Zimmer mit Aussicht

 

Wer ins Toni-Areal kommt und Fragen hat, für den ist der Empfang am Haupteingang des Toni-Areals die erste Adresse. Ein Gespräch mit Selina Bonagura über einen ungewöhnlichen und exponierten Arbeitsplatz.

Ich habe einmal gehört, dass Du ursprünglich als Mitarbeiterin bei der Wache AG zum Toni-Areal gefunden hast. Hast Du Lust, mir die Geschichte zu erzählen?
Ja, dort habe ich ein Jahr lang gearbeitet. Die Wache AG kümmert sich um Bewachung- und Sicherheit. Sie war nicht nur während des Einzugs im Haus, sondern ist auch jetzt noch nachts da. Wenn einer aus unserem Team in den Ferien ist, vertreten sie uns auch tagsüber. Damals war das Toni-Areal noch eine Baustelle: Unser Empfang war lediglich mit einem Stuhl und einem Tisch ausgestattet. Meine Aufgabe war es, die Brandmeldeanlage zu hüten.

Das Haus war damals noch «unbewohnt». Was hat sich damals so zugetragen?
Es waren zunächst nur Bauarbeiter im Haus, die recht viel Lärm verursachten. Nach und nach, Woche um Woche, zogen die Hochschulangehörigen ein. Die Zügelmänner unterstützten diese, und es war schön zu sehen, wie dieses leere Haus langsam anfing zu leben. Damals hat es ständig Türalarme gegeben, was für das FM zusätzlichen Aufwand während der eh schon hektischen Phase bedeutete.

Wie kam es, dass Du Mitarbeiterin an der ZHdK wurdest?
Ich wollte nicht ewig bei der Wache AG bleiben und als ich erfahren habe, dass bei dem Sicherheitsempfang an der ZHdK ein Job frei wird, sagte ich mir: ‹Probieren darf ich’s ja!› Ich fand die Leute vom Hausdienst sowie Werner, Edina und Tanja unglaublich toll, und so wollte ich sehr gerne hier arbeiten. Und dann haben sich Werner Triet und ich fest dafür eingesetzt.

Du bist seit Ende August angestellt und arbeitest somit seit dem ersten Tag als Empfangsmitarbeiterin im Toni-Areal. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Dir aus?
Der ist ziemlich voll. Wir kümmern uns um das Telefon, E-Mails, diverse Anfragen von Personen am Empfang und alle Tickets. 20–40 Tickets können das pro Tag sein, sie gehen immer zuerst bei uns ein. Die meisten betreffen uns direkt, andere wiederum werden von uns verteilt, z.B. an die Post, ans ITZ, an externe Unternehmen. Unvollständige Tickets machen uns viel Mühe: 20 Stühle – ja gerne! Aber in welchem Raum, an welchem Tag? Grosses Thema sind auch Campus-Karten: Karten drucken, Probleme behandeln, Geld auszahlen … Zudem liegt die Steuerung der Barriere bei uns: Einfahrt, Ausfahrt, Automatenprobleme. Hinzu kommt die Betreuung der Tür- und Brandmeldeanalgage. Wir sind die Anlaufstelle für jegliche Fragen von A-Z: Veranstaltungsfragen, Weg- und Raumbeschreibungen, Schlüsselausgabe, Fundbüro und allerlei Reklamationen, die nicht nur uns direkt betreffen.

Das ist viel!
Man muss wirklich ein Multitasker sein: Häufig passiert es, dass ich am Telefon bin, gleichzeitig angefunkt werde und einen Alarm abstelle. Doch wenn wir zu zweit sind, ist das alles super machbar.

Wie hast Du persönlich dieses erste Jahr am Campus erlebt und wahrgenommen?
Der Empfang ist ein Arbeitsplatz, den es so vor dem Umzug wohl nicht gab. Insofern haben wir viel Aufbauarbeit geleistet, wie eine Schlüsselliste oder Brandmeldeliste angelegt. Wir sind immer noch daran, ein gutes System für alles zu finden. Alles wächst noch.

