Forscher

Imanuel Schipper (Projektleiter) leitete von September 2009 bis November 2010 das SNF-DORE Forschungs- projekt „Sehnsucht nach Au­thentizität. Eine kritische Untersuchung von Begriff und Praxis im Kontext zeitgenössischer Inszenierun­gen“. Seine Beschäftigung mit Konstruktion und Inszenierungs­strategien dauert aber schon Jahre länger an. Er arbeitete viele Male als Dramaturg mit dem Theaterkol­lektiv „Rimini Protokoll“ zusammen und entwickelte mit ihnen eine zeitgenössische Art des dokumentari­schen Theaters. Imanuel Schipper arbeitet an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forsch- ung, Lehre und künstlerischer Praxis. Die aus den Theaterwissenschaften stammenden Begriffe Theatralität, Performativität, Dramaturgie, Inszenierung, Wahrnehmung und Medialität untersucht er in Bereichen aus­serhalb des Theaters, wie zum Beispiel im Design, in der Städteplanung, in der Szenografie und in der Kuration. Imanuel Schipper hat mehrere Male als Kurator oder Dramaturg an Inszenierungen mitgewirkt, die in öf­fentlichen Räumen stattfanden, u.a. mit Re-Location: Sanatorium am Schiffbau Zürich (zusammen mit Matthias von Hartz), City of Abstracts (William Forsythe) oder Hot Spots – ímoun ethó in Athen mit Rimini Protokoll. „Mein Interesse liegt darin, sowohl theatrale Strukturen ausserhalb des Theaters zu suchen, als auch praktische und theoretische Erkenntnisse des Theaters in nicht-theatrale Gebiete zu transferieren.“

Clemens Bellut studierte Philosophie, Philologie und Ethnologie in Bonn und Tübingen; Lehrtätig-keiten an der Univer­sität Tübingen, am Hölderlin- Haus Tübingen, am Evangelischen Stift in Tübingen, an der Merz- Akademie, Hochschule für Gestaltung Stuttgart, an der Freien Universität Berlin, an der Tech- nischen Universität Ilmenau und an der Zürcher Hochschule der Künste; von 1993 bis 1997 Berater des Vorstandsvorsitzen­den der Flughafengesellschaft Frankfurt (heute FRAport); seit 2006 zusammen mit Ruedi Baur und Ste­fanie-Vera Kockot in der Leitung des Instituts Design2context an der Zürcher Hochschule der Künste.Seine Forschungsschwerpunkte kreisen um die Konzepte von Identität und Repräsentation im Span­nungsfeld von politischer Philosophie und Designtheorie sowie um die Frage nach dem „civisme“, der neuen adäquaten „Bürgerlichkeit“.

