Archiv für Februar 2010

These 7 | Prekäre Erfahrungen

Samstag, 27. Februar 2010

Wo das Risiko einer räumlichen Täuschung, eines Eingeschlossen- oder Ausgeschlossenseins besteht, wo wir uns unberechtigt in Räume vorwagen oder eine plötzliche Begegnung mit dem Unerwarteten oder Bedrohlichen eintritt, werden räumliche Erfahrungen für uns prekär.

Prekäre Erfahrungen machen wir, wenn etwas zum Vorschein kommt, das eigentlich im Verborgenen bleiben soll. Damit einher geht eine – oft nur minimale – Verschiebung von Schwellen: vom Unsichtbaren zum Sichtbaren, vom Unhörbaren zum Hörbaren. Physische Grenzen und Grenzen der Wahrnehmung verwischen sich, werden unsicher, unzuverlässig, riskant. Wir drohen die Kontrolle zu verlieren. Wir bemerken, dass wir eine räumliche Wirklichkeit unterschätzt haben. Erst wenn wir uns in einer unausweichlichen Situation befinden, bemerken wir, dass wir mit der jeder räumlichen Wirklichkeit innewohnenden Dimension des Prekären nicht gerechnet haben. Schrecken stellt sich ein. Wir verlieren den Boden unter den Füssen. Uns interessiert, wie sich das Prekäre in räumlichen Situationen zeigt. Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Riskante Einschätzungen
Stockfinstere Nacht | Roman + Bruno | Seebad Ich setze mich ins Bild | Besteigung des KKL | Huth & Frey | KKL Öde Orte | Orte meiden | Die Augen abwenden Es gibt Räume, die ertrage ich nicht, weil sie ganz anonym sind. Sie sind zwar von Menschen gestaltet. Man spürt, sie lieben vielleicht nichts oder vielleicht etwas, das ich nicht kenne. Dann strahlen diese Räume für mich Erschreckendes aus. | Irma Ineichen | Nationalquai Déjà vu Jedes Mal, wenn ich hier in der Nacht durchgehe, habe ich das Gefühl: Hier bin ich schon gewesen. Aber nicht, weil ich schon hier gewesen bin, es ist ein ganz anderes, fast unerklärliches Gefühl – wie ein Déjà vu. Es ist wichtig, dass es Nacht ist, weil die Berge im Schatten sind. | Ohne Geländer | ‚Livingroom’ unter Wasser | Judith Albert | Nationalquai Leben zwischen zwei Türen Eine Geschichte, die möglicherweise zutrifft. Was waren das für Leute, die ins Hotel Schweizerhof gekommen sind, selbst noch in den vierziger Jahren? Leute aus Gegenden, wo die Sklaverei üblich gewesen ist, wo man den Hausdiener dabei hatte. Und das ist die Geschichte: Wenn man diese Hotelzimmertür öffnete, hatte es einen kleinen Zwischenraum, und dann eine zweite Tür. Und der für seine Herrschaft zuständige Laufbursche schlief zwischen den Türen in jener Zeit! | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Eine Adresse für gewisse Fälle In diesem Raum ist alles kontrolliert. Selbstverständlich im Verlauf der Jahre denkt man sich: „Aha, da ist eine Person, die hat ein zweites Postfach. Die hat zu Hause einen Posteingang, und offensichtlich kommen da noch gewisse Dokumente nicht mit der normalen Post rein.“ Aber das sieht man sich an und geht zur Tagesordnung über. | Anonyme Briefe | Judith Stamm | Postfach *Ort eines intensiven Schauspiels | *Kein Ort zum Wohnen | *Aufwühlend | *Bedrohliche Ruhe | Stanislaus von Moos | Reusswehr

Das Riskante des Blicks
Einfangen Eigentlich sollte man als Berufsfotograf soweit sein, dass man das, was man meint einfangen zu können, auch einfängt. Was aber passiert, wenn man sich zu sehr verliebt in einen Gegenstand oder in eine Person, die man abbildet? Dass man sie zu schön, zu überhöht wahrnimmt und das auf der Fotografie nicht wieder antrifft. | Georg Anderhub | Nationalquai Zeit und Distanz Ich gehe von einem Bild weg, dann geh ich wieder zum Bild, schaue: Hat es eine Wirkung oder hat es keine? Manchmal stelle ich mir vor, es hat eine Wirkung. Zwei Monate später denke ich: keine Ausstrahlung. Dann muss ich wieder von vorn beginnen. | Irma Ineichen | Nationalquai Bis wohin reicht das Bild? | Thea Brejzek | The Hotel

Unsichtbare Lücken, Schwellen, schwankende Böden
Natur vom Reissbrett | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Grenzübergänge, Orte der Reibung | Besondere Stellen im Raum Es gibt einen Ort in Obwalden, dort läuft es mir immer kalt den Rücken herunter. Ein Ort, wo ich extrem ungern bin, wo ich das Gefühl habe, da ist sicher mal was ganz Schlimmes passiert. Schichten eines Ortes, die mal mehr, mal weniger erfahrbar sind. | Judith Albert | Nationalquai

Verlust, Verdrängung
Was nicht mehr sein wird | Unwiederbringlicher Verlust | Andy Raeber | Reusswehr Eine Atmosphäre, die eine andere vergessen lässt Ein sehr spannender Ort, der vergessen lässt, dass das Hotel Schweizerhof nur einer ganz kleinen Elite vorbehalten war, die sich oft auf Kosten der grossen Allgemeinheit – das Geld kam ja oft aus dem Imperialismus – die Sonnenseiten des Lebens organisieren konnte. | Vordereingang, Hintereingang | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Ernüchternd Wir kennen das ernüchternde Gefühl, dass uns etwas ganz stark anrührt und wir plötzlich eingetaucht sind in eine magische Atmosphäre – die Person neben uns aber nicht. Ziemlich irritierend, aber sehr real. Das gehört auch zum Atmosphärischen. Das Atmosphärische ist nicht unbegrenzt teilbar. Das ist auch das Idiosynkratische am Begriff der Atmosphäre, das ich immer verteidigen würde. | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande An Architecture of Dialogue? We are easily introduced into a dialogue because we know the backgrounds of the hotel, we know the architect, we know the filmstills that are shown on the ceiling, our eye has been trained for this kind of architecture, and we belong to this cultural elite that has the great opportunity to afford a room in such a hotel. What happens when this connection is not established? When you feel excluded from this type of architecture? | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel

Betrug | Attrappe | Täuschung
Attrappe | Sieht-so-aus-wie-Lüge | Ein Fall für Melide | Andy Raeber | Reusswehr Sichtbares, Unsichtbares | Sich zeigen, sich verbergen | Irgend etwas stimmt nicht Wenn ich vor dem Löwendenkmal in Luzern stehe, schmunzle ich immer, weil ich weiss, dass hinter diesem Löwen ein Bunker ist. Und dass dieses Löwendenkmal vor einem Kulturschutzraum steht. Und da ich das weiss, wird dieser Raum für mich zu etwas anderem, als wenn ich das nicht weiss und nur von der bombastischen Inszenierung dieses Ortes ausgehe. | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Klopfprobe | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof

Wiederholung
Fast erschreckend Ich habe eine Situation einmal wiedergefunden, die war fast erschreckend. Ich hatte eine Concierge in einem Haus, nach ungefähr zwanzig Jahren bin ich dort vorbeigegangen, bin ins Haus gegangen, in den Hof, und da stand die Concierge einfach wieder im Garten. Ich habe diese Situation fast wieder verlassen müssen, das war ja fast wie eine Wiederholung. Erschreckend. | Irma Ineichen | Nationalquai

These 6 | Provokation des Flüchtigen

Samstag, 27. Februar 2010

Atmosphären sind meist flüchtig. Sie zeigen sich im unmittelbaren Jetzt und sind – jenseits der ‚hard-facts‘ – von lediglich temporärer Signifikanz: Resultate fragiler, passagerer, gleichwohl hoch wirksamer Operationen flinker, sprunghafter Geister auf der Suche nach Erzählungen zu einem Ort.

