Aktuell

Die Künste in der Bildung 2019 

KUNST – MACHT – BILDUNG 

Künstlerische Bildung im Spannungsfeld von Freiheit, Prekariat und institutionellen Outcomes

Ab sofort können Sie sich zur Tagung über unser

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anmelden.

Auf Grund begrenzter Platzzahl bitten wir Sie, sollten Sie doch nicht kommen können, sich frühzeitig unter kuenste.in.der.bildung(at)zhdk.ch abzumelden, vielen Dank!


Tagungsprogramm


Künstlerinnen und Künstler wollen mit ihrer Kunst bewegen! Personen, die in den Künsten lehren, wollen mit ihrer Lehre bewegen! Das Selbst-Verständnis der Wirkmächtigkeit und die Idee der Unabhängigkeit der Künste werden dabei mit vielfältigen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Erwartungen oder Zuschreibungen konfrontiert. Sind wechselseitige Ansprüche als Chance oder als Dilemma zu sehen? Wie wirken sich Kontextfaktoren auf künstlerische Pädagogiken und Didaktiken aus und welchen Einfluss haben Lehre und Forschung auf die Entwicklung der Künste? Wie können Lehrpersonen der Musik-, Tanz-, Theater-, Kunst- und Designpädagogik bildungspolitischen Anforderungen künstlerisch produktiv begegnen, eigenständig bleiben und sich einflussreich einbringen?

Die Tagung nimmt die Frage nach dem «Bildenden» in den Künsten in den Fokus. Dabei interessieren persönliche künstlerische Bildungswege ebenso wie das konkrete Befragen institutioneller Outcomes, welche die künstlerische Bildung und die Kunst beeinflussen. Referenten* innen und Kunstschaffende aus ganz unterschiedlichen Bereichen reflektieren Einflussfaktoren aus politischer, künstlerischer, forschender und ökonomischer Perspektive. Die Teilnehmenden sind eingeladen, sich in die Debatte und Diskussion einzubringen und so «wirkmächtig» Teil dieser Auseinandersetzung zu sein.

Die Tagung richtet sich an alle Lehrpersonen der Bildenden Kunst, Darstellenden Kunst und Musik, an Künstler*innen in Bildungszusammenhängen sowie an Studierende aller künstlerischen und pädagogischen Disziplinen.

 
Termin
Freitag, 8. und Samstag, 9. November 2019
 
Ort
Zürcher Hochschule der Künste, Bühne A, Gessnerallee 9-13, 8001 Zürich
 

Kosten

  • Regulär (CHF 160.-)
  • ZHdK-Angehörige (CHF 80.-)
  • Ermässigt (CHF 40.–)

Tagungsgebühr inkl. Mittagessen am Samstag im Restaurant Reithalle

Die Künste in der Bildung: Eine Veranstaltung der Lehre, Forschung und Weiterbildung aus den Bereichen Art Education, Musik- und Theaterpädagogik

  • Sabine Dani (Departement Musik)
  • Simone Erasmi (Departement Musik)
  • Ruth Frischknecht (Departement Musik)
  • Liliana Heimberg (Departement Darstellende Künste und Film)
  • Edith Stocker (Departement Musik)
  • Judith Tonner (Departement Kulturanalysen und Vermittlung)
  • Peter Truniger (Departement Kulturanalysen und Vermittlung)
  • Judit Villiger (Departement Kulturanalysen und Vermittlung)

Patrick Frank (*1975, Rio de Janeiro) ist Komponist und Kulturtheoretiker. Er kreiert seit rund 15 Jahren Kunstprojekte, die sich Gegenwartsfragen widmen: 2003 SEIN/NICHTS, 2007 Projekt Limina – zur Indifferenz in Kunst, 2011 Projekt wir sind aussergewöhnlich, 2015 Theorieoper Freiheit, die eutopische Gesellschaft (im Auftrag des SWR-Donaueschinger Musikfestivals). Veröffentlichung zahlreicher kulturtheoretischer Texte zur Neuen Musik in Positionen, MusikTexte, Neue Zeitschrift für Musik, dissonance. Er erhielt zahlreiche Preise, u.A. das Kompositionswerkjahr der Stadt Zürich (2007).

