«Am wichtigsten ist es zu wissen, dass DIE beste Lösung nicht existiert…»

Interview mit Chi Lui Wong

Übersetzt aus dem Englischen

Im Rahmen des Praxismodul 1, suchte ich mir eine Interviewpartnerin, die mir etwas über den Berufsalltag einer wissenschaftlichen Illustratorin erzählen konnte. Mein erster Gedanke galt Chi Lui Wong, die auch an der ZHdK Scientific Visualization studiert hat und deren Arbeiten mir bereits während dem Stöbern durch die ZHdK Website positiv aufgefallen sind. 

06.12.2022 17:00

An der Türe begrüsst mich freundlich Lui und ihr Büsi Mochi. Ich komme rein und fühle mich direkt willkommen, bekomme einen Drink in die Hand und freundete mich erst mal mit der Katze an. Lui, Mochi und ich setzten uns ins Home Office, das Lui mit Ihrem Ehemann Dominique Schmitz teilt. Die Stimmung ist familiär und die Aufregung vom Anfang hat sich langsam in Freude über den gemütlichen und sehr interessanten Abend mit Lui verwandelt.

Lui hat 2011 einen Abschluss in Visueller Kommunikation an der Hong Kong Polytechnic University gemacht. Im zweiten Jahr hat sie ein drei monatiges Praktikum bei der hesign GmbH in Hangzhou absolviert und nach ihrem Abschluss ein Jahr bei hesign Berlin gearbeitet, wo sie auch Ihren Mann kennengelernt hat. Sie ging zurück nach Hong Kong und arbeitete ein Jahr in einer Werbeagentur, wo sie Layouts im Bereich Schmuck gestaltete. «Hier habe ich viel darüber gelernt mit Details zu arbeiten.» Danach kam sie in die Schweiz und heiratete Ihren Mann Dominique Schmitz. Zehn Jahre war sie danach Selbstständig und hat mit verschiedenen Publikationen und Unternehmen im Kunst- und Kulturbereich gearbeitet.

«Über die ZHdK bin ich gestolpert, weil ich etwas neues lernen wollte und der Begriff ‹Scientific Visualization› hat mein Interesse geweckt. Ich finde den Bereich der Visualisierung von Wissen faszinierend und es war eine Gelegenheit für mich, Leute in einem anderen Bereich kennenzulernen.» Vom Studium an der ZHdK erzählt sie, konnte sie einiges mitnehmen. Vieles aus dem Unterricht hatte Einfluss in ihre Illustrationen, wie zum Beispiel die Perspektive aus dem Unterricht bei Joe, hell/dunkel Werte von Fabienne, Farbenlehre von Anita, Liebe zum Detail von Armin und Führung von Karin. «Ich nähere mich einem Thema aus einer anderen Perspektive, ich beobachte auf einer anderen Ebene.»

Im Juli 2022 hat sie begonnen im Technorama als Illustratorin zu arbeiten. «Mein Arbeitsbereich ist aber viel facettenreicher, da ich nicht nur für Ausstellungen illustriere und grafische Arbeiten anfertige, sondern auch in der Beratung und Entwicklung von Ausstellungsflächen tätig bin.» Ich möchte genaueres über die Arbeit im Technorama erfahren weshalb ich da nochmals genauer nachhake. Sie erzählt mir, dass sie die Arbeit vor Ort liebt, vor allem mit ihrem Team. «Als Freelancerin habe ich die Arbeit im Team sehr vermisst, was auch mit ein Grund war vom Freelancen zu‹In House› zu switchen.» Sie habe es zwar früher auch sehr genossen selbstständig zu arbeiten und nennt es einen «Ego-Feeder», wenn man zum Beispiel seinen eigenen Namen im Magazin liest.

Ich: «Wenn er denn richtig geschrieben wird.» Lui: «Haha ja genau, wenn er richtig geschrieben wird!»

Sie sagt, dass im Team größere Projekte möglich sind und man viel voneinander lernt. Man geht neue sehr interessante Wege und erbaut etwas gemeinsam, was einem einen neuen Eindruck gibt. Ehrgeizig wie Lui ist, hat sie sich mit Ihren Aufgaben nicht zufrieden gegeben. «Nach drei Monaten bei Technorama fragte ich meinem Chef bei einer Teambesprechung, ob ich mein eigenes Exponat machen dürfe. Er sagte ‹Ja auf jeden Fall!›.» Seiner Meinung nach sollte jeder ein Exponat entwerfen. Er sei aufgeschlossen und sieht Potenzial in ihr. «Ich dachte, wow, das ist großartig! Ich habe das Gefühl, dass es jetzt los geht. So macht es Spaß!»

Ich wollte wissen, ob sie schon wüsste wie das Exponat aussehen soll. Sie sagt mir nein, erst muss sie ein Thema finden, das sie interessiert und darüber nachdenken, wie der Besucher mit dem Exponat interagieren soll. Man gehe nie davon aus, wie es aussehen soll, sondern welches Phänomen man im didaktischen Sinne zeigen möchte und dann Form und volle Funktion. Das weil danach noch viele Schritte während dem Prozess dazu kommen.

«…wie ergonomische Typologie, Materialsicherheit (sehr wichtig bei Ausstellungen) und die Frage, ob sich dieses Phänomen in diesen 365 Tagen im Technorama Täglich mehrmals reproduzieren lässt. Es muss eine wiederholbare Erfahrung sein. Viele Faktoren beeinflussen also, wie das Exponat am Ende aussehen wird.» Einer der Gründe, weshalb sie gerne bei Technorama arbeite sei, dass es ein grossartiger Ort ist um Prototypen herzustellen und sofort zu testen. «Wir bekommen nach bestandener Sicherheitskontrolle direktes Feedback von unseren vielen Besuchern und Gastgebern. Ich habe das Gefühl, dass alles sehr solide und sehr bodenständig ist. Wenn es funktioniert, funktioniert es, wenn es nicht funktioniert, funktioniert es nicht. Es gibt keine richtige Antwort, aber ich kann direkt überprüfen, ob die Antwort falsch ist. Das gefällt mir wirklich daran, weil alles einen Sinn für Integrität hat. Man testet etwas und es ist echt und man erhaltet sehr wertvolles Feedback.»

