{"id":429,"date":"2025-01-01T16:12:17","date_gmt":"2025-01-01T15:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/vermittlungdesign\/?page_id=429"},"modified":"2025-01-01T20:40:23","modified_gmt":"2025-01-01T19:40:23","slug":"perfectly-imperfect","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/vermittlungdesign\/perfectly-imperfect\/","title":{"rendered":"Perfectly Imperfect"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine Kooperation des BA Art Education mit dem Gewerbemuseum Winterthur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Ausstellung \u00abPerfectly Imperfect \u2013 Makel, Mankos und Defekte\u00bb im Gewerbemuseum Winterthur haben die Studierenden des 6. Semesters Bachelor Art Education der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste digitale und analoge Vermittlungsprojekte entwickelt. Sie haben sich mit versteckten Winterthurer Sehensw\u00fcrdigkeiten, abgegessenen Tellern, dem &#8222;pretty privilege&#8220;, Macken, M\u00f6deli und Marotten, verlassenen Dingen, pers\u00f6nlichen Erlebnissen und lokalen Handwerks-Traditionen befasst. <\/p>\n\n\n\n<p>Anna-Brigitte Schlittler und Eva Wandeler, Dozentinnen <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Delaor Ali: Zu sch\u00f6n, um b\u00f6se zu sein <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ne Menschen haben es einfacher im Leben. Sie haben h\u00f6here L\u00f6hne, werden mit positiveren Eigenschaften konnotiert, ihnen werden Fehler eher verziehen, sie werden mehr gef\u00f6rdert, und sie werden vor Gericht weniger hart bestraft. Zahlreiche Studien zeigen auf, dass als sch\u00f6n empfundene Menschen bevorzugt behandelt werden. Was mich interessiert, ist, wie verschiedene Menschen dieses Ph\u00e4nomen in ihrem Alltag bemerken und erfahren. Dazu habe ich f\u00fcr mein Vermittlungsprojekt, im Zusammenhang mit der Ausstellung \u00abPerfectly Imperfect\u00bb des Kunstgewerbemuseums Winterthur, verschiedene Personen zu diesem Thema interviewt.<br>Damit sich meine Interviewpartner:innen zu pers\u00f6nlichen Fragen \u00f6ffnen, war es mir zuerst wichtig, eine zur\u00fcckhaltende, nicht wertende und neutrale Rolle als  Interviewer einzunehmen. Schnell bemerkte ich jedoch, dass die Interviewsituation so zu formell wurde und sich die Personen nicht \u00f6ffneten. Hinzu kam, dass ich mit einem Mikrofon interviewte, was den formellen Charakter verst\u00e4rkte. Um eine ausgelassenere und informellere Situation zu schaffen, habe ich zwei \u00c4nderungen vorgenommen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Interviews wurden durch Lavalier-Mikrofone aufgenommen, die kabellos an mein Handy angeschlossen waren. So wurde die Technik unsichtbar.<\/li>\n\n\n\n<li>Bevor die Interviews begannen, habe ich den Personen zun\u00e4chst einige Informationen und Fakten zum Thema n\u00e4hergebracht und danach kurz von meinen Erfahrungen und Geschichten aus meinem Alltag und der Vergangenheit berichtet. Dieser kurze Monolog zu Beginn machte das Gespr\u00e4ch menschlicher und gab ihnen einen ersten Einblick, wie ich mir das Interview mit ihnen vorstellte.<br><br>Nach dem Einstieg lie\u00df ich ihnen einen kurzen Moment Zeit, das Geh\u00f6rte zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Daraufhin begannen sie, das Erste zu sagen, was ihnen durch den Kopf schoss. Ich \u00fcberliess es ihnen, wor\u00fcber sie sprechen wollten, und ging darauf ein. Dies f\u00fchrte dazu, dass die Interviews nur teilweise die Fragen beantworteten, die ich geplant hatte, jedoch kamen andere interessante Themen auf. Bez\u00fcglich meiner zuk\u00fcnftigen T\u00e4tigkeit als Lehrperson lehrte mich diese Erfahrung, auch Offenheit gegen\u00fcber spontanen Richtungswechseln innerhalb eines Projekts zu akzeptieren und nicht auf meinen eigenen Vorstellungen zu beharren.<br><br>Ein weiterer Punkt, der dazu f\u00fchrte, dass die Interviews nicht so verliefen, wie ich sie konzipiert hatte, war die Definition des Wortes \u00abSch\u00f6nheit\u00bb. In Studien wird eine sch\u00f6ne Person als eine von der Mehrheit \u00fcberdurchschnittlich bewertete Person bez\u00fcglich des Aussehens definiert. Dazu wurden meist Standbilder benutzt, und die befragten Personen kannten die zu bewertende Person nicht. Dies f\u00fchrte zu Unklarheiten, wor\u00fcber genau gesprochen wird, was wiederum dazu f\u00fchrte, dass die Definition von Sch\u00f6nheit zum Thema in den Interviews wurde, was interessant war.<br><br>Nach den Interviews ging es darum, das Material in eine Form zu bringen, die f\u00fcr eine \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich ist. Ich entschied mich, die Interviews auf einer rein auditiven Ebene zu pr\u00e4sentieren, da es koh\u00e4rent zum Konzept der Arbeit war. Ich habe die verschiedenen Audios zusammengeschnitten und versucht, eine Dramaturgie aufzubauen, die die H\u00f6rer:innen von einem Thema ins n\u00e4chste f\u00fchrt. Am Ende des Audios h\u00f6rt man, wie ich dar\u00fcber erz\u00e4hle, zu welchen Erkenntnissen ich durch die Interviews gekommen bin und welche Fragen f\u00fcr mich offen geblieben sind.<br><br>Um die Arbeit zug\u00e4nglich zu machen, habe ich kleine Karten erstellt, auf denen auf der Vorderseite verschiedene Fragen stehen, die auch in den Interviews behandelt wurden. Beispielsweise: Ist es dir wichtig, auf andere sch\u00f6n zu wirken? Hat dir dein Aussehen schon mal Vorteile oder Nachteile gebracht? Haben es sch\u00f6ne Menschen einfacher im Leben? Dies sollte der Einstieg in die Arbeit sein und einen pers\u00f6nlichen Bezug zur Arbeit herstellen.<br>Mit diesen Fragen habe ich ebenfalls den Einstieg w\u00e4hrend der F\u00fchrung gemacht, was sehr gut geklappt hat. Auf der R\u00fcckseite der Karten fand sich die Beschreibung des Projekts und ein QR-Code, der es erm\u00f6glicht, das Audio zu h\u00f6ren. Die Karten wurden im Caf\u00e9 und am Eingang des Kunstgewerbemuseums zug\u00e4nglich gemacht. Schon w\u00e4hrend des Projekts habe ich gemerkt, dass die vermittelnde Qualit\u00e4t des Projekts in den Gespr\u00e4chen selbst lag, was mich zur Frage brachte, ob Vermittlungsarbeit immer eine \u00d6ffentlichkeit braucht. Ja, die braucht es immer, aber ich habe schlicht die falsche Form gew\u00e4hlt, sie \u00f6ffentlich zu machen. Statt dem Publikum Gespr\u00e4che anderer Personen zu pr\u00e4sentieren, h\u00e4tte ich die Interviews als Grundlage nehmen sollen, um selbst eine Diskussion mit dem Publikum zu starten. W\u00e4hrend der Projektpr\u00e4sentation merkte ich, dass die Begeisterung, \u00fcber dieses Thema zu sprechen, da war. Der Einstieg mit den Fragen, die auf der Vorderseite der Karten stehen, lie\u00df erahnen, welches Potenzial da gewesen w\u00e4re, um eine gr\u00f6\u00dfere Diskussion zu starten. Im Nachhinein w\u00fcrde ich das Vermittlungsprojekt eher wie einen Workshop gestalten, der zum Diskutieren anregen soll, statt das Publikum zum Konsum von Interviews anderer Personen bewegen zu wollen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>S\u00e9verine Antille: Shit happened (here) <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 und hier, hier und hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne scheint uns angenehm ins Gesicht und friedvolle Stille begleitet uns auf unserem Weg. Ein lautloser Wind tanzt durch die Bl\u00e4tter und in mir breitet sich eine Wut aus.