Patrick Frank doktoriert derzeit am Collegium Helveticum/UZH in Kulturanalyse und kuratiert das Saisonprogramm 19/20 des Ensemble Tzara. www.patrickfrank.ch

Die sogenannte Postmoderne lässt sich als Versuch interpretieren, einen Wandel von der Negation zur Affirmation als gesellschaftliche (politische und künstlerische) Perspektive einzuleiten. Die postmoderne, affirmative Kritik (Ironie, Subversion, Hyperaffirmation) ist im Vergleich zur negativen Kritik strukturell komplexer: jede affirmative Kritik sagt zwar ‘Ja’ intendiert jedoch ein ‘Nein’. Die strukturelle Komplexitätssteigerung von Kritik kann als Spiegel der Zunahme geopolitischer Komplexität nach 89 interpretiert werden, in deren Folge scheinbar Stabiles zur Disposition gestellt wurde. Betroffen ist die Gesamtheit der Gesellschaft und ihrer Disziplinen: die Künste, das Politische, die Bildung, die Medien, etc. Ein Neudenken vergangener, ehemals stabiler Strukturen ist demnach unausweichlich.

Miriam Walther Kohn ist Regisseurin. Seit Dezember 2017 arbeitet sie für das digitale Magazin «Republik». Zu Beginn als Netzwerkerin und Veranstalterin und seit Oktober 2018 als Co-Geschäftsführerin. Als erstes studierte sie zeitgenössischen Tanz an der Ailey School in New York, darauf folgte das Studium der Theaterregie an der ZHdK und ein Semester Wirtschaft und Recht an der HSG. Im Juni 2019 schloss sie das Fellowship-Programm an der ZHdK ab. Sie ist Gründungsmitglied des Kollektivs «Neue Dringlichkeit» und realisiert seit 2009 Projekte in der Schweiz und international. 2015 erhielt sie die kulturelle Auszeichnung im Bereich Theater der Stadt Zürich.

Theaterakteur*innen proben und tüfteln. Mit Menschen, Technik, Objekten oder Räumen. Setzen sich auseinander mit drängenden Fragen der Gegenwart: politisch, gesellschaftlich und ökonomisch. Und das an diversen Orten: Theater, Kinos, Youtube, öffentlichen Räumen, etc. Diese Theatermenschen können was, aber was? Was sind diese anscheinend so schwer greifbaren Fähigkeiten, die gefördert und professionalisiert werden? Eine Selbsterfahrung ergab ein paar Antworten dazu. Von der Theaterregie ins Topmanagement. Eine Künstlerin schaut aus dem Blickwinkel einer Unternehmensleiterin auf Werte und Fähigkeiten von Kunstschaffenden.

Philippe Bischof (*1967) ist seit dem 1. November 2017 Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Nach Studien in Basel begann er seine Laufbahn als Regieassistent am Theater Basel. Anschliessend arbeitete er als Regisseur und Dramaturg im In- und Ausland sowohl an Stadttheatern wie auch in der freien Szene. Parallel dazu war er als Jurymitglied in den Bereichen Tanz und Theater für die Senatskanzlei Berlin tätig. Zudem absolvierte er einen Master of Advanced Studies in Kulturmanagement an der Universität Basel. Von 2008 bis 2011 baute er als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter erfolgreich das Kulturzentrum Südpol in Luzern auf. Von 2011 bis 2017 war Philippe Bischof Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt und von 2016-17 Präsident der Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten (KBK). Regelmässig ist er als Dozent für Kulturpolitik und Kulturförderung tätig.

Darüber scheint weitgehend Konsens zu bestehen: Kunst und Kultur gelten als für unsere Gesellschaft relevante und innovative Kräfte. Daher sind sie zu unterstützen, zu fördern, auszubilden und zu promoten. Gerne werden in politischem Zusammenhang auch ihre verbindenden und identitätsstiftenden, zugleich sinnerweiternden und -provozierenden Möglichkeiten betont, ebenso ihr globales wirtschaftliches Potential. Ein kurzer Ritt durch die kulturpolitischen Paradigmen der letzten 50 Jahre zeigt auf, in welchem Wandel und in welcher Spannung sich das vermeintlich eindeutige und einhellige Kultur-Verständnis-System heute befindet. Am Ende dieses Fast forward-Durchgangs stellen sich entscheidende Fragen: Inwiefern ist heute die künstlerische Freiheit noch gegeben und gewollt? Wie steht es mit der Widerständigkeit und Andersartigkeit künstlerischen Schaffens gegenüber dem gesellschaftlich anerkannten Mainstream? Ausgehend von der These, dass es sich beim heutigen Kunst- und Kultursystem um eine höchst affirmative Konzeption handelt, ist zu diskutieren, was heute Verantwortung und Wirkung für Kulturakteure bedeuten soll und kann. Wie eine ökonomische und eine ökologische Sicht auf die vorhandenen Potentiale und Ressourcen miteinander verbunden werden können.