Darüber, wie ein typischer Arbeitstag bei ihr aussieht, erzählt sie mir: «Im Gegensatz zu vielen Anderen kreativ Tätigen, bin ich ein Morgen Mensch. Morgens ist mein Gehirn frisch und der ganze ‹Hirn Dreck› vom Schlaf ist weggespült. Andere arbeiten gerne Abends und schlafen dafür wenig. Ich brauche mindestens acht Stunden Schlaf um nicht als Zombie aufzuwachen.» Nach ihrem Arbeitsbeginn um sechs Uhr Morgens versucht sie so viel kreative Arbeit wie möglich zu erledigen, wie skizzieren, layouten, und «bastlä». Dieser Teil vom Tag ist für sie vergleichbar mit einem HIIT Work-out. «Weisst du? Diese Übungen bei denen man wie verrückt fünfzehn Wiederholungen an Hampelmännern macht und davon müde wird? Genauso eine Person bin ich. Ich kann keine 5 Stunden am Stück kreativ sein, weshalb ich mich Nachmittags der physischen Ausführung der Arbeit widme.» Dazu gehören unter Anderem das Reinzeichnen, Prototypen erstellen, und Ihren Arbeitsbereich aufzuräumen. Ihr Arbeitstag endet dann meist um vier Uhr Nachmittags, dann beginnt ihre «After hour»«Ich überlege mir was ich zu Abendessen kochen möchte, spiele mit Mochi, mache mir einen Drink und schaue Youtube Videos. Einfach Dinge die mir Spass machen.»

Bei einem Arbeitsauftrag beginnt sie normalerweise mit einem Kick-Start-Meeting, um das Briefing zu besprechen. Fragen sind zum Beispiel, was das Ergebnis sein soll, was die Erwartungen sind und wie viele Korrekturrunden gemacht werden. Erst dann macht sie ein detailliertes Angebot. «Übrigens ist es immer am besten, wenn der Kunde sein Budget transparent macht, damit du vorschlagen kannst, was innerhalb dieses Budgets möglich ist.» In der zweiten Stufe macht sie erste Entwürfe und präsentiert normalerweise drei Optionen mit unterschiedlich möglichen Routen. Die Ausführung ist die letzte Phase. Dafür nutzt sie Procreate auf ihrem IPad am häufigsten. «Ich arbeite jetzt hauptsächlich digital – manchmal arbeite ich immer noch analog, wenn ich mir über den Zeitaufwand sehr sicher bin und den Kunden und seine Bedürfnisse kenne.» Die Korrektur im analogen dauert viel länger als im digitalen und da sie die Bedürfnisse und den damit verbundenen Zeitaufwand noch nicht abschätzen kann, arbeitet sie bei neuen Kunden lieber digital. Natürlich arbeitet sie auch mit Adobe cc (Photoshop, After Effects für Animationen etc.) Manchmal bastelt sie auch und beobachtet mittels einem Papiermodell, wie eine Zeichnung aussehen könnte.

Mich interessiert, wie sie in so einer Situation mit einer Blockade umgeht. «Ich kategorisiere meine Blockaden in zwei Arten: Die eine nenne ich den ‹Frozen Laptop› und die andere die ‹empty Toolbox›. Also wenn der Laptop eingefroren ist, startest du ihn neu, oder? Dein Körper ist der Laptop, um ihn neu zu starten esse ich etwas, trinke ich, behandle meine Leber oder gehe duschen. Andere Male versuche ich mich an Design Methoden zu erinnern und lasse mich zum Beispiel durch ‹IDEO Method Cards› inspirieren. Was mehr Spass macht, ist auf Youtube anderen zuzusehen wie Sie Ihre Probleme lösen. Einige meiner Lieblingskanäle sind ‹Numberphile›, ‹Veritasium›, ‹SerpaDesign› und ‹Alex Frenchguycooking›. Zuzusehen, wie andere Menschen ihre Probleme lösen, erinnert mich daran, dass scheitern der einzige Weg ist um zu lernen und, dass man Fehler machen muss. Aber am wichtigsten ist zu wissen, dass DIE beste Lösung nicht existiert. Es gibt aber viele passende Lösungen, du musst nur eine davon finden. Und auch wenn du dir selbst sagst: ‹Oh das hätte ich anders machen sollen!› und bereust gewisse Entscheidungen, hättest du es mit den Fähigkeiten und Werkzeugen, die du in diesem Moment zur Verfügung hattest, nicht anders gemacht. Man kann dann an etwas weiterarbeiten und es das nächste Mal anders machen.»

Zum Schluss möchte ich mich herzlichst bei Lui für das interessante Gespräch, Ihre Offenheit und die Möglichkeit, das Interview mit Ihr machen zu dürfen bedanken. Ich nehme einiges an neuem Wissen mit, das mich in meinem Studium und im Berufsalltag begleiten wird.

 

Lui in ihrem Home Office

 

Eine Auswahl an Analogen Werken

 

Ein Besuch lohnt sich:

Interview mit Nastasja Schefter

Beim Betreten des Büros höre ich bereits ein angeregtes Gespräch, bevor ich Nastasja überhaupt sehe. Sie ist mitten im Prozess der Webseitenerweiterung von Pikka, der Zürcher Marken- und Designagentur bei der sie seit 2 Jahren arbeitet. Sie führt mich aus dem hellen Büro in ein kleines Besprechungszimmer und beginnt zu erzählen.

Nastasja Schefter wuchs in Rapperswil auf und hatte schon von klein auf immer ihr Skizzenbuch dabei. Sie war Comic-Fan, zeichnete ihre Lieblingscharaktere ab und erfand sie neu und es zog sie schon immer in Richtung Zeichnen und Kunst. Im Gestalterischen Vorkurs an der HSLU fand sie ihre Begeisterung für die Wissenschaftliche Illustration und machte ihren Bachelor in Nonfiction.

«Ich war schon immer die, die eher das zeichnete, was es gibt. Mich interessierte es mehr, zu beobachten, als mir Geschichten auszudenken. Ich denke in einem Bild und was ich mit diesem Bild erzählen möchte.»

Direkt anschliessend an das Studium machte sie ein Praktikum bei dem Wissenschaftlichen Zeichner Guido Köhler in Basel. Noch während dieses Praktikums bewarb sie sich – mit Erfolg – für ihre heutige Anstellung bei Pikka.

Der Aufbau ihrer Arbeitstage ist oft gleich: Mails checken, planen, was heute gemacht wird und dann sitzt sie zehn Stunden am Schreibtisch. Inhaltlich ist ihre Arbeit aber ganz und gar nicht eintönig, denn jedes Projekt ist etwas Neues. Ich erhalte Einblicke in einige interessante Arbeiten und von der Entwicklung eines kleinen Icons für eine Webseite bis hin zum kompletten Rebranding einer Firma ist alles dabei. Was ich noch nicht kannte: Graphic Recordings. Bei Präsentationen, Workshops und Diskussionen hört Nastasja zu und hält in einem grossen, aber sehr logisch organisierten Wimmelbild fest, was gesagt wird. – Ein originelles Protokoll, das man sich gerne ansieht und gut in Erinnerung bleibt.

Nastasja beim digitalen Graphic Recording am Tanzfestival Steps in Fribourg, 2022

Auch sehr abstrakte, trockene Themen wie die Zielbildung oder Businessstrategien einer Firma verwandelt Nastasja mit sehenswerten Illustrationen und Animationen in interessante Blickfänge.