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4dte wie Winterthur strahlen durch ihre Idylle. Dies ist kein Zufall: In einem Perfektionswahn wird jedes Geschehen und Bewegen in den St\u00e4dten bis ins kleinste Detail geregelt. Sonnenschirme m\u00fcssen mindestens einen halben Meter Abstand zueinander haben, auff\u00e4lliges Mobiliar ist verboten, alles muss sauber sein. Der \u00f6ffentliche Raum wird vermehrt zu entpersonalisierten Durchgangszonen, zu sogenannten \u00abNicht-Orten\u00bb : Orte, die in Winterthur t\u00e4glich fast 80&#8217;000 Menschen durchqueren, ohne eine pers\u00f6nliche Spur zu hinterlassen. Kommerzialisierte und privatisierte Konsumzonen und penible Bestrebungen nach Ordnung und Sauberkeit verdr\u00e4ngen all die Individuen, die unsere St\u00e4dte erst zum Leben erwecken, in ihren Privatraum. Ihre Geschichten haben zwischen Grossstadtfieber und Dorfidylle keinen Platz. Und trotzdem liegen hinter jeder Fassade oder unter jedem Baum Erinnerungen versteckt, die sich an diese Orte festklammern, auch wenn sie im n\u00e4chsten Morgengrauen wieder weggewischt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gehe ich durch Winterthur, sehe ich nicht nur unschuldigen Frieden, sondern auch verwirrte Jugend und Schmerz. Dieses Caf\u00e9, in dem eine langj\u00e4hrige Freundschaft zerbrach oder dieses eine Fenster, zu dem ich immer in Freude hochsah und es nun nie wieder tun werde. W\u00e4hrend die Altstadt so leer und liebevoll vor mir liegt, sehe ich all diesen Schmerz vor mir und den von wohl tausend anderen \u2013 und die Stadt atmet weiter, als h\u00e4tte es nie irgendetwas davon gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcckaneignung der Stadt<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abShit happened (here)\u00bb nimmt sich wieder Platz und gibt ihn uns zur\u00fcck. Es soll uns das unsichtbare Gewebe all der Geschichten und Emotionen zeigen, die in der Stadt verborgen liegen. Ziel des Projektes war, den Stadtbewohner<em>innen Raum und Mittel zur Auseinandersetzung zur Verf\u00fcgung zu stellen, ohne dabei selbst zu intervenieren. Eine interaktive Online-Map h\u00e4lt all die Geschichten als Erinnerungstagebuch fest, welches durch Besuchende des Gewerbemuseums Winterthur und Passant<\/em>innen via QR-Code gelesen und per E-Mail erg\u00e4nzt werden konnte. Alle Standorte in der Altstadt wurden am Boden mit Kreide und teilweise mit einzelnen, in den Himmel ragenden Ballons markiert. Die Kreidemarkierungen wurden dem Sauberkeitswahn zum Trotz w\u00e4hrend mehreren Tagen t\u00e4glich erneut angebracht und durch neue Standorte neuer Geschichten erg\u00e4nzt. Dabei handelt es sich bei den Geschichten nicht unbedingt um Geschichten der Trauer, sondern um jene, die in uns einen wehm\u00fctigen Stich im Herz hinterlassen, sodass wir uns immer, wenn wir an einer gewissen Stelle vorbeigehen, daran erinnern: Shit, shit happened here.<\/p>\n\n\n\n<p>But what happened here?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verlauf des Projekts nimmt ein forschender und suchender Fokus zu: Welche Geschichten lassen die Menschen nicht mehr los, sodass sie bestimmte Orte noch Jahre sp\u00e4ter damit assoziieren? Welche Geschichten m\u00f6chten Menschen teilen und markieren? Viele Erz\u00e4hlungen handeln von Jugend oder Liebeskummer und es scheint, als w\u00e4ren gewisse Orte Sammelpunkte f\u00fcr schmerzhafte Erinnerungen. Diese Orte sind aber nicht jene, die die Stadt als Aufenthaltsorte vorgesehen hat, sondern meistens unscheinbare Gassen oder Sitzb\u00e4nke. Interessanterweise fand keiner der Geschichten in der Marktgasse, dem belebtesten Ort der Altstadt, oder an grossen Festen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Emotionale \u00e4sthetische Vermittlung im Museum<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbersetzung in den realen, \u00f6ffentlichen Raum fordert von Besucher<em>innen und Passant<\/em>innen einen emotionalen Zugang zum Projekt. Das Projekt lebt von der Anzahl teilweise verletzlicher Einblicke in pers\u00f6nliche Lebensgeschichten. Dies forderte einen gesch\u00fctzten, sorgf\u00e4ltig gestalteten Rahmen der Ruhe, Anonymit\u00e4t und Geborgenheit, um bestenfalls auch etwas Pers\u00f6nliches preisgeben zu wollen, um Teil des Projektes zu werden. Dieser Raum lag im Gewerbemuseum in Form eines iPad\u2019s mit Online-Map auf einem Sockel vor. Das Nachlesen der Geschichten sollte m\u00f6glichst niederschwellig zug\u00e4nglich sein, ohne auff\u00e4llige Inszenierung oder \u00fcberfordernde Mittel. Trotzdem wurden w\u00e4hrend der gesamten Projektzeit keine eigenen Geschichten zu den bestehenden, von mir gesammelten hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ausbleibende Beteiligung im Gewerbemuseum zeigt auf, bis in welche Details vermittlerische Mittel durchgedacht werden m\u00fcssen \u2013 insbesondere, wenn ein emotionaler Zugang ohne menschliche Interaktion erzielt werden will. Woran lag es, dass keine Geschichten hinzugef\u00fcgt wurden? Lag es am iPad, am Standort oder am Wetter? Womit werden iPad und Sockel assoziiert? Wo liegt die perfekte Mitte zwischen unkompliziertem Minimalismus und das Vorgeben eines mentalen Settings? M\u00f6glicherweise m\u00f6chte niemand schmerzhafte Erinnerungen teilen, wenn nebenan geh\u00e4mmert oder gebastelt wird. Oder pers\u00f6nliche Geschichten auf einem kalten Bildschirm eintippen. Vielleicht waren die R\u00e4umlichkeiten zu hell und zu fr\u00f6hlich, oder zu laut und lebendig. Oder es brauchte einfach einen Rahmen, der mehr Raum und Zeit f\u00fcr die Vertiefung in das Projekt l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Begegnungen in der Stadt<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl meine Intention eine anonyme Intervention meinerseits war, um Stadtbewohnerinnen ihren Raum zu \u00fcberlassen und nicht durch meine Person zu beeinflussen, zeigten Begegnungen w\u00e4hrend den Standortmarkierungen und den Projektrundg\u00e4ngen, dass die ausbleibende Beteiligung nicht an fehlendem Interesse f\u00fcr das Projekt lag. Die einfachen, allein fliegenden Ballons zogen grosse Aufmerksamkeit auf sich und Menschen erz\u00e4hlten von eigenen Erinnerungen, Meinungen zum Anspruch auf Sauberkeit, Privatsph\u00e4re und dem Wunsch, am Stadtleben teilzunehmen. Es scheint, als br\u00e4uchte es zus\u00e4tzlich zum mental isolierten Raum als Ausgangslage, um sich auf emotionaler Ebene auf das Projekt einlassen zu k\u00f6nnen, ebenfalls einen \u00f6ffentlichen Raum f\u00fcr den Austausch. Die Stadtbewohnerinnen m\u00f6chten nicht wieder mit ihren Stadtgeschichten im Privatraum alleingelassen werden, sondern das Netz der Erinnerungen gemeinsam mit anderen aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt l\u00e4sst sich als vermittlerisches Experimentierfeld, als soziale Forschung oder aber auch als Stadttagebuch immer weiter denken. Die Thematik scheint bei vielen ins Schwarze zu treffen und zeigt den Wunsch auf, sich in einer anonymisierten Masse mitzuteilen und zur\u00fcck zur Verbundenheit zur Stadt sowie zu ihren Menschen zu finden. St\u00e4dte brauchen diese Tageb\u00fccher genauso wie ihre Archive, um ihre Geschichten \u00fcber die Zeit festzuhalten. Vielleicht in Form von festen Installationen, m\u00f6glicherweise aber liegt die W\u00e4rme darin gerade in der Geborgenheit des Fl\u00fcchtigen. Trotz perfekten Hausfassaden und verst\u00e4rkter Homogenisierung sind wir hier und leben wir hier, als Gemeinschaft wie auch als Individuen.