Lasset uns beeten

 

Die Dachterrasse ist gewachsen. Um 69 Quadratmeter Garten. Garten, der von den Menschen im Toni-Areal bewirtschaftet werden soll. Ein interdisziplinäres Team aus Studierenden der ZHdK hat am vergangenen Montag zehn Boxen mit Hochbaubeeten aufgebaut – weitere zwei Boxen sind für Kompost da und die letzte Box dient als Werkzeugkiste. «Die versehen wir mit einem Zahlenschloss, damit alle Beet-Betreiber darauf zugreifen können», sagen zwei der Mitglieder aus dem Projektteam, Simon und Manuel.

Nachdem die Initiatoren von «Querbeet» zu Beginn dieser Woche über den E-Mailverteiler dazu aufriefen, sich für die Bepflanzung von «Querbeet» zu bewerben, sind keine 24 Stunden später 18 der 20 Beete nach dem Prinzip «first come, first serve» verteilt. Teams hatten den Vorzug vor Einzelpersonen: «Das ITZ hat ein Beet, die Masterklasse in Rhythmik, die Dachspatzen, die Vertiefung Ereignis im Master Design – Masterstudierende waren bei den Bewerbungen in der Überzahl!» Sie alle sind von nun an dafür zuständig, dass etwas gedeiht und die Kisten nicht vernachlässigt werden.

Auch wenn die sieben Studenten hinter ihrem Projekt stehen, sind sie vom Andrang doch überrascht: «Die meisten, denen wir davon erzählt haben, waren auf Anhieb begeistert. Doch wir konnten uns nicht sicher sein, ob sie die Verantwortung übernehmen wollen, ein solches Beet dann auch zu pflegen.» Überrascht waren sie auch, als das Material angeliefert war und es daran ging, den Garten aufzubauen: «Wir haben uns so verschätzt! Eigentlich wollten wir binnen eines Tages fertig sein …» Und das hat es, anders als die Leichtigkeit des Videos vermitteln mag, drei schweisstreibende, 13-stündige Arbeitstage lang gedauert.

Leere mit Leben füllen, Orte zum Verweilen schaffen

Rahel, die Initiatorin des Projekts, vermisst das Gärtnern, seit sie in Zürich wohnt. Die Schrebergärten, an denen sie auf dem Weg zum Toni vorbeikommt, wecken regelmässig ihren Neid. Die ZHdK-Studierende liebt die Dachterrasse des Toni-Areals. Doch irgendetwas hält sie davon ab, hier oben zu verweilen – ein Garten muss her. So ist die Idee von «Querbeet» geboren. Zwar ist sie gut im Harfenspiel, nicht aber darin, Projekte zu konzipieren und umzusetzen. Also wendet sie sich an das Departement Design und findet Hilfe über den E-Mail-Verteiler. Ende Februar ist das.

Im Nu melden sich Stella, Simon, Manuel und Fabian (Industrial Design) sowie Lucy (Scientific Visualization) bei Rahel. Manuel und Simon über ihre Motivation: «Wir müssen zugeben, dass uns die Tragweite der zeitlichen Auslastung nicht ganz bewusst war zu Beginn. Aber das Interdisziplinäre hat uns gereizt. Es macht total zufrieden, etwas Konkretes zu tun – und nicht nur drüber zu reden.» In einer späteren Projektphase wird noch Samira (Design) dazustossen, die die Gestaltung des Corporate Design von «Querbeet» übernimmt.