Welche Entwicklungen hast Du von Deinem Fenster aus in der Halle beobachten können?
Ich treffe täglich viele spannende Leute. Es wird nie langweilig. Zum Teil brauchen wir auch ein dickes Fell. Manchmal können wir leider nicht weiterhelfen, da uns Infos fehlen. Es kommt oft vor, dass eine Veranstaltung im Hause läuft, über die wir nicht Bescheid wissen. Die Kälte im Winter war ein Problem: der starke Durchzug hat uns Probleme mit unserer Gesundheit bereitet. Es wurde nun ein Regal aus Plexiglas montiert, seitdem zieht es in einer bestimmten Ecke etwas weniger. Ansonsten hat es keine grossen Entwicklungen in der Halle gegeben, denn die Kaffeebar und den Stammtisch gab es von Beginn an.

Kannst Du in der Halle so etwas wie «Stimmungen» ausmachen?
Der Lärm ist ohrenbetäubend. Über die Mittagszeit zu telefonieren ist sehr mühsam, da man den Gesprächspartner wie auch das Klingeln der Barriere zum Teil kaum hört. Gut hat mir gefallen, als das Radio zu Besuch war. Das hat eine schöne Atmosphäre verbreitet. Manchmal spielten Leute auf einem Flügel: das hat mir am besten gefallen. Ich darf sagen: es ist eine sehr lebendige Halle. Man isst hier, hat Sitzungen, lernt oder lacht gemeinsam. Hier erlebt man alle Schichten vom Toni.

Hast Du einen persönlichen Lieblingsort im Toni?
Nein, keinen Lieblingsort. Ich komme auch nicht so viel herum: Mittags esse ich im hinteren Teil des Empfangs oder im Raum vom Hausdienst. Ab und zu bin ich auf der Dachterrasse. Da ist es echt sehr schön und man findet Ruhe als Abwechslung vom Empfang.

Durch Deine Position bist Du die erste Ansprechpartnerin für all jene auf dem Campus, die eine Frage haben. Welche Anfragen häufen sich?
«Wo ist die ZHAW?» «Wo ist das Museum?» Auch oft: «Wo ist die Kasse vom Parking?» «Was heisst ZT?» Diese Kürzel vor den Raumangaben verwirren die Leute. Und: «Meine Campuscard funktioniert nicht.»

Was heisst denn ZT?
Es heisst «Zürich Toni» und wurde festgelegt, um die Standortlogik der ZHAW weiterführen zu können. Wir wissen es auch erst, seitdem wir den Chef gefragt haben.

Welche Reklamationen häufen sich?
Oft wurde ein bestimmter Raum innerhalb der Hauptmieträume zwar erfolgreich reserviert, ist dann aber verschlossen. Der Hausdienst öffnet die Türen gerne auf Anfrage. Reklamiert wird, wenn die Stühle nicht in der bestellten Menge vor Ort sind. Oder warum Lieferanten ein Parkticket ziehen müssen, auch wenn sie nur anliefern wollen. Viele beschweren sich, dass der Ersatz für eine verlorene Campuscard und ein verlorenes Parkticket 50 Franken kostet. Daran können wir nichts ändern, das ist von oben so entschieden, aber der Frust wird bei uns abgeladen. Wie so mancher Frust über vieles hier im Haus.

Wie lauteten die aussergewöhnlichsten Fragen und Anfragen?
Wir finden es schon etwas aussergewöhnlich, wenn wir gefragt werden, wo die Kaffeebar ist, obwohl die Leute danebenstehen. Einmal hat sich jemand beschwert, dass der Veloständer falsch konzipiert ist.

Wann passiert es, dass Du ratlos bist?
Wenn uns die Informationen zu den laufenden Veranstaltungen, fehlen. Die Fragenden sind empört und verstehen nicht, dass der Empfang nicht informiert ist, was wir auch gut nachvollziehen können. Daher richten wir die Bitte an alle: ‹Wenn Sie einen Event im Hause Toni planen, informieren Sie uns!›

Was war das aufregendste Erlebnis in diesem ersten Jahr am Toni?
Dass ich mit meiner Kollegin Tanja Binder so ein unschlagbares Team sein darf. Wir unterstützen einander so gut. Ein solches Miteinander habe ich so noch nicht erlebt.

