{"id":4657,"date":"2013-06-04T17:30:56","date_gmt":"2013-06-04T15:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/?p=4657"},"modified":"2018-01-16T12:53:26","modified_gmt":"2018-01-16T11:53:26","slug":"der-ton-macht-den-film-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/2013\/der-ton-macht-den-film-2\/","title":{"rendered":"Der Ton macht den Film"},"content":{"rendered":"<div><small>von Maurizius Staerkle Drux<\/small><\/div>\n<div><\/div>\n<h3><strong>1.\u00a0Einleitung<\/strong><\/h3>\n<p>An der Filmschule zirkulierte der Begriff &#8222;cam\u00e9ra-stylo&#8220; und meine Faszination zu der Art des Filmemachens wuchs, bei der \u201eder Autor mit seiner Kamera, wie ein Schriftsteller mit einem Stift schreibt.\u201c (Astruc, 1948)\u00a0In mir kam die Frage auf, inwiefern sich dieser Gedanke auf den Ton \u00fcbertragen liesse. In den meisten F\u00e4llen zeichnet sich die Filmerz\u00e4hlung durch die k\u00fcnstlerische Arbeit der Kamera oder durch die Montage federf\u00fchrend. Inwiefern bleibt aber der Aspekt vernachl\u00e4ssigt, \u00fcber den Ton Geschichten zu erz\u00e4hlen?<\/p>\n<div><\/div>\n<div><strong>Die digitale Revolution<\/strong><\/div>\n<div>Seit die gesamte Filmbranche auf digitale Datentr\u00e4ger f\u00fcr die Tonaufzeichnung umstieg, haben sich die Bearbeitungsm\u00f6glichkeiten des Filmtons um ein Vielfaches vergr\u00f6ssert und erleichtert. Im Dokumentarfilm schwindet zunehmend die Arbeit des Filmtonmeisters zugunsten von kleineren Filmteams, die dadurch ein flexibleres Eintauchen in Dreharbeiten erm\u00f6glichen sollen. Man \u00fcberl\u00e4sst die Tonaufnahme oft der Kamera selbst, resp. dem darin eingebauten Mikrofon. Entsprechend schlecht f\u00e4llt der Originalton aus. Er klingt sehr r\u00e4umlich und beinhaltet St\u00f6rger\u00e4uschen, wie Bedienung der Kamera, Wind oder unwichtigen Nebent\u00f6nen. Automatisch w\u00e4chst das Bed\u00fcrfnis nach einer Nachbearbeitung, die den Filmton \u201eretten\u201c und auf Spielfilmniveau heben soll.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Zwischen Spiel- und Dokumentarfilm<\/strong><\/div>\n<div>Zunehmend l\u00e4sst sich der Trend beobachten, dass Spielfilme mit der rohen Dokumentarfilm\u00e4sthetik lieb\u00e4ugeln und sich Dokfilme wiederum Spielfilmkonventionen bedienen.\u00a0Der Spielfilm benutzt in der Regel eine synthetische und nachtr\u00e4gliche Tonaufnahme: Man eliminiert St\u00f6rger\u00e4usche, synchronisiert ganze Textpassagen nach und gestaltet Klangwelten.\u00a0Im Dokumentarfilm geht es haupts\u00e4chlich um die Glaubw\u00fcrdigkeit eines Originaltons (der durchaus mit St\u00f6rger\u00e4uschen echter wirken kann).\u00a0Die Verst\u00e4ndlichkeit der Sprache ist meist das entscheidende Kriterium, ob ein Ton brauchbar ist oder nicht. Kein Wunder geh\u00f6rt das kleine, kabellose Funkmikrophon zur Standartausr\u00fcstung jedes Dokumentarfilmers.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Der Dokumentarfilm lebt vom O-Ton<\/strong><\/div>\n<div>Aber was passiert, wenn man beim Dreh durch das unvorhersehbare Geschehen vor der Kamera nicht alle T\u00f6ne aufnehmen kann?<\/div>\n<div>Was, wenn der Autor eines Filmes nicht \u00fcber Sprache, sondern durch Stimmungen und anhand von Ger\u00e4uschen seine Geschichte erz\u00e4hlen will? Und verwendet man in Dokumentarfilmen keine Originalt\u00f6ne, sondern nachtr\u00e4glich aufgenommene, m\u00fcssen diese dann extra schlecht, also \u201edokumentarisch-echt\u201c klingen?