These 1 | Vom Ort an sich zum Ort für sich

In der Wahrnehmung und Erfahrung von Orten und architektonischen Objekten geht es nicht allein um objektive Tatbestände – nicht um ein ‚An sich‘ –, sondern um deren Wirkungsweisen für das Subjekt – um das ‚Für sich‘.

Atmosphäre meint nicht allein die ‚hard facts’ gegebener Orte und architektonischer Objekte, wie sie die Grundausstattung einer jeden Situation bilden, sondern auch all jene vielfach flüchtigen Konstellationen, die sich nur über eine Beziehung zwischen Subjekt und Ort herstellen lassen. An die ‚klassische’ Unterscheidung ‚an sich‘ / ‚für sich‘ lehnen wir uns nur insoweit an, als wir die unterschiedliche graduelle Auflösung von subjektiv und objektiv in der jeweiligen Erfahrung eines Ortes oder eines Objekts zeigen möchten. Uns interessiert, wie das wahrnehmende und intervenierende Subjekt eine Ausgangslage für sich herrichtet (2 bis 5). Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Eine Situation für unseren ‚Gebrauch’ herrichten
Karikatur, Abstraktion Zuerst muss ich einmal den Raum auf mich einwirken lassen. Ich versuche herauszufinden, was die wichtigsten Punkte sind. Also wie bei einer Karikatur – einer Abstraktion des Raumes – ein paar Linien zeichnen und danach versuchen, diese Punkte umzusetzen in ein Projekt. So könnte ich mir vorstellen, die gewünschte Atmosphäre, die aus der Geschichte kommt, aus dem Leben, aus der Erfahrung, auch aus Büchern, auf den Ort übertragen zu können. | Andy Raeber | Reusswehr Weiss der Tourist, in welches Bild er sich setzt? Welche Erinnerung will er eigentlich mitnehmen? Warum muss er die Erinnerung an diesen Platz mitnehmen? Weiss er überhaupt, in welches Bild er sich setzt, wenn er da ist? | Huth+Frey | KKL Verweigerung romantischer Erklärung | Irma Ineichen | Nationalquai Weglassen | Figuren entfernt | Ein Gefühl für das Überflüssige | Irma Ineichen | Nationalquai Die Bilder im Kopf und das Setting | Die Welt im Ausschnitt | Präsenz: Zuspitzung | Präsenz: Präzision der Zutaten | Judith Albert | Nationalquai Zweierlei Orte / Haben oder Nichthaben-Müssen | Ein Raum mit Namen ‚Gleichzeitig’ | Judith Albert | Nationalquai Jeder Ort hat seinen Auftritt | Indizien. In der Landschaft lesen Ich sehe aus dem Fenster und frage meinen Vorgänger: „Was sind das dort für Portale?“ Und er sagt mir nach dreissig Jahren Schule in diesem Raum: „Du, das hat mich nie interessiert. Das wird irgend sowas Zivilschützerisches sein.“ Was stellt man fest? In diesem Berg steckt ein Bunker, der drittgrösste der Schweiz, für 1500 Leute gedacht, die Schutz vor Atomwaffen suchen sollen. Im Geschichtsunterricht könnte ich sagen: „Halt, Atomalarm! Wir gehen ruhig runter. Wir gehen hinüber in den Bunker. Wir spielen Kalter Krieg.“ Auf diese Weise bekommt die ganze Landschaft etwas Neues. Und man fragt weiter: Wo ist die Erde hingekommen? Die Antwort: Ein Teil davon soll für die Sportanlage der Kantonsschule verwendet worden sein. Atombombe, Kalter Krieg, Bunkerbau, Sportanlage der Kantonsschule Luzern: Man schaut aus dem Fenster und liest in der Landschaft. | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Vergangenes hören Das Parkett im Zeugheer-Saal ist heute leider nicht mehr im allerbesten Zustand. Man schaut es an – und sieht Schuhe, Absätze, hört Bewegung. | Räume als Orte sozialer Selbstbespiegelung | Im Blickfeld der anderen erscheinen | Atmosphärenwechsel im Treppenverlauf | Nach oben hin wird’s billiger | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Ort des schäbigen Lebens | Film noir, weg von der Sonne | Mario Gerteis | Hinterhof Bruchstrasse n Mémoire structure | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof Ein chirurgischer