Anja Lina Egli (*1987, Zürich) ist Theaterpädagogin, Regisseurin und Choreografin und inszeniert hauptberuflich Theater und Tanz mit jungen Menschen. Sie erhält 2011 den ZHdK-Förderpreis, 2013 ein Atelierstipendium der Stadt Zürich und 2014 den Kurationsauftrag ‚Südbühne für alle‘ am Theaterhaus Gessnerallee. Auf Einladung vom Theater Basel, Theater Tuchlaube Aarau und Tanzhaus Zürich gründet und leitet sie Kinder-/Jugendtheaterclubs. Neben diesen Langzeitprojekten unter professionellen Produktionsbedingungen arbeitet sie als Theaterpädagogin fürs Schulamt der Stadt Zürich. Sie ist Stv. Dozentin an der FMS Winterthur und leitet seit 2019 den Semesterkurs ‚Bewegung anleiten‘ im BA Studiengang Theaterpädagogik an der ZHdK. www.anjalinaegli.com

MARIONETTEN ist eine Adaption des abendfüllenden Tanzstücks JE SUIS MARIONETTE, welches 2019 vom Jugendclub WILD_LIFE 17+ am Tanzhaus Zürich entwickelt und an der Zürcher Hochschule der Künste aufgeführt wurde. Im Rahmen der Tagung KUNST – MACHT – BILDUNG tanzt ein Teil der Gruppe Ausschnitte aus dieser Arbeit. Im Zentrum steht die Frage: Können wir verbunden sein, ohne abhängig zu werden?

Prof. Graziella Contratto ist aufgewachsen in der Innerschweiz. Studien in Klavier, Kammermusik, Theorie Hauptfach und Kapellmeisterei. Dozentur für Musikgeschichte, Theorie und Harmonielehre in Luzern. Assistentin an der Berliner Philharmonie und beim Orchestre National de Lyon. Chefdirigentin des Orchestre des Pays de Savoie, Gastdirigierende in der Schweiz, in zahlreichen europäischen Ländern und in den USA. Referentin zum Thema Leadership und Agilität. Zahlreiche Auftritte am Radio und in TV- Sendungen. Festival-Intendanzen in Davos und in Ittingen. Fachbereichsleiterin Musik an der HKB seit 2010. Leitung des Klassiklabels Schweizer Fonogramm. Glückliche Mutter und Ehefrau bei Bern. www.graziellacontratto.com

Du holde Kunst, in wie vielen grauen Stunden

Der Übergang vom Heiligen zum Profanen kann nämlich auch durch einen völlig unangemessenen Gebrauch geschehen. Es handelt sich um das Spiel. (Giorgio Agamben)

Die Dirigentin Graziella Contratto ist in ihrer Funktion als Fachbereichsleitende Musik an der Hochschule der Künste Bern zuerst einmal Künstlerin mit einem komplexen Auftrag: Sie möchte Inhalte (heilige), Strukturen (profane) und das Spiel mit beiden für erfolgreiche Laufbahnen ‚ihrer‘ Studierenden miteinander verbinden. In ihrem Referat zeigt sie die wichtigsten Strömungen, Gefässe und einen Third Space auf, die an der HKB hierzu im Team entwickelt wurden. In der Trias Kunst – Gesellschaft – Haltung hat die HKB als transdisziplinäre Kunsthochschule zudem den Vermittlungsgedanken neu definiert: was können und sollen Nachwuchskünstler*innen einmal der Gesellschaft zurückgeben und bleibt die Kunst dabei unversehrt?

Anna Schürch, Kunstpädagogin, ist als Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste in Forschung und Lehre im Bereich Art Education / Kunstpädagogik tätig. Dissertation zur Geschichte der Zeichenlehrerausbildung in der Schweiz; kunst- und theaterpädagogisches Forschungsprojekt Kalkül & Kontingenz 2013-15. Arbeitsschwerpunkte: historische und aktuelle schulische Kunstpädagogik, poststrukturalistische Bildungstheorie, Forschendes Lernen, Vermittlung von Gegenwartskunst und Performance.