«Am spannendsten ist die Challenge, ein Thema auf eine neue didaktische Weise zu visualisieren. Im Bereich der Dienstleistungen fordern KundInnen manchmal ähnliche Dinge. Trotzdem müssen wir immer einen neuen Weg finden, wie wir das Thema so darstellen, dass es für die AuftragstellerInnen stimmt.»

Manche KundInnen haben bereits ihr Corporate Design und geben bis aufs kleinste Detail alles vor. Dann muss das einfach umgesetzt werden, obwohl man als Designer vielleicht andere Lösungen vorziehen würde.

«Man muss sich bewusst sein, dass man sich nicht immer kreativ ausleben kann. Man ist DienstleisterIn und macht das, was sich die KundInnen wünschen, oder was unsere Firma präsentiert.»

Anderen AuftragstellerInnen überlassen Nastasja viel mehr Entscheidungen. Dann werden verschiedene Ansätze präsentiert und man ist in ständigem Austausch, um einen ganz eigenen Stil zu entwickeln.

Nastasja arbeitet zu 90% mit Procreate, später werden die Inhalte dann mit Programmen wie Photoshop, Illustrator, After Effects aufgearbeitet und manchmal animiert.

Aber sie illustriert nicht nur, sondern ist beteiligt an Konzeptentwicklung und dem ganzen Designprozess, denn es findet ein fliessender Wechsel zwischen Grafik und Illustration und viel Austausch im Team statt.

Was Nastasja aber fehlt, ist das Zeichnen und Malen in der Freizeit und sie sitzt nicht gerne den ganzen Tag am Schreibtisch, sondern ist als Poledance-Trainerin äusserst sportbegeistert. Sie kann sich vorstellen, irgendwann eine andere Balance zwischen all ihren Interessen und zu finden. Aus ihren leidenschaftlichen Erzählungen über spannende Projekte merke ich aber, dass sie sich da, wo sie ist, sehr wohl fühlt und ihren Weg geht, wo auch immer der sie hinführen mag.

https://www.instagram.com/nastja.illustration/?hl=de

https://nastasja.schefter.net

Ein Wimmelbild für das Bundesamt für Sport

 

Der Pausenraum in der PSP-Gschäftsstelle Basel wurde mit einer Fankurve bemalt.

«Ich bin mich ständig am umorganisieren…»

Interview mit Julia Kuster am 6.12.2022

An einem sonnigen Wintermorgen mache ich mich auf den Weg ins Quartier Binz in Zürich, wo sich Julia Kusters Atelier befindet. Es ist etwa vier Jahre her, als ich sie zum letzten Mal gesehen habe – als eine ihrer Schülerinnen im Zeichnungsunterricht an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Nun freue ich mich, sie in einem anderen Kontext wiederzusehen.

Als ich Julia für dieses Interview anfragte, betonte sie erstmal, dass sie keine wissenschaftliche Illustratorin sei, sondern sich in ihrem Atelier hauptsächlich freien Arbeiten widme. Trotzdem habe ich mich für sie als Interviewpartnerin entschieden, da es mich interessiert, was aus einer ehemaligen Knowledge Visualization- Studentin geworden ist und wie es dazu kam.

Nachdem ich von Julia in einem grossen Gewerbegebäude freundlich begrüsst werde, führt sie mich in ihr Atelier. An den Wänden hängen bunte Drucke und Malereien, auf einem Tisch liegen kleine Holzschnittplatten und Späne. Es riecht nach Kaffee, Kreativität und Gemütlichkeit. Sie teilt den Raum mit einer Kollegin.

 

Julia in ihrem Atelier

 

Der Schwerpunkt unseres Gespräches liegt auf ihrem Werdegang.
Nach dem Gymnasium hat sie ein Jahr lang Sprachen in Rom studiert und sich dann für den Bachelor Knowledge Visualization an der ZHdK beworben – erfolgreich. 2010 hat sie abgeschlossen. «Dann wurde mir aber klar, dass ich mich nicht bereit fühle, in diesem Bereich zu arbeiten». Es habe sie dann vielleicht doch zu wenig interessiert.
Stattdessen nutzte sie das Angebot eines Stipendiums, welches ihr ermöglichte, ein Jahr in Bulgarien an der Kunstakademie in Sofia zu verbringen. Da kam sie mit alten Drucktechniken in Berührung und hat zudem bulgarisch gelernt. «Als ich wieder heimgekommen bin, fühlte ich mich recht verloren.» Die freiere Kunst habe sie eigentlich mehr interessiert als die auftragsbasierte Illustration.

«Als ich wieder heimgekommen bin, fühlte ich mich recht verloren.»

Schliesslich hat sie ein Semester an der PH absolviert und herausgefunden, dass ihr das Unterrichten im Bildnerischen Gestalten Freude bereitet. «Das hat mich auf die Idee gebracht, mich für den Master Kunstvermittlung zu bewerben.» – hello again ZHdK! Nebenbei leitete sie Gestaltungskurse für Menschen mit Beeinträchtigung und arbeitete als Gerichtszeichnerin für den Tages Anzeiger. Ein ehrenvoller Auftrag! «Da diese Gerichtszeichnungen von vielen Leuten gesehen werden, war das auch eine super Werbung für mich.»
Nach dem Masterabschluss hat sie begonnen, in St. Gallen als Gestaltungslehrerin zu arbeiten.
Nun unterrichtet sie bildnerisches Gestalten an der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon (ca. 70%). Die restliche Zeit verbringt sie im Atelier oder mit ihrem Kind. Hinzu kommen manchmal Aufträge, beispielsweise Illustrationen für das Magazin Reportagen. Ist es überhaupt möglich, der Familie, dem Job und dem Atelier gleichermassen gerechtzuwerden? «Ich bin mich ständig am umorganisieren und muss schauen, wie ich meine Zeit am besten nutze.»

Im Verlaufe des Gesprächs mit Julia habe ich gemerkt, dass ihr Berufsweg nicht linear von A nach B verläuft, sondern eher durch verschiedene Interessensgebiete mäandriert. Von ihren Erfahrungen im Studium kann sie ohnehin profitieren – das Gelernte verschwindet nie. Das beruhigt mich, denn es zeigt, dass man auf dem Berufsweg eigentlich keinen Fehler machen kann, solange man die eigenen Interessen verfolgt. Auf die Frage, worauf ich während des Studiums achten sollte, antwortet Julia:

«Geniesse es, dass du mit so vielen gestalterischen Techniken in Berührung kommst. Und meine nicht, irgendwelche Erwartung erfüllen zu müssen, sondern mache das, was dich wirklich interessiert!»

Diesen Ratschlag werde ich mir zu Herzen nehmen. Danke Julia für das Gespräch!

 

«Das Digitale finde ich dann interessant, wenn es nicht so viele Möglichkeiten anbietet. Ich mag lieber gstabige Programme wie Brushes.»