<br>Und wir brauchen Platz.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Florian Berger und No\u00ebmi Zingg: Pssst! Fl\u00fcstergeschichten \u00fcber Macken, M\u00f6deli und Marotten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Projekt<br>Wir alle haben sie. Durch den Alltag begleiten sie uns. Doch trotz derer Pr\u00e4senz in unserem Leben, sprechen wir kaum dar\u00fcber. Macken, M\u00f6deli und Marotten sind kleine Gewohnheiten, die unsere menschliche Imperfektion perfektionieren.<br>Aus diesem Grund machten wir es zu unserer Aufgabe, Geschichten verschiedenster Personen zusam-menzutragen. Macken, M\u00f6deli und Marotten wurden als Audio gesammelt, bearbeitet, mit einer Il-lustration hinterlegt und dann unter unserem Instagram-Account @pssstmamoma ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Strassen<br>Doch wie empfanden wir die Erfahrung zu diesen Audios zu kommen? Ein Teil der Sammlung wurde uns von Personen per WhatsApp zugestellt, die wir dazu aufgefordert hatten. Die meisten Aufnahmen stammen von Passant:innen aus den Strassen von Winterthur. Wir begaben uns in Blau bekleidet auf die Strasse und sprachen unterschiedliche Menschen an. Mit uns trugen wir ein Mikrophon, eine Kamera f\u00fcr die Dokumentation und Visitenkarten. Wir machten relativ schnell die Beobachtung, dass einige Personen mit Blick auf unser Equipment in eine Abwehr-haltung gerieten. Auf das Mitnehmen der Kamera verzichteten wir von da an. Und das Mikrophon nahmen wir erst hervor, wenn angesprochene Passant:innen einer Teilnahme zugestimmt hatten. Wir gaben ihnen immer eine Visitenkarte mit, unabh\u00e4ngig der Partizipation. Eine weiterer wichtiger Punkt war das relativ baldige Erw\u00e4hnen der Kooperation. Wir machten die Erfahrung von positiven und zug\u00e4nglichen Reaktionen, sobald wir den Bezug zum Gewerbemuseum Winterthur herstellten.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Eine oft auftretende Situation war, dass den von uns angesprochenen Personen keine Beispiele in den Sinn kamen. Sie waren offen und fanden Interesse an unserem Projekt, konnten uns jedoch keine Ge-schichte \u00fcber eigene Alltagsmarotten erz\u00e4hlen. An was lag das? Waren sie sich selber nicht bewusst, was f\u00fcr Gewohnheiten sie hatten? F\u00fchlte sie sich unter Druck und konnten auf die Schnelle kein Beispiel hervorrufen? Wir versuchten wie folgt mit der Situation umzugehen. Erst wurden eigenen Beispiele gebracht, um so m\u00f6gliche Denkprozesse anzuregen. Funktionierte das nicht, boten wir einen weiteren Versuch zehn Minuten sp\u00e4ter an. Diese Strategien klappten manchmal und manchmal auch nicht. An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob wir dort einen anderen, effizienteren Umgang h\u00e4tten finden k\u00f6nnen? Oder ist das Teil der vermittlerischen Arbeit?<br>\u2003<\/p>\n\n\n\n<p>Wen sprachen wir an?<br>Wir setzten uns nicht wirklich ein Fokus, wenn es um auserw\u00e4hlte Passant:innen ging. Wir versuchten uns offen und spontan in diesen Austausch zu begeben und machten uns diesbez\u00fcglich auch nicht viel Gedanken. Wir bemerkten trotzdem gewisse Muster, die doch eine grosse Relevanz im Vermittlungs-kontext haben. Ein Grossteil der Sammlungsbeispiele stammt von FLINTA-Personen. M\u00e4nnlich gelese-ne Personen sind zwar vertreten, aber deutlich in der Minderheit. Es ist schwierig heraus zu deuten, ob FLINTAs einfach mehr auf das Projekt eingingen und offener f\u00fcr eine Teilnahme waren, oder ob wir tendenziell weniger m\u00e4nnlich gelesene Personen ansprachen.<br>Auch befanden wir uns ein-zwei Mal in Situationen, in welchen wir Stereotypen auf Passant:innen projiziert haben, die durch gesellschaftlicher Pr\u00e4gung in uns verankert sind. Es kamen Hemmungen in uns auf. Wir schrieben Personen geringere Deutsch-Kenntnissen zu und hatten Angst, diese zu \u00fcberfor-dern und vielleicht auch blosszustellen und daraus resultierte, dass wir sie nicht ansprachen. Doch die Vermittlung ist ja gerade dazu da, Br\u00fccken zu schlagen. Wie k\u00f6nnen wir in Zukunft unsere Hemmun-gen \u00fcberwinden und diese Br\u00fccken schlagen? Reicht ein \u201eIns-kalte-Wasser-st\u00fcrzen\u201c und sich einfach in die Situation zu begeben? Oder k\u00f6nnen wir gewisse Strategien aufbringen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das richtige Medium<br>Im Verlaufe des Prozesses begannen wir immer intensiver das Medium zu hinterfragen. Wir w\u00e4hlten als Sammlungsplattform Instagram. Mit dieser App hatten wir die Chance, t\u00e4glich einen Beitrag zu posten und eine gewisse Reichweite zu generieren. Trotzdem exkludierten wir durch die Wahl des Mediums Personen, die keinen Account besitzen. W\u00e4re eine Webseite passender gewesen? Oder w\u00e4re eine analoge Sammlung angebracht gewesen? Mit Blick zur\u00fcck sind wir auch der Meinung, dass das Potential der Illustrationen nicht im vollen genutzt wurden. Beispielsweise h\u00e4tten wir das Sammeln auf eine analoge Ebene in Form von Postkarten bringen k\u00f6nnen. Auf der Vorderseite die Illustration und auf der R\u00fcckseite die dazugeh\u00f6rige Macke. Das w\u00e4re eine m\u00f6gliche Umsetzung gewesen.<br>Auch machten wir uns \u00fcber l\u00e4ngere Aufnahmesequenzen Gedanken, beispielsweise in Form eines Podcasts. Vielleicht h\u00e4tten so auch ausf\u00fchrlichere Gespr\u00e4che \u00fcber Alltagsgewohnheiten entstehen k\u00f6nnen. Beispielsweise im Sinne von:\u201c Ich esse den Salat immer vor der Hauptspeise\u2026\u201c \u201eAch, wirk-lich? Ich esse ihn immer danach. Ich esse ihn gerne in dem Teller, in welchem die \u00dcberreste der Hauptmahlzeit sind\u2026\u201c. \u201eLustig, diese \u00dcberlegungen mache ich gar nicht, da ich nicht gerne Salat und eine Mahlzeit in Kombination esse. Ich esse entweder einfach die Mahlzeit, oder einen grossen, reich-haltigen Salat!\u201c. F\u00fcr diese Art von Austausch hatte unser Konzept nicht die richtige Veranlagung und das w\u00e4re vielleicht einen Weg, den man weiter einschlagen k\u00f6nnte. Dies sind rein hypothetische \u00dcberlegungen, die sich auf Erfahrungen aufbauen und potentielle Vermittlungsprojekte in Zukunft fruchtbare Konzepte bieten.