Disziplinen vermischen sich

Stolz zeigen mir die beiden das Konzept, das dem Team dazu verholfen hat, ihr Projekt zu verwirklichen. 24 Seiten mit Gliederung, Visualisierungen, Zeitplan, Kostenplan, Visionen und Materialüberblick. «Jeder hat etwas zum Konzept beitragen können.» Sie haben gut und genau geplant, das Konzept musste nur in wenigen Punkten angepasst werden. Während seiner Recherche stösst das Team aus Zufall auf WormUp, ein Unternehmen, das aus dem Inkubator für Cultural Entrepeneurship der ZHdK entstanden ist. WormUp bringt sich in der Kompostierung von «Querbeet» ein – mit Würmern, die den Kompost fressen und das Ausgangsmaterial um 85% reduzieren und in Pflanzendünger umwandeln. Und zuletzt ergibt sich noch eine Zusammenarbeit mit Matthias aus dem BA-Studiengang Cast – er realisiert das Video zum Projekt «Querbeet», das die Idee vermittelt und bewirbt.

Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus der Zusammenarbeit von verschiedenen Disziplinen am Toni etwas Gutes gedeihen kann. «Wir haben viel gelernt!», sagen Manuel und Simon. «Wie schafft man interdisziplinär in einem Team? Wir erklärt man der Grafikerin, dass es so wird, wie wir das wollen – und ihr gleichzeitig ihre gestalterische Freiheit lassen?» Sie hoffen, dass die Grundidee weiterhin trägt: dass auch der Garten eine Bühne für das Knüpfen neuer Bekanntschaften sein wird, woraus wieder interessante Projekte entstehen können.

Organisatorische, rechtliche und finanzielle Hürden

Über den richtigen Standort für die zehn Beete sind sie sich schnell im Klaren. Die nord-östlichste Ecke der Dachterrasse, die bisher besonders leer wirkt: «Und weil dort den ganzen Tag Sonne scheint. Hoffentlich nicht zu stark!» Zunächst gehen sie mit ihrem Konzept zu Hansuli Matter, Leiter des Departement Design. Der findet die Projektidee sehr gelungen und sagt ihnen finanzielle Unterstützung zu.

«Von da an waren die Hürden vor allem bürokratischer Natur.» Der Weg führt sie zu Marco Castellano, Leiter Raum / Bau der ZHdK, und weiter zu Alessandra Zanotelli, der Leiterin im Bereich Services im Facility Management. Sie übernimmt die Verhandlungen mit Allreal . Das Team muss viele Formulare ausfüllen, um die diversen Auflagen zu erfüllen. Die Informationen schiessen aus ihnen heraus: «Maximale Traglast der Dachterrasse ist 500 kg pro qm. Die Beete müssen sturm- und wetterfest sein. Der Mindestabstand zum Geländer muss 2 Meter betragen.» Simon ergänzt: «Die Schule hat mich wirklich überrascht – alle waren uns und unserem Projekt gegenüber sehr positiv gestimmt.»

Der Ernte entgegen

Um zu markieren, wo die Trennlinie zwischen zwei Beeten pro Box verläuft, hat das Team Skylines verschiedener Städte ausgelasert: «Unser Garten ist ein Garten in der Stadt – und hat eine Stadt im Garten. Und so kann man seine Erdbeere vor dem Eifelturm anpflanzen …» Beide lachen. Ein Depot von 50 Franken pro Beet-Betreiber gibt dem Team die Sicherheit, dass die Hobbygärtner es ernst meinen und ihr Beet nicht verwahrlosen lassen. «Allreal hat das Projekt zunächst bis November bewilligt. Dann evaluieren wir das Projekt und sehen wir weiter … »

Ideen für die Zukunft gibt es viele: «Beginnen wollen wir mit einem Eröffnungsfest! Zudem sind Grillabende in Planung … Und toll wären Workshops zum guten Anpflanzen, über Bewässerungssysteme und Vertical Gardening.» Die Zukunftsplanung steht und fällt mit der Zuschussbereitschaft weiterer Sponsoren und Kooperationspartner.

Manuel fasst zusammen: «Es war ein Glücksmoment, als der Garten fertig war und viel besser aussah als in unserer Phantasie» Leinen los für den höchstgelegenen Garten der Stadt Zürich: säen und giessen, grossziehen und jäten. Und mal sehen, was sich neben einer reichen Ernte sonst noch ergibt, wenn die Disziplinen beim Gärtnern ineinandergreifen.

