Wozu eigentlich twittern? Wozu aus Veranstaltungen twittern?

Für die nächsten zwei Wochen (also vom 5. bis zum 18. Oktober) werde ich via Twitter aus Lehrveranstaltungen der ZHdK berichten. Was Twitter ist und wozu es gut sein könnte, habe ich 2012 für einen Vortrag mit dem Titel „Die Zwitschermaschine“ etwas ausführlicher aufgeschrieben.

Zu Beginn der ersten Veranstaltung:

Ich weiss nicht, warum das an der ZHdK so ist. Schliesslich hat Kunst doch oft mit Publikum zu tun, und in letzter Zeit auch immer öfter mit dem Einwerben von Crowdfunding-Geldern. Da läge es doch nahe, mit der Öffentlichkeit zu sprechen und nicht nur mit geschlossenen Facebook- oder Whatsapp-Gruppen. Ich möchte, was Twitter angeht, nicht denselben Fehler machen wie Jack Griffin, CEO der Tribune-Publishing-Gruppe, der Ende September in einem Interview ankündigte, die Jugend werde schon bald wieder mit dem Zeitunglesen anfangen. Vielleicht ist Twitter für mich viel überzeugender als für 20-Jährige. Aber bei Instagram und YouTube kommen mir die ZHdK-Studierenden kaum weniger zurückhaltend vor.

Der oben erwähnte Zwitschermaschinentext enthält einen Abschnitt über das Veranstaltungstwittern:

    • Durch 4., 5. und 6. [die vorher dargelegten Twittereigenschaften Mobilität, Schnelligkeit und Öffentlichkeit] etablierte sich ein Einsatzzweck, für den Twitter heute eine Art Monopol hat: das Veranstaltungstwittern.
    • Vor Twitter war diese Nische durch Liveblogging besetzt. Aber Liveblogging hat höhere Teilnahmehürden und erreicht weniger Leser.
    • Veranstaltungstwittern hat zwei Funktionen. Zum einen öffnet es die Veranstaltung nach aussen. Abwesende können das Geschehen verfolgen.
    • Die Anwesenden sind dann etwas abwesender, weil sie nebenbei twittern, aber dafür sind die Abwesenden etwas anwesender.
    • Zweitens haben auch die Abwesenden die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen …

Auch seitens der Dozierenden und der Verwaltung wird, finde ich, zu sorgsam getrennt zwischen 1. Informationen für die Öffentlichkeit, 2. Innenleben der ZHdK  und 3. Veranstaltungen, die zwar im Haus für eine Öffentlichkeit aus physisch Anwesenden zugänglich sind, aber keine Anbindung an eine abwesende Öffentlichkeit vorsehen und oft auch nicht für eine zeitversetzte Beschäftigung archiviert werden. Auf mich wirkt das so, als traue man den eigenen Veranstaltungen nicht zu, die Öffentlichkeit zu überzeugen, und der Öffentlichkeit nicht, diese Veranstaltungen auch dann richtig einzuschätzen, wenn sie provisorisch, inoffiziell, flüchtig, unfertig oder hochspezialisiert sind. Das ist schade, weil im Haus so viel Interessantes passiert.

Vielleicht fällt mir eines Tages eine Erklärung für diese Abneigung gegen öffentlich sichtbare Betätigung in sozialen Netzwerken ein, oder ich begegne jemandem, der sie kennt. Bis dahin ist es ja schon mal erfreulich, dass das Z+ mich hin und wieder als Twitterhilfe einlädt.

Zwar habe ich mir schon vor Monaten vorgenommen, nicht mehr aus Veranstaltungen zu twittern, auf denen ich die Einzige bin, die das tut. Wer meine Tweets liest, bekommt ein unausgewogenes Bild der Veranstaltung, nämlich meines, abzüglich dessen, was ich alles verpasst habe. Wenn mehrere Anwesende gleichzeitig berichten würden, könnten sich deren Vorlieben, Abneigungen und Unaufmerksamkeiten besser ausgleichen. Twitter-Erfahrene wissen das einzuschätzen, aber Veranstaltenden ist Twitter oft fremd, sie finden ihre Veranstaltung in der Öffentlichkeit verkürzt und einseitig dargestellt und haben das Gefühl, sich gegen diese Darstellung nicht wehren zu können. Letzeres ist mir immer ein bisschen rätselhaft – das Internet ist ja keine Zeitung. Wer findet, dass dort Unzutreffendes geschrieben wird, kann die Sache selbst richtigstellen oder noch besser: aktiv dazu beitragen, dass mehr als nur eine Person die Veranstaltung sichtbar macht.

Diesmal aber habe ich einen ausdrücklichen Twitterauftrag, und ich bin nur in Veranstaltungen zu Besuch, deren Verantwortliche sich diesen Besuch gewünscht haben. Da ich fürs Twittern bezahlt werde und Werbung für diesen Informationskanal machen möchte, werde ich mich auf haltlose Schmeicheleien und unkritische Begeisterung beschränken. Wie ich inzwischen weiss, entspricht das deutsche Konzept der unkritischen Begeisterung etwa dem Schweizer Konzept der mittelscharfen Kritik, die ausgewogene Berichterstattung bleibt also gewährleistet.

 

 

Thomas Schlup unterwegs im Toni-Areal

Der Kulturpublizistik-Student Thomas Schlup nutzt ein freies Mentorat für Foto-Arbeiten auf dem Campus Toni. Leitern gehören zum festen Bestandteil der ZHdK, scheint es. Oder des Toni-Areal?

Nicht nur «Hurra» im Departement Design (II)

Im zweiten Teil des Interviews bilanziert Hansuli Matter den Prozess und die Ergebnisse, die mit ODI einhergingen, und schätzt die neue Situation und Wirkung seines Departements ein.