Gabriela Muri ist Architektin sowie Kulturwissenschaftlerin und arbeitet zurzeit als Oberassistentin an der Dozentur Soziologie an der Architekturabteilung der ETH Zürich. In ihrer Dissertation zum Thema Pause! Zeitordnung und Auszeiten aus alltagskultureller Sicht sowie in ihren interdisziplinär angelegten Forschungsprojekten setzt sie seit Jahren Schwerpunkte bei den grundsätzlichen Voraussetzungen der Produktion und Repräsentation von Raum und Zeit in urbanen Kontexten (Stadtgestalt, öffentlicher Raum, Platzdesign, Zeitkultur – moderner Jahreslauf), aber auch dem Alltag von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen (Eventkultur, Intergenerationalität, Jugendkulturen, Technoszenen, Alltagsglück). In ihrem Habilitationsprojekt mit dem Titel Raum-, Zeit- und Bildrepräsentationen urbaner Öffentlichkeiten, widmet sie sich der raum- und zeittheoretischen Konzeption des Situativen in urbanen Kontexten. Dabei bezieht sie explizit kultur- wie stadttheoretische Fragestellungen mit ein, die eng mit den Entstehungsbedingungen und ästhetischen Ausprägungen gegenwärtiger urbaner Szene- und Eventkulturen zusammenhängen. Der Inszenierung und Typisierung von öffentlichen Räumen als Bühnen der Konsumkultur stehen dabei situativ relevante alltägliche Aneignungspraxen von Akteuren gegenüber – dabei ergeben sich Anknüpfungspunkte für eine Analyse theatraler Interventionen in öffentlichen Alltagsräumen. Im Rahmen eines Habilitationsstipendiums der Universität Zürich war Gabriela Muri zudem Research Fellow an der EHESS, Centre d’étude des mouvements sociaux in Paris und an der Università di Milano Bicocca; 2010 lehrte sie als Gastprofessorin am Institut d’Urbanisme in Grenoble (Université Pierre Mendès).
Durch ihre langjährige Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich sowie an der Dozentur Soziologie, Departement Architektur der ETH Zürich ist sie in jenen Fachdisziplinien zu verorten, die sich mit zentralen Fragen gegenwärtiger Stadtentwicklung und der Aneignung öffentlicher Stadträume befassen. In mehreren Forschungs- und Ausstellungsprojekten hat sie zudem mit Mitarbeitenden der Zürcher Hochschule der Künste zusammengearbeitet und die Auseinandersetzung mit deren Theoriekontexten und Praxisbezug als äusserst fruchtbar erlebt.

Tim Rieniets ist Architekt, Stadtforscher und Kurator und arbeitet als Oberassistent am Institut für Architektur und Städtebau der ETH Zürich. In seinen bisherigen wissenschaftlichen, didaktischen und kuratorischen Tätigkeiten hat der öf­fentliche Raum eine zentrale Stellung: Als Co-Kurator der Internationalen Architektur Biennale Rotter­dam 2009 mit dem Titel „Open City: Designing Coexistence“, hat sich Tim Rieniets intensiv mit Fragen von Zugänglichkeit zu und Teilhabe an städtischen Räumen befasst. In Zusammenarbeit mit internationa­len Experten wurden Phänomene räumlicher Segregation untersucht und städtebauliche Lösungsansätze erarbeitet. Unter den mehr als 100 Projekten, die in dieser Ausstellung gezeigt wurden, haben sich zahl­reiche mit der Produktion und Nutzung öffentlicher Räume befasst. Auch das Ausstellungsdesign im Niederländischen Architektur Institut (Entwurf: MAXWAN Architects + Urbanists) folgte der Idee, einen Raum für Öffentlichkeit zu generieren, der die Begegnungen zwischen Ausstellungsbesuchern sowie deren aktive Teilhabe an der Ausstellung stimuliert. Zu diesem Zweck wurden Architektur, Ausstellungsstücke, kommerzielle Angebote und Events zu einem „Möglichkeitsraum“ verschmolzen. Die Ergebnisse der Ausstellung wurden in der Publikation „Open City: Designing Coexistence“ veröffentlicht (Rieniets et al 2009). Als Initiator und Leiter des Urban Research Studio – einer Lehr- und Forschungseinheit am Institut für Architekur und Städtebau der ETH Zürich – hat Tim Rieniets intensiv mit der empirischen Untersuchung öffentlicher Räume experimentiert. Unter Einbeziehung von Architekturstudenten wurden unterschiedlichste Aspekte des öffentlichen Raumes untersucht, wie zum Beispiel: Formelle und informelle Medien (Plakate, Schilder, Graffiti); Zeit und Rhythmen von Nutzungen im öffentlichen Raum; Abfall als Indikator für mentale Wertigkeit öffentlicher Räume; zufällige Begegnungen im öffentlichen Raum; Sicherheit und Überwachung u.v.m. Besonderes Interesse der Arbeit gilt der Stadt Zürich. Hier hat Tim Rieniets als Dozent und Mitorganisator des interdisziplinären Workshops „Fancity 2008“ an der kritischen Analyse des öffentlichen Raumes in Zürich zu Zeiten der UEFA Fussballeuropameisterschaft 2008 mitgewirkt. Ausserdem kuratierte er die interdisziplinäre Ausstellung „Langstrasse verlängern!“ im Architekturforum Zürich, die sich mit Tendenzen der Gentrifizierung und der Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes befasste.