 

Querbeet-Plakat 01

Ein architektonisches Hindernis

Ein Beitrag von Stephanie Knobel (BA Musik, Musik & Bewegung)

 

Sie werden täglich benutzt. Sie werden täglich berührt. Sie werden täglich beschimpft. Sie sind nicht besonders schön. Sie sind nicht besonders praktisch und sie sind nicht besonders beliebt. Die Eingangstüren im Toni-Areal. Der Haupteingang bestehet aus insgesamt sechs Türen mit je zwei Flügeln. Den eigentlichen Haupteingang bilden die beiden mittleren Türpaare. Man passiert einen Windfang und öffnet zwei weitere Glastüren, um ins Innere des Toni-Areals zu gelangen. «Die zwei äusseren Türen dienen als Notausgänge», erklärt ein Angestellter am Empfang. Doch das war erst ab Winter so.

Im Winter weht für die Empfangsmitarbeiter ein kalter Wind. Die dick eingepackte Empfangsangestellte beklagt: «Durch die Türen kommt enorm viel Zugluft herein.» Auch die Besucher der Kaffeebar lassen ihre Jacken an. So sollen gerade im Winter die Besucherinnen und Besucher die Flügeltüren mit Windfang benutzten, um die Zugluft zu minimieren. Als geeignete Massnahme, um die Menschen Richtung Windfang zu lotsen, hat sich das Personal am Empfang etwas einfallen lassen: «Wir haben Notizen an die Türen geklebt, welche die Leute auffordern, die mittleren Türen mit dem Windfang zu benutzen.» Doch die handgeschriebenen Notizen wirken improvisiert. Viele Besucher ignorieren die Aufforderung. Sie verstärken einen Eindruck, den ein Besucher des Toni-Areals so auf den Punkt bringt: «Das Türensystem wirkt improvisiert. Vieles scheint nicht ganz fertig zu sein.» Irgendwann hat man sich auch am Empfang eingestanden: «Der Windfang nützt auch nicht viel.»

Vor ein paar Wochen begannen die Türgriffe an den Glastüren locker zu werden. Sie wurden durch eine kleine Schraube gehalten, welche sich nach und nach löste. Der Sicherheitsbeauftragte des Toni-Areals, Werner Triet, schmunzelt: «Ich habe gleich beim Einzug mit dem Zuständigen eine Wette abgeschlossen, ob diese Türgriffe halten. Diese Wette habe ich gewonnen. Er schuldet mir ein Nachtessen.» Die Schraube, die den Griff halten sollte, stand in keinem Verhältnis zum Gewicht der Tür. So sind Klagen, wie die dieser Befragten, keine Seltenheit: «Es ärgert mich, dass ich immer durch die schweren Haupttüren muss.» Nun sind neue Türgriffe montiert worden. Ein anderer Look, ein anderes System, eine andere Aufhängung. Auch Triet findet: «Diese Türgriffe sind für das Gewicht der Türen besser geeignet.»

Was die Tonigänger jedoch am meisten stört, ist das Handling der Türen. Sie sind sehr schwer zu öffnen. Manchmal erschweren die Borsten an den äusseren Türen das Aufstossen, so dass man ungewollt beide Flügel aufstossen muss – und das doppelte Gewicht stemmt. «Es haben sich schon einige Leute, die Finger eingeklemmt», berichtet die Empfangsangestellte. Die pendelartigen Glastüren schlagen schnell und kräftig zurück. Das Aufhalten der Türen einer aufmerksamen Person wird hier am Toni regelrecht zum Geschenk. Personen mit Reisekoffern oder grossen Instrumenten müssen sich durch den Eingangsschlauch quetschen. Wie es Kinder oder Gehbehinderte anstellen sollen, die schweren Türen zu öffnen, hat man nicht mit einberechnet. Oft helfen die Empfangsangestellten weiter.