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist uns gut gelungen<br>Mit Blick zur\u00fcck auf uns Kooperationsprojekt sprechen wir und sehr positiv \u00fcber folgende Aspekte aus. Die von Florian erarbeiteten Illustrationen werteten die Geschichten visuell sehr auf und bringen einen sehr zutreffenden Charme, wie auch eine humorvolle Beinote in die Beitr\u00e4ge. Mit einher geht die Cooperate Identity, die wir uns von Anfang an als roter Faden festgelegt hatten. Von Logo \u00fcber die Kleidung bis zum Hintergrund der Illustrationen, wurde das gleiche Blau verwendet und begleitete uns durch die Vermittlungsprozesse.<br>Wir empfanden uns als ein gut funktionierendes Team, dass viel Wert auf Kooperation und Kommu-nikation legte. Es war stets ein r\u00fccksichtsvoller Umgang zwischen uns feststellbar. Meinungen und Hal-tungen durften ausgesprochen werden.<br>Bei der Arbeitsaufteilung versuchten wir immer eine gute Balance zu halten, was nicht immer so ein-fach war. Doch wir fanden den Rank, indem Florian die Illustrationen erstellte, wir beide die Audio-dateien bearbeiteten und No\u00ebmi das Posten \u00fcbernahm. Wir versuchten t\u00e4glich, gegen Abend, einen Beitrag auf Instagram zu laden und anschliessend in der Story anzuwerben. Die Arbeitsaufteilung gelang uns somit recht gut.<br>Der h\u00f6chste Stellenwert hatte f\u00fcr uns die Freude am Projekt und die gemeinsame Arbeit. Gegen\u00fcber dem Resultat selber teilen wir sehr positive Gef\u00fchle und eine gesunde Zufriedenheit. Wir empfinden es als ein gelungenes Projekt, in welchem wir viel lernten, sei das im Kontext der Vermittlung oder der eigenen Verhaltensweisen.<br>Macken, M\u00f6deli und Marotten wurden zu einer reichhaltigen Sammlung zusammengetragen. Wir alle haben sie. Sie machen unsere menschliche Imperfektion umso perfekter. Ein guter Grund, um uns \u00fcber sie auszutauschen. Die Geschichten sind nach wie vor auf @pssstmamoma abrufbar.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Stephanie Furrer: Wo ist Was? &#8211; Wimmelbild in Winterthur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Zusammenarbeit mit dem Gewerbemuseum habe ich als Studentin der ZhdK eine Karte kreiert und sie an mehreren Standorten in Winterthur verteilt. Die \u201eWo ist Was?\u201c-Erlebnisstadtkarte ist eine analoge Papierstadtkarte von der Altstadt Winterthur. Sie ist inspiriert von Erlebnisstadtkarten f\u00fcr Tourist:innen. Aber anstatt typische Sehensw\u00fcrdigkeiten, die man in Winterthur erwarten w\u00fcrde, wie etwa der Justitia Brunnen, die Stadtkirche Winterthur, das Waaghaus oder die Alte Kaserne, verweist die \u201eWo ist Was?\u201c-Erlebnisstadtkarte auf Kleinigkeiten, die nicht in das Bild einer perfekten Stadt passen, die es aber wert sind, erlebt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Abstract<br>Worauf achten Sie als Touristin, wenn Sie neu in einer Stadt sind? Klappern Sie verschiedene Sehensw\u00fcrdigkeiten ab? Oder suchen Sie Verstecktes? Mit der \u201eWo ist Was?\u201c Erlebnisstadtkarte, einem Stift, Ihren Augen, Ohren und Ihrer Nase k\u00f6nnen Sie sich auf die Suche nach Kleinigkeiten, Kuriosem und Skurrilem machen, die Ihnen im Normalfall entgehen w\u00fcrden. Die Karte ist gratis und liegt an folgenden Orten in Winterthur auf: Gewerbemuseum Winterthur, Sammlung Winterthur, Stadtbibliothek Winterthur, Buch am Platz Genossenschaft, Emita Creativ Center und liv&#8217;in&#8217;colors &#8211; us Winti &#8211; f\u00fcr Winti. Recherche Alles fing mit einer Faszination f\u00fcr Insekten, Krabbeltiere und Ekligem an. Ich begab mich sowohl auf einer Internetrecherche, als auch einer Begehung in der Altstadt Winterthur vor Ort. Ich interessierte mich vor allem f\u00fcr Orte, an denen besonders viele Insekten gesehen werden konnten. Ich fragte mich: Gibt es in Winterthur ein Insektenverein? Insektenz\u00fcchter? Einen botanischen Garten? Gro\u00dfe Entsorgungsh\u00f6fe mit viel Gr\u00fcnabfall? Durch die kalten Temperaturen im M\u00e4rz und April gestaltete sich die Suche allerdings als schwieriger als gedacht So fand ich Orte, an denen theoretisch gesehen Insekten zu finden w\u00e4ren, wie etwa Blumen in einem Park, modrige Asthaufen in einer Hecke oder auch M\u00fcllcontainer mit K\u00fcchenabf\u00e4llen, aber durch die K\u00e4lte waren die Insekten versteckt. Nichtsdestotrotz er\u00f6ffneten mir die vielen Stadtrundg\u00e4nge in Winterthur dennoch eine andere Sichtweise auf die Stadt, vor allem f\u00fcr Banales, Skurriles und auch gar H\u00e4sslichem und Ekligem. Jeder Ort, der mich faszinierte, fotografierte ich mit meinem Smartphone, gleichzeitig schrieb ich mir den genauen Standort auf. Mit der Zeit \u00f6ffnete ich mein Themengebiet, entfernte mich von den Insekten. So schaute ich in viele M\u00fclleimer, \u00f6ffnete die Deckeln von \u00d6lsammelstellen, watete durch Dickicht oder schlich durch Hinterh\u00f6fe. Ich entdeckte viele kleine Sachen, die mir bei einem normalen Stadtspaziergang entgehen w\u00fcrden. Normalerweise bleibe ich bei den Sch\u00f6nen Sachen, bei den perfekten Sachen stehen und schaue sie mir an. Bei nicht so sch\u00f6nen Orten beschleunige ich meine Schritte, damit ich schnell durch bin, auf Kleinigkeiten achte ich kaum. Bei manchen dieser Spazierg\u00e4nge nahm ich Freundinnen mit und bat sie darum ihre Augen offen zu halten nach imperfekten Sachen &#8211; ganz nach dem Thema der Ausstellung \u201ePerfectly Imperfect\u201c. Ich stellte mir die Frage: Wie kann ich andere Menschen dieselben Erlebnisse schenken, wie ich sie bei meinen Spazierg\u00e4ngen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Umsetzung der Karte<br>Im n\u00e4chsten Schritt musste die Karte gezeichnet werden. Ich traf hierf\u00fcr eine Auswahl an Stationen, da ich sehr viele Orte dokumentiert hatte, aber sie sich nicht alle eignen. Ich zog mehrere Kriterien in Betracht: Ich musste Orte aussuchen, die man auch noch in einen Monat so vorfinden w\u00fcrde. Es mussten Orte sein, die nicht allzu sehr von Wetter und Jahreszeit abh\u00e4ngig sind. Auch wollte ich die Leute nicht dazu bringen an Orten zu gehen, an der sie nicht sein durften oder wo sie \u00c4rger bekommen w\u00fcrden. Auch die geografische Verteilung der Orte war wichtig, so sollte nicht alles zu nah beieinander sein. Aber trotz aller Planung stellte ich im Nachgang fest, dass einige meiner ausgew\u00e4hlten Orte sich innerhalb der Wochen ver\u00e4nderten und nicht mehr so vorzufinden sind, wie sie zur Erstellung der Karte waren. Das Zeichnen der Karte untersch\u00e4tzte ich masslos und plante viel zu wenig Zeit daf\u00fcr ein. Mir war nicht bewusst, dass das Zeichnen einer Karte viel l\u00e4nger dauerte, als das Zeichnen, wie ich es sonst tat. Denn ich zog Aspekte wie die richtige Beschriftung der Stra\u00dfen, die gut \u00fcbersetzte Farbgebung, das richtigen Massstab, die Lesbarkeit nicht in Betracht. So musste ich einiges um\u00e4ndern, erg\u00e4nzen, hinzuf\u00fcgen. Am Ende blieb viel zu wenig Zeit f\u00fcr den Aufgabentext, den ich genauer h\u00e4tte \u00fcberarbeiten sollen. Ich f\u00fchrte die im Text beschriebenen Aufgaben durch, aber zu wenig oft, der Feinschliff fehlte mir. Meine Schwester half mir sehr. Auf einen der Spazierg\u00e4nge, auf denen sie mich begleitete, nutzte ich sie als \u201eVersuchskaninchen.