Einen Rahmen für das Fühlen entwerfen

Abstract by Lucy Fife Donaldson

In diesem Vortrag verorte ich Szenenbildnerinnen (Production Designer) als zentrales Mitglied des Filmteams, das durch gestalterische Entscheidungen die materiellen Qualitäten eines Films prägt, indem es konkrete Ausformungen von Oberfläche, Form und Raum komponiert. Die Details solcher Entscheidungen – von der Textur eines Teppichs bis zur Anordnung des Arbeitsplatzes einer Figur – steuern die sensorische Beziehung zwischen Zuschauerin und Film. Wir erschließen die Fiktion mithilfe unseres Wissens über die reale Welt sowie über die Art der Beziehung, zu der uns der Film auffordert.

Im Einklang mit der „focal inversion“ der Konferenz, die das Alltägliche gegenüber dem Spektakulären und das Vertraute gegenüber dem Außergewöhnlichen privilegiert, konzentriert sich der Vortrag auf das Büro als Beispiel eines Raumes, der zwar reich an Texturen und gestalterischen Details ist, jedoch leicht als unauffällig übersehen wird. Seine neutralen oder institutionellen Oberflächen widersetzen sich oft einem Interesse oder einer Bedeutungszuschreibung, die über Authentizität oder Kontinuität mit dem Alltag hinausgeht.

Darüber hinaus untersucht der Vortrag die Bedeutung der Arbeit von Szenenbildnerinnen für die Formung der Beiträge anderer Gewerke auf unsichtbare Weise, da sie filmische Umgebungen sowohl on- als auch offscreen entwerfen. In diesem Sinne verstehe ich den „Frame“ der Gestaltung als über den filmischen Bildrahmen hinausgehend: als einen Rahmen, der die Arbeit der Schauspielerinnen prägt – etwa am Set durch deren Interaktion mit einer gebauten Umgebung, von der das Publikum nur einen kleinen Ausschnitt sieht – ebenso wie die Arbeit anderer Teammitglieder, unabhängig davon, ob diese Verbindungen von den Gestalter*innen selbst reflektiert werden oder nicht. Die Sounddesignerin Cecelia Hall bezeichnete das Szenenbild einmal als „die Karte mit allen Hinweisen“ (LoBrutto, Sound-on-Film, 2004).

Meine Fallstudien, All the President’s Men (Szenenbild: George Jenkins, 1976) und The Assistant (Szenenbild: Fletcher Chancey, 2019), operieren in unterschiedlichen Maßstäben und entwerfen Büro-Räume, die Authentizität und Atmosphäre in ein sorgfältiges Gleichgewicht bringen.