Triet sieht die Lösung in einer Drehtür: «Das wäre eine optimale Lösung. Sie würde auch im Winter die kalte Luft effektiver draussen lassen.» Anders als Triet betrachten die Studierenden eine Schiebetüre als vernünftig. «Oder wenigstens etwas Automatisches», schlägt eine Befragte vor. Schiebetüren sind jedoch keine Option. Der Bereichsleiter für Raum und Bau, Marco Castellano, informiert: «Die Eingangshalle wurde für eine gewisse Anzahl an Personen, die sich aufs Mal dort aufhalten können, gebaut. Die Türen müssen diese Anzahl gewährleisten. Schiebetüren würden zu viel Platz wegnehmen und die Kapazität reduzieren – und kamen und kommen somit nicht in Frage. Da das Haus nur gemietet ist, liegt die Entscheidungskraft nicht bei uns. Wir sind auch nicht zufrieden mit der Situation. Aber an Lösungen wird gearbeitet.» Dies untermauert auch Triet: «Es wird aktuell nach Lösungen gesucht. Das gesamte Türsystem im Haus ist nicht befriedigend.» Wie sich die Situation im Eingangsbereich verändert, werden wir sehen. Für uns heisst es vorerst: Augen zu und durch. Und mit dem einsetzenden Frühling können die Türen gar nicht weit genug offenstehen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Z-Moduls «Spurensuche im Toni».

Please smile!

Ein Beitrag von Michael Müller (BA Design, Game Design)

Seit einem knappen halben Jahr etabliert sich im Toni-Areal der Hochschulalltag. Während die lange Freitreppe zum Haupteingang besonders mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen einladend wirkt, bleibt fast unbemerkt, dass Überwachungskameras auf die Halle und Flure gerichtet sind. Wie wirkt sich die Video-Überwachung aus und welche Motive stecken dahinter?

Lediglich ein kleines Symbol an der Eingangstüre deutet auf eine Video-Überwachung im Toni-Areal hin. Damit wird Punkt 3.4 des Leitfadens des Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich erfüllt. Der Leitfaden regelt die «Videoüberwachung durch öffentliche Organe». Der zweite Teil des Reglements allerdings besagt: «Aus Transparenzgründen ist zudem ein Reglement zu erlassen.» Zu dem Zeitpunkt, als der Beitrag verfasst wurde, war dieses im Intranet der ZHdK leider nicht verfügbar. Darin müssten Themen wie «Was ist der Zweck der Überwachung?» sowie «Wer ist verantwortlich dafür?» oder «In welcher Form wird überwacht?» behandelt werden. .

Wie fühlen sich die Studierenden damit? Eine Game-Design Studentin der ZHdK äussert sich: «Mir ist bewusst, dass ich im und um den Gebäudekomplex videoüberwacht werde. Allerdings blende ich das mittlerweile gänzlich aus und ignoriere die Kameras.» Ein Szenografie-Student der ZHdK: «Ich fand die vielen Kameras zunächst schon etwas einschüchternd, aber ich habe mich längst daran gewöhnt und beachte sie kaum mehr.» Gerhard Buurman, Professor für Design und Mit-Initiator der Studiengänge Interaction- und Game-Design hat sich ebenfalls mit der Thematik der Überwachung im Toni-Areal auseinandergesetzt und sich vor allem rechtliche Fragen gestellt: «Wir leben in einem sensorischen Haus, dass Daten über Menschen, Systeme und Zustände generiert und aufzeichnet. Ich würde mir wünschen, dass wir diese neue Situation aufgreifen und thematisieren. Hier hilft eine kritische Auseinandersetzung ebenso, wie die Frage, wie wir mit diesen Daten künstlerisch und kreativ umgehen könnten.»