<\/div>\n<div>\u00dcber diese Fragen m\u00f6chte ich im Folgenden anhand von Filmbeispielen diskutieren. Vorzugsweise werde ich das durch Ausschnitte meiner eigenen Filme versuchen, bei denen ich den Ton machte und f\u00fcr meine Begriffe auch die Regie.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87305442\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Wenn Der Vorhang f&auml;llt&quot; - Filmausschnitt\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>REGIE UND TON IN PERSONALUNION<span style=\"font-size: 15px\">\u00a0<\/span><\/small><small>(c) 2013 \/ Filmausschnitt aus &#8222;Wenn der Vorhang f\u00e4llt&#8220; von Maurizius Staerkle Drux.<\/small><\/p>\n<p>Akustisch strukturiert sich dieser Ausschnitt durch folgende Komponenten:<br \/>\nDer Originalton (O-Ton) ist die wichtigste Kategorie. In diesem Filmbeispiel ist die Stimme des Protagonisten das einzige Element, das vor Ort aufgenommen wurde und nachtr\u00e4glich kaum lippensynchron zu reproduzieren w\u00e4re. Der Protagonist tr\u00e4gt in seinem Schal ein Funkmikrofon versteckt, damit kein st\u00f6render Fremdton mitaufgenommen wird. In einer weiteren Kategorie fassen wir alle Hintergrundger\u00e4usche zusammen und bezeichen diese als Atmosph\u00e4re (Atmo). Im Filmbeispiel h\u00f6ren wir das Zirpen der Grillen, die verdeutlichen, dass die Szene in der Nacht spielt. Ausserhalb des Wohnzimmers wechselt die Atmo zu einem k\u00fchlen Wind, der leise s\u00e4uselt. Damit l\u00e4sst sich absolute Stille erz\u00e4hlen. Das Beimischen dieser Hintergrundt\u00f6ne verleiht der Tonspur seine R\u00e4umlichkeit, da die Stimme alleine sehr trocken klingen w\u00fcrde. Die Schritte der Protagonisten sind nachtr\u00e4glich aufgenommen und einzeln gesetzt. Sie folgen der Bildbewegung und bilden akustisch das Panorama von links nach rechts ab. Alle Ger\u00e4usche (Foleys) fassen wir in einer neuen Kategorie zusammen. Man unterscheidet dabei zwischen den Originalton-Ger\u00e4uschen, die eigenh\u00e4ndig vor Ort aufgenommen werden (wie zum Beispiel die Fussstapfen) und synthetisch hergestellten Sound-Effekten (SFX). Der anhaltende Piepton, der dem Protagonisten das Wort verbietet, ist ein Beispiel f\u00fcr einen solchen Effekt. Als letzte Kategorie bleibt die Musik, hier als Pauke live eingespielt.<\/p>\n<p>In der folgenden Abbildung werden all diese Elemente auf eine Tonspur zusammenaddiert und ergeben den fertigen Filmton, der in diesem Falle bis auf die Sprache keine Originalt\u00f6ne beinhaltet. Die horizontale Achse der Grafik zeigt den zeitlichen Verlauf der Szene, die Vertikalen bildet die Frequenzh\u00f6he ab (tiefe T\u00f6ne ganz unten, hohe T\u00f6ne ganz oben). Umso heller ein Bereich eingef\u00e4rbt ist, desto intensiver, also lauter erklingt dieser.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4665\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/bungabungIzotop.jpg\" alt=\"\" width=\"1181\" height=\"451\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/bungabungIzotop.jpg 1181w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/bungabungIzotop-300x115.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/bungabungIzotop-768x293.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1181px) 100vw, 1181px\" \/><strong>Musik<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.maxdrux.com\/kunden\/zdok\/plates\/bungabungIzotop-vox.jpg\"><span style=\"font-size: 1.5rem\">Bis zur Sekunde vierzehn ist die Stimme gut erkennbar, die in ihrer Kr\u00e4ftigkeit ein breites Frequenzspektrum abdeckt. Die gelben \u00fcbereinandergeschichteten Frequenzbl\u00f6cke bilden in der Grafik die Stimme mit ihren mitschwingenden Obert\u00f6nen ab.