Zur Flüchtigkeit atmosphärischer Erfahrungen gehört deren Unwiederholbarkeit. Dass jede Wahrnehmung, jede Reflexion des Atmosphärischen auch das Mass der eigenen Aufmerksamkeit, die individuelle Gestimmtheit gegenüber einer gegebenen Situation spiegelt, macht sie so auffällig wie unterscheidbar. Atmosphärische Wirkungen verflüchtigen sich oft so schnell, wie ein Gedanke verschwindet, eine Assoziation sich auflöst. Wie die „allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ (Heinrich von Kleist), so verändert sich die Verfertigung einer atmosphärischen Erfahrung mit jedem assoziativen Brückenschlag – darin ähnlich anderen atmosphärischen Gegebenheiten, etwa dem bewölkten Himmel. Uns interessiert, wie sich das Flüchtige in dialogischen Wahrnehmungsprozessen zeigt. Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Nicht festzuhalten
In Sekunden eine Welt eröffnen | Jonas Raeber | Reusswehr Einmal jährlich Plaza Internacional | Urs Häner | BaBel Ich gehe ins Bild | Atmosphäre: Timing und Prägnanz | Huth & Frey | KKL Der Fokus hält das Flüchtige fest | Judith Albert | Nationalquai Postfachbeziehungen | Judith Stamm | Postfach Selten gewordene Stimmungen | Mario Gerteis | Hinterhof Bruchstrasse Für einen Moment etwas bewirken | Nicht definierte Rahmenbedingungen | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof Transit-Ort und Bleibe | Im Umbruch | Tausend Fenster und Einblicke | Robert Müller | BaBel Das Zufällige | Das Unwiederholbare Ich bezweifle, ob es dasselbe wäre, wenn wir alle Einzelelemente eines Ortes an einem anderen Ort nach Modell wieder aufbauen würden. Denn was hier typisch ist und wirkt, ist das Zusammenspiel von Innen und Aussen, mit den Fahnen im Wind, mit den Bergen, mit dem See und dem Panorama dahinter, die Schwäne, die jetzt gerade aus dem See steigen. Das ist einfach nicht wiederholbar, nicht konstruierbar und vielleicht gerade deswegen das Eigentliche oder die Substanz der Atmosphäre. | Ortsgebunden Atmosphäre ist etwas ganz stark Ortgebundenes. Das hat mit dem gebauten Ort zu tun, aber auch mit dem gelebten Ort, ob in der Stadt oder auf dem Land. | Temporär | Ursula Stalder | Café de Ville *Mit Lust hin und her springen | Wie Atmosphäre funktioniert | *Sommerliches Lichttheater | Valentin Groebner | Seebad Wie das Wetter Die stärksten Atmosphären sind diejenigen – weswegen Atmosphäre ja so oft an das Wetter gekoppelt ist, an plötzliches Gewitterlicht, an Föhn, an einen aufreissenden Himmel nach einem verregneten Tag –, mit denen ein Betrachter nicht gerechnet hat. Und das ist einer der Gründe, warum aussergewöhnliche Umstände so sehr – und zwar unmittelbar und in grosser Intensität – Atmosphäre erzeugen. | Simultan, nicht wiederholbar Atmosphäre ist etwas, das durchaus mehrere Leute miteinander zur selben Zeit wahrnehmen und sich darüber austauschen können. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Atmosphäre etwas ist, das mehrere Leute miteinander problemlos wiederholen können. Das scheint mir nicht so zu sein. Dann können die noch so viele Kerzen aufstellen und romantische Hintergrundmusik laufen lassen. Es wird beim zweiten oder beim vierten Mal einfach nicht mehr so funktionieren. Und im Grunde genommen wissen wir das alle auch ganz genau. | *Das Magische | Unübersehbare Spuren | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande In Sekundenbruchteilen Diese Sekundenbruchteilhaftigkeit besteht in einer Berührung. Es kann ein Atemzug sein, ein Blick oder ein Faltenwurf. Der Faltenwurf bringt hier eine extreme Situation zum Kochen, zum Überkochen. | Ergriffen werden | Erinnerungskarussell | Paolo Bianchi | The Hotel Atmosphäre – so heiss wie möglich und so kalt wie nötig Atmosphäre ist etwas Fragiles, etwas, das jeden Moment explodieren könnte, in der Schwebe zu halten. | Körperabdruck auf dem Bett, eine Skulptur | Schlafende Akteure | Illusion und Begehren im Transitraum Die Begierde öffnet den Raum für die Illusion, oder die Illusion öffnet den Raum der Begierde. | Thea Brejzek | The Hotel

These 5 | Re-Lektüren

Samstag, 27. Februar 2010

Die Re-Lektüre eines Ortes oder Objekts ist Resultat von Erkundungstouren durch eigene und fremde Wissensarchive. Die transportierten Referenzmaterialien profilieren Ausgangsorte überraschend neu oder anders. So ermöglichen sie ein verändertes Lesen und Verstehen der Ausgangssituation.

Wir möchten Orte intellektuell und emotional durchdringen. Wir statten sie mit eigenem und fremdem Wissen aus und schmücken sie damit. Das in Wissensarchiven Gefundene verweben wir mit dem Ort, verleiben es ihm ein und schaffen somit die Voraussetzungen für mögliche Lektüren, Identifikationen und Erzählungen, damit auch andere sehen, was wir sehen, und verstehen, was wir  verstehen. Re-Lektüren sind eigensinnig: unvorhersehbare Reaktionen an Ort und Stelle. Die ‚Geister’, die man gerufen hat, sind nun anwesend und wirken. Sie spiegeln sich in unserem Blick auf das Geschehen. Uns interessiert, wie die – real oder fiktiv – vorgenommenen Ergänzungen, Verknüpfungen, Überhöhungen, Reduktionen, Verkomplizierungen wirken: Sie mögen einem Ort neuen Glanz verleihen oder ihn entwerten, ihn aufladen oder entmachten, vielleicht gar erotisieren. Auf jeden Fall werden sie ihn welthaltiger machen. Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Einarbeiten, verweben
Denken gegen Zaubertricks | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend Oben Wolken, unten Schatten | Irma Ineichen | Nationalquai *Säkulare Analogie | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse *Wenn ich Gästen etwas in Luzern zeigen möchte | Das Provisorische, das Leichte | Vorbehalte ausser Kraft gesetzt | Magie des Ortes | *Keine klassische Fassade | *Negation eines Volumens | Stanislaus von Moos | KKL *Heimatklänge Ein Freund, er ist Tontechnikingenieur, hat mir einmal erzählt, dass er als Engländer in Saudi Arabien angefangen habe zu bauen und zu leben. Und dass die Frauen, die zu Hause blieben, während die Männer draussen bei irgendwelchen Projekten gearbeitet haben, enormes Heimweh nach England hatten. Die Häuser waren zwar wie englische Bungalows gebaut, aber draussen sah es nicht nach England aus. Und er hat gutes Geld dadurch verdient, dass er denen den Sound englischer Atmosphären – Landschaften, Kühe usw. – auf Endlostapes geliefert hat. Die haben das dann immer in den Wohnzimmern ganz leise laufen lassen, und schon haben sie sich zu Hause gefühlt. Man kann das vielleicht so machen, dass man seine Herkunft sozusagen akustisch bei sich hat. Oder dass man bei der Hotelrezeption Tonbänder zur Auswahl hat: heute abend mal ein bisschen Shanghai, aber gedämpftes Shanghai. Das wäre eine Möglichkeit, nur als Anregung… | Fred van der Kooij | The Hotel

Die Lust, sich die Welt zu erklären
Älpleridentität und Weltniveau | Eine Atmosphäre, die eine andere vergessen lässt | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Karikatur, Abstraktion | Andy Raeber | Reusswehr Das Dreckige, das Ungeschönte | Ästhetik der Dekadenz | Mario Gerteis | Gaswerkareal Über den Umweg von Metaphern | * Unverzichtbare Assoziationen | Unter dem Dach des KKL ein magischer Ort Mit dem KKL hat Luzern etwas bekommen, wo man die Landschaft und die Stadt zusammen in einem Schwenk oder in einem Traveling mit dem Kopf einmal um die Körperachse gedreht sehen kann, die ganze Stadt als Bild. Die Stadt hat ein Panoramaerlebnis bekommen. | ‚Machine à émouvoir’ | *Geniale Manipulation | Stanislaus von Moos | KKL *Ort eines intensiven Schauspiels | *Espace indicible, unsagbarer Raum | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Nie nur Auge Atmosphäre ist etwas, das mit dem Körper des Betrachters zu tun hat. Wir sind nie nur Auge, und das kann man bei einer Badeanstalt ganz schön klarmachen: Man ist in einer Badeanstalt, weil man sich bestimmten freundlichen körperlichen Reizen auf kontrollierte Art und Weise aussetzen möchte. Eine Atmosphäre der richtigen Abstände der Körper zueinander. | *Kern des Atmosphärischen | *Mitaufgeführtes Bühnenstück | Valentin Groebner | Seebad Sehmaschine | Ohne Ausgang | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama Selbstvervielfältigung | Gegenstandswolken | Haufenbildung | *In Schwärmen | Zärtliche Hand Die ideale Form des Hinausgehens ist natürlich, mit einem Gegenstand hinauszugehen, der hier, ohne dass der Gegenstand und der Tourist das vorher schon gewusst haben, geduldig auf diese fürsorgliche und zärtliche Hand gewartet hat. | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection | Regime of the Visual | An Architecture of Dialogue? | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel *Assoziationsgeschehen | *Imagination | Paolo Bianchi | The Hotel *Wie im Stundenhotel | *Damen im Fenster | Ironie des Scheins Wenn man die Aussenfassade betrachtet, sieht man, dass die Inszenierung der Warenästhetik folgt, die zwischen Angebot und Nachfrage pendelt. Angebot eines Stundenhotels, das es nicht bedient. | Montage und Architektur | *Die Erzeuger von Atmosphären | *Kontrastwirkungen wie im Barock | *Liebe als Installation | *Räume wie Gefühle? | *Tag- und Nachteindrücke | Fred van der Kooij | The Hotel