Ein Dokument oder Reglement, das diese Gründe auflistet, könnte den Dialog und die Auseinandersetzung über Ziele und Zweck der Überwachung befördern. Denn obwohl technisch mit der Installation eines umfangreichen Video-Kamera-Systems bereits alle nötigen Grundpfeiler für eine automatisierte Überwachung von Individuen gelegt wurde, findet diese an der ZHdK nicht systematisch statt. So wird an der Hochschule explizit nicht personenspezifisch überwacht. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu den Flughäfen, wo die Sicherheitsfrage eine nationale Bedeutung hat und die Personenüberwachung oberstes Ziel ist. Sollen die Kameras also hauptsächlich Missbräuche aufzeichnen, wie etwa das Frei-Pinkeln an Hausfassaden? Welches Sicherheitsdispositiv wird mit den Kameras verfolgt?

Einer, der darauf eine Antwort weiss, ist Werner Triet, Sicherheitsbeauftragter der ZHdK. «Unser Auftrag besteht grundsätzlich erst einmal darin, für die Sicherheit in Zusammenhang mit verschiedenen Geräten und Maschinen zu sorgen. Dazu gehört natürlich eine regelmässige Wartung verschiedenster Dinge im Gebäude, wie zum Beispiel automatische Türen, Rauchabzüge, das Alarmsystem und eben auch die Kameras. Die Kameras sollen das Sicherheitspersonel in Randzeiten ersetzen, wenn dieses nur begrenzt vorhanden ist.» Auf Nachfrage erklärt Werner Triet, dass im gesamten Toni-Areal rund 70 Video-Kameras montiert sind, einige davon mit fixer Einstellung, andere schwenkbar. Alle Kameras verfügen über die Möglichkeit, gemachte Aufnahmen bis zu 14 Tage zurückzuspulen. Das soll vor allem dazu dienen, im Ereignisfall die entsprechende Situation nachvollziehen zu können.

In der Überwachungszentrale werden lediglich die Live-Bilder von rund einem Dutzend Kameras angezeigt. Dies sind vor allem die Aussenkameras, welche an den Ein- und Ausgängen des Gebäudes positioniert sind. So insbesondere an den Lieferanten-Eingängen, denn da muss eine Schranke geöffnet werden, wenn jemand passieren will. «Wir legen grossen Wert auf einen korrekten Umgang mit datenschutzkritischem Material,» führt Werner Triet weiter aus. So hat nur eine einzige Person die Befugnis, das aufgezeichnete Video-Material im Bedarfsfall durchzuschauen und dazu muss zudem die Bewilligung bei einer höheren Instanz eingeholt werden.

So könnte also bilanziert werden, dass die aufgezeichneten Daten im Toni-Areal weniger heikel sind, als die Datensätze, die tagtäglich mittels Cumulus- oder Supercard angelegt werden. An der ZHdK werden weder Verhaltens- noch Bewegungsprofile angelegt und auf die «14-Tage Zurück-Funktion» wird nur in äusserst seltenen Fällen zurückgegriffen. Bisher erfolgte dies erst ein einziges Mal und zwar auf polizeiliche Anordnung hin im Nachgang des Creative City Fests.

Dennoch darf das Potenzial einer solch umfassenden Installation in Anbetracht der Tatsache, dass der Hersteller der Kameras (Siemens) auch Softwarelösungen mit komplexen Algorithmen zur Profil- und Bewegungserkennung bereitstellt, nicht unterschätzt oder gar ignoriert werden.

 

Quellen:

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Z-Moduls «Spurensuche im Toni».

