Autor: jdoelle

„Der Wunsch als wissenschaftliche Illustratorin zu arbeiten wollte einfach nie weggehen…“

Interview mit Barbara Schuler

 Für das Interview im Praxismodul entschied ich mich die ZHdK- Absolventin, Designerin und Spinnen-Enthusiastin Barbara Schuler anzuschreiben. Ich lernte Barbara bereits im vorletzten Jahr kennen, als sie gerade ihr Master-Abschlussprojekt „Mit den Sinnen einer Spinne“ in der Diplomausstellung der ZHdK präsentierte. Ich war dort auf der Suche nach Antworten, wo mein kreativer Weg hingeht. Ich sprach Barbara auf ihr Masterprojekt und ihre Erfahrungen an der ZHdK an woraufhin sie mir Mut machte, mich hier für ein Studium zu bewerben.

11.12.2023

 Als Barbara und ich uns jetzt, im Dezember 2023, wieder treffen, habe ich fast das erste Semester Knowledge Visualization hinter mir. Wir hatten unser Interview mehrfach verschoben, weil ich krank geworden war. Schließlich stehe ich nun endlich an einem Montagabend vor ihrer Wohnungstür und bin ganz schön aufgeregt. Ich habe das Gefühl, jetzt muss es ein besonders gutes Interview werden. Doch als wir dann erstmal mit Tee und Snacks an ihrem Küchentisch zusammensitzen, kann ich mich langsam wieder entspannen.

Ich frage Barbara zuerst nach ihrem Tag und woran sie heute gearbeitet hat. Sie lacht und erzählt, dass Montag ihr freier Tag ist. Sie hat heute die Wohnung geputzt und gelesen. „Ich arbeite gerade an drei Tagen der Woche für den Onlineshop Digitec Galaxus und ein Tag ist reserviert für meine Forschungsstelle an der ZHdK. Da ich auf Stundenbasis arbeite, kann ich mir meine Zeit ganz gut selber einteilen.“

 Babara wollte schon immer etwas mit Zeichnen machen. Nach der Schule hat sie einen gestalterischen Vorkurs besucht und sich dann für die Wissenschaftliche Illustration an der ZHdK beworben. Da sie aber nicht angenommen wurde, hat sie im Anschluss die Grafikfachklasse in Luzern besucht. Nach 3 Jahren Arbeit als Grafikerin und Webdesignerin in Basel ist sie auf der Suche nach mehr intellektueller Stimulation dann doch wieder bei der ZHdK gelandet. Jedoch diesmal bei Interaction Design. Mit ihrem Abschluss ist sie im Jahr 2007 zunächst wieder in die Arbeitswelt eingestiegen.

14 Jahre später zog es Barbara wieder zur ZHdK um den Master in Knowledge Visualization zu machen. Ich frage sie, wie es dazu kam. „Der Wunsch als wissenschaftliche Illustratorin zu arbeiten wollte einfach nie weggehen.“

In ihrer Masterarbeit entwickelte sie einen 360° Film, der dem Betrachtenden die Sinneswahrnehmung aus der Perspektive einer Großen Wanderspinne näherbringt. Mit dem Film will sie erreichen, dass Menschen ein besseres Bild von Spinnen bekommen. Sie ist zu dem Projekt gekommen, da sie selbst ein großes Interesse für die Natur hat. Besonders für Spinnen.

Nach dem Masterstudium hat Barbara zwei Förderungen erhalten, eine im Rahmen des Junior Research in Design Programmes und eine durch das Dossier Nachhaltigkeit. Die Förderungen ermöglichen ihr nun ihr Masterprojekt zu einem interaktiven Erlebnis weiterzuentwickeln und das Filmerlebnis noch immersiver zu gestalten. „Durch die Forschungsförderung hatte ich nun die Möglichkeit zwei interaktive Prototypen zu entwickeln, die unter anderem ein sensorisches Feedback in Form von Luftströmungen geben. Diese haben wir dann auch an dem Zürcher Wissenschaftsfestival Scientifica vorgestellt.“

Ausschnitt aus dem BA-Film „Mit den Sinnen einer Spinne“

Gerade ist ihre Arbeit jedoch weniger kreativ, da sie vor allem Anträge mitschreibt, um Kooperationspartner für ihr Projekt zu finden. Das ist zwar oft anstrengend und langwierig,  aber Babara hat die Motivation nicht verloren, bestätigt sie mir.

In ihrem anderen Job bei Digitec Galaxus ist sie als Freelancerin angestellt. Ihre aktuelle Aufgabe ist die Signaletik für ein neues Lager zu entwickeln, also ein visuelles System zur besseren Orientierung in den Räumen. Gerade ist sie daher vielmehr in Kontakt mit dem Facility Management des Gebäudes als mit den anderen Designern bei Galaxus.

Ich frage sie ob es ihr wichtig ist, dass ihre Arbeit mit ihren moralischen Werten übereinstimmt. „Ja im Prinzip schon, aber es ist auch schwer, da das Geld in der Werbung liegt, welche ich oft nicht für sinnvoll halte. Bei Galaxus habe ich aber einen guten Chef, der es mir ermöglicht immer wieder gestalterische Aufgaben außerhalb des Werbebereiches zu übernehmen.“

Neujahrskarte für 2024

Dann unterhalten wir uns noch über ihr kreatives Schaffen in ihrer Freizeit. Sie erzählt, dass es sehr von ihrem Arbeitsalltag begrenzt wird. „Ich stelle immer wieder fest, dass wenn wieder Ferien sind, hat es plötzlich mega viele Zeichnungen im Skizzenbuch und wenn ich arbeite, praktisch nichts. Sobald der Druck wegfällt, bekomme ich dann wieder Lust zu zeichnen.“ Außerdem zeichnet und entwickelt sie jedes Jahr in ihrer Freizeit liebevoll gestaltete Neujahrskarte, meistens mit witzigen Tier- und Pflanzenbeobachtungen.

Im Anschluss möchte ich noch wissen, wie sie mit kreativen Blockaden umgeht. Aber es wirkt nicht so, als ob es ein großes Thema für sie ist. „Meistens recherchiere ich, was es schon so zu dem Thema gibt. Dann brainstorme ich alleine oder mit anderen Leuten. Auf jeden Fall sollte man eine Idee, wenn sie noch nicht ganz sitz, nicht gleich aufgeben, sondern eher herausfinden, woran es liegt.“ Ich höre auch heraus, dass sie sich selbst ein wenig den Druck nimmt. „Es kann nicht jedes Projekt ein goldenes Ei sein.“

Für die Zukunft wünscht sich Babara weitere Forschungsprojekte. Ich frage sie, ob sie ein konkretes Thema vor Augen hat. Zuerst zögert sie und erzählt mir dann doch, an was sie am liebsten arbeiten würde. „Das Netz des Lebens aufzeigen und warum Biodiversität so wichtig ist, das wäre so ein Thema.“

Barbaras Arbeitsplatz

Nach dem Gespräch zeigt sie mir noch ihren Arbeitsplatz, den sie jetzt lange mit der Spinne geteilt hat. Diese hatte sie sich während dem Masterprojekt zugelegt, um sie beobachten zu können und die Animationen der Spinne im VR-Film realistischer umzusetzen.

Am Ende bedanke ich mich herzlich bei Babara für das angenehme Treffen sowie den Einblick, den sie mir in ihren aktuellen Arbeitsalltag gewährt hat und nehme neue Inspiration für meinen eigenen Lebensweg daraus mit.

Hier sind Barbaras Arbeiten zu finden:
https://barbaretta.ch