Bilder, die uns an die Realität erinnern
Filme erinnern uns an die Realität | Jonas Raeber | Reusswehr Bilder, die an Objekten haften Es gibt ja Bilder, die an Objekten haften bleiben – das berühmte Vogelnest in Peking. Oder das Seelensilo – bei vielen Kirchen aus den zwanziger und fünfziger Jahren. Begriffe, wenn sie plausibel sind, bleiben an Dingen haften, und so funktioniert Kommunikation über Artefakte. | Assoziative Brücken | Stanislaus von Moos | KKL *Schwindelgefühle Wenn man so etwas erlebt wie jetzt hier, dann kommt mir Richard Serra in den Sinn: seine Raummanipulationen mittels Stahlplatten, die zerdehnt und gewölbt sind. Er bringt es fertig, einem den Magen durcheinanderzubringen. Das sind Dinge, wo ich mich als Kunsthistoriker frage: Ist das ein Phänomen rein physiologischer, rein psychologischer Art? Ist das ein Phänomen, das eigentlich in erster Linie im Wissenschaftsmuseum, im Palais de la Découverte seinen Ort hat? Oder ist das wirklich Kunst? Fragen, die man sich wirklich stellen kann. Auf jeden Fall sind es Manipulationen der Wahrnehmung. Artefakte, die die Wahrnehmung in einer sehr unintellektuellen und sehr physischen Weise betreffen. | Aufgebaut wie für eine Operette | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Realitätserzeugend Ein wunderbarer Pleonasmus: ‚historische Altstadt’! Wenn etwas wirklich historisch ist, müsste es ja nicht extra als historisch bezeichnet werden. Der Tourismus verdoppelt aber alles. Und der Tourismus ist eben auch in der Lage, grosse Schlachtereignisse oder, wie in diesem Fall, die für die Schweiz siegreiche, triumphale Nicht-Schlacht in ein Schauerlebnis zweiter Güte zu verwandeln. Man schaut mit anderen zusammen auf eine Simulation, die dadurch richtig wird. Richtig und wichtig und prominent und Realität erzeugend. Das ist ein Stück weit auch das Prinzip des Kinos, des Historienfilms. Deswegen diese merkwürdige Fremdheiterfahrung, die sich einstellt, wenn man allein im Kino sitzt. | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama *Filmarchitektur als Stimmungsraum | *Wenn die Atmosphäre eines filmischen Raumes auf uns übergreift | *Theatralische Positionen: Die Decke im Blick | Fred van der Kooij | The Hotel

These 4 | Assoziative Brücken, Transporte

Samstag, 27. Februar 2010

Die in eigenen und fremden Wissensarchiven geweckten Elemente werden über assoziative Brücken zum jeweiligen Ort transportiert und lassen diesen in anderem Licht erscheinen.

Die Lektüre von Orten fordert Austausch. Sie verknüpft Elemente weit entfernter Orte und Realitäten, zerlegt Zusammengehörendes in seine Teile und fügt sie andernorts wieder ein. Das Lesen von Orten gleicht damit nicht nur einem Transportgeschehen, sondern auch einem Konstruktionsprozess. ‚Hard facts’, Fragmente, Erinnerungen, Imaginationen sind Bausteine seiner Konstruktionen. Sie gehören zur Erfahrung einer räumlichen Situation, sie beflügeln unsere Neugier und nähren unsere Faszination für Orte. Ein Spiel mit räumlichen Realitäten, das die sichtbare Realität weitet. Uns interessieren die assoziativen Pfade, auf denen diese Transporte zustande kommen. Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Das Sichtbare und Unsichtbare, das Vorher und Nachher
*Dieser Ort hat etwas Flüchtiges Ich laufe zuweilen durch die Gänge und sehe plötzlich Leute vor mir, die eigentlich gar nicht mehr da sind. Generationen, die in diesen Räumen unterwegs sind. | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Der See ist unser Tor zur Welt Das Wasser kommt vom Gotthardt und von den Nidwaldner und Obwaldner Bergen her, vom Muotathal und fliesst dann weiter in den Rhein und ins Meer. Was vorher und nachher ist, macht diese Spannung aus. | Vorher und Nachher der Bilder | Andy Raeber | Jonas Raeber | Reusswehr Eisblöcke vom Titlis Früher musste man Eisblöcke schlagen oben am Titlis und sie dann hierher karren. Die Bierbrauer schleppten nicht nur die Harrassen herbei, sondern auch riesige Eisklötze, die dann in die Kellertavernen auf der gegenüberliegenden Strassenseite gelegt wurden, und so hat man das Bier einige Tage lang kühl halten können, bis das Eis weggeschmolzen war und man am Titlis wieder neues holen musste. | Urs Häner | BaBel Raum, der erschüttert | Irma Ineichen | Nationalquai Bunker im Berg | Jürg Stadelmann | Kantonsschule *Ort eines intensiven Schauspiels | *Espace indicible, unsagbarer Raum An diesem Ort ist das, was man hört, fast so wichtig wie das, was man sieht. Beides zusammen ergibt ein Bewusstsein, das über das hinausgeht, was man sieht. Es ist ja wirklich nicht nur dieser Horizont der Altstadt, es sind alle Regengüsse der letzten Wochen und Monate. Es sind sogar alle Gletscher der letzten Jahrhunderttausende oder Jahrmillionen involviert, die in einem anscheinend beschleunigten Tempo hier bachab sausen. Ein Stück Erdgeschichte wird hier zusammen mit der Bau- und Architekturgeschichte spürbar und hörbar. | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Unsichtbar | *Erzeugte Geschichte | *Nachvergrössern | Valentin Groebner | Seebad Was erscheint, was nicht | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Die Erzeuger von Atmosphären | Fred van der Kooij | The Hotel

Zuschreibungen
Zuschreibungen | Urs Häner | BaBel Was verschwindet, was überlebt | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Vorurteile | Mark Ineichen | BaBel *Unsichtbar |*Erzeugte Geschichte | *Nachvergrössern | Valentin Groebner | Seebad Sentimentalität | *Das Glitzern der Dinge | *In Schwärmen | Kostbarkeiten | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Wie im Stundenhotel | *Damen im Fenster | Fred van der Kooij | The Hotel

Rituale
Verweilen, Flanieren | Kaffeehausrituale Das Ritual in einem Kaffeehaus: dass man interessiert ist an der Zeitung, an der Welt, die erzählt wird, oder am Gegenüber, oder auch am Kellner, an der Schokolade, die heute mitkommt. | Wo nehme ich Platz? Ich würde mich immer an einen Fensterplatz setzen, um das Aussen und Innen, den Zwischenraum und die Durchlässigkeit mitzukriegen. Fürs Briefschreiben vielleicht eher mit Blick auf den See, fürs Zeitunglesen eher mit Blick auf die Jesuitenkirche. | Ursula Stalder | Café de Ville *Nichtberührbarkeit | *Nicht berühren! | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama

Auffällig, aufdringlich
Es stinkt! | Huth + Frey | KKL Heure bleue, springende Lichter | Judith Albert, Nationalquai Ein Gedeck macht fast alles | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Entrückung, Verzückung | Inmitten des Wassers | Übers Wasser gehen Ins Wasser hineingehen – übers Wasser gehen, und dann an einen Endpunkt kommen, wo nichts mehr kommt. Nichts mehr, nur Himmel, Wasser. | Mario Gerteis | Reusswehr Ein schöner Kohlenhaufen Es hat in diesem Film ein ganz besonderes Finale gegeben auf einem Kohlenhaufen. Das war ein schöner, attraktiver Kohlenhaufen vor den beiden Gaskesseln. Eine gewaltige Atmosphäre. | Seelisches Befinden ins Visuelle übersetzen | Mario Gerteis | Gaswerkareal Belastend | Mark Ineichen | BaBel *Ort eines intensiven Schauspiels | *Kein Ort zum Wohnen | *Aufwühlend | *Bedrohliche Ruhe | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Sommerliches Lichttheater Eine Badeanstalt ist ein Lichttheater, ein sommerliches Lichttheater. Das hat mit dem Licht auf den Vorhängen zu tun, die sich im Licht bewegen und eine bestimmte Art von Halbdurchsichtigkeit erzeugen, mit den Schatten. Man ist auf dem Wasser, und das Wasser hat unter dem Seebad unterschiedliche Farben: grün und blau und ein fast staubiges, leuchtendes Türkis, in dem die kleinen Partikel im Wasser sichtbar werden, in denen sich das Licht bricht. Das ist für mich etwas, das ganz intensiv mit Sommer als Farbe, also als beleuchtetem feinem Staub im Wasser oder in der Luft zu tun hat. Und das ist nun wirklich die Atmosphäre des Sommers. Der feine Rauch, den man nicht festhalten kann. | Valentin Groebner | Seebad Funkelnder Raum | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Stage and Presence | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel Träger von Stimmungen | Zimmer als Erinnerungsspeicher | Paolo Bianchi | The Hotel *Visuelle Überwältigung | Halbwelt, Verführung, Begierde | Thea Brejzek | The Hotel *Wie im Stundenhotel | *Damen im Fenster | *Erotisches Spiegelkabinett | *Liebe als Installation | *Räume wie Gefühle? | *Durch ein Bild überwacht | Fred van der Kooij | The Hotel