Wärme für die BAE´ler

 

Es ist kurz vor Weihnachten und die Produkte gehen weg wie warme Semmeln. Das Datum für die Präsentation und den Verkauf der «Produkte fürs Toni» könnte nicht besser gewählt sein. Aus dem breiten Rand des Stammtischs in der Eingangshalle ist ein Tresen geworden, auf dem von Studentenhand gefertigte Produkte verkauft werden, die einen Bezug zum Toni-Areal haben. Die Macherinnen der Produkte stehen hinter dem Tresen – die BAE´ler, wie die Studierenden in Vermittlung von Kunst und Design im BA-Studiengang Art Education genannt werden. Dass es an diesem Dezembertag zugig ist, stört keinen: Der Ansturm ist gross, Dozierende (ZHdK & ZHAW), Studis und externe Besucher sind gleichermassen vertreten. «Definitiv ein Vorzug der neuen Location, die Lage des Stammtischs ist einmalig, wir mussten nicht einmal Werbung machen», stellt Studentin Carmen fest.

Als die BAE´ler ihre Aufgabe erhalten, entschliessen sie sich erst einmal zu einer Umfrage: «Welche Bedürfnisse herrschen hier am Campus Toni überhaupt vor?» Die Ergebnisse der Erhebung sind eindeutig: Es mangelt den Bewohnern des Toni-Areals an Gemütlichkeit, an Orten der Stille, an Ruheräumen, an Rückzugsinseln und an Pflanzen. Die Bewohner des Tonis finden es kalt, sowohl was die Temperatur als auch die Atmosphäre betrifft, zudem finden sie es trist und farblos.

Darauf antworten die Studierenden mit ihren Produkten, die für Wärme und Entspannung sorgen: Im Verkauf finden sich Kuscheltiere, eine Hängematte, bepflanzte Blumentöpfe oder eine faltbare Decke, die auch als Kissen oder Cape genutzt werden kann. Das Paket «Hero im Toni» besteht aus einer Tasse, einer Auswahl an acht Teesorten, welche den unterschiedlichen Bedürfnisse und Temperamenten der Studierenden auf den acht Ebenen des Gebäudes entspricht, sowie einer Decke, die am Arbeitsplatz wärmt und in den Pausen als Schal dient. Hier ist der Titel Programm, denn eigentlich haben die Studierenden ihr eigenes Thema, ihr studiengangsübergreifendes Heimweh nach der Herostrassen-Wärme, bestätigt gefunden: in dem in der Allgemeinheit vorherrschenden Eindruck von Kälte am Toni.

Wessen Zuständigkeit ist es denn überhaupt, Gemütlichkeit im Toni zu schaffen? Die der Studierenden, des Rektorats, der Dozierenden? Selina: «Es ist schon an den Studierenden, etwas zu unternehmen. Die Architekten haben das Gebäude ja extra so leer und klar geplant, damit Raum entsteht, in dem etwas passieren kann. Nur ist unser Studium so streng strukturiert – da ist einfach wenig Zeit und Kapazität für solche Engagements … Momentan versuche ich ja schon, eine Pop-Up-Galerie aufzubauen.» Marea fügt hinzu: «Ich glaube zudem, dass die Studis auch Respekt haben und sich nicht trauen, weil sie nicht wissen, ob sie ‹machen› dürfen.»

In den Einzel- oder Doppelgesprächen mit den Studierenden schält sich sehr deutlich heraus, inwiefern ihnen ihre alten Atelierräume in der Herostrasse fehlen. Seit sie im Toni sind, ziehen sie – je nach Projekt – in verschiedenen Werkstätten und Räumen umher. «Früher hatten wir neben unseren Ateliers eine Küche mit zwei Sofas, das hat schon etwas ausgemacht. Es war klar, dass man dort gemeinsam eine Stunde Mittag macht, sich austauscht, herumhängt. Man war auch sofort mit den anderen Semestern bekannt, hat sich mit ihnen angefreundet, voneinander gelernt. Heute bekommen wir ja nicht einmal mehr mit, wer die Neuen sind und wie sie aussehen. Das liegt daran, dass wir – lokal gesehen – keinen zentralen Raum mehr haben.» Carmen schiebt hinterher: «Ja, ich wünsche mir definitiv die Herostrasse zurück.» Und Alina stimmt ebenfalls ein: «Man hat sich einfach leichter gefunden …»

