Die Spielfilmtagung ZFICTION.26 findet am 18. und 19. März 2026 auf der Bühne A in der Gessnerallee der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) in Zürich statt.

Building the Mundane – The Ordinary Glamour of Production Design in Film

Die Zeit schreitet voran, während der Raum herumlungert.“
Doreen Massey, Geografin und Sozialwissenschaftlerin

Die vierte Zürcher Spielfilmtagung ZFICTION.26 beschäftigt sich mit dem UNspektakulären im Production Design – dem Alltag als Filmischem Raum. Es sind die gewöhnlichen Umgebungen, die unauffälligen Wohnräume, banalen Strassenecken, generischen Büroräume und Übergangszonen, welche vom Production Design erschaffen werden und welche die erzählerische Wirklichkeit des Films beherbergen. Diese scheinbar nicht gebauten Räume fungieren als terra cognita für die Zuschauer:innen – unmittelbar erkennbar und psychologisch bewohnbar – und bleiben trotz ihrer gesellschaftlichen und politischen Relevanz doch eine terra incognita der filmwissenschaftlichen Auseinandersetzung.

Die Tagung untersucht die paradox kreative Herausforderung, das Gewöhnliche darzustellen: Wie schaffen es Production Designer, das Prosaische in einen glaubwürdigen Film-Raum zu überführen und dabei das Wesen seiner Alltäglichkeit zu erzeugen?

Räumliche Kategorien des Kinos – z.B. Küchen, Wohnzimmer, Büros, Dachböden, Badezimmer – werden untersucht und diskutiert. Wie fungieren diese archetypischen häuslichen und institutionellen Umgebungen als generative Orte für dramatische Handlungen, psychologische Enthüllungen, narrative Entwicklungen und das Schaffen von Authentizität?

Unter Berücksichtigung ihrer architektonischen Grammatik, ihrer kulturellen, politischen Semiotik und ihrer narrativen Verwendung versucht ZFICTION.26, für diese Alltagsräume praktische und filmwissenschaftliche Grundlagen zu etablieren.

Das Tagungsziel ist kartografischer Natur: Die Erforschung eines bisher von der Theorie vernachlässigten Terrains. Das Unterfangen positioniert Production Design des Alltäglichen nicht als nebensächliches Handwerk, sondern als zentral für das Verständnis, wie das fiktionale Kino Bedeutung konstruiert, Erfahrungen authentifiziert und die Identifikation des Publikums durch räumliche Mittel formt.

In Case Studies und einem interdisziplinären Dialog zwischen Production Design, Architekturtheorie, Kulturgeografie, Filmwissenschaft und Phänomenologie will ZFICTION.26 den gewöhnlichen Raum als legitimes und essentielles Praxis- und Forschungsfeld des Films etablieren.

FILMSCHAFFENDE:
Jaqueline Abrahams (u.a. The Lobster, Lady Macbeth, His House, Wallander), Jason Kisvarday (u.a. Everything Everywhere All at Once, Palm Springs, Swiss Army Man, The Legend of Ochi), Kelsi Ephraim (u.a. Everything Everywhere All at Once, MaXXXine, To Catch a Killer, Swiss Army Man), Beatrice Schultz (u.a. Western, Heldin, Rivale, Irgendwann werden wir uns alles erzählen), Reinhild Blaschke (u.a. Gavagal, Ich war zu Hause, aber…, In the shadows, Gold), Silke Fischer (u.a. Toni Erdmann, Lore, 3 Tage in Quiberon, Unorthodox )

FORSCHENDE:
Francis Pheasant-Kelly (University of Wolverhampton, UK, Filmwissenschaft), Lucy Fife Donaldson (University of St. Andrews, UK, Filmwissenschaft), Jane Barnwell (University of Westminster, UK, Research and Education), Volker Pantenburg (Universität Zürich, Filmwissenschaft), Fabienne Liptay (Universität Zürich, Filmwissenschaft), Ute Holl (Universität Basel, Medienwissenschaft), Gina Dellagiacoma (Universität Zürich, Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft), Birgit Glombitza (freie Dozentin, Autorin, Dramaturgin)

BESONDERE BEITRÄGE:
Thomas Kissling (Architekt / Landschaftsarchitekt, Büro VOGT), Reynold Reynolds (Bildender Künstler)