Inwiefern beeinflusst die Infrastruktur auf dem Campus Toni die Betriebskultur?
Ich würde einiges anders machen, wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte: So würde ich mit ODI nicht in der Mitte des Bauprozesses, sondern bereits an dessen Anfang starten. Ich würde zuerst grundsätzlich über die Idee eines Campus nachdenken, über die Kommunikation dort, die Soft Skills, die Betriebskultur – dann erst über infrastrukturelle Bedürfnisse. Zudem würde ich – neben Architekten und Designern – weitere Leute ins Boot holen: vom Theater, aus der Administration, Künstler, Musiker.

Was haben wir uns vergeben?
Ich glaube, der Campus wäre heute viel generischer angelegt, weniger auf die spezifisch individuellen Bedürfnisse einzelner Abteilungen ausgerichtet. Das Haus wäre neutraler gebaut und nicht so sehr nach Disziplinen getrennt. Es gäbe Räume, Ateliers, Werkstätten und Bürozonen in mittlerer Qualität, die flexibler wären. Der Planungsprozess des Toni-Areals hat acht Jahre gedauert, und die Organisation, die uns vor acht Jahren beauftragt hat, ist nicht mehr dieselbe wie damals – die ZHdK verändert sich gerade stark. Die räumliche Aufteilung innerhalb des Hauses entspricht der Denklogik, die aus 36 damals isoliert aufgestellten institutionellen Einheiten heraus entstanden ist. Zum Glück ist diese Denklogik aber nicht einbetoniert – die meisten Wände sind aus Rigips. [lacht]

Ein Jahr vor dem Einzug wurde die räumliche Verteilung noch einmal überprüft. Warst Du damals involviert?
Nein, aber die performativen Bereiche waren teilweise über-, andere unterdotiert. Deshalb mussten tausende Quadratmeter – ich erinnere mich nicht mehr an die genaue Zahl – umgeplant werden. In der Mitte des Bauprozesses war das Grundkonzept von einer rein performativen Hochschule nicht mehr zentral, und man musste eine neue Balance finden. Das Bedürfnis der Departemente, sich zurückzuziehen und ihre Territorien zu eigenen zu erklären, ist heute recht ausgeprägt, weil sie das Gefühl haben, ihre Heimat verloren zu haben. Die Frage ist, ob wir einen Schritt zurückgehen oder einen Schritt nach vorne wagen, um dieses Problem zu lösen.

Produzieren die Allmende eine weitere Unsicherheit – zusätzlich zum Umzug und Neu-Einrichten?
Ja, man muss sich die Allmende erkämpfen, benutzen, zustellen, sich darin ausstellen. Ein Beispiel sind die grossen Schaufenster zu den Gängen, die ich persönlich sehr schätze – aber viele andere Personen verstellen sie sofort mit einigem Aufwand. Vielleicht brächte ODI 2.0. die Möglichkeit, die Fenster zu den Gängen einfach zuzumachen, aber eben auch wieder aufzumachen – als ganz normale Funktionalität. Manchmal genügt das Wissen allein, etwas Bestimmtes tun zu können.

Es gibt ein Bedürfnis nach Brachen, halböffentlichen Räumen, die für spontane Nutzungen zur Verfügung stehen und nicht gebucht werden können. Wie liesse sich diese Forderung umsetzen?
Diese Brachen und halböffentlichen Bereiche existieren bereits. Man muss diese jedoch sichtbar machen, auszeichnen. Die Menschen im Toni-Areal benötigen ein Hilfsmittel, denn sie trauen sich nicht, diese Brachen zu benutzen: was ist Brache, wo ist sie, wie funktioniert das? Auch muss der Zugang zu ungenutzten Räumen niederschwelliger werden – ein Buchungstool oder eine rein physische Auszeichnung wären denkbar.

Wie zufrieden sind Deine Mitarbeitenden mit ihren Arbeitsplätzen?
Wir haben sehr unterschiedliche Feedbacks. Die Studierenden sind glücklich über die Ateliers, die sie benutzen, die Administration hingegen ist sehr unzufrieden. Die Raumhöhe unserer Büro-Cluster ist niedriger als in den anderen Bereichen. Wir sind zudem nicht nur am engsten Lichthof platziert, sondern auch ziemlich weit unten, was lichtmässig schwierig ist, und Konfliktpotenzial schafft. An jedem Tisch sitzen zudem partiell mehrere Personen – das ist eine veritable Übernutzung. Von diesen Mitarbeitenden hört man verständlicherweise kein ‹Hurra›.

Was kann man ändern?
Wir haben in den vergangenen sechs Monaten alternative Szenarien entwickelt, die wir baldmöglichst umsetzen wollen. Ich verstehe die Kritik der Mitarbeitenden, begreife aber auch das FM, die Umnutzungen geordnet und transparent umsetzen wollen. Das Haus hat ja eigentlich genügend Platz, aber in seiner Nutzung weist es die Extreme von Über- und Unternutzung auf. Der Ausgleich muss erst hergestellt werden. Ein Kontingent an nicht im Vorfeld buchbaren Seminarräumen, kurzfristig buchbar, 24/7, wäre zum Beispiel sicher sinnvoll. Zudem muss man die aktuelle Auslastung über das ganze Toni-Areal analysieren: Viele Abteilungen buchen Seminarräume zwei Monate im Voraus – und brauchen die so der Nutzung durch andere entzogenen Räume schlussendlich nicht. Das FM ist gerade dabei, diese Raumnutzungsanalysen herzustellen, und ich bin sehr gespannt, ob sich unsere subjektive Wahrnehmung in den erhobenen Werten wiederspiegelt.