 

Gerichtszeichnung

 

Fisch-Illustrationen für das Magazin Reportagen

 

Mehr von Julias Arbeiten könnt ihr auf ihrer Webseite anschauen: juliakuster.ch

Interview mit Frederic Siegel

Dezember 8, 2022

Interview mit Frederic Siegel (Mitglied Kollektiv Team Tumult)

Über das Zürcher Creative Kollektiv Team Tumult haben wir Frederic Siegel erreicht und freuten uns riesig, dass er sich bereiterklärt hat das Interview durchzuführen. Es fand via Teams statt, da sich Fredi zu diesem Zeitpunkt in einer Künstlerresidenz in New York aufhielt.

Dieser Ortwechsel über 4 Monate hinweg ermöglicht ihm, sich inspirieren zu lassen, die Stadt kennenzulernen, zu arbeiten und Netzwerke zu erschliessen.

Frederic Siegel ist ein schweizer Animator, Animationsregisseur, Illustrator, Lehrbeauftragter für Animation an der Fachhochschule in Graubünden und Bern. Dazu ist er Mitglied des in Zürich ansässigen Kollektivs Team Tumult. Mit seinen Animationen gewann er bereits einige Preise und Awards, die ihm in seiner Karriere viele Türen öffneten. Neben Auftragsarbeiten im Kollektiv und dem Dozieren, arbeitet er an eigenen und persönlichen Projekten.

Nach dem Gymnasium arbeitete Fredi ein Jahr, bevor er den Vorkurs in Luzern besuchte. Darauf folgte das Bachelorstudium mit dem Schwerpunkt in der 2D Animation, welches er mit dem mehrmals ausgezeichneten Film «Ruben Leaves» erfolgreich abschloss. In der Studienzeit knüpfte Fredi viele Kontakte, von denen er später profitieren konnte und diese auch bis heute noch pflegt und schätzt.

Für die Zukunft plant er einen Master zu machen, um sich zu spezialisieren und da ein Masterstudium Voraussetzung für eine Festanstellungen an Hochschulen und Unis ist.

Die Abschlussarbeit «Ruben Leaves» erntete grossen Erfolg. Dadurch gelang ihm einen organischen Übergang in die Arbeitswelt. Er wurde an diversen Filmfestivals gezeigt, wodurch einige Musikgruppen auf ihn aufmerksam wurden und Fredis Animationen für ihre Musikvideos miteinbeziehen wollten. Eine Pause nach dem Studium gab es also nicht, denn zusätzlich absolvierte er ein 6-monatiges Praktikum bei Vaudeville Studios GmbH in Zürich. Gleichzeitig arbeitete er an einem neuen Kurzfilm. In dieser Zeit entstand auch die Idee für das Kollektiv Team Tumult.

An die Aufträge ist das Kollektiv «Team Tumult» zu Beginn über das eigene Netzwerk, Freunde und Bekannte, mithilfe von Mund-zu-Mund-Propaganda und Visitenkarten gelangt. Viele Künstler wurden durch Fredis Film «Ruben Leaves» auf ihn aufmerksam. Auch durch die Teilnahme an Branchenevents wurde das Kollektiv gesehen und gehört und lernte die Zürcher Animationsszene kennen. Ein weiterer Antrieb war die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben und ein dadurch entstandenes Film-Projekt für das Museum für Kommunikation in Bern.

Von Beginn an hatte das Kollektiv Social-Media-Kanäle gepflegt. Doch am Anfang, vor etwa 7 Jahren, war das noch nicht sehr wichtig. Nach etwa zwei Jahren hatten sie eine gewisse Reichweite, doch bis heute erhalten sie die wichtigen Aufträge via E-Mail. Es ist dadurch schwierig einzuschätzen, wie viel Einfluss Social-Media effektiv hat.

Seine Arbeitsstelle als Dozent hat er über ein ähnliches Interview wie dieses erhalten. Die Studenten veröffentlichten das Interview auf ihrem internen Schul-Blog, der von der Schulleitung gesehen wurde. Sie waren auf der Suche nach einem Dozenten für Animation und waren vom Interview überzeugt, worauf sie Fredi direkt anfragten. Das ist ein Grund dafür, weshalb er sich für solche Interviews jeweils gerne Zeit nimmt, denn schliesslich ist das auch Werbung für ihn.

«Solche Interviews mache ich immer sehr gerne, da man nie weiss was daraus entstehen kann»

Einen normalen Arbeitstag gibt es bei ihm nicht. Das Kollektiv hat ein Büro in Zürich, die Mitglieder arbeiten aber auch oft ausserhalb, da viele während der Pandemie zurück in die Heimat gezogen sind. Dazu kommt, dass fast alle zusätzlich einen Arbeitsplatz in einer anderen Stadt haben. Fredi selbst ist etwa 2 Tage in der Woche in Zürich und 2 Tage in Bern, in seinem zweiten Büro. Wenn das Kollektiv einen Auftrag erhält, wird zuerst ein Projektleiter oder Projektleiterin bestimmt, welcher die Aufgaben an die jeweiligen Personen verteilt. Solche Aufgaben sind bei einer Animation das Design und die Characters, Skript und Kundenkontakt, Storyboard, die Animation selbst, das Sounddesign, dass meist von externen Personen gemacht wird, und die Musik, welche je nach Budget von Musikern gemacht oder von einer Library benutzt wird. Der Projektleiter ist meist auch der Regisseur und verteilt das Budget an die jeweiligen Personen. Manche Arbeiten werden auch nur von einer Person bearbeitet, wenn es sich beispielsweise um eine Illustration handelt.

Um die Zusammenarbeit zu verbessern, macht das Kollektiv Team Tumult einen jährlichen «Ani-Jam», bei dem sie alle zusammen für drei Tage wegfahren und an einem eigenen Projekt arbeiten. Momentan arbeiten sie an einem Game und wir sind schon gespannt auf die Veröffentlichung auf der Website und auf Instagram.

Was Fredi am meisten Freude bereitet ist, wenn er an seinen eigenen Projekten arbeiten und seinen Ideen freien Lauf lassen kann.

Die Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden während den Projekten macht ihm an seiner Arbeit am meisten Mühe. «Für eine extrovertierte Person mag das aber vielleicht ein sehr schöner Aspekt an der Arbeit sein», meint er.

Bei den Aufträgen ist es sehr oft so, dass die Voraussetzungen und Vorgaben unterschiedlich sind. Oft haben gut zahlende Kundinnen und Kunden konkretere Vorstellungen und kleinere Kunden lassen dem Team dabei mehr Freiheiten.

«Viel Geld und mehr stress, weniger Geld und weniger Stress.»

Nach seiner Erfahrung gilt, je mehr Geld der Auftrag einbringt desto schwieriger und fordernder sind die Auftraggebenden. Es ist wichtig eine Balance zwischen Geld und Stress zu finden.

Zum Schluss gibt uns Fredi einen wertvollen Tipp mit auf den Weg. Es ist wichtig, dass man Auftragsarbeiten nicht persönlich nehmen darf. Oftmals gibt es Veränderungswünsche, wodurch das Projekt nicht so umgesetzt wird, wie man es sich vorgestellt hat. Da muss man darüberstehen und seine Ideen bei den eigenen Projekten ausarbeiten.

