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Ein Beitrag von Michael Müller (BA Design, Game Design)

Seit einem knappen halben Jahr etabliert sich im Toni-Areal der Hochschulalltag. Während die lange Freitreppe zum Haupteingang besonders mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen einladend wirkt, bleibt fast unbemerkt, dass Überwachungskameras auf die Halle und Flure gerichtet sind. Wie wirkt sich die Video-Überwachung aus und welche Motive stecken dahinter?

Lediglich ein kleines Symbol an der Eingangstüre deutet auf eine Video-Überwachung im Toni-Areal hin. Damit wird Punkt 3.4 des Leitfadens des Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich erfüllt. Der Leitfaden regelt die «Videoüberwachung durch öffentliche Organe». Der zweite Teil des Reglements allerdings besagt: «Aus Transparenzgründen ist zudem ein Reglement zu erlassen.» Zu dem Zeitpunkt, als der Beitrag verfasst wurde, war dieses im Intranet der ZHdK leider nicht verfügbar. Darin müssten Themen wie «Was ist der Zweck der Überwachung?» sowie «Wer ist verantwortlich dafür?» oder «In welcher Form wird überwacht?» behandelt werden. .

Wie fühlen sich die Studierenden damit? Eine Game-Design Studentin der ZHdK äussert sich: «Mir ist bewusst, dass ich im und um den Gebäudekomplex videoüberwacht werde. Allerdings blende ich das mittlerweile gänzlich aus und ignoriere die Kameras.» Ein Szenografie-Student der ZHdK: «Ich fand die vielen Kameras zunächst schon etwas einschüchternd, aber ich habe mich längst daran gewöhnt und beachte sie kaum mehr.» Gerhard Buurman, Professor für Design und Mit-Initiator der Studiengänge Interaction- und Game-Design hat sich ebenfalls mit der Thematik der Überwachung im Toni-Areal auseinandergesetzt und sich vor allem rechtliche Fragen gestellt: «Wir leben in einem sensorischen Haus, dass Daten über Menschen, Systeme und Zustände generiert und aufzeichnet. Ich würde mir wünschen, dass wir diese neue Situation aufgreifen und thematisieren. Hier hilft eine kritische Auseinandersetzung ebenso, wie die Frage, wie wir mit diesen Daten künstlerisch und kreativ umgehen könnten.»

Ein Dokument oder Reglement, das diese Gründe auflistet, könnte den Dialog und die Auseinandersetzung über Ziele und Zweck der Überwachung befördern. Denn obwohl technisch mit der Installation eines umfangreichen Video-Kamera-Systems bereits alle nötigen Grundpfeiler für eine automatisierte Überwachung von Individuen gelegt wurde, findet diese an der ZHdK nicht systematisch statt. So wird an der Hochschule explizit nicht personenspezifisch überwacht. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu den Flughäfen, wo die Sicherheitsfrage eine nationale Bedeutung hat und die Personenüberwachung oberstes Ziel ist. Sollen die Kameras also hauptsächlich Missbräuche aufzeichnen, wie etwa das Frei-Pinkeln an Hausfassaden? Welches Sicherheitsdispositiv wird mit den Kameras verfolgt?

Einer, der darauf eine Antwort weiss, ist Werner Triet, Sicherheitsbeauftragter der ZHdK. «Unser Auftrag besteht grundsätzlich erst einmal darin, für die Sicherheit in Zusammenhang mit verschiedenen Geräten und Maschinen zu sorgen. Dazu gehört natürlich eine regelmässige Wartung verschiedenster Dinge im Gebäude, wie zum Beispiel automatische Türen, Rauchabzüge, das Alarmsystem und eben auch die Kameras. Die Kameras sollen das Sicherheitspersonel in Randzeiten ersetzen, wenn dieses nur begrenzt vorhanden ist.» Auf Nachfrage erklärt Werner Triet, dass im gesamten Toni-Areal rund 70 Video-Kameras montiert sind, einige davon mit fixer Einstellung, andere schwenkbar. Alle Kameras verfügen über die Möglichkeit, gemachte Aufnahmen bis zu 14 Tage zurückzuspulen. Das soll vor allem dazu dienen, im Ereignisfall die entsprechende Situation nachvollziehen zu können.

In der Überwachungszentrale werden lediglich die Live-Bilder von rund einem Dutzend Kameras angezeigt. Dies sind vor allem die Aussenkameras, welche an den Ein- und Ausgängen des Gebäudes positioniert sind. So insbesondere an den Lieferanten-Eingängen, denn da muss eine Schranke geöffnet werden, wenn jemand passieren will. «Wir legen grossen Wert auf einen korrekten Umgang mit datenschutzkritischem Material,» führt Werner Triet weiter aus. So hat nur eine einzige Person die Befugnis, das aufgezeichnete Video-Material im Bedarfsfall durchzuschauen und dazu muss zudem die Bewilligung bei einer höheren Instanz eingeholt werden.

So könnte also bilanziert werden, dass die aufgezeichneten Daten im Toni-Areal weniger heikel sind, als die Datensätze, die tagtäglich mittels Cumulus- oder Supercard angelegt werden. An der ZHdK werden weder Verhaltens- noch Bewegungsprofile angelegt und auf die «14-Tage Zurück-Funktion» wird nur in äusserst seltenen Fällen zurückgegriffen. Bisher erfolgte dies erst ein einziges Mal und zwar auf polizeiliche Anordnung hin im Nachgang des Creative City Fests.

Dennoch darf das Potenzial einer solch umfassenden Installation in Anbetracht der Tatsache, dass der Hersteller der Kameras (Siemens) auch Softwarelösungen mit komplexen Algorithmen zur Profil- und Bewegungserkennung bereitstellt, nicht unterschätzt oder gar ignoriert werden.

 

Quellen:

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Z-Moduls «Spurensuche im Toni».