Trotz Eurer Raumschwierigkeiten ist das Departement Design sehr sichtbar im Haus.
Unsere Anmeldezahlen sind merklich gestiegen. Viele Menschen im Haus meinen, der Grund seien die grösseren und besseren Räume, die das Departement Design habe. Zusätzlich waren wir während der Diplomausstellung so präsent, dass einige Personen bemerkten, dass das Toni-Areal nicht eine Kunst-, sondern eine Designhochschule beherberge. Es stimmt, dass wir – gemeinsam mit der Musik – sehr präsent sind. Und das ganz bewusst! Ich wünsche mir dies jedoch für alle Disziplinen. Momentan ist die Sichtbarkeit der einzelnen Disziplinen sehr unregelmässig. So wird beispielsweise die Hyperaura oder die grosse Wand in der Halle mit Video-Installationen, Manifesten oder Kunstinstallationen nur von wenigen Departementen bespielt. Das Design ist recht selbstbewusst unterwegs. Insgesamt muss man jetzt zusehen, dass sich ein Ausgleich herstellt: dass die anderen auch manifester werden – oder wir moderater.

Wo bietet das Toni-Areal Orte der Begegnung, wo Rückzugsmöglichkeiten für Dich?
Mein Büro – eines der wenigen Einzelbüros im Toni-Areal – ist nicht mein eigentlicher Rückzugsort. Hier herrscht die Kultur, dass die Türe offensteht und immer alle hereinkommen können – was auch angenommen wird. Die Türe ist nur zu, wenn vertrauliche Besprechungen stattfinden. Ich würde sagen: Rückzug bieten mir der Dachgarten und der Musikklub. Begegnungen habe ich beim Mittagessen am Stammtisch. Das muss auch nicht lange geplant werden, da findet man immer jemanden. Das ist wie Social-Roulette: mal gucken, wer sich neben mich setzt.

Ein durchdachter Schlitz hat seinen Preis (I)

Lange vor dem Einzug ins Toni-Areal hat sich Hansuli Matter Gedanken zum Zusammenleben am neuen Ort gemacht und das Projekt «Orte des Informellen (ODI)» lanciert. Matter, der die Leitung des Departements Design zunächst interimistisch wahrgenommen hatte, ist zeitgleich mit dem Einzug ins Toni-Areal zum neuen Departementsleiter gewählt worden. Bei einem Besuch in seinem Büro auf der Ebene 4 sticht die Ordnungsstruktur seiner Unterlagen auf dem Schreibtisch ins Auge: «Keine Ordnung – eine Überlebensstrategie!». Teil I des Interviews mit Hansuli Matter.


Was hat Dich damals – als Leiter des Studiengangs Bachelor of Arts in Design – motiviert, Fragen des künftigen Lehrens, Lernens und Arbeitens am neuen Standort zu thematisieren?
Ausgangslage war das Projekt «Territorien der Künste» mit Design-Studierenden. In diesem Projekt haben wir Zukunftsmodelle für einen Campus der Künste entwickelt: Wie könnte eine Kunstschule gestaltet sein? Wie funktioniert Territorialverhalten? Welche Strategien für die Kunst gibt es? Gemeinsam mit der Hochschulleitung wuchs dann der Gedanke, die studentische Gedankenübung auf Fragen hinsichtlich des Toni-Areals anzuwenden: Was bedeutet das Informelle? Wie gestalten wir allgemeine Bereiche und wie grenzen sich gedachte Territorien davon ab? Wie soll das Zusammenleben funktionieren?

Durch die Vorgaben der Architektur kann man sich auf dem neuen Campus über die Disziplingrenzen hinweg begegnen – auch ausserhalb von Seminar- und Übungsräumen sowie Werkstätten. Warum sollte dieses «informelle Lernen» noch zusätzlich gefördert werden?
Es gilt, das Expertentum zu relativieren. Wer ist heute Experte und erklärt wem die Welt? Dass ausschliesslich Dozierende qua Status Experten sind, entspricht nicht mehr der Realität. Bei einem meiner Seminare, Einführung in Netzwerktechnologien, unterrichtete ich Studierende, die seit Jahren mit Sicherheitssystemen arbeiteten. Denen musste ich nichts von einer Firewall erzählen – und schon gar nichts Falsches. Vielmehr sollte das Know-how untereinander ausgetauscht werden. Diese Lernprozesse sind wertvoll und geschehen bei den Studierenden im Alltag untereinander – ohne Frontalunterricht.

Unterstützt das Toni-Areal informelle Arbeitsplätze?
Genau dafür haben wir uns mit ODI stark gemacht. Viele Projekte waren infrastrukturell angelegt. Jetzt ist es an der Zeit, eine Analyse zu machen: Wie funktioniert das Haus, wie es jetzt ist? Wo haben sich informelle Orte etabliert? Wo bräuchte es weitere Unterstützung? Der Sinn liegt nicht darin, alles mit Möbeln vollzustellen. Unser Grundsatz war, stellenweise eben nichts zu machen – und zu beobachten, wo sich was organisch entwickelt: auf der Rampe oder in Aufenthaltsräumen.

Wie lautet Deine Zwischenbilanz?
Es gibt ausgezeichnete Orte, die sehr gut funktionieren wie der Stammtisch. Er hat eine holzige, sinnliche Qualität und bedient funktionelle Ansprüche an Chill-out, Arbeitsplatz, Meetings, essen, entspannen. Diese Idee in die Riesenhalle zu übersetzen, hat vorbildlich geklappt. Man muss hinzufügen, dass bei jenen ODI-Projekten, die gut funktionieren, auch genügend Ressourcen zur Verfügung standen. Eine gute Idee ist das eine, deren Umsetzung das andere. Dahinter steckt eine Menge Entwicklungsarbeit und Aufwand.