<\/span><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div>\n<div>[Zur Visualisierung jeweils auf Text klicken.]<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>FOLEY<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.maxdrux.com\/kunden\/zdok\/plates\/bungabungIzotop-pips.jpg\">Dazwischen sticht dominant der anhaltende Piepton bei ca. 1000Hz hindurch. Die Stille folgt kurz darauf und ist schwarz gefasst, da dort keine Toninformation vorhanden ist.<\/a><\/li>\n<li><a style=\"font-size: 1.5rem\" href=\"http:\/\/www.maxdrux.com\/kunden\/zdok\/plates\/bungabungIzotop-vogel.jpg\">Sehr h\u00fcbsch sehen die drei V\u00f6gel aus, zwischen Sekunde 32 und 40. Ironischerweise \u00e4hneln sie f\u00fcr meinen Geschmack chinesischen Schriften. Ihr Stimmorgan ist im Vergleich zum Menschen viel kleiner, entsprechend schmal bleibt die Frequenz zwischen 700-1300 Hz.<\/a><\/li>\n<li><a style=\"font-size: 1.5rem\" href=\"http:\/\/www.maxdrux.com\/kunden\/zdok\/plates\/bungabungIzotop-schritte.jpg\">Die Schritte zwischen Sekunde 40 und 52 sind einzeln und sanft in den fl\u00e4chendeckenden Hintergrund gesetzt.<\/a><span style=\"font-size: 1.5rem\">\u00a0<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<div><strong>MUSIK<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.maxdrux.com\/kunden\/zdok\/plates\/bungabungIzotop-trommel.jpg\">Die pr\u00e4zise eingespielte Trommel schwingt bei Sekunde 19 bis 25 vor allem in den tieferen Regionen bei 200 Hz. Die Tonaufnahme dieser Trommel bringt durch die sensible Mikrofonierung ein Eigenrauschen mit sich, das mit dem darauffolgenden Schnitt bei Sekunde 31 deutlich erlischt.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div>In vielen Dokumentarfilmen wird mit einem weitfassenden Mikrofon (offene Richtcharakteristik) aufgenommen, so dass m\u00f6glichst alle vorhandenen Kl\u00e4nge im Film h\u00f6rbar sind. Die unterschiedlichen Tonquellen sind dann auf einer Tonspur zusammengemischt und nicht mehr voneinander zu trennen. Die Gestaltungsm\u00f6glichkeit ist eingeschr\u00e4nkt. Einzelne Elemente k\u00f6nnen aus dieser Tonspur kaum mehr verst\u00e4rkt oder eliminiert werden. Ganz im Gegensatz dazu setzt der Spielfilm bei seiner Tonaufnahme alles daran, die oben benannten Kategorien so stark wie m\u00f6glich voneinander zu separieren, um nachtr\u00e4glich gezielter und meistens auf das Bild und seine Einstellungsgr\u00f6sse entsprechend zu gestalten. Im Sounddesign kommen neben den Originalton, der sich meistens auf die Sprachaufzeichnung beschr\u00e4nkt, die fehlenden Elemente dazu und runden das Klangbild nach Bedarf ab. Den Vorgang, die aufgef\u00fchrten Ebenen in ein richtiges Klang- und Lautst\u00e4rkenverh\u00e4ltnis zu setzten, bezeichnet man als Filmtonmischung.<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<h3><span style=\"font-size: 1.5rem\">2. Ton und Klang<\/span><\/h3>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87308929\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Kl&auml;nge zum Tanz&quot; - Filmausschnitt aus Karma Shadub\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>KARMA SHADUB &#8211; FILMTRAILER\u00a0(c) 2013 \/ Filmtrailer von Ramon Giger (Regie \/ Kamera), Jan Gassmann (Montage), Maurizius Staerkle Drux (Sounddesign).