Eingriff | Nie Dagewesenes vollenden | überraschender Befund | Atmosphären konstruieren Das Konstruieren von Atmosphären ist besonders anspruchsvoll. Und es ist nicht so, dass sich da Regeln formulieren lassen. Der Gang durch die Stadt, das Lesen eines Ortes findet auf sehr vielen verschiedenen Ebenen statt. Und es ist nach unserer Erfahrung besonders anspruchsvoll, eine Art Systematik und Konsequenz in diese Überlegungen und diese Wahrnehmung tatsächlich einzuführen. Trotzdem ist es ein enorm wichtiger Aspekt. Ein Aspekt, der uns auch immer motiviert, der ja die Entwürfe in einer besonderen Weise beseelt. Und es ist schön, dass der Ausgang dieser Wahrnehmungen und deren Umsetzung tatsächlich offen bleiben. Das sind essentielle Fragen des Entwerfens. Vor allem in einem so intensiven städtischen Zusammenhang. | Zweierlei Energie Entwerfen ist immer von zwei Energien geprägt. Die eine ist die, die Qualität eines Ortes zu bewahren, sie durch den Entwurf vielleicht gar zu stabilisieren. Auf der anderen Seite will Architektur, will jeder neue Entwurf einen Ort eben auch transformieren, ihn transzendieren. Einen Ort zu etwas Neuem werden lassen. Sonst müsste man ja gar nicht entwerfen. Und im Spannungsfeld – zwischen Bestand und Neuem – liegt auch die Bedeutung der Frage des Atmosphärischen. Wir möchten Atmosphären schaffen, die in einer Beziehung stehen zum Ort, sonst vermögen sie ihre Wirkung gar nicht zu entfalten, oder die atmosphärische Wirkung ist eine der völligen Ausgrenzung und Beziehungslosigkeit. Es macht auch keinen Sinn, bestehende Atmosphären und Wirkungen einfach nur zu unterstreichen und damit vielleicht sogar zu parodieren. Wir hoffen immer, dass man durch unsere Einfügungen, durch diese neue Atmosphäre eben auch den Bestand wieder zum Strahlen bringen kann. | Nicht nur sinnliche Wahrnehmung | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse Wie man Atmos-phäre beleben kann | Ursula Stalder | Café de Ville *Wenn ich Gästen etwas in Luzern zeigen möchte | *Unverzichtbare Assoziationen | William Turners Gemälde | Stanislaus von Moos | KKL Gewalttätige Momente | Protzig, grotesk | Bastelei | *Mitproduziert | *Nie nur Auge | *Mitaufgeführtes Bühnenstück | Valentin Groebner | Seebad Animiere mich! Seitdem ich auf grosse Mengen von Schweizer Taschenmessern am Flughafen von Colombo/Sri Lanka gestossen bin, die dort verkauft werden, habe ich den Eindruck, dass Gegenstände viel weniger an feste Orte gebunden sind, als wir denken. Wir sind von diesen kleinen reisenden Gegenständen umgeben wie von Trabanten in Wolken, einer Art Gegenstandswolke, die einen umgibt, die aber eigenen Anziehungskräften und planetarischen Gezeiten, Flieh- und Schwerkräften unterliegt und selbständig im Raum unterwegs ist. | Pittoresk | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama Unverwechselbar | Im Kopf des Betrachters | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel Vorgefundene und mitgebrachte Stimmungen | Paolo Bianchi | The Hotel *Das Gefühl, sich selber zu inszenieren | *Visuelle Überwältigung | Der Raum ohne Menschen interessiert mich nicht | *Aus der Zeit fallen | *Die verspiegelte Zimmertür | Thea Brejzek | The Hotel *Die Erzeuger von Atmosphären | *Räume wie Gefühle? Wir haben hier durch das architektonische Arrangement einen lastenden Druck der Stars, die sich im Deckenbild sexuell betätigen, sozusagen als Vorbild für uns (…). Das Arrangement im Zimmer ist darauf aus, uns unter den Eindruck dieser Gefühlswelt zu bringen. Und dann hängt es vom Hotelgast ab, ob er sich so etwas bieten lässt. | *Wenn die Neurose den Raum verändert | Fred van der Kooij | The Hotel

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