Homepage:

fredericsiegel.ch und teamtumult.ch

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Interview mit Tandra Fairbanks-Freund

Geführt von Eria Schneider, am 09.12.2022

Bevor ich mich ins Naturhistorische Museum Basel begab, las ich noch einmal meine vorbereiteten Fragen durch und holte tief Luft. In der Eingangshalle warf ich noch einmal kurz einen Blick darauf und wartete gespannt auf meine Interview-Partnerin. Kurz darauf wurde ich auch schon von Frau Tandra Fairbanks-Freund freundlich begrüsst.

Frau Fairbanks-Freund kommt ursprünglich aus den USA, genauer gesagt aus Idaho und ist seit 2010 in Europa und seit 2015 in Basel. Jetzt ist sie als Präparatorin mit der spezifischen Fachrichtung der Paläontologie tätig. Nachdem wir uns begrüsst und gegenseitig vorgestellt haben, führte sie mich durch den Innenhof des Naturhistorischen Museums in Basel und dementsprechend auch in ihren Arbeitsbereich.

„Ich war schon als kleines Kind immer an Dinosaurier interessiert“, erzählte sie mir, doch es ging, wenn auch sehr zielstrebig, noch eine Weile, bevor sie ihren Kindheitstraum erfüllen konnte. Sie studierte Kunst an der Uni in Chicago, IL. Nach der Suche einer Anstellung landete sie in Deutschland und fand eine Ausbildung in Frankfurt beim Senckenberger Naturmuseum zur Museumstechnikerin oder auch Sammlungsassistentin genannt. Mit dieser praktischen und schulischen Ausbildungserweiterung spezialisierte sie sich dann, nebst vielen anderen Ausrichtungen, auf paläontologische Präparationen. Nach einer Weiterbildung, ebenfalls in diesem Bereich, diesmal aber in Münster (NRW), arbeitete sie bereits bei Ausstellungen und für die Museumssammlung mit.

Auf die Frage, warum sie nun im Naturhistorischen Museum in Basel arbeitet, antwortet Frau Fairbanks; 

„Im Laufe der Zeit hat es sich so ergeben, dass eine solch sehr rare Stelle frei wurde und konnte diese kriegen. Leider gibt es sehr wenig Stellen, aber ich hatte Glück zum richtigen Zeitpunkt da zu sein. Die Aufgaben im Museum beinhaltet das Arbeiten mit Fossilien, Präparationen und Ausstellungen was, nebenbeigemerkt, nicht in jedem Museum so ist. “

Danach erzählte sie mir was ihre Arbeit beinhaltet. Überwiegend ist es eine Arbeit für die Museumssammlung, das bedeutet Präparation von Fossilien, also z.B. Sedimente entfernen oder einfach ältere Sammlungsstücke überarbeiten. (Als Beispiel zeigte sie mir einen Elefantenschädel in der Berarbeitung.) 

Präparationen machen mir einfach extrem Spass. Man kann bei der Arbeit auf ganz neue interessante Erkenntnisse stossen einen Schatz finden oder auf ein Puzzle stossen, was gelöst werden will. Weniger gerne arbeite ich an der Dokumentation über meine Arbeit, wenn ich z.B. die Zeit dazu aufschreiben muss, was ich so gemacht habe.“

In Folge zeigte sie mir wie eine geologische Präparation mit dem „Dünnschliff-Verfall“ aussieht oder auch wie Micro-Paläontologische Arbeiten ausgeführt werden. Da kommen Siebe zum Einsatz, insbesondere für sehr kleine Präparate z.B. von kleinen Tieren, welche binokular näher erforscht werden.

Welche Werkzeuge und Materialien man verwendet, kommt ganz auf das Objekt drauf an. Typisch kommen auch Hammer und Meissel zum Einsatz. Sie verwenden auch Druckluft und Sandstrahlen bis hin zu chemischen Stoffen.

Über den Archäopteryx hatte ich einen Beitrag in der Zeitung gelesen und habe sie näher dazu befragt. Sie erzählte mir, dass es ein sehr langes und aufwändiges Projekt war und auch nicht immer sehr viel Spass bereitete. Aber sie hat festgestellt, dass die Besucher viel Freude daran haben. Besonders gefreut hat sie sich über das Referenzbild dazu auf Wikipedia.

„Der Archäopteryx ist einer der am besten erforschten Fossilien. Man kennt ca. 13 Exemplare des gefiederten Urzeittiers – so wurde viel darüber geforscht und geschrieben. Die Färbung der Federn und deren Lage, als ob flugfähig oder nicht habe ich zusammen mit einem Vogelpräparator bestimmt. Bei der Arbeit zum Archäopteryx habe ich verschiedene Schaumstoffe verwendet und Federn, Zähne, Glasaugen, wir haben da eine grosse Kollektion.“

Tandra Fairbanks-Freund und einer von ihr präparierter Archäopteryx. Fotografie von Daniel Bernet

 

Die Arbeit geschieht immer in Absprache mit dem Kurator, der für die Sammlung verantwortlich ist. Manchmal arbeitet Frau Fairbanks zusammen mit einem Kollegen oder Kollegin, aber man hat auch viel Freiheit, was man tun möchte. Bei Ausstellungen arbeite sie mit Szenografen zusammen, die schon eine gewisse Vorstellung mitbringen. In diesem Bereich bestehen dann weniger Freiheiten, aber die Kommunikation ist hier dann besonders wichtig.

Mich interessierte auch die Frage wie sie den Berufseinstieg empfunden hat. Bei ihr hat es sich so ergeben, aber man muss tatsächlich auch etwas dafür tun. Man muss die Bereitschaft haben irgendwo hinzugehen und mal einfach anzufangen. Sie selber hatte eine klare Vorstellung, was sie gerne machen wollte. In der Schweiz selbst gibt es keine direkte Ausbildung für diesen Beruf. Aber z.B. als Paläontologe oder mit einer ähnlich wissenschaftlichen Ausbildung kann man als „Quereinsteiger“ dazu kommen.

Am Ende des Gesprächs zeigte sie mir dann noch die anderen Räume, wo z.B. auch die Zoologen arbeiten und den Gefrierraum, wo die Tiere vor der Präparation aufbewahrt werden. Ich fand den Besuch und das Gespräch mit Frau Fairbanks sehr interessant und aufschlussreich. Ich erkannte in ihrer Arbeit auch Parallelen zu meiner Ausbildung, wenngleich diese sich eher auf die Darstellung und weniger auf das konkrete Objekt beziehen.

Interview mit Jasmin Huber

Ich sitze mit Jasmin im Kafi Z im 6. Stock im Toni-Areal. Ich freue mich sehr Jasmin in diesem Interview näher kennenzulernen.

