Thomas Schlup unterwegs im Toni-Areal

Der Kulturpublizistik-Student Thomas Schlup nutzt ein freies Mentorat für Foto-Arbeiten auf dem Campus Toni. Leitern gehören zum festen Bestandteil der ZHdK, scheint es. Oder des Toni-Areal?

Zimmer mit Aussicht

 

Wer ins Toni-Areal kommt und Fragen hat, für den ist der Empfang am Haupteingang des Toni-Areals die erste Adresse. Ein Gespräch mit Selina Bonagura über einen ungewöhnlichen und exponierten Arbeitsplatz.

Ich habe einmal gehört, dass Du ursprünglich als Mitarbeiterin bei der Wache AG zum Toni-Areal gefunden hast. Hast Du Lust, mir die Geschichte zu erzählen?
Ja, dort habe ich ein Jahr lang gearbeitet. Die Wache AG kümmert sich um Bewachung- und Sicherheit. Sie war nicht nur während des Einzugs im Haus, sondern ist auch jetzt noch nachts da. Wenn einer aus unserem Team in den Ferien ist, vertreten sie uns auch tagsüber. Damals war das Toni-Areal noch eine Baustelle: Unser Empfang war lediglich mit einem Stuhl und einem Tisch ausgestattet. Meine Aufgabe war es, die Brandmeldeanlage zu hüten.

Das Haus war damals noch «unbewohnt». Was hat sich damals so zugetragen?
Es waren zunächst nur Bauarbeiter im Haus, die recht viel Lärm verursachten. Nach und nach, Woche um Woche, zogen die Hochschulangehörigen ein. Die Zügelmänner unterstützten diese, und es war schön zu sehen, wie dieses leere Haus langsam anfing zu leben. Damals hat es ständig Türalarme gegeben, was für das FM zusätzlichen Aufwand während der eh schon hektischen Phase bedeutete.

Wie kam es, dass Du Mitarbeiterin an der ZHdK wurdest?
Ich wollte nicht ewig bei der Wache AG bleiben und als ich erfahren habe, dass bei dem Sicherheitsempfang an der ZHdK ein Job frei wird, sagte ich mir: ‹Probieren darf ich’s ja!› Ich fand die Leute vom Hausdienst sowie Werner, Edina und Tanja unglaublich toll, und so wollte ich sehr gerne hier arbeiten. Und dann haben sich Werner Triet und ich fest dafür eingesetzt.

Du bist seit Ende August angestellt und arbeitest somit seit dem ersten Tag als Empfangsmitarbeiterin im Toni-Areal. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Dir aus?
Der ist ziemlich voll. Wir kümmern uns um das Telefon, E-Mails, diverse Anfragen von Personen am Empfang und alle Tickets. 20–40 Tickets können das pro Tag sein, sie gehen immer zuerst bei uns ein. Die meisten betreffen uns direkt, andere wiederum werden von uns verteilt, z.B. an die Post, ans ITZ, an externe Unternehmen. Unvollständige Tickets machen uns viel Mühe: 20 Stühle – ja gerne! Aber in welchem Raum, an welchem Tag? Grosses Thema sind auch Campus-Karten: Karten drucken, Probleme behandeln, Geld auszahlen … Zudem liegt die Steuerung der Barriere bei uns: Einfahrt, Ausfahrt, Automatenprobleme. Hinzu kommt die Betreuung der Tür- und Brandmeldeanalgage. Wir sind die Anlaufstelle für jegliche Fragen von A-Z: Veranstaltungsfragen, Weg- und Raumbeschreibungen, Schlüsselausgabe, Fundbüro und allerlei Reklamationen, die nicht nur uns direkt betreffen.

Das ist viel!
Man muss wirklich ein Multitasker sein: Häufig passiert es, dass ich am Telefon bin, gleichzeitig angefunkt werde und einen Alarm abstelle. Doch wenn wir zu zweit sind, ist das alles super machbar.

Wie hast Du persönlich dieses erste Jahr am Campus erlebt und wahrgenommen?
Der Empfang ist ein Arbeitsplatz, den es so vor dem Umzug wohl nicht gab. Insofern haben wir viel Aufbauarbeit geleistet, wie eine Schlüsselliste oder Brandmeldeliste angelegt. Wir sind immer noch daran, ein gutes System für alles zu finden. Alles wächst noch. > Weiterlesen…

Nestbau schreitet fort

Der Toniblog dokumentiert, wie sich die Studierenden, Mitarbeitenden und Besucherinnen und Besucher, kurzum Menschen, das Toni-Areal zu eigen machen. Nun ist es aber gerade die biologische Vielfalt, die als Kennzeichen gesunder Ökosysteme gilt. Dieser Aspekt rechtfertigt, hier einmal von der Betrachtung des sozialen Systems abzuweichen und über ein Amselpaar zu berichten.