Bilder
*Filme erinnern uns an die Realität | In Sekunden eine Welt eröffnen | Jonas Raeber | Reusswehr Auf einem Foto von 1944 | Urs Häner | BaBel Die Wirklichkeit nach dem Bild sehen | Gemaltes Bild in der Wirklichkeit suchen | Oben Wolken, unten Schatten | Irma Ineichen | Nationalquai Unter Wasser schlafen | Judith Albert | Nationalquai Sich aufdrängende Bilder | Christoph Luchsinger | Max Bosshard | Seebad Filmarchitektur ist die höhere Wirklichkeit | Mario Gerteis | Gaswerkareal *Schwindelgefühle | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Realitätserzeugend | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama Fassade mit ungeahnten Verweisen | Paolo Bianchi | The Hotel *Erotisches Spiegelkabinett | *Liebe als Installation | *Räume wie Gefühle? | *Durch ein Bild überwacht | Aufladen eines Raumes mit Geschichte | Stimmungssprünge | *Filmarchitektur als Stimmungsraum | *Wenn die Atmosphäre eines filmischen Raumes auf uns übergreift | Fred van der Kooij | The Hotel

Wiedererkennen
Sun-Burner, London 1859 | Georg Carlen | Hotel Schweizerhof Verschleppte Teppichreste | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Anverwandeln | Erinnerungen reparieren | Zielgerichtet wiedererkennen | Unter seinesgleichen | Vervielfältigung | Was glücklich macht | Unterwegs zu Hause | Erkannt werden | Sich zu bewegen wissen | Sentimentale Reise | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Wie im Stundenhotel Von draussen wirkt das Hotel – und ich glaube das ist von Jean Nouvel bewusst als Referenz angesprochen – wie ein Stundenhotel. Ein Stundenhotel ist ja ein Hotel, wo man Damen im Fenster sieht, wo sozusagen die Ware direkt im Schaufenster angepriesen wird, und wenn ein Kunde kommt, wird der Vorhang zugemacht, so dass man die Belegung des Bordells immer daran sieht, wieviele Fenster nicht beleuchtet sind. Wenn wir jetzt die Totale von dieser Seite sehen würden, wäre klar, dass acht Frauen beschäftigt sind, von der anderen Seite sind es vielleicht sechs dunkle Fenster, so dass man sagen würde, das Hotel funktioniert, es gibt Umsatz. Das ist natürlich nicht in der Realität so. Das Hotelzimmer wird hier ohne Damen geliefert. Das heisst, es ist nur die Simulation eines Stundenhotels. | *Damen im Fenster | *Kontrastwirkungen wie im Barock | Aufladen eines Raumes mit Geschichte | *Filmarchitektur als Stimmungsraum | Fred van der Kooij | The Hotel

Projektionsraum Geschichte
Projektionsraum Geschichte | Andy Raeber | Reusswehr Stadt-Geschichtenbuch | Georg Carlen | Hotel Schweizerhof Mit Gebäuden Geschichte verbinden Ist es wichtig, dass die Schüler mit diesen Gebäuden Geschichte verbinden? Oder reicht es, dass sie sagen „Das ist Heimat. Das ist Gefühl. Das ist Emotion“? Müssen Sie es wissen? Müssen sie es schätzen? Müssen sie es schützen? | Wissen, schätzen, schützen | Jürg Stadelmann | Kantonsschule *Stadtphysiognomisch ein Schlüsselort | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Mit Lust hin und her springen | *Unsichtbar | *Erzeugte Geschichte | *Nachvergrössern | Valentin Groebner | Seebad In die Geschichte schauen | ‚Ich bin die Kopie’ | Lächelnde Simulation | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama 1348, 2008 | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande

Verknüpfungen: Wissensarchive, Entwurf, Realität
Festlich und zugleich bescheiden | Stimmungen herstellen Ein architektonisches Zitat ist nur dann mehr als ein Zitat, wenn es über die intellektuelle und sinnliche Wahrnehmung im Zusammenspiel mit dem Ort seine eigene Realität erhält. | Elemente eines Archivs zum Leben erwecken Nicht nur wir Architekten, sondern alle Menschen haben so eine Art Archiv. Ein Archiv der Erinnerungen, ein Archiv der Gefühle. Und es gibt immer Zeichen für diese Gefühle und Erinnerungen, Zeichen, die sich verbinden mit bestimmten Erfahrungen, Erinnerungen. Die weckt man mit dem Zitat dieser Elemente. Man muss diese Zitate allerdings so miteinander verweben und verarbeiten, dass sie Emotionen wecken, aber nicht billig ablesbar bleiben. | Denken gegen Zaubertricks | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend Über den Umweg von Metaphern | *Unverzichtbare Assoziationen | Stanislaus von Moos | KKL *Unsichtbar | *Erzeugte Geschichte | *Nachvergrössern | Valentin Groebner | Seebad *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection The affect is something very personal and refers to my experiences as a subject, and I am living with it extremely internal. The effect is produced by an external apparatus, in this case here the window, the wall, the light, the red chair next to us. And it is the process of reading these various elements that produces in the subject a certain affect. The perceptions are always simultaneous and multiple, and it is often the case of quieting one sense so that one can focus on another. | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel Montage und Architektur | *Kontrastwirkungen wie im Barock | Fred van der Kooij | The Hotel

Verstrickt-Sein in Geschichten
Wo Richard Cosima ehelichte | Georg Carlen | Hotel Schweizerhof Verloren gehen, geheim bleiben Es ist spannend, darauf hinzuweisen, dass ein bestimmter Ort sich mit etwas Aussergewöhnlichem verbindet. Gewisse Dinge aber bleiben geheim, im Sinne von Geheimniskästchen. Es gehört zur Geschichte, dass gewisse Dinge verloren gehen. | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Wenn Parkett erzählen könnte Wenn ich mir diesen Boden anschaue, die Diskrepanz zwischen preussischen Militärstiefeln in jener Zeit und heute, wenn im Sommer Blues Balls stattfinden, wenn hier Rockbands spielen, dann ist das etwa die Spannbreite, die dieser Raum bis jetzt erlebt hat. | Ein Saal voller Geschichten | Einen Saal mit seinen Geschichten füllen Ein alter Traum, so einen Raum mit Leuten zu füllen, die Geschichten erzählen können. Auf der anderen Seite gehört es zur Geschichte, dass sie vorbei ist – und dann regen gerade solche Räume dazu an, zu fragen, zu suchen. Darin liegt für mich auch das Atmosphärische. | Reanimierte aristokratische Gefühlslagen | Jürg Stadelmann| Hotel Schweizerhof Was eine Hinterhoftür erzählt | Durchstreichen des Namens | Verlorenheit | Mario Gerteis | Hinterhof Bruchquartier Atmosphärische Spiegelbilder der Gesellschaft | Mario Gerteis | Gaswerkareal Bilderturm | Verstrickt in Geschichten | Paolo Bianchi | The Hotel *Räume wie Gefühle? | *Tag- und Nachteindrücke | Fred van der Kooij | The Hotel

These 3 | Auslösende Momente

Samstag, 27. Februar 2010

Jeder dialogische Prozess braucht  auslösende Momente, an die sich eigene Erfahrungen, Erinnerungen, Einfälle heften können.

Der menschliche Geist will sich in einer räumlichen Situation verorten. Wir lieben es, Verbindungen zwischen unterschiedlichen Wirklichkeiten herzustellen, wir lassen uns von jedem ‚Kubikzentimeter Möglichkeit’ (Carlos Castañeda) anregen, wir suchen geradezu nach Dingen, die uns an etwas erinnern, uns Brücken schlagen lassen zu Erfahrungen und Bildern aus Wissensarchiven, die dem jeweiligen Ort nicht unmittelbar zugehören. So kommt es zu wechselnden Kooperationen mit den ‚hard facts’ einer gegebenen Situation. Je nachdem treten materielle oder immaterielle, historische oder aktuelle, reale oder imaginierte Momente in den Vordergrund. Uns interessieren die Auslöser für solche dialogischen Prozesse.