\u201c<br>Die gr\u00f6\u00dfte Zeitnot bereitete mir aber das Drucken der Karte. Online Druckereien waren g\u00fcnstig, brauchten zu lange und gaben auch keine Garantien, dass die Karten an einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein w\u00fcrden. Deshalb suchte ich eine Druckerei in Z\u00fcrich aus, bei der ich schon etwas \u00f6fters drucken lie\u00df: Printoset. Ich erschien dort direkt vor Ort mit meiner Karte als druckfertige PDF-Datei und gemeinsam besprach ich mit den Leuten dort mein Wunschpapier. Letztendlich wurden die 100 Drucke erst wenige Tage vor der Umsetzung der Projekte beim Gewerbemuseum fertig. Sie enthielt einige Fehler, aber an diesem Zeitpunkt konnte ich diese Fehler nicht mehr beheben. Ich musste arbeiten mit dem, was ich hatte.Ein Kartenhalter konnte ich auch nur noch notd\u00fcrftig herstellen, ich bedruckte Kartonpapier und klebte sie an den Plastikprospekthaltern.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Vermittlung der Karte<br>Die Vermittlung der Karte stelle ich mir sehr schwer vor, aber letztendlich stellte sie sich einfacher als gedacht heraus. Zwei Tagen vor der Frist ging ich mit meinen 100 Karten durch die Altstadt Winterthur und suchte mir L\u00e4den aus, von denen ich annahm, dass meine Karte dort hinein passen k\u00f6nnte. Ich lief direkt in die L\u00e4den hinein, stellte mich den Leuten vor, erkl\u00e4rte ihnen, dass ich eine Studentin der ZHdK sei und in einem Kooperationsprojekt mit dem Gewerbemuseum w\u00e4re. Das war meistens der Moment, in denen ich Skepsis bei den Menschen erkannte und sie wuchs noch mehr, sobald ich Karten erw\u00e4hnte, die ich gerne ausgestellt und verteilt h\u00e4tte. Sobald ich aber eine Karte herausnahm, sie auseinander faltete und es den Menschen zeigte, verschwand die Skepsis und es kam der \u201eAha-Moment\u201c. Die ansprechende \u00c4sthetik der Karten war das, was mir in diesen Augenblicken am meisten weiterhalf. Meine Idee wurde mit der ausgefaltete Karte leichter nachvollziehbar. Auch ohne sie zu sehen waren die Wenigsten an meinen Prospekthaltern, interessiert. Meistens hatten die L\u00e4den selber schon Orte f\u00fcr solche Karten und wollten keine Objekte dazustellen.<br>Mein gr\u00f6\u00dfter Highlight war die Sammlung Winterthur, die alles rund um Winterthur sammelt. Sie nahm drei Exemplare meiner Karten in ihre Sammlung sofort auf. Am 25. und 28. April fanden die F\u00fchrungen beim Gewerbemuseum statt, in denen nach und nach die einzelnen unserer Projekte pr\u00e4sentiert und abgelaufen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich f\u00fcr gut 2 Wochen sehr krank und hatte am Morgen \u00fcberhaupt keine Stimme mehr und ziemliche Halsschmerzen, die mit Sprechen nur schlimmer wurden. Deshalb \u00fcbernahm meine Studienkollegin Eva das Reden f\u00fcr mich. Hierf\u00fcr steckten wir unsere K\u00f6pfe vor den F\u00fchrungen zusammen. Zwei Aufgaben wurden auf der Karte ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Fazit<br>Insgesamt habe ich mein eigenes Projekt, die \u201eWo ist Was?\u201c-Erlebniskarte als sehr chaotisch erlebt. Ich h\u00e4tte sicherlich besser organisiert sein k\u00f6nnen und brauchte viel zu lange, um zu entscheiden, was ich \u00fcberhaupt wollte. Dass ich krank wurde war f\u00fcr den ganzen Prozess auch sehr hinderlich. Zudem untersch\u00e4tze ich stellenweise den ben\u00f6tigten Zeitaufwand, sodass ich in Zugzwang geriet. Erleichternd war f\u00fcr mich zu Erfahren, dass das Ausstellen und Verteilen der Karte beim Empfang des Gewerbemuseums selber relativ einfach ging. Weil uns vom Gewerbemuseum selbst kein Raum zur Verf\u00fcgung gestellt wurde war ich der Annahme, dass es schwer werden w\u00fcrde. Aber einmal kurz nachfragen tat schon sein \u00dcbriges. Eine richtige \u00dcberpr\u00fcfung habe ich nicht, ob Personen, die sich eine Karte je schnappen auch wirklich die Orte suchen gehen. Ansonsten geniesse ich vor allem die \u00c4sthetik der Karte, von der ich mir schon einen Platz an der Wand aussuche, an der ich sie h\u00e4ngen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Ana Germann: Post Food Porn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt \u00abPost Food Porn\u00bb will als Gegen\u00fcberstellung zum digitalen \u00abFood Porn\u00bb einen Fokusshift initiieren, welcher den Fokus auf den Moment nach dem Essen legt.<br>F\u00fcr mich passiert nach und w\u00e4hrend und nach dem Essen das Spannende zwischen den Menschen, n\u00e4mlich das Interaktive und Soziale. Bei einem gemeinschaftlichen Schlemmen nimmt die Essenszeit einen grossen Teil der Zeit die man zusammen verbringt ein.<br>Aufgrund dessen habe ich mir die Frage gestellt: Was w\u00fcrde passieren, wenn nach dem Essen ein Foto gemacht werden w\u00fcrde, also ein \u00abPost Food Porn\u00bb Moment entstehen w\u00fcrde? W\u00fcrden so nicht mehr Erinnerungen an den Verlauf und den ganzen Akt des Essens bleiben und einen sentimentalen Wert zum Bild geben, und dem sozialen Aspekt von Essen einen gr\u00f6sseren Wert geben, anstelle von einem Schnappschuss am Anfang, wenn der Teller kommt, der sozusagen noch nichts erlebt hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Food Porn<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine Hinterfragung vom \u00abFood Porn\u00bb \u00fcberhaupt zu starten, wollte ich mich erst mit diesem Ph\u00e4nomen auseinandersetzten und f\u00fcr mich herausfinden, wo der Kern und der Fokus dieses Trends liegt.<br>Dabei habe ich bemerkt, dass die \u00e4sthetische Inszenierung von Essen eine Form von Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Zubereitung und Pr\u00e4sentation von Speisen zeigt. Perfekt festgehaltene Bilder k\u00f6nnen die Emotionen und den Genuss, die mit dem Essen verbunden sind, intensiver vermitteln. Diese Bilder dienen jedoch nicht nur der Erinnerung an den Moment, sondern auch dem Teilen dieser Erfahrung mit anderen, sei es durch soziale Medien oder pers\u00f6nliche Erz\u00e4hlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abFood Porn\u00bb bezeichnet visuell ansprechende Darstellungen von Speisen, die oft in sozialen Medien geteilt werden. Unter dem Hastag Food Porn sind auf Instagram aktuell 308 Mio. Beitr\u00e4ge zu finden. Diese unendlichen Bilder betonen zum einen die sensorischen Qualit\u00e4ten des Essens wie Farbe, Textur und Pr\u00e4sentation. Zum Anderen befriedigen sie das Bed\u00fcrfnis, Bilder vom Essen zu machen, bevor man es probiert und dies aus verschiedenen Gr\u00fcnden: die \u00e4sthetische Wertsch\u00e4tzung der Gerichte, dem Teilen von kulinarischen Erlebnissen, dem Festhalten von Erinnerungen und dem Streben nach sozialer Anerkennung auf online Plattformen. W\u00e4hrend \u00abFood Porn\u00bb auch der Erinnerung an gemeinsame Essensmomente dienen kann, liegt der Hauptfokus oft auf der visuellen Wertsch\u00e4tzung und dem Teilen mit einer breiteren fiktiven Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem kann \u00abFood Porn\u00bb online auch als neue Form der indirekten Selbstinszenierung verstanden werden. Das Essen, die Anrichtung und das Restaurant k\u00f6nnen den sozialen Stand vermitteln und einen bestimmten Lebensstil beschreiben. Essen kann eine individuelle Haltung darstellen.