<\/small><\/p>\n<p>In &#8222;Karma Shadub&#8220; dokumentiert der Regisseur Ramon Giger Probearbeiten zum St\u00fcck seines Vaters Paul Giger. Die Aufnahmen der am Projekt beteiligten T\u00e4nzer sind zu einer eigenst\u00e4ndigen Filmszene verwoben. In Wirklichkeit probierten die T\u00e4nzer jedoch zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten im St. Galler Dom, der aufgrund seiner imposanten Akustik jedes einzelne Ger\u00e4usch in L\u00e4rm zerlegte. Der Originalton war entsprechend unbrauchbar. Am Schneidetisch wurden die gedrehten Einstellungen mit einem vorhandenen Musikst\u00fcck unterlegt. Das Sounddesign hatte die Aufgabe, den T\u00e4nzern eine eigene Klangwelt zu erschaffen. Mit nachtr\u00e4glich aufgenommen Foleys bauten wir eine Tonkulisse nach. Wichtig war dabei, dass man nat\u00fcrliche Kl\u00e4nge erschuf. F\u00fcr gewisse Stellen liessen wir die T\u00e4nzer ihre Bewegungen im Tonstudio nachtanzen. F\u00fcr andere Stellen sass ich in meiner K\u00fcche und versuchte mit einfachen Mitteln, die akustische Auswirkung der T\u00e4nzer zu imitieren.<\/p>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87308929\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Kl&auml;nge zum Tanz&quot; - Filmausschnitt aus Karma Shadub\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>KL\u00c4NGE ZUM TANZ\u00a0(c) 2013 \/ Filmausschnitt aus &#8222;Karma Shadub&#8220; von Ramon Giger &amp; Jan Gassmann.<\/small><\/p>\n<p>Das Abtrocknungshandtuch wurde zum Ger\u00e4usch des Rockes, das Glas \u00fcber den Brotkr\u00fcmeln zur Drehung und die knarrende T\u00fcrschwelle zum Fussboden des T\u00e4nzers. Schnell wurde mir klar: Das was sich richtig und echt anh\u00f6rt, ist oftmals nicht das, was man im Bild sieht oder erwartet h\u00e4tte. Kl\u00e4nge haben von Natur aus eine gewisse manipulative Kraft. Ein sauber aufgenommener Tanzrock h\u00f6rt sich nicht zwingend so an, wie man ihn im Film erklingen h\u00f6rt. Die T\u00e4nzer h\u00e4tten im Original viel dumpfer geklungen oder einen f\u00fcr das Ohr nicht wiedererkennbaren Ton produziert. Dass der k\u00fcnstliche Ton nun die Glaubw\u00fcrdigkeit wieder herstellen kann und dem Film seinen dokumentarischen Charakter verleiht, wurde f\u00fcr mich zu einem \u00fcberraschenden Erlebnis.<\/p>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87314938\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Die Mischung&quot; - Filmausschnitt aus Karma Shadub\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>DIE FILMTONMISCHUNG<span style=\"font-size: 15px\">\u00a0<\/span><\/small><small>Die oberste Tonspur enth\u00e4lt alle Originalt\u00f6ne (Stimmen), die mittlere besteht aus zusamengemischten Foleys (Tanzger\u00e4usche) und die untere ist die Musikaufzeichnung.<span style=\"font-size: 15px\">\u00a0<\/span><\/small><small>(c) 2013 \/ Filmausschnitt aus &#8222;Karma Shadub&#8220; von Ramon Giger &amp; Jan Gassmann.<\/small><\/p>\n<h3>3.\u00a0Ton und Narration<\/h3>\n<p>In &#8222;zwischen INSELN&#8220; trifft ein Jugendsinfonieorchester auf einen erfahrenen Liedermacher. Durch die Begegnung dieser beiden k\u00fcnstlerischen Dimensionen, zwischen Pop und Klassik, zwischen jung und erfahren, sollte etwas Neues entstehen. Mein Anspruch an diesen Film war es, die Kluft dieser musikalischen Welten zwischenmenschlich zu durchbrechen. Eine Einf\u00fchrung in das Thema und Konflikt bietet folgender Trailer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4687\" src=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/zwischeninselnVimeo.jpg\" alt=\"\" width=\"1440\" height=\"810\" srcset=\"https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/zwischeninselnVimeo.jpg 1440w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/zwischeninselnVimeo-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/zwischeninselnVimeo-768x432.jpg 768w, https:\/\/blog.zhdk.ch\/zdok\/files\/2017\/12\/zwischeninselnVimeo-1240x698.