Die Musiker unter uns

 

Ein Beitrag von Monika Bierbaum (BA Design, Industrial Design)

Man sieht sie in der Eingangshalle, auf der Kaskadentreppe oder in den Cafés. Die Musiker mit ihren Instrumenten fallen sofort auf. Sie machen einen Anteil von über 750 Studierenden im Toni-Areal aus.

Gerade im Zwischensemester sind die Gänge wenig belebt und die langen Flure des 5. und 6. Stockwerks, in welchen die verschiedenen Vertiefungen des Departements Musik angesiedelt sind, machen hier keine Ausnahme. Hier befinden sich die Unterrichtsräume. Aus wenigen Zimmern erklingt Musik. Ein Handvoll Musikstudenten lässt sich zählen – zielgerichtet gehen sie ihrer Wege. Durch die schmalen, in die Türen eingelassenen Fenster sieht man ins Innere der kleinen, mit Parkett ausgestatteten Räume. Vorhänge und Akustikpaneele an den Wänden sorgen für einen angenehmen Klang und eine warme Atmosphäre. Wo nur sind nun all diese 750 Studierenden?

Nicht allen ist bewusst, was sich weit unter uns abspielt … Vier Stockwerke tiefer, ungefähr 100 Schritte entfernt, befindet sich das Nest der Musiker. Einen Großteil ihres Studiums verbringen sie hier im Untergrund. Hier befinden sich ihre Proberäume, über 65 sind es. Fensterlos, dicht aneinandergereiht und verbunden durch schmale, lange Gänge bilden sie ein Labyrinth aus Klängen und Stimmen. Nur ein mit Glas überdachter Aufenthaltsraum gibt einen Hinweis darauf, dass man sich in dieser Welt durchaus begegnet. Ausserhalb des Campus Toni, gleich beim Eingang zur Bar des Musikklub Mehrspur, kann man den Raum von oben einsehen. Hier ist der Ort, um ins Gespräch zu kommen. Zwei Sofas laden zum Entspannen ein, man kann hier im Internet surfen, Tischfussball spielen oder sich verpflegen.

Die meisten, so ist es hier zu erfahren, haben sich gut eingelebt im Toni – auch wenn noch nicht alles optimal läuft und es gerade bei den Musikern noch einige offene Baustellen gibt. So wird die Eröffnung des Konzertsaals herbeigesehnt. Die Hoffnung ist gross, dass die Akustik dort besser sein wird als bislang im Konzertsaal 1. Zudem zeigt sich seit Wintereinbruch, dass die oft sehr wertvollen und sensiblen Instrumente unter der trockenen Luft leiden. Luftbefeuchter mussten bestellt werden, um sie zu retten. An einer nachhaltigen Lösung des Problems werde gearbeitet.

DER Treffpunkt für Musiker hat sich trotz des Aufenthaltsraums noch nicht etabliert. Die Bar des Musikklub Mehrspur ist sicher eine Adresse: Jeden Mittwochabend kann man beim «JazzBaragge Wednesday Jam» die Musikerinnen und Musiker in ihrem Element sehen. Gerade den Jazz-Studierenden ist das Toni zu gross sei, sie haben Mühe, sich zu begegnen.

Als erster interdisziplinärer Erfolg lässt sich das Zusammenspiel der Musiker aus verschiedene Vertiefungen – und somit Musikstilen – verbuchen. Auch Fernando, ein Student aus dem Masterstudiengang Music Pedagogy, will die neuen Nachbarschaften nutzen. Gemeinsam mit zwei Studentinnen der Vertiefung Style und Design initiierte er die Entwicklung eines Sitzkissens, welches auf die gesundheitlichen und departements-spezifischen Bedürfnisse der Studierenden hier im Toni abgestimmt sein soll.

Auch wenn noch nicht alle ganz im Toni ganz angekommen sind – die Grundstimmung unter den Musik-Studierenden ist sehr positiv. Vielleicht eine Eigenschaft, die den Musikern angeboren ist? Auf viele spannende interdisziplinäre Projekte – vielleicht sogar einmal mit meinem Studiengang Industrial Design.

 

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Blockseminars «Arbeitsweisen und Arbeitswelten im Toni» für BA-Studierende am Departement Design.

 

Spiegel zum Himmel

Ein Beitrag von Nadja Müller und Gabriel Bach (BA Design, Interaction Design)

Was wäre das Toni ohne die Lichthöfe? Eine dunkle Höhle. Laut der Architekten sind diese Öffnungen genau dazu da, dem entgegenzuwirken. Für viele bedeuten die Lichthöfe noch mehr als Licht: Die Innenhöfe sind Begegnungszone für viele Studierende und Mitarbeitende. Im Innenhof vor den Räumlichkeiten der Interaction Designer und der Cast-Studierenden hat diese Aneignung sehr ausgeprägt stattgefunden. Es wird Pingpong gespielt, geraucht oder die eine oder andere Party gefeiert.

Der Lichthof erstreckt sich kaskadenartig über drei Ebenen und wenn man über die Interaction Design-Ebene hinausschaut, bemerkt man auf dem untersten und kleinsten Innenhof einen gigantischen Spiegel. Kaum jemand weiss jedoch, was es damit auf sich hat. Die Vorstellungskraft der Studenten liefert dazu verschiedenste, interessante Theorien. Ob er nun dazu dient, die Awesomeness der da arbeitenden Fotografie-Studenten abzubilden oder nur, um die unteren Räume zu erleuchten? Niemand weiss es mit Sicherheit.

Der Zusammenzug dutzender verschiedener ZHdK-Standorte auf den gemeinsamen Toni-Campus hat viele Veränderungen mit sich gebracht. Für Bruno Oberhänsli leider auch negative.
 Bruno war bis zu seinem Ruhestand Mitarbeiter der internen Ausleihe der Vertiefung Fotografie, ein guter Gesprächspartner und so etwas wie die Seele der Vertiefung. Am früheren Standort am Sihlquai hatte er ein grosses Büro mit schöner Aussicht, doch seit dem Umzug ins Toni-Areal war Bruno nicht mehr glücklich mit seinem Arbeitsplatz. Trotz des Innenhofs direkt vor seinem Fenster konnte er doch nicht einmal den Himmel sehen.

Davon erfährt auch Piero Good, ein Student der Vertiefung Fotografie. «Ich überlegte erst scherzhaft, dann ernsthaft, wie man das Problem lösen könnte.» Per Zufall findet er einen Alurahmen, der mit einer Spiegelfolie bezogen ist. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, oder besser einer Sonntagsaktion, schaffen er und drei Freunde den Spiegel in den Innenhof. Das Weihnachts-, Abschieds- und auch Freundschaftsgeschenk bringt Bruno Oberhänsli für seine letzten Wochen im Toni den Himmel wieder ins Büro. Seit einiger Zeit ist Bruno Oberhänsli nun pensioniert. Doch der Spiegel bleibt und erfreut den Rest des Teams auch weiterhin.

Der kaskadenartige Lichthof

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Blockseminars «Arbeitsweisen und Arbeitswelten im Toni» für BA-Studierende am Departement Design.

Studierende erforschen ihre neue Behausung

In dem einwöchigen Wahlpflichtseminar «Arbeitsweisen und Arbeitswelten im Toni» am Departement Design haben sich die Bachelorstudierenden mit Strategien sozialer Aneignung von Raum beschäftigt. Wo und wie der Campus Toni angeeignet wird, zeigen ihre Arbeiten, die in den kommenden Tagen online zu finden sind.