Läuft Euer Projektauftrag denn noch?
Die HSL ist dabei, das Projekt zu evaluieren und weitere Schritte zu initiieren. Damit dies geschehen kann, benötigt es neben dem Willen auch angemessene Ressourcen: ohne Budget kann man lange an Papieren schreiben. Die Gelder für die erste ODI-Phase wurden grösstenteils aus dem Projektbudget für das Toni-Areal generiert.

Greenboxes, Vorhänge … Ihr hattet eine hohe Umsetzungsquote – fast 2/3 der 24 geplanten ODI-Projekte wurden realisiert.
Ja, und viele fallen kaum auf, fügen sich organisch ins Ganze ein. Die Betonbänke, die Y-Bänke, die Kabelvorhänge … Die Kabel sind aufgeräumt und das System wirkt ganz natürlich. Keiner käme auf die Idee, dass das eines unserer Projekte war, dass irgendjemand jemals über diese Schlitze nachdenken musste. Andererseits gab es Projekte, die bewusst nach dem Bottom-up-Prinzip funktionieren sollten. Das Urban Gardening auf der Dachterrasse ist ein solches Projekt: Die Initiatoren kamen zu mir – und ich konnte ihnen weiterhelfen und sie mit den richtigen Ansprechpartnern verknüpfen. Man kann in einem so grossen Haus nicht alles selbst bespielen, sondern ist auf eben solche Leute angewiesen, die selbst denken, machen und umsetzen, die von sich aus Ideen generieren.

Was ist mit den Projekten, die nicht umgesetzt wurden?
Manche Projekte, wie die Ruhekapseln, sind bewusst noch nicht realisiert worden, weil wir zunächst beobachten wollen, wo wir sie hinstellen könnten und welche Funktion sie haben sollen. Es gibt ja eine grosse Freiheit im Haus. Doch die Menschen im Toni-Areal gehen zurückhaltend mit ihr um, weil sie das Haus nicht lesen können bzw. die Freiheiten nicht sichtbar sind. So stellen sie Fluchtwege voll, obwohl nebenan die Freizonen und Räume wären, die unkompliziert bespielt werden können. Es braucht ein ‹enablement›. Die Mitarbeitenden und Studierenden an unserem Departement sind damit vertrauter, weil ich sie ermuntere: ‹Ihr müsst raus, da sind allgemein nutzbare öffentliche Zonen, die müsst Ihr bespielen!› Dadurch hat das Design derzeit eine hohe Präsenz innerhalb der ZHdK. Dabei könnten alle diese Räume nutzen! Es sind keine unzugänglichen Territorien.

Während der Diplomausstellung hat die Kaskade mit den Durchgängen und Schalträumen so funktioniert, wie sie von den Architekten angelegt war.
Der HSL-Konferenzraum war während der Diplomausstellung als Ausstellungsraum in Gebrauch. Somit hat die Hochschulleitung ihre Sitzung in einem Nebenraum abgehalten. Es ist toll, ad hoc zusätzliche Ausstellungsräume generieren zu können.

Wie hat sich der neue Ort auf die Konferenz ausgewirkt?
Wir waren irritiert und das Zeitmanagement hat für einmal nicht wirklich funktioniert. Ob das der Effekt des ungewohnten Raumes war, weiss ich allerdings nicht.

Im Gespräch mit dem Museum (III)

Die Mitarbeitenden des «Museum für Gestaltung – Schaudepot» erzählen über die Situation am neuen Ort. Nach Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, und Bernadette Mock, Leiterin Kommunikation, ist im letzten Teil der Serie Vanessa Gendre, Dokumentarin in der Grafiksammlung, im Gespräch.

Was ist Deine Aufgabe hier?
Einerseits habe ich als Dokumentarin mein Alltagsgeschäft: die Erschliessung der Objekte, die wir in der Grafiksammlung haben. Da ist der Altbestand, den wir ständig aufarbeiten und digitalisieren. Zudem bin ich an der Recherche und Auswahl für neue Objekte beteiligt. Wenn neue Objekte ins Haus kommen, erledige ich die Aufnahme in die Datenbank, indem ich das Objekt anhand eines Kriterienkatalogs beschreibe. Andererseits gehört die Vermittlung des Sammlungsguts zu meiner Aufgabe als Dokumentarin. Auch das ist nicht neu – bereits in der Förrlibuckstrasse, unserem alten Standort, hatten wir Führungen und im Schnitt alle zwei Jahre eine Ausstellung.

Was hat sich für Euch als Dokumentarinnen durch den Umzug verändert?
Für uns hat sich sehr viel geändert, nicht nur das Team und die Räumlichkeiten: Die vier Sammlungen sind zusammengekommen, die vorher auf unterschiedliche Standorte verteilt waren. Zudem ergibt sich durch die räumliche Nähe zwischen den Sammlungen ein viel engerer Austausch, was toll ist! Ganz allgemein ist die Nähe zum Museum neu: Man sieht plötzlich die Leute von der Werkstatt, vom Museumsbetrieb, der Kommunikation – man kann kurz hinein, mit ihnen sprechen. Ich finde, das Museum ist sehr gut am neuen Standort angekommen. Mit dem «Schaudepot» haben wir uns zudem eine neue Öffentlichkeit erschlossen. Das Feedback, das ich bei meinen Führungen bekomme, ist durchweg positiv.