<br>Was wir essen, wo wir essen und mit wem, hat eine gro\u00dfe Aussagekraft \u00fcber das Pers\u00f6nliche.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00abPost Food Porn\u00bb geht es darum, die \u00c4sthetik des perfekt angerichteten Tellers zu entziehen und den sozialen Aspekt des Essens in den Vordergrund zu r\u00fccken, indem der Moment nach dem Essen in Form eines fertig gegessenen Tellers festgehalten wird. Dies verleiht diesem Moment eine neue, vielleicht sogar tiefere Wertsch\u00e4tzung und l\u00e4sst die Spuren des perfekt angerichteten Gerichts zur Bildfl\u00e4che der Erinnerung werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Restaurant zur Postkarte<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen vielen Fragen machte ich mich mit meiner Kamera auf den Weg durch Winterthur und Z\u00fcrich, um verschiedene Restaurants zu besuchen. Dort stellte ich mich f\u00fcr mehrere Stunden in die K\u00fcche oder an einen Ort, an dem ich den Restaurantablauf nicht st\u00f6rte, und fotografierte einen abgegessenen und zur\u00fcckgegebenen Teller nach dem anderen. W\u00e4hrend dieser Arbeit entstanden viele spontane Gespr\u00e4che mit dem K\u00fcchenpersonal, den G\u00e4sten und Passanten. In einer K\u00fcche mitten in der Altstadt von Winterthur wurden mir am Ende des Abends langsam bestimmte Teller zugestreckt, die ich fotografieren sollte. Zum Schluss richtete sich auch die Aufmerksamkeit der Menschen um mich auf diese Teller, die kurz vor dem Abwasch einen kleinen Moment der Anerkennung erhielten. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war dies eine sehr wirkungsvolle Verschiebung der Aufmerksamkeit der Menschen um mich herum und ein Zeichen daf\u00fcr, dass sich dieser Shift durch den Input und meine pers\u00f6nlichen Fokus ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilder der abgegessenen Teller wurden den Besucher*innen des Museums in Form von kostenlosen Postkarten zur Verf\u00fcgung gestellt. Diese Wahl einer Postkarte als bewusstes Pendant zur digitalen Welt des &#8222;Food Porn&#8220; erm\u00f6glicht es, einen schriftlichen Inhalt zu vermitteln und kann somit eine Atmosph\u00e4re, Erinnerungen oder Eindr\u00fccke des Absenders festhalten und weitergeben. Durch Fragen wie &#8222;Was ist das perfekte Essen?&#8220; wird die inhaltliche Ebene der Karten erweitert und erm\u00f6glicht einen subtilen, aber wirkungsvollen Beitrag zur Diskussion \u00fcber Essenskultur und Perfektion. So hatte ich die M\u00f6glichkeit, den Inhalt der Nachrichten zu einem gewissen Grad zu lenken, in eine Richtung, die durch die Bildebene der abgegessenen Teller einen Denk- oder Gespr\u00e4chsprozess er\u00f6ffnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sammeln der Postkarten war f\u00fcr mich ein spannendes und lehrreiches Feedback. Das Projekt entwickelte sich in dieser Hinsicht zu einer Art Forschungsarbeit \u00fcber Essenskultur und \u00e4sthetischen Genuss. W\u00e4hrend der Durchf\u00fchrung in Winterthur konnte ich anhand der gesammelten Antworten festhalten, dass viele Menschen die Gesellschaft anderer und die Liebe oder Verbundenheit als h\u00e4ufige Assoziationen mit perfekten Essenssituationen verbinden. Antworten wie: \u00abEin Essen, das mit viel Liebe und Herzblut zubereitet wird, mit Experimenten von verschiedenen Gew\u00fcrzen und Kr\u00e4utern. Sch\u00f6n arrangiert und mit Freude dekoriert, um gro\u00dfen Genuss zu bereiten.\u00bb zeigten, dass selbst bei einer Frage, die explizit nach der perfekten Zutat f\u00fcr ein Essen fragte, neben klassischen Zutaten wie beispielsweise Parmesan, Salz und Wei\u00dfwein \u00abDie Gesellschaft, ob Familie oder gute Freunde\u00bb genannt wurde. Das f\u00fchrte mich zu der Erkenntnis, dass Essen durch die enge Verbundenheit mit Gesellschaft und Beisammensein immer ein wenig besser schmecken kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Postkarte als vermittlerisches Objekt<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besucherinnen des Parcours und der Ausstellung \u00abPerfectly Imperfect\u00bb hatten im Vermittlungsraum des Gewerbemuseum Winterthur die M\u00f6glichkeit, die Karten kostenlos mit nach Hause zu nehmen oder die Fragen auf der R\u00fcckseite zu beantworten und sie in einen Briefkasten neben dem Kartenst\u00e4nder mit ihrer pers\u00f6nlichen Antwort einzuwerfen. Ich entschied mich bewusst daf\u00fcr, diese gesammelten Antworten f\u00fcr mein pers\u00f6nliches Archiv und die Dokumentation der Arbeit zu verwenden. Anstatt die Karten wie traditionelle Postkarten per Post zu verschicken, wurden sie im Museum gesammelt und wurden Teil von meinem Archiv. Dabei entfielen pers\u00f6nliche Widmungen und Gr\u00fc\u00dfe, und die Handlung im klassischen Sinne, somit wurde die Anwendung der Postkarte auf das Beantworten einer Frage und das Einwerfen beschr\u00e4nkt. Aus diesem Grund, nenne ich die Karten auch \u00abKarten\u00bb und nicht Postkarten, da diese in der Benutzung einen anderen Ablauf und Nutzen haben. Das Setting im Museum bietet eine interaktive M\u00f6glichkeit, mit den Besucherinnen in Kontakt zu treten, ohne pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che zu f\u00fchren. In diesem Beispiel habe ich festgestellt, dass durch das Nichtversenden die Karten zu einer Art Souvenir und Mitbringsel der Ausstellung werden k\u00f6nnen. Ich sehe in diesem Sinne jedoch keine negative Wendung, sondern vielmehr eine Chance, einen Denkansto\u00df von einer Ausstellung ins Private der Besucher*innen zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei stellte sich die Frage, inwiefern dies Vermittlung ist. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeutet Vermittlung das Ausl\u00f6sen von Prozessen, seien es Lernprozesse oder Denkprozesse; etwas soll durch die Vermittlung in Bewegung kommen. Dieses Projekt w\u00fcrde ich mehr als eine Form der indirekten Vermittlung beschreiben, welche es erm\u00f6glicht, den Menschen ihre eigenen Perspektiven zu entwickeln und durch subtile Fragen und Bildebenen zu einem individuellen Prozess zum Thema zu kommen. Durch die Postkarten haben die Menschen die M\u00f6glichkeit, dies auf einer schriftlichen Ebene festzuhalten oder einen Denkansto\u00df bei den Empf\u00e4nger*innen der Karte auszul\u00f6sen. Sie kann einen subtilen Ansto\u00df zu Denk- und Handlungsprozessen geben, die auf pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Interpretationen basieren, und so einen Raum f\u00fcr Vielfalt er\u00f6ffnen. In meinem Kooperationsprojekt steht somit nicht die klassische Vermittlung im Vordergrund, sondern eine subtile, unkontrollierbare Ebene von Prozessen, die durch die Postkarten und ihre Botschaften vermittelt und ausgel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Rebecca Goetz: Gesch\u00e4ftsgeschichten <\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video height=\"1080\" style=\"aspect-ratio: 1920 \/ 1080;\" width=\"1920\" controls src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/vermittlungdesign\/files\/2025\/01\/Rebecca-Goetz-Geschaeftsgeschichten.