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January 13, 2019, Toni-Areal, 3.K01, 18 Uhr

Silvy Chakkalakal

Berlin, Deutschland

Kreative Figuration. Die Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft in der frühen US-amerikanischen Kulturanthropologie

In den 1920er bis 1940er Jahren entwickelt sich ein kollaboratives Feld in der US amerikanischen Kulturanthropologie, das sich durch vielfache Verbindungen zu Schriftsteller*innen, Musiker*innen, Filmemacher*innen, Tänzer*innen und Forscher*innen unterschiedlicher disziplinärer Hintergründe auszeichnet. Silvy Chakkalakals Vortrag konzentriert sich auf dieses breite Netzwerk von Menschen, die gemeinsam an Projekten arbeiteten, brennende soziale Fragen diskutierten und kulturanthropologische Theoreme entwickelten.

Mit dem Konzept der „kreativen Figuration“, angelehnt an Norbert Elias, nimmt Silvy Chakkalakal den wechselseitigen Austausch und die dynamischen Netzwerke der Felder Kunst und Kulturanthropologie in den Blick. Erst die Berücksichtigung dieser einander durchdringenden Kontexte von Kunst, Design, Kulturanthropologie, Soziologie, Literatur und philosophischem Pragmatismus ermöglicht es, den Entwurf von Ästhetik als sensorischer, praktischer und erzieherischer Wissensproduktion zu verstehen. Anhand einer dichten figurativen Untersuchung des Motivs der anthropologischen Geste in Maya Derens filmischer Arbeit, Mead und Batesons Fotoethnographie „Balinese Character“ (1942) und Batesons und Xanti Schawinskys MOMA-Ausstellung „Bali, Background for War“ (1943) zeigt Silvy Chakkalakal, wie Kunst und Anthropologie untrennbar werden.

Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt und wird von Laura von Niederhäusern moderiert.

Silvy Chakkalakal ist seit April 2017 Juniorprofessorin am Institut für Europäische Ethnologie an der HU Berlin. Ihre Schwerpunkte umfassen Anthropologie der Sinne, Ästhetik, Anthropology of/through Time, Gender und Postcolonial Studies. Sie ist die Autorin von Die Welt in Bildern. Erfahrung und Evidenz in F. J. Bertuchs ‚Bilderbuch für Kinder‘ (1790-1830) (Wallstein 2014) und Indienliebe. Die frühe Ethnographie und ihre Bilder (Kadmos ersch. 2020). In ihrer laufenden Forschung schaut sie derzeit auf Fragen der Partizipation und Kooperation sowie auf Zeitlichkeit und Zukunft. Sie untersucht die kreative Zusammenarbeit zwischen Kulturanthropolog*innen und Künstler*innen in den U.S.A. (1920-1950) und in gegenwärtiger Ethnographie intervenierende Bildungspraktiken von Berliner Bildungsstart-Ups.

Website mit aktuellen Projekten und Publikationen
www.hu.berlin/chakkalakal