Wie wirkt sich die neue «Wohnsituation» auf Euch als Team aus?
Es ist nicht vergleichbar, weil es anders ist. Ich denke, dass sich dieses «andere» nur bedingt auf das Gebäude zurückführen lässt. Wo wir vorher vier Kulturen hatten, haben wir jetzt eine Kultur, auch wenn die vier Sammlungen eigenständig sind. Im Zusammenhang mit dem Umzug hat es eine Reorganisation gegeben. Die Teambesetzung hat sich geändert – und dadurch auch die Zusammenarbeit. Das Team muss noch zusammenwachsen.

Hat sich mit dem neuen Standort auch das Publikum verändert?
Es sind viel mehr Besucherinnen und Besucher. Früher haben wir vor allem Fachführungen durchgeführt – Gestaltungsschulen waren unsere Stammkunden. Auch heute bekommen wir noch Anfragen von Leuten, die nur die Grafiksammlung sehen wollen. Doch hauptsächlich geben wir Führungen durch das ganze «Schaudepot» für interessierte Laien und viele Fachleute. Das Gebiet unserer Vermittlung ist breiter geworden.

Wie reagierst Du auf diese neuen Bedürfnisse?
Bei einer «Schaudepot»-Führung will ich eher einen Überblick vermitteln und erzähle viel aus dem Alltag: Wie sammelt man? Was sammelt man? Wie gehen wir mit einem Objekt um, wenn es in die Sammlung kommt? Welches Klima braucht es? Wie archiviert man? Ich gehe auch auf die Objekte ein, und es kommen Objekte aus allen vier Sammlungen vor. Bei einer Führung durch die Grafiksammlung hingegen muss ich weniger über meine Tätigkeit und mehr über die Objekte sprechen. Ich reagiere sehr sensibel auf die Bedürfnisse der Gruppen, und wenn es sich um Fachleute handelt, gehe ich mehr in die Tiefe.

Wie hast Du Dir das Wissen über die anderen Sammlungen angeeignet?
Oh, ich habe viel dazugelernt in den letzten Monaten. Wir Kollegen und Kolleginnen haben untereinander Termine vereinbart und Rundgänge gemacht – zusätzlich zu den Einführungen von den Kuratorinnen.

Begreifen die Besucherinnen und Besucher den Unterschied zwischen «Schaudepot» und Sammlung?
Das «Schaudepot» besteht aus dem Hochregallager, den verschiedenen Archivräumen, dem Katalograum, zwei Fotostudios, zwei Werkräumen, der Bürozone und den Ausstellungsräumen. Ich glaube schon, dass die Besucher verstehen, dass das Museum vier Sammlungen hat und diese Teil des «Schaudepots» sind. Bei einer Führung besuchen wir nur eine Auswahl an Archiven: Ich gehe beispielsweise nie ins Fotoarchiv, denn es ist nicht zur Präsentation angelegt. Zudem wähle ich immer nur eines von zwei Plakatlagern.

Wie zufrieden seid Ihr mit den räumlichen Begebenheiten des neuen Museums?
Für die Objekte bedeutet der Umzug eine massive Verbesserung der räumlichen und klimatischen Verhältnisse. Auch mit unserem Büro, ein Grossraumbüro, bin ich zufrieden. Es gibt gute Abtrennungen durch Büchergestelle. Mühsam sind die Alarme, die permanent irgendwo ertönen. Im Büro ist es eher kalt, aber das hat sich schon sehr verbessert inzwischen. Insgesamt komme ich gerne hierher.

Hast Du einen Lieblingsort?
Den Musikklub Mehrspur finde ich super. Auch das Chez Toni finde ich toll, vor allem am Abend. Es hat wirklich eine gute Stimmung dort und es gefällt mir, dass die Studis am Abend noch ein bisschen dort bleiben. Und die Dachterrasse … Aber ich merke, dass ich das Haus noch kaum kenne und mich eher in meinem Gebiet aufhalte. Vor allem bei der Diplomausstellung musste ich mich manchmal fragen, wo ich eigentlich gerade bin.

 

Wohnen im Turm

Simon (31) und Nina (30), Architekt und Designerin, sind Anfang April in eine der 100 Mietwohnungen im Toni-Areal gezogen. Die Lofts, Geschoss- oder Maisonettewohnungen des Gebäudes haben zwischen 2.5–5.5 Zimmer, erstrecken sich auf mindestens 60–160 m2 und liegen im 9. bis 22. Geschoss des Hochhauses. Alle Wohnungen verfügen über Loggien, die den Wohnraum zusätzlich erweitern. Simon und Nina haben eine der Maisonettewohnungen mit 83 m2, 3 Zimmern im 17. und 18. Geschoss. Man betritt die Wohnung über die untere Etage, auf der sich der private Bereich mit Schlafzimmer, Gästezimmer inkl. Ankleide sowie ein Bad mit Dusche befindet – dieser untere Teil der Wohnung ist gegen Norden ausgerichtet. Auf der oberen Etage liegt die Küche, das Wohnzimmer, ein Gästebad mit Wanne sowie eine 6-m2-Loggia mit einem grossformatigen Fenster, das heute offensteht und einen Blick auf den Süden der Stadt freigibt.

 

[Nina & Simon zeigen ihre Wohnung …]
Nina: Die Wohnung verfügt über eine kontrollierte Wohnraumlüftung und eine regulierbare Fussbodenheizung. Wir sehen die Sonne morgens auf der einen Seite aufgehen und haben sie von Mittag bis zu ihrem Untergang auf der anderen Seite der Wohnung. Dadurch es ist sehr, sehr warm. Wenn, dann wäre ein Klimatisierung schön …
Simon: Die drei Monate, seitdem wir hier leben, waren viel intensiver als in unserer alten Wohnung, weil es so easy ist, abends noch eben an der Limmat entlang zu joggen oder ins Wasser zu springen.
Nina: AC/DC ist kürzlich im Stadion Letzigrund aufgetreten – wir konnten das Konzert von hier aus mitverfolgen! Die Hardau Türme sehen leider nicht so sexy aus, gerade wenn es regnet. Der Regen fliesst dann an der Fassade herunter, was etwas traurig wirkt. Wir haben kürzlich Freunden bei ihrem Umzug in die «James»-Überbauung geholfen und deren Wohnung ist auch schön. Ich denke aber, dass diese Wohnung hier besser zu uns passt.