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit der aktuellen Ausstellung \u201ePerfectly Imperfect &#8211; Makel, Mankos und Defekte\u201c im Gewerbemuseum Winterthur habe ich in dieser Arbeit acht Gesch\u00e4fte aus Winterthur durch eine fotografische Reportage pr\u00e4sentiert. Es handelt sich um Portr\u00e4ts von Besitzerinnen und Besitzern von Werkst\u00e4tten oder Gesch\u00e4ften, die ein spezifisches Handwerk aus\u00fcben. Jeder Handwerksberuf hat seine Vor- und Nachteile, wie etwa technologische Fortschritte und wirtschaftliche Faktoren. Neben der Suche nach Perfektion und dem Umgang mit Unvollkommenheit verbergen sich inspirierende und pr\u00e4gende Geschichten, die den eigentlichen Wert dieser Berufe ausmachen. Deshalb sollen die verschiedenen Handwerkerberufe sichtbar gemacht werden, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Es ist nicht nur wichtig, sie zu bewahren, sondern auch dazu beizutragen, das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung lokaler Unternehmen zu st\u00e4rken und die Verbundenheit innerhalb der Gemeinschaft zu f\u00f6rdern. Auch die Verkaufs- und Konsumsituation hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ver\u00e4ndert. Der Fokus auf die \u201eVer\u00e4nderung\u201c und der Frage \u201eWar fr\u00fcher alles besser, perfekter?\u201c, wird in dieser Arbeit zentral miteinbezogen. Durch die R\u00fcckbesinnung k\u00f6nnen diese Geschichten vom Handwerk pl\u00f6tzlich wieder real greifbar werden, wenn die Besitzerinnen und Besitzer in ihre nostalgischen Erinnerungen zur\u00fcckkehren und uns davon berichten.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Kreative Begegnungen<br>Angefangen mit einem gem\u00fctlichen Spaziergang durch die engen Gassen in Winterthur, wurde ich von der unerwarteten Herzlichkeit der Handwerker<em>innen und K\u00fcnstler<\/em>innen \u00fcberrascht. Ihre Bereitschaft, mir Einblicke in ihre Ateliers und ihr kreatives Schaffen zu gew\u00e4hren, hat mich von Anfang an beeindruckt und Lust gegeben, mich mit diesem Thema mehr auseinanderzusetzen. Es war faszinierend zu sehen, wie schnell sie ihre T\u00fcren \u00f6ffneten, um ihre Leidenschaft und ihr Handwerk mit anderen zu teilen. Jeder Besuch in einem Atelier oder Laden war eine neue und bereichernde Erfahrung. In unserer Gesellschaft spielt das Handwerk eine entscheidende Rolle, nicht nur in Bezug auf die Herstellung von Waren, sondern auch in Bezug auf die Bewahrung von Traditionen und die Schaffung von Gemeinschaft. In einer Welt, die von Massenproduktion und technologischem Fortschritt gepr\u00e4gt ist, erinnern mich die Handwerksberufe daran, dass die Sch\u00f6nheit oft in den kleinen Details liegt und dass Perfektion nicht immer erstrebenswert ist.<br>Handwerkerberufe sind viel mehr als nur Berufe, sie sind eine Form, die Tradition, Innovation und handwerkliches K\u00f6nnen vereint. Diese Berufe sind nicht nur von praktischer Bedeutung, sondern auch von kultureller und historischer Bedeutung. Sie repr\u00e4sentieren das Erbe und die Vielfalt der handwerklichen Fertigkeiten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Betrachtet man Handwerkerberufe als Vermittlung, so sind sie nicht nur Mittel zum Zweck, um bestimmte Aufgaben zu erledigen, sondern auch Wege, um F\u00e4higkeiten, Wissen und Erfahrung weiterzugeben, die zugleich Pr\u00e4zision, Kreativit\u00e4t, Ausdauer und Stolz vermitteln. In einer Zeit, in der viele traditionelle Handwerkerberufe bedroht sind, ist es wichtig, ihre Bedeutung zu w\u00fcrdigen und sie als wichtige Vermittler von Wissen und K\u00f6nnen anzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Weiterf\u00fchrende Gedanken<br>Die Entscheidung, das Vermittlungsprojekt in Form einer gedruckten Brosch\u00fcre zu pr\u00e4sentieren, war eine charmante M\u00f6glichkeit, die Geschichten und das Handwerk der lokalen Handwerker einem kleineren Publikum zug\u00e4nglicher zu machen. Dennoch h\u00e4tte die direkte Integration der L\u00e4den und Werkst\u00e4tten in das Projekt Passanten die M\u00f6glichkeit gegeben, vor Ort Einblicke zu erhalten. Dies h\u00e4tte sicherlich zus\u00e4tzlich noch eine sp\u00fcrbare Verbundenheit zur Gemeinschaft geschaffen und das Interesse an den Handwerksk\u00fcnsten geweckt. Aber auch die Idee von Workshops oder direkten Teilnahmem\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Besucher, bei denen sie selbst Hand anlegen k\u00f6nnen, w\u00fcrde eine faszinierende Erfahrung bieten. Dadurch h\u00e4tten sie nicht nur die Gelegenheit gehabt, die Handwerkskunst aus erster Hand zu erleben, sondern auch ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Arbeit und die Leidenschaft der Handwerker zu entwickeln. Vor allem auch die Vermittlung mit Schulen oder Bildungseinrichtungen h\u00e4tte man da viele spannende Einblicke geben k\u00f6nnen, um das Bewusstsein f\u00fcr die Handwerkerkunst bei den Jugendlichen vermehrt zu st\u00e4rken. Durch eine Mischung aus praktischen \u00dcbungen, Geschichtenerz\u00e4hlen und Diskussionen k\u00f6nnen sie einen tieferen Einblick in die Welt des Handwerks gewinnen und die Bedeutung dieser traditionellen Berufe besser verstehen. Wenn wir diese Vermittlungsform etwas genauer weiterdenken, k\u00f6nnte der Workshop mit Sch\u00fcler<em>innen mit einer kurzen Einf\u00fchrung in die Geschichte des Handwerks und den verschiedenen Handwerksk\u00fcnste beginnen. Anschlie\u00dfend h\u00e4tten die Sch\u00fcler<\/em>innen die M\u00f6glichkeit, verschiedene Handwerksk\u00fcnste selbst auszuprobieren. Unter Anleitung erfahrener Handwerkerinnen k\u00f6nnen sie Holz schnitzen, Metall bearbeiten, Stoffe weben oder andere handwerkliche Techniken erlernen. In kleinen Gruppen werden die Sch\u00fclerinnen dann dazu ermutigt, aktiver zu werden, um selbst ein kleines Projekt zu realisieren. Dabei k\u00f6nnten sie ihrer Kreativit\u00e4t freien Lauf lassen und ihre handwerklichen F\u00e4higkeiten unter Beweis stellen. W\u00e4hrenddessen haben sie die M\u00f6glichkeit, mit den Handwerkerinnen zu interagieren und mehr \u00fcber ihre Erfahrungen und Traditionen zu lernen. Zus\u00e4tzlich zu den praktischen \u00dcbungen werden Geschichten \u00fcber ber\u00fchmte Handwerkerinnen und ihre Werke erz\u00e4hlt, um den Sch\u00fclerinnen einen Einblick in die kulturelle Bedeutung des Handwerks zu geben. Sie haben auch die M\u00f6glichkeit, lokale Handwerksbetriebe zu erkunden, um mehr \u00fcber die verschiedene Handwerksk\u00fcnste zu erfahren. Der Workshop endet dann mit einer Reflexionsrunde, in der die Sch\u00fclerinnen \u00fcber ihre Erfahrungen sprechen und dar\u00fcber nachdenken k\u00f6nnen, wie die Traditionen des Handwerks in der heutigen Gesellschaft weiterleben.