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><small>ZWISCHEN INSELN &#8211; FILMTRAILER<span style=\"font-size: 15px\">\u00a0<\/span><\/small><small>(c) 2013 \/ Filmtrailer von Maurizius Staerkle Drux (Regie \/ Ton),<span style=\"font-size: 15px\">\u00a0<\/span><\/small><small>Sebastian Weber und Christina Pollina.<\/small><\/p>\n<p>Inmitten unserer Reise durch Italien ergab sich folgende Situation: Der Liedermacher Pippo Pollina war gezwungen aufgrund des schlechten Telefonempfanges anzuhalten, um im Radio ein Interview zu geben. Der Bus hielt an, der Kameramann folgte Pollina auf den Rasthof, ich blieb mit der Tonangel zur\u00fcck im Bus. Die Szene dokumentiert sich wahrheitsgetreu wie folgt:<\/p>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87310676\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Variante A&quot; - Filmausschnitt aus zwischen Inseln\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>VARIANTE A (c) 2011 \/ Filmausschnitt aus &#8222;zwischen INSELN&#8220; von Maurizius Staerkle Drux<\/small><\/p>\n<p>Vor Ort hatte ich die Szene allerdings weniger neutral empfunden. Mir kam es vor, als seien die Jugendlichen w\u00fctend. Einen Tag zuvor hatte Pollina bereits ein Interview gegeben, in dem er das Orchester unerw\u00e4hnt liess. Die Jugendlichen waren entt\u00e4uscht, gar entmutigt. Entsprechend wichtig war es Pollina, sie nun \u00f6ffentlich zu erw\u00e4hnen und f\u00fcr die bevorstehende Tournee zu motivieren.<br \/>\nDieser Konflikt lag unausgesprochen in der Luft. F\u00fcr den Film suchte ich eine M\u00f6glichkeit, den Verlauf der Tournee weiter spannungsvoll aufzuladen. Das Bildmaterial ist in dieser neuen Version identisch, nur die Tonspur ist eine andere:<\/p>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87313608\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Variante B&quot; - Filmausschnitt aus zwischen Inseln\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>VARIANTE B (c) 2011 \/ Filmausschnitt aus &#8222;zwischen INSELN&#8220; von Maurizius Staerkle Drux<\/small><\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend des Drehs stellte ich mir vor, Pollinas Stimme dr\u00f6hne durch alle Lautsprecher und beschalle jeden denkbaren Raum. In meiner Fantasie w\u00fcrden die Jugendlichen nicht nur im leeren Bus, sondern auch auf dem Parkplatz und sogar beim Einkauf in der Tankstelle Pollina unausweichlich h\u00f6ren. Ich wollte die Szene durch den Ton dramatisch ausbauen. Die Umsetzung geschah erst ein Jahr sp\u00e4ter im Tonschnitt und erhielt dort die gew\u00fcnschte dramaturigsche Wirkung.<\/p>\n<p>Schlussendlich evoziert dieser Eingriff einen k\u00fcnstlich hergestellten Konflikt, den es in dieser Form nie gab. Er war unter den Jugendlichen zu sp\u00fcren und durch diese Tonmanipulation wurde er auf gewisse Weise sichtbar.<\/p>\n<h3>4.\u00a0Ton und Emotion<\/h3>\n<div>Manche Dokumentarfilmer verbringen viel Zeit mit ihren Protagonisten, andere gehen w\u00e4hrend des Drehs konzeptionell vor. Aber wie kommt man seinen Protagonisten emotional wirklich nah? Und ist dies auch durch den Ton m\u00f6glich?