Hier im Toni-Areal waren ja dutzende Wohnungen frei …
Simon: Man kann das Angebot freier Wohnungen auf der Internetseite nach Preisen sortieren und da sieht man relativ schnell, was in Frage kommt. Wir hatten uns 3000 Franken als Obergrenze gesetzt, die gleichsam relativ fiktiv war, weil wir – bis wir aus Toni-Areal gestossen sind – nie bis 3000 Franken gesucht hatten. Im Toni-Areal selbst hatten wir uns zunächst eine Wohnung für 2800 CHF angesehen – die haben wir allerdings nicht bekommen.
Nina: Die Wohnung lag auf der Westseite mit Blick zum Hotel. Sie hatte eine Ebene und nur zu einer Seite Fenster. Und schon die fanden wir total cool. Wir sind dann zur Verwaltung gegangen und haben das Dossier persönlich abgegeben. Als die zuständige Dame uns kurze Zeit später leider absagte, erzählte sie uns, dass sie eine andere, bessere frei hat, die 300 Stutz mehr kostet. Das erschien uns teuer, und auch vom Grundriss waren wir zunächst nicht so angetan. Wir fanden es komisch, dass der ganze private Bereich im unteren Teil der Wohnung liegt. Als wir die Wohnung besichtigt haben, wirkte der Grundriss ganz anders. Dann mussten sich die Eindrücke 2–3 Tage setzen, bevor wir uns beworben und einen Tag später schon die Zusage bekommen haben.

Hat der Grundriss demnach eine grosse Rolle gespielt?
Simon: Man ist schon auch ein bisschen spiessig. Als Architekt entwirft man selbst tolle, offene Wohnungen und denkt dennoch: eine Türe in der Küche wäre ja schon praktisch. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob wir einziehen sollten und habe mich mit dem Grundriss an ein paar Freunde und Geschäftskollegen gewandt. Die haben auch gesagt: ‹Nun sei nicht so spiessig. Ist doch egal, ob die Badewanne oben oder unten ist.› Wenn man sich ein bisschen für Architektur interessiert, dann lernt man die Diversität dieser Wohnungen im Toni-Areal auch sehr schnell schätzen.
Nina: Dieser lange Gang sah auf dem Plan recht schmal aus. Und jetzt kommen wir sehr gut damit zurecht. Ich finde es wahnsinnig geschickt, wie die Wohnungen des Gebäudes ineinanderstecken, dass nicht alles gleich ist, und jede Wohnung ihre eigene Qualität hat.
Simon: Wenn man sich vor Augen führt, dass die Architekten mit einer Gesamtgebäudetiefe von 16 Metern umgehen mussten … Ein Haus, das Nord-Süd-orientiert ist, sollte maximal 12–13 Meter Tiefe haben. Nun waren die 16 Meter durch den bestehenden Bau quasi vorgegeben und die Herausforderung, diese Tiefe zu befüllen, haben EM2N gut gemeistert. Alle im Turm befindlichen Maisonettewohnungen erstrecken sich über die gesamte Tiefe. Die Treppen sowie die Bäder sind innenliegend, dadurch konnte man humane Raumtiefen gewinnen. Ja, es ist interessant, abwechslungsreich und geschickt, wie Nina sagt. > Weiterlesen…

Im Gespräch mit dem Museum (II)

Wir wollen wissen, wie es dem «Museum für Gestaltung – Schaudepot» am neuen Ort geht. Nachdem im ersten Teil der Serie Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, im Gespräch war, kommt nun Bernadette Mock, Leiterin Kommunikation, zu Wort.

Wie ist aus Deiner Sicht das Museum in seiner neuen Heimat angekommen?
Ich kann natürlich nicht für das Museum reden, sondern nur für mich. Ich gebe hier meine subjektive Wahrnehmung wieder. Zunächst ist der Umzug mit über 500‘000 Designobjekten ein Kraftakt gewesen. Als wir gezügelt waren, war es ungewohnt, in den neuen Büros zu sein. Zwischendurch ist es dort so kalt gewesen, dass wir unsere Hände heiss abspülen mussten. Vieles stimmt auch jetzt klimatisch noch nicht. Aber dann hatten wir eine fulminante Eröffnung – die Leute waren begeistert. Auch der neue Zugang zu den Sammlungen kommt sehr gut an. Wir bekommen sehr viel positives Feedback! Und inzwischen ist es schon normal geworden, im Toni-Areal zu sein.

Haben sich mit dem Standort auch die Besucher verändert?
Es ist wirklich eine Freude: Wir merken die neue Nähe zur Schule nun deutlicher. Uns kommen mehr ZHdK-Angehörige besuchen – Dozierende, Mitarbeitende, Studierende, auch von anderen Schulen, vor allem aus dem Bereich Grafik und Design. Doch insgesamt lassen sich die Besucherzahlen nicht mehr mit dem alten Standort vergleichen. Mit der Ausstellung «100 Jahre Schweizer Design» hatten wir noch den Bonus des Neuen. Doch heute ist es vor allem am Wochenende manchmal sehr ruhig. Ich denke, der Standort ist nicht mehr so ideal wie zuvor an der Ausstellungsstrasse, nahe am Hauptbahnhof: Die längere Anreise ist für viele ein Hindernis – und selbst wenn der Besucher angekommen ist, findet er uns nicht gleich. Aber das geht dem Department Musik mit den Konzertsälen ja nicht anders, nehme ich an.

