k\u00f6nnen und m\u00fcssen die sozialen Medien noch viel mehr und st\u00e4rker genutzt werden. Dies w\u00fcrde jedoch Personal fordern, welches sich ausschliesslich um diesen Bereich k\u00fcmmern. Das Potential in den sozialen Medien muss auf eine neue Art und Weise benutzt werden. Sonst passiert dasselbe, was Artheau gut beschreibt: \u201eLetztlich ist das Digitale nichts anderes als ein neuer Lack, der lediglich dazu dient, das bisher Begonnene weiterzuverfolgen, ohne dass dabei eine echte Entwicklung in den Praktiken vollzogen wird.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>\u201c Doch wenn die Chancen gesehen und mit einer Offenheit f\u00fcr das Neue und einer Freude am Entdecken angegangen werden, k\u00f6nnen die Sozialen Medien zu einem starken und wichtigen Werkzeug werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/vermittlungdesign\/wp-admin\/post.php?post=328&amp;action=edit#_ftnref1\">[1]<\/a> Malvina Artheau, Der Einfluss der digitalen Welt auf die Kulturvermittlung, S.53<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kooperation des BA Art Education mit dem Gewerbemuseum Winterthur F\u00fcr die Ausstellung \u00abBilderb\u00fccher: illustriert &amp; inszeniert\u00bb im Gewerbemuseum Winterthur entwickelten die Studierenden des 6. 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