<\/div>\n<div><\/div>\n<div>W\u00e4hrend ich den vorhergehenden Beispielen die Tonebene massgeblich im Sounddesign (nach dem Dreh) ver\u00e4nderte, m\u00f6chte ich diesmal den Ton wie einen rohen Fisch einfangen und m\u00f6glichst unber\u00fchrt lassen. War meine Tonangel bisher das Instrument eines stillen Beobachters, wollte ich diesmal die Protagonisten damit &#8222;anpieksen&#8220; und meine Grenzen auslohnten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Jeder Film braucht eine individuelle Ann\u00e4herung an die Menschen, die man portr\u00e4tiert und somit braucht jeder Film sein eigenes Tonkonzept. In der &#8222;Architektur einer Familie&#8220;, den ich seit zw\u00f6lf Monaten drehe, geht es um ein 93-j\u00e4hriges Architektenehepaar. Das Verschmelzen von Arbeits- und Familienleben ist in dieser Architekten-Dynastie Kerngedanke. Und so verbringe ich die meiste Zeit im Atelier des Ehepaars und lasse geschehen, was sich aus dem Moment heraus ergibt. Dabei tausche ich mich &#8211; unabh\u00e4ngig vom Thema des Filmes &#8211; auch \u00fcber Musik aus. Was f\u00fcr St\u00fccke h\u00f6ren meine Protagonisten gerne? Welche Musik inspiriert sie und in welchem Gef\u00fchlszustand entstehen ihre kreativen Prozesse? Wie denken und empfinden sie? Das musikalische Ambiente eines Ortes kann viel dar\u00fcber preisgeben.<\/div>\n<div>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87312624\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Szenische Beobachtung&quot; - Filmausschnitt aus der Architektur einer Familie\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>SZENISCHE BEOBACHTUNG<span style=\"font-size: 15px\">\u00a0<\/span><\/small><small>(c) 2014 \/ Filmausschnitt aus der &#8222;Architektur einer Familie&#8220;, aus den laufenden Dreharbeiten von Maurizius Staerkle Drux.<\/small><\/p>\n<p>Normalerweise schaltet man bei jedem Dreh das Radio zugunsten eines sauberen O-Tons aus. Diesmal fiel mir aber auf, wie regelm\u00e4ssig klassische Musik im Atelier gespielt wurde. W\u00e4hrend der Herr mit dem Zeichenstift dadurch meditativ in seine Arbeit versank, lebte die nach Aufmerksamkeit ringende Gattin durch die Musik wieder auf.<br \/>\nIch besorgte mir eine zweite Fernbedienung f\u00fcr das Radio, um dieses von der Kamera aus steuern zu k\u00f6nnen. Manchmal st\u00f6rte die Musik den Dialog und so konnte ich unbemerkt leise stellen. Meistens passierte aber gar nichts und ich unternahm nach langem Zuwarten einen ersten Versuch, mich der Protagonistin \u00fcber den Ton zu n\u00e4hern.<br \/>\nDie M\u00f6glichkeit bereits w\u00e4hrend des Drehs die Tonebene zu manipulieren, verursachte eine unmittelbare Interaktion mit der Protagonistin. Es gelang, eine atmosph\u00e4rische Szene zu drehen, die das Charakterbild in dieser Knappheit und Ausdrucksst\u00e4rke verdeutlichte, wie ich meine Protagonisten \u00fcber lange Zeit in verschiedenen Situationen erleben durft. Dazu verhalf mirdas unmittelbarste und wohl emotionalste Element: die Musik.<\/p>\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/87315858\" width=\"960\" height=\"540\" frameborder=\"0\" title=\"Zdok - Der Ton macht den Film - &quot;Manipulierte Beobachtung&quot; - Filmausschnitt aus der Architektur einer Familie\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<p><small>MANIPULIERTE BEOBACHTUNG\u00a0<\/small><small>(c) 2014 \/ Filmausschnitt aus der &#8222;Architektur einer Familie&#8220;, aus den laufenden Dreharbeiten von Maurizius Staerkle Drux.<\/small><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Maurizius Staerkle Drux 1.\u00a0Einleitung An der Filmschule zirkulierte der Begriff &#8222;cam\u00e9ra-stylo&#8220; und meine Faszination zu der Art des Filmemachens wuchs, bei der \u201eder Autor mit seiner Kamera, wie ein Schriftsteller mit einem Stift schreibt.\u201c (Astruc, 1948)\u00a0In mir kam die Frage auf, inwiefern sich dieser Gedanke auf den Ton \u00fcbertragen liesse. 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