Wie wirkt sich die neue Wohnsituation auf Euch als Team aus?
Das Team ist nun auf drei Standorte verteilt: Hier im Toni-Areal sind die Sammlungen, die Direktion mit der Kommunikation und den Kooperationen, der Museumsbetrieb sowie die Werkstatt. Die Ausstellungsabteilung mit der Vermittlung sowie die Publikationen sind an die Hafnerstrasse gezogen. Und das Museum Bellerive im Seefeld gehört ja auch zu uns. Dass unser Team geteilt ist, ist nicht neu: Früher waren, nebst dem Museum Bellerive, die Mitarbeitenden der Sammlungen auf verschiedene Standorte verteilt. Jetzt ist die Mehrheit von uns zusammen im Toni-Areal, nah an der ZHdK, an den Ausstellungen und an den Sammlungen, aber weniger nah an der Ausstellungsabteilung. Dass die Ausstellungsmacher nicht vor Ort sind, finde ich schwierig. Sie machen Ausstellungen für einen Ort, den sie nicht miterleben können: Wer besucht uns hier, wie sind die Reaktionen? Ich hätte es schön gefunden, den Neustart mit allen gemeinsam machen zu können. Doch aus Platzgründen war das leider nicht möglich.

Dafür sind jetzt die Sammlungen geöffnet …
… die es seit 140 Jahren gibt und nie öffentlich zugänglich waren! Durch die Öffnung nach aussen etabliert sich auch intern eine neue Kultur. Man denkt plötzlich nach aussen, und unter den Sammlungsmitarbeitenden spalten sich die Geister: «Jetzt kann man den Schatz endlich einmal zeigen.» Und: «Ich will den Schatz aber pflegen, bewahren und schützen.» Mit einem Mal haben die Sammlungsmitarbeitenden andere Funktionen: sie machen mehr Führungen, leisten mehr Vermittlungsarbeit als früher. Das geht von der Zeit weg, die sie für die Sammlungs-, Konservierungs-, Restaurierungsarbeit bräuchten. Und das ruft auch Unzufriedenheit und Kritik hervor.  > Weiterlesen…

Im Gespräch mit dem Museum (I)

Wie wird das Toni-Areal genutzt? Wie wird das Neue angenommen? Es ist an der Zeit, einmal mit dem «Museum für Gestaltung – Schaudepot» über die Situation am neuen Ort zu sprechen. Im ersten Teil der Serie ist Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, im Gespräch.

Was ist Deine Aufgabe hier?
Ich bin seit 2001 an der ZHdK beschäftigt, seit 2013 im Museumsshop und am 1. Juli habe ich zusätzlich dazu die Assistenzstelle der Leiterin Museumsdienste übernommen.

Wie hast Du dem Umzug entgegengeblickt?
Ich bin eine von denen, die gesagt hat: «Ich gehe nie ins Toni. Furchtbar! Dieser Ort zwischen Autobahnauffahrt und Bahnlinien … » Und jetzt hat es sich so ergeben, dass ich doch da bin. Ich bin positiv überrascht. Ich finde es spannend hier. Im Toni ist natürlich auch alles viel moderner. Ich habe mich gefreut, einen in sich geschlossenen Shop zu haben. Früher, an der Ausstellungsstrasse, war alles offen: Man konnte morgens schlecht öffnen und abends nur schwer abschliessen, weil es immer Leute gab, die schon oder noch in die Ausstellung gehen oder etwas kaufen wollten. Zudem hatten wir an der Ausstellungsstrasse einen immensen Durchzug. Hier ist es nun leider sehr kühl.

Dass Du so überraschend Deine Haltung zum Toni geändert hast: War das ein bestimmter Moment oder ein Prozess?
Es hat angefangen, als ich bei einer Führung vor dem Einzug das erste Mal den Fuss hineingesetzt habe. Da gab es schon diesen Wow-Effekt. Schon da habe ich gemerkt, dass ich mir falsche Vorstellungen gemacht habe. Seit dem Einzug habe ich mir immer wieder Zeit genommen, um das Haus wirklich zu erkunden.

Wie zufrieden seid Ihr mit den räumlichen Begebenheiten des neuen Museums?
Es ist aufgrund der Klimatisierung sehr kalt. Man muss sich warm anziehen, auch jetzt im Sommer. Im Büro können wir kein Fenster aufmachen, obwohl ich immer das Bedürfnis danach habe – dies wird aber offenbar in Kürze geändert. Einschneidend ist auch, dass wir viel weniger Stauraum für den Shop haben und es keinen eigenen Rückzugsraum mehr für Pausen gibt. Angenehm finde ich, dass wir nicht mehr die erste Anlaufstelle für Fragen im Haus sind. Die Verpflegungsmöglichkeiten finde ich weniger gut – mir fehlen die zahlreichen Take-aways in der Umgebung. Das Essen in der Mensa oder im Migros-Restaurant finde ich nicht so prickelnd, aber das mag auch daran liegen, dass ich gewisse Lebensmitteleinschränkungen habe. Trotzdem nutze ich das Angebot ab und zu. Das tollste finde ich die Terrasse! Ich bin wirklich ein grosser Fan von ihr, vor allem jetzt im Sommer. Dort gibt es Vögel und Pflanzen, es ist super! Dennoch fehlt mir der schöne Park, das Grün um das Gebäude herum. > Weiterlesen…

Zimmer mit Aussicht

 

Wer ins Toni-Areal kommt und Fragen hat, für den ist der Empfang am Haupteingang des Toni-Areals die erste Adresse. Ein Gespräch mit Selina Bonagura über einen ungewöhnlichen und exponierten Arbeitsplatz.

