ABSTRACT BY Francis Pheasant-Kelly
Es gibt einen ausgesprochen alltäglichen häuslichen Raum, der im Film stets von besonderer Bedeutung ist: die Toilette. Dieser Raum erscheint im Kino nie ohne zwingenden narrativen Grund. Filmische Toiletten sind nahezu ausnahmslos problematische Orte – insbesondere für Männer – und als Räume des „Loslassens“ stets mit Kontrollverlust verbunden, der wiederum eine Gefährdung oder Infragestellung von Männlichkeit impliziert. Entsprechend sind solche Szenen zwar häufig zentral für die Handlung, fungieren jedoch zugleich als Schauplätze von Horror, Ekel und Tod und sind, wie Ruth Barcan (2005: 8) argumentiert, „schmutzige Räume“.
In diesem Beitrag argumentiere ich, dass das filmische Badezimmer als Ort des Abjekten zu verstehen ist. Tatsächlich inszenieren Mainstream-Filme des US-amerikanischen Kinos Badezimmer und Toiletten immer wieder als Schauplätze extremer Gewalt und blutigen Todes, wie etwa in so unterschiedlichen Filmen wie The Conversation (Coppola, 1974), Crimson Peak (del Toro, 2015), Pulp Fiction (Tarantino, 1994) oder Casino Royale (Campbell, 2006). Alternativ fungieren sie als Orte grober, komischer Brüche, etwa in There’s Something About Mary (Farrelly Brothers, 1998). Zwar kann die Toilette als Ort geheimer oder illegaler Handlungen dienen, doch besitzt ihr Auftreten stets einen schäbigen Realismus, der dem Hollywoodkino seine glamouröse Aura entzieht.
Gleichzeitig können mit der Toilette verbundene Räume – wie Badewanne, Dusche oder Kanalisation – verwandte, aber differente Bedeutungen annehmen. In The Shawshank Redemption etwa wird die Kanalisation zum Mittel der Flucht und ermöglicht eine Wiederaneignung von Identität. Unabhängig davon weist der Raum des filmischen Badezimmers abjekte Implikationen auf: sowohl durch seine primären Assoziationen mit körperlichem Ekel, wie jüngst in Saltburn (Fennell, 2023), als auch durch die spezifischen narrativen Ereignisse, die sich in ihm entfalten. Unter Rückgriff auf Julia Kristevas (1982) Theorie des Abjekten analysiert dieser Beitrag zentrale Szenen ausgewählter Filme, um diese Implikationen näher zu diskutieren.