Kunst(miss)verständnisse. In ihrem Beitrag beleuchtet Anna Schürch das Verhältnis der Kunstpädagogik zu ihrem zentralen Bezugsfeld der Kunst in historischer Perspektive. Anhand konkreter Beispiele geht sie der Frage nach, wie bestimmte Kunstverständnisse in kunstpädagogische Konzepte Eingang gefunden haben und diskutiert mit Blick auf die Fachentwicklung, zu welchen unterschiedlichen Haltungen, methodischen Zugängen aber auch Verfehlungen dies im Kunstunterricht geführt hat.

Patrycja Pakiela stammt aus Polen und begann im Alter von zehn Jahren mit dem Spiel der Flöte. Zurzeit studiert sie Master Musik in Sound Design an der ZHdK. Im Sommer 2017 war sie Akademistin bei der Lucerne Festival Academy und nahm im Anschluss während drei Monaten im Hongkong Programm Transcultural Collaboration teil. Aktuell fokussiert sie sich auf das Studium, welches sich um Klang für verschiedene Medien, um zeitgenössische Musik und um Kollaborationen mit Künstler*innen aus verschiedenen Disziplinen dreht. Sie beschäftigt sich mit Live- Elektronik und Sound Design für Film und Theater, Virtual Reality (VR) und Artificial Reality (AR).

Hubert Schmelzer studiert Master Film mit Schwerpunkt Film Editing an der ZHdK. Er ist Gründungsmitglied des Theaterkollektivs WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET. Er arbeitet als Regisseur und Film Editor an etlichen Theater- und Filmproduktionen.

Holy Black, eine immersive audio-visuelle Performance. Ist es möglich, die Kräfteverhältnisse von Bild und Ton neu zu tarieren? Diesem Experiment widmet sich die Performance Holy Black, die eine auf drei Leinwänden projizierte Film Installation auf drei Live-Musiker*innen treffen lässt. Das transdisziplinäre Werk versucht, einen neuen Raum für die Frage nach der Macht über das Bild anzubieten. Die ansonsten so scheinbar problemlose Kollaboration zwischen Ton, Musik, Bild und Schnitt wird hier auf eine neue Probe gestellt und mit deren Grenzen gespielt.

Prof. Dr. Johan Frederik Hartle ist Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien. Davor hatte er einen Lehrstuhl für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe mit dem Schwerpunkt politische Ästhetik, wo er auch kommissarisch das Amt des Rektors bekleidete. Er lehrte unter anderem an der Kunstakademie Münster, der Universiteit van Amsterdam und der China Academy of Art in Hangzhou. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Der geöffnete Raum, Zur Politik der ästhetischen Form, DADALENIN (hg. mit Rainer Ganahl), The Spell of Capital und Aesthetic Marx (jeweils hg. mit Samir Gandesha).

Regelfolgen und Abweichung. Das Befolgen von Regeln ist keine einfache Sache. Wie setzt man etwa eine mathematische Reihe fort? Folgt auf das 1,2,3 notwendig die 4? Oder lässt sich diese Reihe ebenso plausibel mit 11, 12, 13 und dann mit 21, 22, 23 fortsetzen? Das Befolgen von Regeln beruht auch auf impliziten Konsensen. Regeln werden insofern auch in der Handlung derer aktualisiert, die sie interpretieren. Das lässt aber Raum für Abweichung. Die jüngere philosophische Tradition (von Wittgenstein über Kripke und Butler) hat sich mit diesen Fragen umfassend beschäftigt, die sich auch in zahlreichen Alltagsbeispielen bestätigen. Sie bilden nicht nur den Ausgangspunkt für ästhetische Praxis überhaupt, sondern insbesondere für das Arbeiten in Kunstinstitutionen, die sich zunehmend sachfremden (bürokratischen, ökonomischen) Anforderungen ausgesetzt sehen.

Jürg Kienberger

Jürg Kienberger, geboren 1958 in Sils-Maria, ist ein höchst renommierter Theatermusiker, Kabarettist, Schauspieler und Sänger. Der selbsternannte „Musikspieler“ bezaubert mit unnachahmlichem Tenor und virtuosem Spiel auf allem, was Tasten hat. Mehr als 125 Stücke hat er mit Musik versehen, meistens live als Mitspieler, legendär sein Rezitativist in Mozarts „Figaro“ oder seine Arbeiten mit Christoph Marthaler („Murx den Europäer!“). Auch solo – stets in Zusammenarbeit mit seiner Frau Claudia Carigiet – („Ich bin ja so allein“) zeigt sich der Autodidakt Kienberger stets als Künstler der feinen Ironie und federleichten Musikalität.

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