Ich habe einmal gehört, dass Du ursprünglich als Mitarbeiterin bei der Wache AG zum Toni-Areal gefunden hast. Hast Du Lust, mir die Geschichte zu erzählen?
Ja, dort habe ich ein Jahr lang gearbeitet. Die Wache AG kümmert sich um Bewachung- und Sicherheit. Sie war nicht nur während des Einzugs im Haus, sondern ist auch jetzt noch nachts da. Wenn einer aus unserem Team in den Ferien ist, vertreten sie uns auch tagsüber. Damals war das Toni-Areal noch eine Baustelle: Unser Empfang war lediglich mit einem Stuhl und einem Tisch ausgestattet. Meine Aufgabe war es, die Brandmeldeanlage zu hüten.

Das Haus war damals noch «unbewohnt». Was hat sich damals so zugetragen?
Es waren zunächst nur Bauarbeiter im Haus, die recht viel Lärm verursachten. Nach und nach, Woche um Woche, zogen die Hochschulangehörigen ein. Die Zügelmänner unterstützten diese, und es war schön zu sehen, wie dieses leere Haus langsam anfing zu leben. Damals hat es ständig Türalarme gegeben, was für das FM zusätzlichen Aufwand während der eh schon hektischen Phase bedeutete.

Wie kam es, dass Du Mitarbeiterin an der ZHdK wurdest?
Ich wollte nicht ewig bei der Wache AG bleiben und als ich erfahren habe, dass bei dem Sicherheitsempfang an der ZHdK ein Job frei wird, sagte ich mir: ‹Probieren darf ich’s ja!› Ich fand die Leute vom Hausdienst sowie Werner, Edina und Tanja unglaublich toll, und so wollte ich sehr gerne hier arbeiten. Und dann haben sich Werner Triet und ich fest dafür eingesetzt.

Du bist seit Ende August angestellt und arbeitest somit seit dem ersten Tag als Empfangsmitarbeiterin im Toni-Areal. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Dir aus?
Der ist ziemlich voll. Wir kümmern uns um das Telefon, E-Mails, diverse Anfragen von Personen am Empfang und alle Tickets. 20–40 Tickets können das pro Tag sein, sie gehen immer zuerst bei uns ein. Die meisten betreffen uns direkt, andere wiederum werden von uns verteilt, z.B. an die Post, ans ITZ, an externe Unternehmen. Unvollständige Tickets machen uns viel Mühe: 20 Stühle – ja gerne! Aber in welchem Raum, an welchem Tag? Grosses Thema sind auch Campus-Karten: Karten drucken, Probleme behandeln, Geld auszahlen … Zudem liegt die Steuerung der Barriere bei uns: Einfahrt, Ausfahrt, Automatenprobleme. Hinzu kommt die Betreuung der Tür- und Brandmeldeanalgage. Wir sind die Anlaufstelle für jegliche Fragen von A-Z: Veranstaltungsfragen, Weg- und Raumbeschreibungen, Schlüsselausgabe, Fundbüro und allerlei Reklamationen, die nicht nur uns direkt betreffen.

Das ist viel!
Man muss wirklich ein Multitasker sein: Häufig passiert es, dass ich am Telefon bin, gleichzeitig angefunkt werde und einen Alarm abstelle. Doch wenn wir zu zweit sind, ist das alles super machbar.

Wie hast Du persönlich dieses erste Jahr am Campus erlebt und wahrgenommen?
Der Empfang ist ein Arbeitsplatz, den es so vor dem Umzug wohl nicht gab. Insofern haben wir viel Aufbauarbeit geleistet, wie eine Schlüsselliste oder Brandmeldeliste angelegt. Wir sind immer noch daran, ein gutes System für alles zu finden. Alles wächst noch. > Weiterlesen…

Nestbau schreitet fort

Der Toniblog dokumentiert, wie sich die Studierenden, Mitarbeitenden und Besucherinnen und Besucher, kurzum Menschen, das Toni-Areal zu eigen machen. Nun ist es aber gerade die biologische Vielfalt, die als Kennzeichen gesunder Ökosysteme gilt. Dieser Aspekt rechtfertigt, hier einmal von der Betrachtung des sozialen Systems abzuweichen und über ein Amselpaar zu berichten.

So meldete die Vertiefung Syle & Design dem Facility Managament vor Kurzem, dass sich auf der Westseite des Toni-Areals an der Brüstung auf Höhe ihres Büros ein Amselpäarchen ein Nest gebaut habe. Die Storen erwiesen sich als Problem: Beim Hinunterrollen zerquetschten sie Nest, Vögel und Eier. Die Mitarbeitenden des Büros baten darum, in diesem gesonderten Fall die Storen im Raum 4.E07 abzuschalten. Das Facility Management nahm die Anfrage ernst, kann jedoch keine einzelnen Storen abschalten und wollte nicht die gesamte Westseite abstellen. Henriette von Style & Design sagt: «Wir haben zwar während des Tages acht gegeben, dass die Storen nicht herunterfahren, aber das war natürlich nicht pausenlos möglich.» Das Nest ist noch da, aber inzwischen ist es ist verlassen: «Wir haben das Amselpäarchen seit zwei Wochen nicht mehr gesehen, wahrscheinlich haben sie es sich doch anders überlegt. Schade.»

So ist es die Technik, die der Redaktorin dabei in die Quere kommt, die Hochschule als gesundes Ökosytem betrachten zu wollen. Geben wir uns fürs Erste damit zufrieden, dass die Studierenden in Ruhe brüten können.

 

 

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