So meldete die Vertiefung Syle & Design dem Facility Managament vor Kurzem, dass sich auf der Westseite des Toni-Areals an der Brüstung auf Höhe ihres Büros ein Amselpäarchen ein Nest gebaut habe. Die Storen erwiesen sich als Problem: Beim Hinunterrollen zerquetschten sie Nest, Vögel und Eier. Die Mitarbeitenden des Büros baten darum, in diesem gesonderten Fall die Storen im Raum 4.E07 abzuschalten. Das Facility Management nahm die Anfrage ernst, kann jedoch keine einzelnen Storen abschalten und wollte nicht die gesamte Westseite abstellen. Henriette von Style & Design sagt: «Wir haben zwar während des Tages acht gegeben, dass die Storen nicht herunterfahren, aber das war natürlich nicht pausenlos möglich.» Das Nest ist noch da, aber inzwischen ist es ist verlassen: «Wir haben das Amselpäarchen seit zwei Wochen nicht mehr gesehen, wahrscheinlich haben sie es sich doch anders überlegt. Schade.»

So ist es die Technik, die der Redaktorin dabei in die Quere kommt, die Hochschule als gesundes Ökosytem betrachten zu wollen. Geben wir uns fürs Erste damit zufrieden, dass die Studierenden in Ruhe brüten können.

 

 

Die Künste unter einem Dach

Wieder so ein Moment, der einen gewöhnlichen Arbeitstag zu einem unvergesslichen macht, weil ich, mit den vielen anderen, die gegen Abend noch am Campus sind, innehalte, den Stimmen aus dem Foyer folge und entdecke, was im neuen Gebäude noch so besonders ist wie am ersten Tag: Studierende, die Kunst machen.

 

 

Diplomausstellung revisited

2014 hatte man mich in Vorbereitung meiner Observertätigkeit mehrfach und energisch eingeladen, mir die Diplomausstellung anzusehen, damals noch im alten Gebäude. Ich wusste noch gar nichts über die ZHdK und ging widerwillig hinein in der Erwartung, glorifizierte Bastelarbeiten vorzufinden. Gebildet und geläutert kam ich wieder heraus. Ich hatte für die ganze Ausstellung eine Stunde gebraucht, mehr Zeit war auch gar nicht, ich musste zum Zug.

2015 laufe ich seit fünf Tagen in der Ausstellung herum, und es gibt immer noch ganze Departemente, die ich noch nicht gesehen habe. (Das hat auch damit zu tun, dass die gelben Klebestreifen, wie ich erst am Donnerstag herausfand, gar nicht zu allen Teilen der Ausstellung führen.) Ich habe grössten Respekt vor allen Besuchern, denen es gelingt, an einem Tag auch nur einen flüchtigen Blick auf alles zu werfen. Man versichert mir, dass die Ausstellung nicht gewachsen ist*, aber wie ein kleiner Fisch, den man in ein grosses Aquarium setzt, hat sie sich trotzdem ausgedehnt. Vielleicht ist es auch wie in „House of Leaves„, und dem Toni-Areal spriessen heimlich neue Räume mit ungesehenen Exponaten darin, so dass man in Wirklichkeit nie fertig wird mit dem Besichtigen der Diplomausstellung.

Ich muss weiter, es gibt noch so viel anzuschauen, und ich habe nur noch zwei Tage Zeit.

* Update: Katharina Tietze macht mich darauf aufmerksam, dass die ZHdK letztes Jahr ja auch noch über 38 Gebäude verteilt war und ich nur die Ausstellung in einem davon besichtigt habe. Das könnte es, ähem, erklären.

Das erste Mal

Als «historisch» gelten sehr bedeutsame Augenblicke und oft gehen hierbei die ersten und letzten einer jeden Augenblicks-Kategorie in die Geschichte ein. Genaugenommen war dann jeder Tag des vergangenen 3/4 Jahres seit unserem Einzug ins Toni-Areal ein historischer. Ich erinnere mich an die erste Staubflocke im Treppenhaus, die ersten Risse im Beton, die letzte Herbstsonne, den ersten Winter, das erste Mittagessen auf der Dachterrasse. Während die erste Diplomausstellung im Toni-Areal schon fast zu Ende ist, feiert der Campus Toni heute seinen ersten 11. Juni und sein erstes Sommerfest. Dass der 11. Juni und das Sommerfest zusammenfallen, mag hierbei evtl. sogar das letzte Mal sein, was den Tag gleich doppelte Beudeutsamkeit verleiht. Die ersten Studierenden, die am Toni-Areal studiert haben, sind heute auch schon wieder fertig: so werden die ersten Diplome und Zeugnisse im Toni-Areal übergeben. Kurzum: Ein Festtag! Wir gratulieren allen Absolventinnen und Absolventen, den ersten Tonianerinnen und Tonianern!

 

 

Die visuelle Kommunikation der visuellen Kommunikation

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Viele vergebliche Bilder gemacht. Wie meistens ist das versehentlich aufgenommene nicht das schlechteste.