Wechsel der Wahrnehmungsbedingungen
Schatten, Insekten, Geräusche in der Nacht | Nachts Die Nacht macht, dass man sich anders im Raum bewegt. Das Raumgefühl ist ein ganz anderes. Am Tag sehe ich: aha, das ist Wasser. In der Nacht wird man mutiger, so dass man weitergeht. Die Nacht macht auch, dass die zwei Ebenen gleichwertig werden. Die eine ist hart, die andere ist weich. | Das Schöne an der Nacht Das finde ich schön in der Nacht, dass man Dinge sieht, die man am Tag nicht wahrnehmen kann. | Judith Albert | Nationalquai Gedanken sind Volumen Gedanken sind für mich Volumen, wie Pflanzen oder Bäume, wachsende Skulpturen. | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof Refugien | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse Das Gewöhnliche gehört zur Magie Das Gewöhnliche gehört immer zur Magie. Es gibt die notwendige Langeweile, die Monotonie als absolute Folie. Das ist auch eine Qualität dieser Architektur, dass sie ausgesprochen langweilige Seiten hat. Eine Stadt hat auch eine Rückseite. Es ist wichtig, dass ein Auftritt nicht nur wie Disneyland von einem Knalleffekt zum nächsten springt, dass es Momente gibt, wo das Auge sich ausruhen kann. | Schwarz | *Keine klassische Fassade | *Negation eines Volumens | Stanislaus von Moos | KKL Menschen aus über 70 Nationen | Jede Nation hat ihren Ort | Meter weiter eine andere Welt Es ist wirklich so an dieser Strasse, zwei Meter weiter und man ist in einer anderen Welt. | Mit Bildern Sprachbarrieren überwinden | Gegen Sprachverwirrung | Robert Müller | BaBel *Genuss der Leere | *Alltagsverschwendung Atmosphäre hat immer auch mit dem Leerraum zu tun, der einen mit anderen verbindet. | Valentin Groebner | Seebad Laufende Zuschauer | Ausnahmsweise allein | Platz haben | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama Wie das Wetter | Plötzlich leere Strassen | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Refraction, Reflection | *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection | *Echoing Spheres | Lie and Look | Atmosphere belongs to a specific element | *Stage and Presence | *Staging the Everyday After eleven o’clock or midnight everything disappears again, the lights are switched off, the visitors are sleeping, and the building returns to be part of the city and is not basically asking to be looked at. | Radiance of the Hotel | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel *Assoziationsgeschehen | Vom Liegen und Schauen | *Imagination | Raum und Objekt | Paolo Bianchi | The Hotel Schwarze Höhle, stillgestellte Zeit | *Stills: eingefangene Momente | Spielraum der Imagination | *Von aussen nach innen inszeniert | Einladung zum Dialog | *Präsenz, Absenz | Thea Brejzek | The Hotel *Erotisches Spiegelkabinett | *Theatralische Positionen: Die Decke im Blick | Wenn Luzern hereinrieselt | Raumklangdesign im Kinosaal | Akustisches ‚Tunen’ | *Heimatklänge | *Tag- und Nachteindrücke | Fred van der Kooij | The Hotel

Spuren | Betonung
Alte Spuren im Holz | Georg Carlen | Seebad Spuren vergangener Sitten | Spuren nicht verwischen | So entsteht Architektur | Christoph Luchsinger | Max Bosshard | Seebad Getönter Raum | Raumgreifende Architektur | Paolo Bianchi | The Hotel *Die verspiegelte Zimmertür | *Was kocht, was ist kalt? | Thea Brejzek | The Hotel *Die Erzeuger von Atmosphären | Fred van der Kooij | The Hotel

Original | Authentizität
Denkmalpflegerisch betrachtet | Georg Carlen | Seebad *Unsichtbar | *Erzeugte Geschichte | *Nachvergrössern | Valentin Groebner | Seebad *Heimatklänge | Fred van der Kooij | The Hotel

Auratisierung | Stigmatisierung
Tolstoj hätte … | Georg Carlen | Seebad Unsagbares | Orte mit Ausstrahlung | Das Strahlen von Orten und Wegen | Irma Ineichen | Nationalquai Ein Ort der Hochgefühle | Im Postfach versammelt sich die Welt | Judith Stamm | Postfach Kribbeln Da oben, sieht ja aus wie Giacometti. Da stellt man sich sofort die Frage: Ist das Herr Giacometti? | Ursula Stalder | Café de Ville *In Schwärmen | *Das Glitzern der Dinge | Was tickt | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Die Erzeuger von Atmosphären | Fred van der Kooij | The Hotel

Schwellenerfahrung | Entgrenzung
What’s bad in there? | Roman+Bruno | Seebad Einheitliches Antlitz | Christoph Luchsinger | Max Bosshard | Seebad *Assoziationsgeschehen | Lokalisieren Ich glaube nicht, dass Atmosphären Körperbegrenzungen einhalten. Wie das in Atmosphäre enthaltene Wort sphärisch andeutet, zirkuliert da geistige freie Energie. Das sich durch den Raum, durch die Materie Entfaltende. Dieses ‚durch‘ ist das Stichwort, das massgebend ist für Atmosphären. Atmosphäre hält sich nicht an Einzäunungen. Und ist deshalb eben nicht lokalisierbar. | Unbestimmbarkeit | Paolo Bianchi | The Hotel *Was kocht, was ist kalt? | Thea Brejzek | The Hotel

Das Sichtbare und Unsichtbare, das Vorher und Nachher
*Dieser Ort hat etwas Flüchtiges Ich laufe zuweilen durch die Gänge und sehe plötzlich Leute vor mir, die eigentlich gar nicht mehr da sind. Generationen, die in diesen Räumen unterwegs sind. | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Das Überraschende ist dahin Die persönlichen Dinge, die kommen jetzt übers Mail. Das Gefühl, das mich beim Postfach jeweils getragen hat, von meiner Wohnung dahin, trägt mich jetzt am Morgen – ich sage jetzt mal vom Bett zum Computer. | Judith Stamm | Postfach Die Kraft vom Gotthard | Reuss-Schwimmen | Andy Raeber | Jonas Raeber | Reusswehr *Ort eines intensiven Schauspiels | *Espace indicible, unsagbarer Raum | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Kern des Atmosphärischen | Valentin Groebner | Seebad *Stills: eingefangene Momente Ich versuche, einem eingefangenen Moment eine Vorgeschichte, eine Nachgeschichte hinzuzufügen. Wenn ich mich einbeziehe, werde ich zum Akteur hier in diesem Zimmer mit dem Filmstill. Oder zum Voyeur der ungeheuren Sorte, indem ich ein Filmstill viele Stunden lang in unterschiedlichen Beleuchtungen bei unterschiedlichen Aktivitäten betrachte. Und sehe ich dadurch Dinge, die der Filmzuschauer gar nicht sieht, weil der Film ja immer weiterläuft? | Thea Brejzek | The Hotel *Die Erzeuger von Atmosphären | Fred van der Kooij | The Hotel

Dimension, physische Kraft
Schiere Grösse regt auf! | Hochhäuser provozieren Die einen halten diese Bauform für eine Ghettoisierung, für Silobauten, Architektenträume oder Fürze. Andere sind fast euphorisch und rühmen den Fortschritt. Für einige sind Hochhäuser Luxuswohnorte nur für bestimmte Leute – für Reiche, auch ein Extrem. Das Extrem der Bauform führt zu Extremen in der Reaktion oder in der Wahrnehmung. | Damit die Berge nicht erschlagen werden | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend *Ort eines intensiven Schauspiels | Stanislaus von Moos | Reusswehr

Legendäre Orte
Das legendäre Gasthaus | Drehscheibe der Arbeiterkultur | Strassenverbreiterung | Revolverbütti, Schmuddelkino Wenige Zeit später hat es dann den Namen „Madeleine“ erhalten, und es war immer das einzige Kino in der Schweiz mit diesem Namen. Für die einen die Revolverbütti, weil sie Western oder Indianerfilme im Doppelpack gesehen haben Samstag für Samstag, für die anderen später Sex-Kino. So kann man Etappen der Ausstrahlung festlegen: Schmuddel-Image, dann die Phase, wo die Zensur gemeint hat, sie müsse eingreifen, dann die grosse Zeit der Western und Cowboy-Filme und später die Sexfilmzeit. | Urs Häner | BaBel *Stadtphysiognomisch ein Schlüsselort | Stanislaus von Moos | Reusswehr *Nie nur Auge | *Kern des Atmosphärischen | *Mitaufgeführtes Bühnenstück | Valentin Groebner | Seebad

Kleine Dinge, die einen anspringen
Schreiende Blesshühner Geräusche tragen ja zur Atmosphäre bei. Wir hören hier den Wasserschlag ans Ufer, an die Holzpfosten. Wir hören, wie die Vorhänge sich im Wind bewegen, wir hören da und dort ein Metallteil, das an ein anderes schlägt. Wir hören Blesshühner, die hier hereinschwimmen und sich gern balgen. | Georg Carlen | Seebad Die kleinen Dinge, die mich anspringen | Irma Ineichen | Nationalquai *Was für einen Ort zählt | Judith Albert | Nationalquai Vor dem Bahnhof den Koffer abstellen Ankommen von einer Reise mit dem Reisegepäck. Aus dem Bahnhof an die Schifflände gehen, hinten beim KKL das Gepäck abstellen, die Kleider von sich werfen und in den See springen. | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof Was in unsere Hand passt | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande

