ABSTRACt by Volker Pantenburg
Es gibt nur wenige Regisseure, die für ihre einfühlsamen Darstellungen des Alltags so gefeiert werden wie der Japaner Ozu Yasujiro (1903 bis 1963). Schlafen, Aufstehen und die täglichen Morgenroutinen, Tee kochen oder essen, auf den Zug zur Arbeit warten – in Ozus Filmen sind diese Routinen nicht nur Elemente, die als Hintergrund für die Erzählung dienen, sondern sie sind die eigentliche Substanz seiner Filme, die aus einer einzigartigen Kombination von Objekten, Gesten und sorgfältig ausgewählten filmischen Mitteln entsteht. Man ist versucht, darin eine spezifische filmische Grammatik zu erkennen, doch gleichzeitig entzieht sich Ozus Praxis allen Versuchen der Kategorisierung und Formalisierung.
In meinem Vortrag möchte ich einige der häuslichen Orte und Räume in Ozus Werk erneut betrachten und ihren erstaunlichen Reichtum untersuchen – alltäglich, aber magisch, kristallklar und rätselhaft zugleich. Die Arbeit des Filmhistorikers Helmut Färber und seine detaillierten Studien zu Ozu werden mir dabei als Leitfaden dienen.