<br>Abschlie\u00dfend betrachtet, sehe ich diesen Schritt als einen mutigen Anfang. Ich hoffe aufrichtig, dass diejenigen, die die Brosch\u00fcre lesen, etwas Wertvolles daraus mitnehmen und dass diese Einblicke sich ausbreiten werden. M\u00f6ge mein bescheidener Beitrag dazu beitragen, das Bewusstsein etwas zu sch\u00e4rfen und Inspiration zu verbreiten, w\u00e4hrend die Geschichten der Handwerker weitergetragen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Luc Scapin und Eva Guler: Ding sucht Dach<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ziel unseres Projektes<br>Unsere Castingshow &#8222;Ding sucht Dach&#8220; war ein Vermittlungsprojekt in Kooperation mit dem Gewerbemuseum Winterthur. Dabei luden wir Passant:innen dazu ein, sich f\u00fcr das Sorgerecht einer Gie\u00dfkanne zu bewerben, die wir im Abfallcontainer des Gewerbemuseums gefunden haben und auf den Namen Fridolina tauften.<br>Im V\u00f6gelipark aufgestellt, boten wir ein Jury-Pult und einen gr\u00fcnen Vorhang mit Leuchtschrift als Kulisse, vor dem die Bewerber:innen ihre kurzen Pr\u00e4sentationen hielten. Sie sollten \u00fcberlegen, welche Massnahmen sie ergreifen w\u00fcrden, um der Gie\u00dfkanne ein gutes Zuhause zu bieten und wie sie Fridolina pflegen w\u00fcrden. Diese Fragen sollten nicht nur die Gewinner:in ermitteln, sondern auch eine Diskussion \u00fcber den Wert von Gegenst\u00e4nden und<br>die Bedeutung von Reparatur und Pflege anregen. Die Gewinnerin der Giesskanne beeindruckte uns mit ihrer einzigartigen Einstellung. Sie<br>erkl\u00e4rte, dass sie eine schlechte Reparateurin sei und sich stattdessen der Kanne anpassen w\u00fcrde. Ihre Bereitschaft, die Bed\u00fcrfnisse eines Objektes \u00fcber die eigenen zu setzen, hat uns \u00fcberzeugt.<br>Die Qualit\u00e4t der Castingshow lag nicht nur im Unterhaltungs- und Wettbewerbsaspekt, sondern auch darin, dass die Teilnehmer:innen einem Objekt gefallen mussten und nicht umgekehrt. Dies bot eine niederschwellige M\u00f6glichkeit, sich mit dem Verh\u00e4ltnis zu Objekten zu besch\u00e4ftigen, ohne moralisierend zu sein. Durch die Frage, warum ein Objekt f\u00fcr sie pers\u00f6nlich bedeutend ist oder eine zweite Chance verdient, wurden die Teilnehmer:innen angeregt, \u00fcber ihre Konsumgewohnheiten nachzudenken und neue Perspektiven zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Castingshow Niederschwelliges Format?<br>Das Castingshow-Format bricht gezielt mit den traditionellen Erwartungen und der Rezeption von Museumsveranstaltungen, indem es eine unterhaltsame und bekannte Plattform bietet, die die Besucher:innen dazu ermutigt, aktiv teilzunehmen und sich pers\u00f6nlich mit einem Objekt auseinanderzusetzen. Durch die bewusste Nutzung eines popkulturellen Ph\u00e4nomens, n\u00e4mlich der Castingshow, wollten wir mit den \u00fcblichen Erwartungen an ein Museum brechen und gleichzeitig eine andere Sicht auf das Museum erm\u00f6glichen. Diese Herangehensweise sollte eine niederschwellige Umgebung schaffen, in der Menschen ihre eigenen Gedanken teilen und vor allem Strategien entwickeln k\u00f6nnen, um einem Objekt Sorge zu tragen. Denn dies ist nicht so einfach, wie es scheint.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Aufsuchende Vermittlungsarbeit<br>Die Tatsache, dass viele Passant:innen, die wir auf der Strasse angesprochen haben, sich f\u00fcr das Casting interessierten, l\u00e4sst vermuten, dass die Verbindung zum Gewerbemuseum Winterthur eine grosse Rolle in der Aktivierung der Personen gespielt hat. Es scheint, als h\u00e4tten die Passant:innen weniger Angst gehabt, dass wir ihnen etwas verkaufen wollen, und stattdessen das Angebot als eine Gelegenheit betrachtet haben, an einer interessanten und unterhaltsamen Veranstaltung teilzunehmen. Auch unser Auftritt mit s\u00e4mtlichen Requisiten<br>hat dazu beigetragen, die ganze Aktion locker zu betrachten. Viele Leute mussten lachen, als sie verstanden, dass die Inszenierung einer Castingshow samt Requisiten und Kost\u00fcmen dazu diente, sich auf ein St\u00fcck angeblichen Abfalls zu fokussieren. Wir k\u00f6nnten uns gut vorstellen, weitere aufsuchende Vermittlungsangebote zu gestalten, da wir ein grosses Potenzial darin sehen, potenziell neues Publikum zu erschliessen und Museumsthematiken auf einer anderen Ebene zu diskutieren. Zudem bietet die aufsuchende Vermittlungsarbeit die M\u00f6glichkeit, Geschichten zu sammeln, die mit Kunst oder Gebrauchsgegenst\u00e4nden verbunden sind, oder wie in unserem Fall, Taktiken zu entwickeln, wie man einem Gegenstand besser Sorge tragen k\u00f6nnte.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Belohnungssystem<br>Das Belohnungssystem der Castingshow hatte sowohl Vor- als auch Nachteile.<br>Die Gewinnerin der Show erhielt neben der Gie\u00dfkanne auch ein Preisgeld von 200 Franken, um Care-Arbeit zu entlohnen und eventuelle Reparaturkosten zu decken. Einerseits half der finanzielle Anreiz, die Hemmschwelle f\u00fcr die Teilnahme zu senken und trug dazu bei, die Legitimit\u00e4t der Castingshow zu etablieren, da Preisgeld ein wesentlicher Bestandteil einer solchen Show ist. Andererseits lockte sie auch Personen an, die lediglich aufgrund der Aussicht auf die Belohnung mitmachten, wodurch es schwierig wurde, diejenigen zu identifizieren, die tats\u00e4chlich das Sorgerecht f\u00fcr die Gie\u00dfkanne \u00fcbernehmen<br>wollten.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Ding Sucht Dach 2.0<br>In Bezug auf die Weiterentwicklung unseres Vermittlungsprojekts k\u00f6nnten wir uns gut vorstellen, weitere Formate anzubieten. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re, in der \u00d6ffentlichkeit Sammlungsgegenst\u00e4nde zu diskutieren und Menschen zu befragen, wie sie Designklassiker anhand ihrer eigenen Kriterien bewerten<br>w\u00fcrden. Das Ziel w\u00e4re es, Museumssammlungen zu aktivieren, indem Designgegenst\u00e4nde in die Lebenswelten normaler Menschen gesetzt werden, um sie anhand &#8218;realer&#8216; Kriterien zu betrachten und sie somit von ihrem theoretischen Podest zu heben, welches h\u00e4ufig selbst referenzierend ist oder seine Legitimation aus kulturellen oder intellektuellen Strukturen<br>erh\u00e4lt. Ebenso k\u00f6nnten wir auch Personen dazu befragen, wo und wie sie ein Kunstwerk, Gem\u00e4lde oder Skulptur in ihrer Wohnung platzieren und wie sie diese inszenieren w\u00fcrden. Auf diese Weise k\u00f6nnten wir Kunstwerke ebenfalls in die Lebenswelten normaler Personen setzen und sie aus dem Museumskontext herausnehmen, in dem sie oft mit vielen strukturellen Vorurteilen und gelernten Verhaltenskodizes betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kooperation des BA Art Education mit dem Gewerbemuseum Winterthur F\u00fcr die Ausstellung \u00abPerfectly Imperfect \u2013 Makel, Mankos und Defekte\u00bb im Gewerbemuseum Winterthur haben die Studierenden des 6. Semesters Bachelor Art Education der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste digitale und analoge Vermittlungsprojekte entwickelt. 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