Gab es gefährliche Momente?
Jeder Moment in der Sicherheitsbranche kann gefährlich werden … Zudem nehmen wir die Notfallanrufe entgegen, die eingehen, wenn jemand die Durchwahl -7070 wählt. Wir schicken dann erst den Hausdienst. Zum Teil erfahren wir dann, dass wir einen Krankenwagen rufen müssen. Dort muss man dann Alter, Geschlecht und den Zustand durchgeben, Ruhe bewahren, alles koordinieren: erste Hilfe leisten, den Hausdienst beauftragen, den Krankenwagen einzuweisen – und alles protokollieren.

Du bist an der ZHdK angestellt. Wie verhältst Du Dich den Anliegen, die die ZHAW betreffen?
Die ZHAW-Campuscard Ausgabe läuft auch über uns, zudem beheben wir deren Störungen. Manchmal tauchen Minusbeträge auf den Karten auf, die nicht nachzuvollziehen und daher unbegründet sind – diese können wir nicht behandeln, auch bei der ZHdK nicht. Die Zusammenarbeit mit der ZHAW spielt sich gut ein. Die Bildschirme helfen informationstechnisch auch sehr viel.

Gibt es eine Fundkiste bei Euch? Was findet sich darin?
Oh ja, bei uns gingen schon Ohrringe, Brillen, Rucksäcke, Handys, ein Stuhl, eine Gitarre, Pullover, Bratwürste, Campuscards, Kappen, Ohrstöpsel und vieles Weiteres ein. Unübertroffen ist die Anzahl einzelner Handschuhe. Wir haben um die 100 Fundgegenstände jeden Monat. Das Hausdienstlager ist voll davon!

Und wie häufig finden die Dinge zu ihren Besitzern zurück?
Ca. 30 Prozent. Vor allem Handys und Portemonnaies finden zurück. Wir stellen die Handys auf laut, wenn eines abgegeben wurde und falls jemand anruft sagen wir: «Hier ist der Toni-Empfang, Ihr Handy wurde als Fundgegenstand abgegeben.› Wann immer es möglich ist, kontaktieren wir die Besitzer und Inhaber.

Welche Veränderungen würdest Du Dir für die Zukunft am oder im Toni-Areal wünschen?
Ich hätt sehr gern eine Hundetagesstätte. Das würde zusätzliche Stellen schaffen und gleichzeitig hätten Hund und Herrchen viel mehr Freude. Viele Leute haben einen Hund! Und ein Spaziergang über Mittag an der frischen Luft mit seinem Liebsten tut einfach gut! Zudem wäre es schön, wenn der Informationsfluss besser laufen würde: Veranstaltungen mit Raumnummer, Zeit und Datum anmelden. Auch für Ticketbestellungen wären Angaben über die Anzahl des Mobiliars, Anfangszeit mit Datum und Endzeit mit Datum sehr praktisch. Anlieferung und Parking sind ebenfalls ein Riesenthema. Man kann zwar 15 Minuten frei parkieren, muss dann aber ins Parkhaus gehen und sein Ticket freilesen lassen. Das ist vor allem für die Anlieferer schwierig, die das Parkhaus nicht auf Anhieb finden und sowieso nicht viel Zeit haben. 20–30 Mal am Tag läutet es bezüglich Barriere bei uns. Ein Kassenautomat in der Anlieferung wäre eine super Lösung – zusätzlich zu dem in der Garage und dem Parkhaus.

Könntest Du auch an einem anderen Ort die gleiche Arbeit machen?
Das Gute am Toni ist, dass ich hier nicht so auffalle mit meiner verrückten Person. Das kann ich hier an der Kunstschule gut ausleben mit so viel freien und lebendigen Menschen. Man kann sich entfalten und man selbst sein. Ich könnte jetzt nicht in einer Bank arbeiten. Nein, nein: in einem anderen Gebäude würde das sicher nicht gehen.

Magst Du noch etwas hinzufügen? Was magst Du denn am Toni?
Im grossen und ganzen gefällt es mir hier wirklich sehr gut. Es hat ein freundliches Volk, ein sonniges Team und eine spannende Arbeit. Ich bin dankbar dass ich hier arbeiten darf.