«Dazumal wo ni dä bachelor abgschlosse han, bini usecho ­ und du hesch gfraget «Wi guet bisch vorbereitet gsi ufs bruefslebe?»– und dozmal, gell, isch im bachelor niä d sprach gsi vo: Wie macht mer en offerte? Wie hoch sind d Stunde asätz? I ha kei ahnig gha vo nutzigsrecht und so. Das alles isch im Studium kei thema gsi. Won i 2008 abgschlosse ha isch es würkli eifach nu Handwerk gsi.»

Sie erzählt mir, dass sie nach dem Bachelor Schwierigkeiten hatte als selbständige Illustratorin Fuss zu fassen. Mit Flyern, die sie an verschiedenste Adressen verschickt hat, versuchte sie auf sich aufmerksam zu machen. Den ersten Auftrag erhielt sie dann vom Naturmuseum St.-Gallen, die auf ihren Flyer reagierten. Sie brauchten Illustrationen zu Wirbeltieren im Alpstein. Wie diese zustande kamen, wie sie gefunden wurden und wie sie ursprünglich aussahen. Es gab immer wieder weitere kleinere Aufträge und auch eine Festanstellung als archäologische Zeichnerin für die Kantonsarchäologie Aargau.

«Denn isch de Niki uf mi zuecho und hät gseit er hägi en uftrag für mich. (…) Genau, dass er öper suecht wo chriesi-aquarell macht für es buechprojekt und hät gmeint er wür mir da de uftrag quasi geh, also übermittle wenn i de master mache.» 

So kam es, dass Jasmin im Jahr 2012 ihr Masterstudium begann.

«es isch dazumal guet gsi für mini arbet und s isch sehr wichtig gsi will si enorm sichtbar gsi isch. Dazumal… Also einersiits d ZHdK hät mi recht pushed will si si guet gfunde händ und denn hani chöne e usstellig mache in Biel. Mini Bilder sind risig gross uf Plakat druckt worde und sind überall ghanget. Das isch echt cool gsi.» 

Bei ihrer Masterarbeit «Zwischen Tradition und Moderne» handelt es sich um mehrere Kirschenillustrationen, die in der Ausstellung «Bildergarten» für zwei Jahre in Biel ausgestellt wurden. Das Buch „Chriesi: Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi“ ist dann im Winter 2017 publiziert worden.

Als ich Jasmin nach einem ihrer Lieblingsaufträge frage, erzählt sie mir, dass sie vor einem Jahr 40 Illustrationen für ein Heilkräuterbuch erarbeiten konnte.

«Di (Illustrationen) sind aber au digital denn entstande. Digital gmalet und nöd aquarell will leider s budget nöd ganz glanget hät. Aber ziit isch au mega knapp gsi und denn hät s digitale au amel en vorteil. De (Auftrag) isch eigendlich über beziehige inecho. De hani eigendlich übermittlet becho vonere andere illustratorin. S isch für e drogerie-chetti. Di händ es buech usegeh und s isch e zämmäarbet gsi mit enere grafikerin wo das buech gstaltet hät und e lektorin und ich als illustratorin.» 

Sie erklärt mir, zuerst müsse man die Nutzungsrechte mit dem Kunden vereinbaren, also den Kostenpunkt. Da es doch einige Illustratoren gibt, die Nutzungsrechte nicht verrechnen. Deshalb ist es oft eine grosse Aufklärungsarbeit dem Kunden zu erklären, dass er nicht per se alles mit den gewünschten Illustrationen machen kann, ohne dafür zu zahlen. Hier gibt sie mir einen Tipp:

«I mache immer genaui Offerte woni würkli drischribe ich bruche so lang für Recherche, so vill für erschti skizze, layout, so vill für umsetzig, so vill für bilduf- und nachbereitig, so vill für korrektur» 

Nebst der Selbständigkeit arbeitet Jasmin lange als Assistentin für den Bachelor Knowledge Visualization und heute als Leitungsassistenz im Institut für Designforschung. Dieser Job bringt ihr ein regelmässiges Einkommen und Austausch mit anderen Leuten, da sie sonst von zu Hause aus arbeitet.

Auf meine Frage, was die nahe Zukunft bringt, überrascht sie mich mit einem ganz neuen Thema.

«Über di letschte paar jahr isch es extrem guet gloffe. Denn bin I schwanger worde letscht Jahr und ha grad es chind übercho wo jetz vierehalb mönet alt isch. Also ganz chli und im moment isch mis ziel die selbständigkeit chöne möglichscht ufrecht z erhalte und gliichziitig die mamirolle uszfülle» 

Mit dieser neuen Herausforderung wünsche ich Jasmin natürlich ganz viel Erfolg und bedanke mich an dieser Stelle nochmal für ihre Zeit und das Interview.

Autorin: Liv Jehle

INTERVIEW WITH CARINA BACHMANN

Carina Bachmann creates catalogs, magazines, and brochures for company Travel House. She works with searching and processing photos. Creates own topography design style. She started with desktop publishing and learned everything by herself.

What part of the job is the hardest?
«We follow the same style of work. Therefore, it is quite easy to create. For me, text is the same as photos, I visually arrange everything on the page so that it looks right. I spend hours looking for a good photos, and we buy them through some sites.

I started with graphic design when there were no computers and everything was done by hand. I liked seeing the result of my creations. Now it helps a lot to understand the point better.»


What is the biggest problem at work?
A very important property for a designer. The essence of communicative balance lies in the constant conscious balancing between opposite states of social relations. The polar points in such a balance are communication (as the implementation of information processes and the organization of a communicative environment) and isolation (the process of creative processing, understanding the received information in order to correlate its essence with one’s own „I“, with one’s own system of goals, tasks new projects).

«The biggest problem is not making it to the deadline. If you are a day late, the work will no longer be accepted.. Just the most important thing of all Also, focus this effort to a timeline with this.»

What are the main requirements in accepting this job?
The component „design“ in such a definition as „visual content“ is extremely important and should stand in the first positions of the development algorithm, of course, after the very concept of content. A harmonious combination of structured content in combination with a mature, stylish and interesting design is the key to the great success of any visual component of advertising.

«The most important is that, you know, that programs like photoshop illustrator in design, all these. That’s the most important thing. And that was the question one when i take interview.»

Why you would like to work here?
«It’s a big company, you feel much safer here. Also due to age. It’s a pleasure for me to work with good people in the travel industry. Before that I worked in a printing company, it was much more difficult there because I created my designs from scratch, and every time you have to come up with new ideas. In this work, I made a template that I am working on. I like this. »

Interview mit Sonja Burger

EINE SELBSTSTÄNDIGE GESCHICHTE


Ich saß gespannt vor meinem Laptop und las noch einmal meine Fragen durch. Es war fast 13:00 und ich war bereit mein Interview durchzuführen. Ich schaute ein letztes Mal auf die Uhr, bevor ich das Teams Meeting startete. Der Computer leuchtete auf und auf den Bildschirn erschien plötzlich eine Frau : Sonja Burger.