Inszenierungen
Künstlich inszenieren? | Austausch des Ortes Wenn man alle Einzelelemente auflisten, auseinandernehmen und an einem anderen Ort wieder zusammenbauen würde, wäre die Atmosphäre dieselbe? | Exklusiv, ausgrenzend | Eine Haltung, ein Machtanspruch | Nicht nur auf eine Art erleben | Ursula Stalder | Café de Ville Herstellung von Gemütszuständen | Stanislaus von Moos | KKL *Unsichtbar | *Erzeugte Geschichte | *Nachvergrössern | Valentin Groebner | Seebad *Das Magische | Produktion von Überraschung | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Visuelle Überwältigung Was ich im Moment sehe, ist überdimensioniert. Es lädt ein, entdeckt zu werden, andererseits ist es eine visuelle Überwältigungsstrategie. Wie wäre es, könnte ich das Bild wechseln? Dann wäre ich nicht Teil einer Inszenierung, in die ich per Ausgabe des Zimmerschlüssels hineininszeniert wäre, sondern könnte meine eigene Inszenierung hier beginnen. | Das Grosse ist übergross, das Kleine sehr klein | Die emotionale Temperatur des Raumes Wenn ich von einer Temperaturänderung im Raum spreche, meine ich nicht die Celsius-Temperatur im Raum, sondern eine Art emotionale oder dramatische Temperatur, die steigen und fallen kann und durch die verschiedenen Temperaturzustände verschiedene Energien freisetzt. | Provokationen setzen | Thea Brejzek | The Hotel Über die Produktion von Atmosphäre mit filmischen Mitteln | Das Wetter im Film | Das Aufladen eines Raumes mit Geschichte Sobald wir in einer Erzählung sind, in einem Film, sind wir in eine Geschichte verstrickt. Wir können in ein Zimmer kommen, von dem wir wissen, was dort geschehen ist. Oder wir ahnen, was da geschehen ist. Man betritt einen Raum, und dadurch kommt – wenn wir uns selbst als Resonanzkörper einer Stimmungslage betrachten – ein Resonanzkörper in einen anderen Resonanzkörper hinein. | Stimmungssprünge | *Filmarchitektur als Stimmungsraum | *Heimatklänge | Fred van der Kooij | The Hotel

Was im Alltag wirksam wird
Wie schnell ein Weiss ein hässliches Weiss ist! | Architektur muss im Alltag funktionieren | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend Helle Winter, dunkle Sommer | Georg Anderhub | Nationalquai Luft | Duft | Irma Ineichen | Nationalquai Das vielfältige Leben Den Begriff Atmosphäre gibt es nicht in der Planung, aber für mich ist Atmosphäre in einem Quartier, in einer Stadt das vielfältige Leben. | Nicht die Stadt sagt, wo es langgeht | Veränderungen vom Quartier aus denken | Keine Vertreibungspolitik! | Mark Ineichen | BaBel Entrümpeln, ausmisten, klären | Ferienduft, Bahndammlärm Das Spezielle an diesem Quartier sind die unterschiedlichen Zonen, die in diesem kleinen Raum zu finden sind: Zonen, die Ruhe ausstrahlen, nach Ferien riechen. Dann diese Strasse, die extrem belebt ist. Allerlei kommt da zusammen. Eine unglaubliche Dichte. Und der dritte Raum, das Schluchtartige dieser Strasse … | Robert Müller | BaBel *Geniale Manipulation | Stanislaus von Moos | KKL *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel *Assoziationsgeschehen | Paolo Bianchi | The Hotel *Was kocht, was ist kalt? | Thea Brejzek | The Hotel

Blickregie
Zweierlei Blickregie | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend Blickdimensionen | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Der Himmel im Deckenausschnitt | Unten Guckkastenbühne, oben Panorama | Christoph Luchsinger | Max Bosshard | Seebad Ein Ort, die Stadt zu lesen | Verwundete Stadtgebiete | Fokussierung des Blicks | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof *Kern des Atmosphärischen | Valentin Groebner | Seebad Privilegierte Beobachterposition | Ausgesetzt sein | Verloren im Bild | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama

Auffällige räumliche Konstellationen
Körperbewegungen in der Formensprache | Der Raum hört nicht auf | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend Sehen und gesehen werden | Vor den Kabinen: Bühnen | Korridore ins Dunkel, verdeckte Raumbezüge | Geheimnisvolle Filter Und dann diese Vorhänge. Auch so ein Element, das zugleich verdeckt und Einblicke zulässt. Und wenn’s ein bisschen windet, sieht man vielleicht, wie sich jemand umzieht. Ein Filter, der Geheimnisvolles vermuten lässt. | Der Schritt aus der Kabine: ein Auftritt | Etwas Voyeuristisches | Voyeuristisches, verkörpert in einem Bauelement | Christoph Luchsinger | Max Bosshard | Seebad *Säkulare Analogie | Fragile Nachbarschaft | Fassaden im Dialog | Der ausgespielte Kontrast | Blickperspektiven, Stadträume | Vorweggenommene Alterung | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse *Nie nur Auge | *Kern des Atmosphärischen | Valentin Groebner | Seebad *Nichtberührbarkeit | *Nicht berühren! | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama Organe des Sich-Zeigens | Paolo Bianchi | The Hotel *Von aussen nach innen inszeniert | Einladung zum Dialog | *Präsenz, Absenz | Thea Brejzek | The Hotel *Erotisches Spiegelkabinett | *Räume wie Gefühle? | Fred van der Kooij | The Hotel

Wo fast nichts passiert: Leerstellen
Gerüche, Geräusche Leider kann ich Gerüche und Geräusche nicht fotografieren. Das fehlt, wenn ich die Atmosphäre eines Ortes darstellen will. Deswegen fehlt Fotografien – sie mögen noch so gut sein – immer etwas, sei es ein Geruch, der Nebel, die Geräusche vom entfernten Autoverkehr. | Atmosphärisches, Ereignishaftes | Auf und ab | Und nichts passiert | Georg Anderhub | Nationalquai Menschenleer | Mario Gerteis | Gaswerkareal Ein leerer Raum öffnet die Sinne Ein leerer Raum, an dem man sich nicht sofort die Nase wundstösst, öffnet die Sinne. | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof Refugien | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse *Bedrohliche Ruhe | Stanislaus von Moos | Reusswehr Leicht theatralisch | *Genuss der Leere | *Alltagsverschwendung | Valentin Groebner | Seebad Echoing Spheres | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel Mit Gerüchen arbeiten | Dialog und In-between Es braucht einen Dialograum, einen Schwingungsraum, damit sich eine Atmosphäre entfalten kann. Und dieses in-between der Atmosphäre eröffnet den sogenannten dritten Raum. | Paolo Bianchi | The Hotel *Aus der Zeit fallen | Thea Brejzek | The Hotel

Nahtstellen / Phantastisches Zusammenwirken
Phantastischer Zusammenklang von Alt und Neu | Zusammenspiel historischer und neuer Materialien | Der Festsaal thront auf der Anlieferungsrampe | Im Untergrund auf der Drehscheibe | Unterirdischer Wendekreis | Ungewöhnliche Perspektiven | Urbane Nahtstellen | Georg Carlen | Hotel Schweizerhof Von überall nach Genua | Judith Albert | Nationalquai Für Frauen und Männer getrennte Welten | Von aussen etwas mysteriös Es liegt im Wesen solcher Kastenbadeanstalten, dass sie etwas mysteriös wirken von aussen. Man weiss nicht, was hier geschieht im Innern. Man muss über die Brücke, durch einen Eingang hinein, innen entfaltet sich eine andere Welt. | Das Sonnendeck als Bühne | Das Seebad als Verwandlungsmaschine | Freiheit und Abschottung | Eine pragmatische und atmosphärische Maschine Auf der einen Seite ist das Seebad eine funktionale Maschine, sehr pragmatisch und sehr rationell. Auf der anderen Seite eine atmosphärische Maschine, die dieses Sehen-Gesehenwerden räumlich interpretiert, das Sich-Zurückziehen, Schauen, Sich-Verstecken, Auf-Sich-Zeigen in allen seinen Abstufungen räumlich interpretiert. | Christoph Luchsinger | Max Bosshard | Seebad Überraschender Befund … dass man plötzlich vor einer Situation steht, die man geschaffen hat, die man so jedoch nie hätte entwerfen wollen oder entwerfen können. | *Säkulare Analogie | Fragile Nachbarschaft | Fassaden im Dialog | Der ausgespielte Kontrast | Blickperspektiven, Stadträume | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse Geschichten und Zeiten | Kreuzungspunkte | Ein Zwischending | Ein Ort zum Ideen-Entwickeln | Dichtes Nebeneinander | Das Aussen hereinlassen | Ursula Stalder | Café de Ville Gebannt hinschauen Dass etwas extrem Vertrautes mit etwas extrem Überraschendem zusammenkommt. Und dass aus diesem Spannungsfeld etwas entsteht, das einen fasziniert, das man immer wieder anschauen muss. Eine Situation, die einen in den Bann schlägt. | Hollywood-Effekt Ein Stück Erdoberfläche auf diese Weise in eine Art Bilderrahmen gepresst, der nicht, wie seit Alberti, vertikal an der Wand hängt und durch das Geviert des Holzrahmens begrenzt ist, sondern etwas, das von oben kommt – eine metallisch spiegelnde Fläche und auf diese Weise in einer nicht konventionellen Art und Weise ein landschaftliches Feld definiert, das man nicht erkennt, indem man durch das Feld hindurchsieht, sondern indem man in dem Feld eine Spiegelung sieht. | *Geniale Manipulation | Stanislaus von Moos | KKL *Refraction, Reflection | *Stage and Presence | *Staging the Everyday | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel Bühne und Präsenz The Hotel ist ja schon ein Theater, die Gestaltung des ground floor eine Art Schaufenster als Durchblick auf eine Gesellschaft. | Gesten der Architektur | Hinter Glas | Die Fassade als Ort des Dialogs | Fassade: Haut mit Ritzungen | Paolo Bianchi | The Hotel *Von aussen nach innen inszeniert | Einladung zum Dialog | *Präsenz, Absenz | Thea Brejzek | The Hotel Magie der Bilder: Die Deckenbilder von aussen | *Wie im Stundenhotel | *Damen im Fenster | Fred van der Kooij | The Hotel