Dass sie keinen gemeinsamen Ort mehr haben, überträgt sich auf die alltäglichen Rituale. Louisa: «Beim Mittagessen hudelt man, dann geht’s schnell zurück, um weiterzuschaffen … Ein stiller Ort wäre toll.» Selina, die sich auch beim SturZ engangiert und gut informiert ist, ist der festen Überzeugung, dass sich alles erst einmal einpendeln muss, «so wie das Heiz- und Lüftungssystem der Schule auch». Und ein Jahr, stellt sie fest, kann das schon einmal dauern. Des einen Leid ist des anderen Freud´: Bis es sich die BAE´ler gemütlich gemacht haben, profitieren die restlichen Toni-Bewohner schon einmal von der Nachbarschaft zu ihnen, die mit ihren Produkten den Winter so viel erträglicher machen.

 

Alinas 3D-Blumentöpfe «Edgy».

Im Übrigen ist bei allen Studierenden die Nachfrage auf die Produkte grösser gewesen als das Angebot. «Die Liste der Nachbestellungen ist lang und wir werden noch eine Weile beschäftigt sein», so das Unisono. Wer Interesse am Erwerb eines Produktes hat, melde sich bei der Redaktion und bekommt den Kontakt.

Unzuverlässiger Beobachter

Weil ja vielleicht nicht alle nachlesen, was bei Twitter passiert: So waren meine Tage der Offenen Tür. Es folgt aber gleich auch noch ein seriöser Beitrag.

(Den Tierfilm verlinke ich hier auch noch.)

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Sturmwarnung

Es gibt dieses eine Treppenhaus im Toni-Areal. Das Treppenhaus, das die Frage danach, ob man der Gesundheit wirklich Gutes tun und Treppensteigen soll so schwer macht: Lockt doch auf jeder Etage der hinter der Glastür liegende Fahrstuhl aufs Neue.

Pünktlich zum gestrigen Herbstanfang tobt hier, in diesem besagten Treppenhaus, ein Sturm, der sich so anhört. Zumindest auf der Etage 2, 3, und 4. Es herrscht ein solcher Wind und Durchzug, dass die Türe auf Etage 4 nur noch unter grösster Anstrengung zu öffnen ist. Der Sturm klingt auf jeder Etage anders: Auf Etage 6 so, auf Etage 8 so und auf Etage 11 dann ist es so ohrenbetäubend laut, dass man meinen möchte, hier sollte der Ursprung des Sturms endlich auszumachen sein. Doch keine offenstehende Tür, keine Fenster verheisst hier weit und breit den Sturm-Ursprung.

Eine Nachfrage beim Facility-Management bringt Licht ins Dunkel: «Nein, kein Sturm. Wir testen heute die Lüftungsanlagen und die Brandmelder.» Sie scheinen zu funktionieren.

Die Qual der Wahl

Seit am Mittwoch, den 03.09., nun auch das Kafi Z eröffnet hat, ist guter Rat teuer: Wo nehme ich den Kaffee ein – und von von welchen Kriterien lasse ich mich leiten? Preis, Geschmackserlebnis, Besucherfrequenz? Oder vermeintlich zweitrangige Dinge wie kurze Wartezeit, schnelle Abfertigung, Freundlichkeitsfaktor der Angestellten oder das Sortiment an Backwaren zum Kaffee? Für die beiden Damen hinter der Bar im Chez Toni ist klar: «Den besten Kaffee gibt´s bei uns! Aber wem es schnell gehen soll, der ist im Momento besser aufgehoben …» > Weiterlesen…

Wer ist Alex?

«Fertig, Alex» verheisst die erste und zuverlässigste Fährte im Toni-Areal. Auf kleinen Papierfetzen und in ungefeilter Handschrift niedergeschrieben, haften diese Notizen willkürlich an den Türen des einen oder anderen Raums im ganzen Gebäude. Wer ist dieser Alex? > Weiterlesen…