Stephan Trüby, geb. 1970, ist Freier Architekt, Theoretiker, Kurator sowie Direktor des Postgraduierten-Studiengangs Spatial Design der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Er studierte Ar­chitektur an der AA School in London. Von 2007 bis 2009 war er Professor für Architektur an der Hoch­schule für Gestaltung in Karlsruhe. Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören architektur_theorie.doc (Birkhäuser 2003, mit Gerd de Bruyn), Exit-Architektur: Design zwischen Krieg und Frieden (Springer 2008), The World of Madelon Vriesendorp (AA Publications 2008, mit Shumon Basar) und Hertzianismus: Elektromagnetismus in Architektur, Design und Kunst (Fink 2009). Er ist ständiger Mitarbeiter der Zeit­schrift ARCH+. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte und Theorie der Szenografie, Verflechtun­gen von „Szenografie und Architektur“ und von „Theater/Performance und Architektur“. Trüby untersuchte schon in „Exit-Architektur“ temporäre Emergenzen in und an bestehenden Architekturen. Auf diese Arbeit wird er in diesem Projekt aufbauen.

Johanna Dangel (wissenschaftliche Mitarbeiterin Theaterwissenschaft) studierte Literaturwissenschaft und Geschichte in Freiburg im Breisgau und in Paris mit dem Schwerpunkt auf antiker, moderner und zeitgenössischer Dramatik. Dramaturgische Assistenzen während und nach ihrem Studium (Theater Freiburg, Theaterhaus Gessnerallee, Vorarlberger Landestheater, Bregenz).
Sie arbeitet seit September 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsprojekten an der Zürcher Hochschule der Künste: “Sehn-Sucht nach Authentizität. Eine kritische Untersuchung von Begriff und Praxis im Kontext zeitgenössischer Inszenierungen”. “Re/Okkupation. Gestaltung von Öffentlichkeiten im urbanen Raum durch theatrale Interventionen”

Sie schreibt an ihrer Promotion “Der vermittelte Tod. Die Suche des Rezipienten nach authentischer Todeserfahrung in performativen und theatralen (Re-) Präsentationen” und arbeitet als freie Dramaturgin für die Tanzcompany urbanReflects (Parcival XX-XI, eine Kooperation mit dem tzi der Uni Bremen, 2010).

 

Cecilie Sachs Olsen studierte „urban studies“ in dem internationalen und interdisziplinären Programme „4Cities“ an den Universitäten von Brüssel, Wien, Kopenhagen und Madrid, sowie „theatre and performance studies“ an der Universität von Kopenhagen. Während ihres Studiums beschäftigte sich Cecilie Sachs Olsen mit Kunst, Kultur und Urbanität in allen Formen. Sie hat bei dem grössten Nordischen Festival zu Kunst im öffentlichen Raum gearbeitet (Metropolis in Kopenhagen); sie ist Mitbegründer der dänischen Theater Gruppe „Black Box Pangea“; und sie ist Initiator und Koordinator des Projekts zURBS (www.zurbs.org) – einem sozial-künstlerischen Laboratorium für Zürich, das über urbane Realitäten mit sozial-künstlerisch performativen Mitteln neu nachdenken möchte. Ihr Forschungsschwerpunkt ist der integrale Einsatz von Kunst in der urbanen Entwicklung, speziell das Potenzial von Kunst Festivals, neue und alternative Perspektiven auf die Stadtentwicklung zu generieren. Sie schreibt und publiziert Artikel und hält Präsentationen und Workshops zu diesem und verwandten Themen.

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