Sonja Burger ist eine selbstständige wissenschaftliche Illustratorin, die schon seit 35 Jahren bei ihr zuhause in Wildegg arbeitet. Sie wurde gleich nach ihrer 4 Jahre-lang Ausbildung an der Schule für Gestaltung Zürich selbstständig und ist seitdem eine erfolgreiche Figur in der schweizerischen Kunstwelt geworden. Sie hat schon Aufträge für große Firmen wie zum Beispiel Migros, Caran D‘Ache oder die Post bekommen und ist noch nicht am Ende ihrer fruchttragenden Karriere.


Wir haben uns beide gegrüßt und rasch vorgestellt. Wegen der Pandemie und dem Zeit- druck konnte ich sie in ihrem Atelier leider nicht besuchen, was aber kein Problem für unsere Unterhaltung gegeben hat. Sie erzählte mir von ihrer Zeit an der Schule für Gestaltung und wie es damals war.


„Ich wollte immer wissenschaftlich zeichnen. Als Kind war das mein Hobby, und ich habe immer leidenschaftlich gezeichnet. Während dem Vorkurs habe ich erfahren, dass es ein Diplom für Wissenschaftliches Zeichnen gibt. Dann habe ich das studiert.“
„Wir waren 3 Studenten in der Klasse, und am Ende nur noch 2. Man braucht ja nicht so viele Illustratoren,“ erklärte sie mir. Ich war sehr überrascht, als ich das hörte. In unserer Klasse sind wir 7 und das ist schon wenig. Sie sagte mir dann, dass sie eine Prüfung zuhause bekommen haben und müßten diese bestehen, um dann die Prüfung weiter in der Schule zu erledigen.


Sie erzählte wie ihr Alltag aussieht, wie sie zur Selbstständigkeit gekommen ist und wie man arbeitet und motiviert bleibt.


„Mein Vater war selbstständiger Grafiker und das hat mich natürlich inspiriert. Wenn man als wissenschaftliche Zeichnerin irgendwo einen Beruf hat, ist man sehr kanalisiert. Aber ich liebe das breite Spektrum.“
Sonja Burger war auch als Medizinische Illustratorin an der Unispital Zürich Teilzeit tätig, aber hat das nur für 2 Jahre gemacht. Sie bekam genug Aufträge um sich selber zu unterstützen und konnte das Spital verlassen, was sich natürlich alle frischen selbstständigen Illustratoren wünschen. Die 80-90er Jahre waren gute Zeiten für Illustratoren und sie mußte fast keine Werbung für sich machen, was sich wie ein Traum anhört. Seitdem kriegt sie immer noch viele Anfragen.


„Aufträge kommen in Wellen; entweder kommen sie alle auf einmal oder nicht. Manchmal muß ich am Wochenende, an den Ostern oder am Weihnachten durcharbeiten, und dann gibt es Perioden wo man Zeit für sich findet. Ich arbeite 8 bis 12 Stunden am Tag aber nicht mehr, weil es nichts bringt, sich zu überarbeiten.“
Um ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, geht Sonja gern spazieren oder wandern. Sie hat bei ihr einen großen Garten und einen Wald, wo man sich allein in der Natur befinden kann. Das ist für sie das beste Ausgleich.

„Natur ist das Vorbild für jeden Wissenschaftlichen Illustrator.“


Daraus findet sie ihre Inspiration, und das seit immer.


Nachher lernte ich auch von ihr, was man beachten muß bevor man selbstständig wird.


„Es ist sehr hart, sagte sie, Ich habe auf Kinder verzichtet. Ich bin seit 35 Jahren in „Isolation“, weil wenn man selbstständig arbeitet, muß man es lieben, allein zu sein. Ich sehe meine Kunden je nachdem nicht, alles geht über E-Mail.“
Frau Burger gibt aber auch Privatunterrichte, die vorort stattfinden, und ist Dozentin für Mal- und Zeichenkurse in der Architektur an der ETHZ. Sie hilft jungen Zeichnern sich zu verbessern, um die Prüfungen für Kunstschulen zu bestehen zum Beispiel, aber auch den Kunststudenten, die sich einfach verbessern wollen und „ihre Vorstellungskraft im Gehirn aktivieren“. Obwohl ihre Ausbildung rein analog war (es gab an der Zeit kein digitales Zeichnen), hat sie in der Zwischenzeit digital auch gelernt und kann es auch weiterlehren. Ihre Aufträge bleiben aber fast immer analog.


Am Ende unseres Gesprächs fragte ich sie noch welche Ziele sie sich jetzt setzt.


„Natürlich, internationales Renommée !“ antwortete sie. Sie arbeitet schon für die Schweiz, Österreich, Deutschland und Amerika und ist noch nicht fertig. Internationale Bekanntheit ist wichtig, als auch national tätige Unternehmen wie Post oder Migros. Sie fügte zum Schluß noch hinzu :


„Continuous improvement, immer, das ist wichtig.“


Wir endeten das Interview auf dieser Note und redeten noch ein bisschen länger über das Studium und wie sich die Sachen verändert haben. Es war interessant, ihre Geschichte zu hören, und zu sehen, dass es doch möglich ist, selbstständig zu arbeiten und trotzdem ein angenehmes Leben zu führen. Wir haben uns verabschiedet, und den Bildschirm vom Laptop zugeklappt.

Die Homepage von Sonja Burger hier : http://sonjaburger.ch/

Interview mit Anja Giger

An einem Dienstag Abend, war es mir möglich ein Gespräch mit Anja Giger, einer Wissenschaftlichen Zeichnerin im Bereich der Medizin, zu führen. Sie ist eine Zurückhaltende und freundlich- strahlende Person. Ich habe mich gefreut, dass das Interview trotz Corona stattfinden konnte, auch wenn wir uns nicht persönlich sondern per Zoom unterhalten mussten.

 

Anja Giger hat vor ihrer künstlerischen Laufbahn eine Ausbildung zur Medizin Laborantin gemacht. Die Kunst hat sie aber schon immer interessiert. Sie sah es aber nicht für möglich, selbst in dem Feld zu arbeiten. Um rückblickend aber nichts bereuen zu müssen, hat sie sich, trotz Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, am Vorkurs in Luzern beworben. 

«Ja und dann haben sie mich aufgenommen.»

Nach dem Vorkurs hat sie aber noch 3 Jahre als Laborantin gearbeitet, um herauszufinden, was sie jetzt genau machen möchte. Schlussendlich fiel ihre Wahl auf das wissenschaftliche Zeichnen.

Trotz medizinischer Vorausbildung, fand sie während des Studiums das Interesse in der Archäologie und der Geschichte. Nach dem Studium bekam sie eine Anstellung bei der AO Foundation, bei welcher sie sich wiederum mit der Medizin befasste. Dort arbeitete sie für 6-7 Jahre und blieb dann auch weiterhin bei den medizinischen Illustrationen.