Zusammenspiel: Architektur / Raum / Wetter / Topographie
Das Liebliche und das Dramatische | Wie Architektur Geräusche und Farben zur Geltung bringt In einem Seebad ist man Wind und Wetter ausgesetzt. Der See ist bewegt, auch im Innern des Bades bewegt sich das Wasser leichter als im See draussen. Das Wasser hat hier eine grünlich-gelbe Farbe, während es im See draussen ganz blau ist. Der Ort wird mit der Architektur des Seebads aufgenommen. | Georg Carlen | Seebad Raum, der mir entgegenkommt | Wolkenbilder | Dräuendes | Wenn der Raum verschwindet | Irma Ineichen | Nationalquai Atmosphäre eines besonderen Bautypus | Der atmosphärische Kern des Seebades Die grossartige Landschaft, die Fläche des Sees, die Alpenkulisse – das ist der Grossraum, in den hinein dieser sehr introvertierte Raum gestellt ist. Die Spannung entsteht, weil man in einen praktisch geschlossenen Bau hineinkommt. Von innen her erlebt man die Landschaft auf eine völlig andere Art. Mit gerahmten Ausschnitten. Wenn man aufs Dach geht, diese riesige Weite. Das ist der Kern. Typologie und Atmosphäre entstehen aus dieser Spannung heraus. | Berührt Architektur? | Unter den Füssen und vor den Augen | Zweierlei Wassergeräusche | Meteorologische Stimmungen, von unten ins Bild steigend | Landschaften ins Bild bringen | Christoph Luchsinger | Max Bosshard Seebad Special Effects der Architektur | Provoziert, intensiver hinzuschauen | Eine eigene Poesie Es ist eine Art Gestus des Sich-Einfügens in die kulturelle Topographie des Ortes. (…) Mit dieser Horizontalen ist ein Bezug zur Stadt und zum See – es ist ja eigentlich eine Spiegelung des Sees – gegeben, eine Verklammerung mit dem Ort, die ihre eigene Poesie hat. | Gegenläufiges auf engstem Raum | *Ort eines intensiven Schauspiels Nicht in diesem statischen, malerischen Sinn von einem schönen Bild, sondern von einem unglaublichen Geschehen, das sehr intensiv ist mit diesen Wassermassen, die mit einer unglaublichen Wucht durch diese Schneise hinunterdrängen, unter diesen Brückenbögen hindurch, an diesen gotischen Pfeilern vorbei. Als Schauspiel sehr intensiv, als Vorstellung von Gewicht und einer Masse, die sich da hinunterwälzt. Und wenn man dann noch weiss, dass das die Masse und das Gewicht eines Sees ist, der beträchtliche Dimensionen hat! Irgendwo gerät dieser statische Zustand des Sees in einen anderen Aggregatzustand. Wird Drama, wird Gefahr, bekommt etwas ungemein Bedrohliches. | Stanislaus von Moos | KKL

These 2 | Wissensarchive im Dialog

Donnerstag, 25. Februar 2010

Die Übersetzung einer Situation ‚an sich‘ in eine Situation ‚für sich‘ geschieht in einem assoziativ geprägten Dialog zwischen Subjekt und Ort, zwischen eigenen und fremden Wissensarchiven (Referenzmaterialien).

Der Wunsch, sich an einem Ort einzurichten, an dem man sich aufhält, setzt einen dialogischen Prozess in Gang, der mit dem Ort beginnt, jedoch über diesen hinausgeht. Wir suchen Fragmente und Verbindungsstücke aus diversen Wissensarchiven, mit denen wir Lesarten des Ortes erkunden und ausprobieren. Wir entwerfen und verwerfen Versuche, Fragmentarisches zu ergänzen, Unerklärliches einzuordnen oder einen Ort in einem gestalterischen Projekt zu verändern. ‚Bridge the Gap’! ist Ansporn des ruhelosen Geistes. Uns interessiert, diesen dialogischen Prozess detailliert zu beobachten. Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Bridge the Gap: Archive im Dialog
*Zwischen Sinnlichkeit und Verstand Damit dieses Spiel in Gang kommt, braucht es vor allem ein Hirn, das entsprechende Reflexe hat und etwas aufgreifen und Verbindungen herstellen kann. Und das braucht Auslöser. Auslöser für ein Individuum, das Sinn für Architektur hat, wird Architektur sein können. Aber es kann auch eine Katze, die über die Strasse läuft oder ein Vogel, der vorbeiflattert solche Gedankensprünge auslösen. | Stanislaus von Moos | KKL Das Gesellschaftliche im Entwurf reflektieren | Daniele Marques | Stadionprojekt Allmend Was für einen Ort zählt | Judith Albert | Nationalquai Hat das nicht etwas wie …? | Transfers | Wo sind wir? | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Wenn ich die Augen schliesse | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Überraschungsraum | Nachrichtenbörse Postfach | Judith Stamm | Postfach *Mémoire structure | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof *Atmosphären konstruieren? Es ist wirklich so an dieser Strasse, zwei Meter weiter, und man ist in einer anderen Welt. | *Zweierlei Energie | Geistige Bezüge, Analogien | Zunehmend schärfer | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse *Zwischen Sinnlichkeit und Verstand | *Unverzichtbare Assoziationen | Stanislaus von Moos | KKL *Mitproduziert Atmosphäre ist ja etwas, das im Alltag nicht vollständig planbar ist. Atmosphäre ist etwas Selbstgemachtes – mit Hilfe äusserer Umstände – in dem der Betrachter sich selbst wiederfindet. Deswegen nehmen zwei verschiedene Menschen dasselbe nicht gleich, sondern ziemlich unterschiedlich wahr. | *Mit aufgeführtes Bühnenstück | Valentin Groebner | Seebad *Affect / Effect | *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection | *Regime of the Visual | Sarah Graham | The Hotel Assoziationen | Zum Mitspielen verführt | Fassade als Touch Screen | Paolo Bianchi | The Hotel *Das Gefühl, sich selber zu inszenieren | *Stills: eingefangene Momente | Ein gutes Hotelzimmer ist immer eine Bühne für den Gast | *Von aussen nach innen inszeniert | Einladung zum Dialog | *Präsenz, Absenz | Thea Brejzek | The Hotel *Die Erzeuger von Atmosphären Eine Geschichte haben Objekte in einem Raum für mich nur, wenn sie eine bestimmte Beziehung mit mir eingehen. Ich muss zu dieser Atmosphäre Kontakt aufnehmen wollen. Was ich in einen Raum hineinprojiziere, ist mindestens so stark wie das, was der Raum zu meinem Atmosphäre-Empfinden beiträgt. Ob ich Kenntnis habe davon, was in diesem Raum einmal geschehen ist. Stellen wir uns vor, dieser Raum sei von Marilyn Monroe benutzt worden. Oder in dieser Badewanne sei Uwe Barschel ertrunken. Wenn ich das nicht weiss, ist diese Atmosphäre für mich nicht da. | *Räume wie Gefühle? | *Wenn die Neurose den Raum verändert Wir können auch wie in Polanskis ‚Ekel’ Innenarchitekten den Auftrag geben, dass eine ganz normale Wohnung durch die Psyche und die psychische Beziehung, die die Hauptperson mit dem Raum eingeht, verändert wird. Wir haben ja dort ein Wohnzimmer, das sich mit der Neurose der Cathérine Deneuve verändert. | *Wenn die Atmosphäre eines filmischen Raumes auf uns übergreift | Stimmung und Resonanzkörper | Fred van der Kooij | The Hotel

These 1 | Vom Ort an sich zum Ort für sich

Donnerstag, 25. Februar 2010

In der Wahrnehmung und Erfahrung von Orten und architektonischen Objekten geht es nicht allein um objektive Tatbestände – nicht um ein ‚An sich‘ –, sondern um deren Wirkungsweisen für das Subjekt – um das ‚Für sich‘.