Beim Wandern durch die Ausstellungen mit Abschlussarbeiten* denke ich anlässlich meines eigenen Verhaltens als Ausstellungsbesucherin darüber nach, ob wohl alle Leute vor den meisten Präsentationen nur sekundenlang verharren, kurz die dicke gedruckte Erklärung zur Hand nehmen, eine beliebige Seite aufschlagen, das Buch angesichts von viel Text wieder zuklappen und weitergehen. Ich versuche bei Twitter als Abschlussarbeit eine Studie anzuregen, in der man empirisch das Verhalten der Besucher der Abschlussarbeits-Ausstellungen erfasst: Wie viele Sekunden Verweildauer am Stand? Werden Exponate oder gedruckte Erklärungen in die Hand genommen, wenn ja, welche und wie lange? Und so weiter. Im Rahmen einer solchen Arbeit wäre der Diebstahl von Exponaten als grosser Erfolg zu werten.

In der schließlich doch noch gefundenen Ausstellung der Visuellen Kommunikation befrage ich Jalscha Römer dazu, die gerade Aufsicht hat. Leider führen alle Absolventen nur zwei Stunden lang Aufsicht, so dass ich weder heute noch nächste Woche jemanden ausfragen kann, der viel Zeit hatte, das Gästeverhalten zu beobachten. Zum Trost erklärt Jalscha mir einige Projekte, und dabei stellt sich heraus, dass ich in meinem eigenen, unbetreuten Rundgang fast jedes davon komplett falsch interpretiert habe. Eventuell ist es ohne persönliche Betreuung aussichtslos? Die Videoplätze mit den Kopfhörern helfen, sagt Jalscha, sie seien die zweitbeste Lösung gleich nach der persönlichen Erklärung.

Aber die Projekte werden ja auch nicht im Hinblick auf ihre gute Ausstellbarkeit gewählt. Auch die Note sei egal, sagt Jalscha, man nehme das Projekt einfach mit zum Vorstellungsgespräch und erkläre es dort. Wer an die Zukunft denkt, optimiert vermutlich am besten den Titel, den nur den sehen die Leute ja später im Lebenslauf: „How to Avoid ‚Roasted Husband‘“ wird sich dort ein Leben lang gut machen, „Talsperren der Schweiz“ oder „Norm braucht Vielfalt“ nicht so sehr. (Obwohl zumindest das Talsperrenprojekt ebenfalls großartig ist, wenn ich nicht wieder alles falsch verstanden habe. Das zweite wahrscheinlich auch, ich habe es nur noch nicht gesehen.)

Ich hege in letzter Zeit öfter den Verdacht, dass man eigentlich alles nur persönlich erklären kann, und zwar insbesondere dann, wenn die Personen, die etwas verstehen sollen, noch gar keine konkrete Frage haben. Selbst bei konkreten Fragen funktioniert die individuelle Antwort unangenehm viel besser. Mit dieser These spiele ich aus zwei Gründen: Zum einen sind das die Klagen der IT- und Verwaltungsmitarbeitenden der ZHdK über die Unwilligkeit ihrer Klientel, sich zum Beispiel bei technischen Problemen auf der ZHdK-Website zu informieren, anstatt sich an zufällig Anwesende zu wenden, die dann falsche Auskünfte gäben. Zum anderen die Angewohnheit praktisch aller Autorinnen und Autoren des Techniktagebuch-Blogs, niemals die vorhandene Anleitung zu lesen, sondern immer erst mal im Chat zu fragen. Nachlesen im Internet wäre dann nur ein Hilfsmittel für Situationen, in denen es vor Ort gerade niemanden zum Fragen gibt.

Aber vielleicht stimmt das auch alles gar nicht. Vielleicht sind die Anleitungen des Techniktagebuchs und der ZHdK nur zu schlecht formuliert und zu gut versteckt. Vielleicht wäre es möglich, die überwiegend ziemlich großartigen Abschlussprojekte so zu präsentieren, dass man ihre Großartigkeit auch ohne Erklärperson versteht. Jemand müsste mal eine Abschlussarbeit darüber schreiben.

 

* Formulierung absichtlich vage gehalten, denn ich kann mir nur schwer von einer Minute bis zur nächsten merken, ob ich gerade im Departement für Industrielle Interaktionsvisualisierung oder Game-Typografie die Bachelor-, die Master- oder die Diplomarbeiten betrachte.

Thomas Schlup unterwegs im Toni-Areal

Der Kulturpublizistik-Student Thomas Schlup nutzt ein freies Mentorat für Foto-Arbeiten auf dem Campus Toni. Dieses Mal im Fokus: für e suubers Toni.

Thomas Schlup unterwegs im Toni-Areal

Nach nur einem 3/4 Jahr im Toni nimmt man die Kilometer an Kabel kaum mehr wahr – Grund genug, sie in den Fokus zu rücken. Der Kulturpublizistik-Student Thomas Schlup nutzt ein freies Mentorat für Foto-Arbeiten auf dem Campus Toni.

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