Obwohl sie die Archäologie immer noch interessieren würde, ist es für sie besser, in ihrem Job im Inselspital Bern zu bleiben. Denn auch bei den medizinischen Illustrationen liegt ihr Interesse. Die Ungewissheiten, etwas nochmals von neuem anzufangen, sind ihr auch einfach zu gross. 

 

Anja Giger arbeitet fast ausschliesslich digital. Obwohl sie auch gerne physisch zeichnet und malt, ist es in der Arbeit nicht möglich. Korrekturvorschläge und Abänderungen können digital nunmal besser und zeiteffizienter umgesetzt werden.

Heute arbeitet sie zu 70 Prozent im Inselspital Bern und zu 30 Prozent selbstständig, wobei die selbständigen Aufträge oft auch von der AO, ihrem früheren Arbeitgeber, stammen. 

«Ich bin auch nicht diejenige, welche sich gutverkaufen kann.»

Um von der selbstständigen Arbeit Leben zu können, braucht man gute Verbindungen und ein gewisses Selbstvertrauen. Die selbstständigen Aufträge sind für Anja aber mehr eine Abwechslung und sind zumindest im finanziellen Aspekt, «nice to have, aber nicht zwingend nötig.» Weshalb sie es mit dem vermarktenden Aspekt der Selbständigkeit locker nimmt.

Rückblickend findet sie es schade, dass man in der Ausbildung keine Möglichkeit hatte Verbindungen mit Arbeitgebern zu knüpfen, welche einem später in der Arbeitswelt zugute kommen. Vor allem wenn man vor hat selbstständig zu werden. Ausserdem fehlte ihr die Vorbereitung auf das Berufsleben.

«Wir haben irgendwie gelernt, schön zu zeichnen, aber nicht was es heisst, nachher damit zu arbeiten.»

Sie empfiehlt jedem der diese Möglichkeiten hat und bekommt, auch so viel wie möglich davon mitzunehmen. Die Vernetzung der Berufsfelder und das knüpfen von Verbindungen ist etwas, das in der Arbeitswelt nicht unterschätzt werden darf.

 

Das Interview mit Anja Giger war für mich ein interessantes Gespräch. Einblicke und Gedanken von jemandem gezeigt zu bekommen und zu sehen über welche verschiedenen Wege man schlussendlich auf die selbe Fachrichtung kommt war spannend.

Ich möchte mich nochmals ganz herzlich bei Anja Giger bedanken, dass sie sich Zeit genommen hat um mit mir zu sprechen und meine Fragen zu beantworten.

Schaut doch gerne Auf ihrer Webseite vorbei!

https://bilderkram.ch 

Zum Bild: Das Bild ist als Abschlussarbeit in einer 3D Weiterbildung entstanden. Das Hirn wurde aus MRI Scans „extrahiert“ und dann u.a. in Cinema 4D weiter bearbeitet und texturiert.

Die Arbeit hier noch als Videoform und das Making of (Sehr Empfehlenswert)

https://bilderkram.ch/portfolio/brain/

Interview mit David Schürch

Ich besuchte David am 12. November an seinem Arbeitsplatz, der «ikonaut GmbH» in Brugg. Mit zwei weiteren Wissenschaftlichen Illustratoren hat er sich dort 2013 Selbstständig gemacht. Sie haben sich unter anderem auf Aufträge in der Archäologie, Paläontologie und Architektur spezialisiert.

David hat 2010 den Bachelor in Scientific Visualization an der ZHdK abgeschlossen und ist dort seit 2015 auch als Dozent tätig.

Ursprünglich hatte David die Wirtschaftsmittelschule in Aarau abgeschlossen, mit der Absicht einmal an einer FH studieren zu können. Später während seiner Berufsmaturität zog es ihn eher Richtung soziale Arbeit oder angewandte Psychologie, dann ist er aber auf den Studiengang der Wissenschaftlichen Illustration gestossen und bemerkte, dass dies aufgrund seiner gestalterischen Interessen und Hobbies, das ist, was er eigentlich später auch machen will. Nach dem Gestalterischen Vorkurs in Aarau wurde er in den Studiengang an der ZHdK aufgenommen.

Den Einstieg in die Selbstständigkeit war für ihn nicht besonders schwer, da er vom Master her schon ein aufgegleistes Projekt hatte und somit war es von Anfang an «Vollgas». So konnte er schon zu Beginn Arbeiten und Geld verdienen. Doch nach einem Jahr wurde es holprig, da zwei Jahre kamen, in denen es nicht richtig laufen wollte. Allgemein sagt er, es sei immer ein Auf und Ab bezüglich Aufträge und Cashflow und somit hat man manchmal sehr viel Arbeit oder halt gar nicht. Daher findet er es schwierig sich direkt nach dem Studium Selbstständig zu machen und es braucht einen starken Durchhaltewillen. Er empfiehlt auch nebenbei noch einen Zweitjob zu haben, um sich finanziell ein wenig abzusichern und Erfahrungen und Kunden zu sammeln.

Rückblickend würde er aber nichts anders machen, es ist alles so gekommen, wie es musste.

Ein typischer Arbeitsauftrag sieht so aus, indem ein Kunde mit einem Wunsch auf ihn zukommt und er eine Offerte stellt.

«Es ist sehr wichtig alle Daten zu sammeln und zu erhalten damit man zu Beginn schon alle wichtigen Informationen beisammenhat»

Bei 2D Aufträgen beginnt er mit ganz einfachen Skizzen in Photoshop um ein Gespür für die Komposition, Farben und Inhalte zu erhalten. Bei dreidimensionalen Aufträgen beginnt er aber schon früh mit dem 3D Programm. Die anschliessende Umsetzung geschieht meist in enger Kooperation mit dem Kunden, was für das Gelingen des Auftrags entscheidend ist und sich dadurch von anderen kreativen Berufen unterscheidet.

Zu seinen Lieblingsaufträgen gehören Rekonstruktionen und Lebensbilder im historischen Kontext. Doch er sieht sich auch als Allrounder und braucht auch die Abwechslung von verschiedenen Aufträgen.

«Das Wichtigste in diesem Berufsfeld ist das uneingeschränkte Interesse und die Begeisterung für viele verschiedene Wissensfragen in den Bereichen Historie, Medizin und Archäologie»

 Wenn man das Interesse und die Faszination hat, wird das sehr vom Kunden geschätzt und so stellt man die richtigen Fragen und beschäftigt sich intensiv mit der Fragestellung. Erst dann geht es an die Gestaltung und kann so den gewünschten Inhalt erarbeiten. Man muss auch bereit sein stets zu lernen und sich weiterzubilden, zum Beispiel kommen fast jährlich neue Versionen von Programmen auf den Markt und dann muss man am Ball bleiben.

 

Screenshots aus einer 360°-Aufnahme von seinem Arbeitsplatz