Atmosphäre meint nicht allein die ‚hard facts’ gegebener Orte und architektonischer Objekte, wie sie die Grundausstattung einer jeden Situation bilden, sondern auch all jene vielfach flüchtigen Konstellationen, die sich nur über eine Beziehung zwischen Subjekt und Ort herstellen lassen. An die ‚klassische’ Unterscheidung ‚an sich‘ / ‚für sich‘ lehnen wir uns nur insoweit an, als wir die unterschiedliche graduelle Auflösung von subjektiv und objektiv in der jeweiligen Erfahrung eines Ortes oder eines Objekts zeigen möchten. Uns interessiert, wie das wahrnehmende und intervenierende Subjekt eine Ausgangslage für sich herrichtet (2 bis 5). Hier sind Beispiele aus unseren Videointerviews:

Eine Situation für unseren ‚Gebrauch’ herrichten
Karikatur, Abstraktion Zuerst muss ich einmal den Raum auf mich einwirken lassen. Ich versuche herauszufinden, was die wichtigsten Punkte sind. Also wie bei einer Karikatur – einer Abstraktion des Raumes – ein paar Linien zeichnen und danach versuchen, diese Punkte umzusetzen in ein Projekt. So könnte ich mir vorstellen, die gewünschte Atmosphäre, die aus der Geschichte kommt, aus dem Leben, aus der Erfahrung, auch aus Büchern, auf den Ort übertragen zu können. | Andy Raeber | Reusswehr Weiss der Tourist, in welches Bild er sich setzt? Welche Erinnerung will er eigentlich mitnehmen? Warum muss er die Erinnerung an diesen Platz mitnehmen? Weiss er überhaupt, in welches Bild er sich setzt, wenn er da ist? | Huth+Frey | KKL Verweigerung romantischer Erklärung | Irma Ineichen | Nationalquai Weglassen | Figuren entfernt | Ein Gefühl für das Überflüssige | Irma Ineichen | Nationalquai Die Bilder im Kopf und das Setting | Die Welt im Ausschnitt | Präsenz: Zuspitzung | Präsenz: Präzision der Zutaten | Judith Albert | Nationalquai Zweierlei Orte / Haben oder Nichthaben-Müssen | Ein Raum mit Namen ‚Gleichzeitig’ | Judith Albert | Nationalquai Jeder Ort hat seinen Auftritt | Indizien. In der Landschaft lesen Ich sehe aus dem Fenster und frage meinen Vorgänger: „Was sind das dort für Portale?“ Und er sagt mir nach dreissig Jahren Schule in diesem Raum: „Du, das hat mich nie interessiert. Das wird irgend sowas Zivilschützerisches sein.“ Was stellt man fest? In diesem Berg steckt ein Bunker, der drittgrösste der Schweiz, für 1500 Leute gedacht, die Schutz vor Atomwaffen suchen sollen. Im Geschichtsunterricht könnte ich sagen: „Halt, Atomalarm! Wir gehen ruhig runter. Wir gehen hinüber in den Bunker. Wir spielen Kalter Krieg.“ Auf diese Weise bekommt die ganze Landschaft etwas Neues. Und man fragt weiter: Wo ist die Erde hingekommen? Die Antwort: Ein Teil davon soll für die Sportanlage der Kantonsschule verwendet worden sein. Atombombe, Kalter Krieg, Bunkerbau, Sportanlage der Kantonsschule Luzern: Man schaut aus dem Fenster und liest in der Landschaft. | Jürg Stadelmann | Kantonsschule Vergangenes hören Das Parkett im Zeugheer-Saal ist heute leider nicht mehr im allerbesten Zustand. Man schaut es an – und sieht Schuhe, Absätze, hört Bewegung. | Räume als Orte sozialer Selbstbespiegelung | Im Blickfeld der anderen erscheinen | Atmosphärenwechsel im Treppenverlauf | Nach oben hin wird’s billiger | Jürg Stadelmann | Hotel Schweizerhof Ort des schäbigen Lebens | Film noir, weg von der Sonne | Mario Gerteis | Hinterhof Bruchstrasse n Mémoire structure | Niklaus Lenherr | Terrasse Hochhaus Eichhof Ein chirurgischer Eingriff | Nie Dagewesenes vollenden | überraschender Befund | Atmosphären konstruieren Das Konstruieren von Atmosphären ist besonders anspruchsvoll. Und es ist nicht so, dass sich da Regeln formulieren lassen. Der Gang durch die Stadt, das Lesen eines Ortes findet auf sehr vielen verschiedenen Ebenen statt. Und es ist nach unserer Erfahrung besonders anspruchsvoll, eine Art Systematik und Konsequenz in diese Überlegungen und diese Wahrnehmung tatsächlich einzuführen. Trotzdem ist es ein enorm wichtiger Aspekt. Ein Aspekt, der uns auch immer motiviert, der ja die Entwürfe in einer besonderen Weise beseelt. Und es ist schön, dass der Ausgang dieser Wahrnehmungen und deren Umsetzung tatsächlich offen bleiben. Das sind essentielle Fragen des Entwerfens. Vor allem in einem so intensiven städtischen Zusammenhang. | Zweierlei Energie Entwerfen ist immer von zwei Energien geprägt. Die eine ist die, die Qualität eines Ortes zu bewahren, sie durch den Entwurf vielleicht gar zu stabilisieren. Auf der anderen Seite will Architektur, will jeder neue Entwurf einen Ort eben auch transformieren, ihn transzendieren. Einen Ort zu etwas Neuem werden lassen. Sonst müsste man ja gar nicht entwerfen. Und im Spannungsfeld – zwischen Bestand und Neuem – liegt auch die Bedeutung der Frage des Atmosphärischen. Wir möchten Atmosphären schaffen, die in einer Beziehung stehen zum Ort, sonst vermögen sie ihre Wirkung gar nicht zu entfalten, oder die atmosphärische Wirkung ist eine der völligen Ausgrenzung und Beziehungslosigkeit. Es macht auch keinen Sinn, bestehende Atmosphären und Wirkungen einfach nur zu unterstreichen und damit vielleicht sogar zu parodieren. Wir hoffen immer, dass man durch unsere Einfügungen, durch diese neue Atmosphäre eben auch den Bestand wieder zum Strahlen bringen kann. | Nicht nur sinnliche Wahrnehmung | Roger Diener | Migrosbau Hertensteinstrasse Wie man Atmos-phäre beleben kann | Ursula Stalder | Café de Ville *Wenn ich Gästen etwas in Luzern zeigen möchte | *Unverzichtbare Assoziationen | William Turners Gemälde | Stanislaus von Moos | KKL Gewalttätige Momente | Protzig, grotesk | Bastelei | *Mitproduziert | *Nie nur Auge | *Mitaufgeführtes Bühnenstück | Valentin Groebner | Seebad Animiere mich! Seitdem ich auf grosse Mengen von Schweizer Taschenmessern am Flughafen von Colombo/Sri Lanka gestossen bin, die dort verkauft werden, habe ich den Eindruck, dass Gegenstände viel weniger an feste Orte gebunden sind, als wir denken. Wir sind von diesen kleinen reisenden Gegenständen umgeben wie von Trabanten in Wolken, einer Art Gegenstandswolke, die einen umgibt, die aber eigenen Anziehungskräften und planetarischen Gezeiten, Flieh- und Schwerkräften unterliegt und selbständig im Raum unterwegs ist. | Pittoresk | Valentin Groebner | Bourbaki-Panorama Unverwechselbar | Im Kopf des Betrachters | Valentin Groebner | Giftshop Casagrande *Terms under Construction: Affect, Effect, Reflection | Marc Angélil | Sarah Graham | The Hotel Vorgefundene und mitgebrachte Stimmungen | Paolo Bianchi | The Hotel *Das Gefühl, sich selber zu inszenieren | *Visuelle Überwältigung | Der Raum ohne Menschen interessiert mich nicht | *Aus der Zeit fallen | *Die verspiegelte Zimmertür | Thea Brejzek | The Hotel *Die Erzeuger von Atmosphären | *Räume wie Gefühle? Wir haben hier durch das architektonische Arrangement einen lastenden Druck der Stars, die sich im Deckenbild sexuell betätigen, sozusagen als Vorbild für uns (…). Das Arrangement im Zimmer ist darauf aus, uns unter den Eindruck dieser Gefühlswelt zu bringen. Und dann hängt es vom Hotelgast ab, ob er sich so etwas bieten lässt. | *Wenn die Neurose den Raum verändert | Fred van der Kooij | The Hotel