Gattungstexte zum Toni: der Tagebucheintrag


Tagebucheinträge von M. Müller, EM2N Architekten
(Juliane Wolski)

12.07.2013
Heute das Herzstück geplant: Eine breite Treppe, die von der Eingangshalle bis in den 7. Stock hinaufführt. Die Idee ist den Pritzker wert! Mindestens!!!

22.11.2013
Schon wieder ein hämischer Artikel im Tagi wegen der Verzögerung … Den Strehle lade ich nicht mehr zum Essen ein.

08.02.2014
Dänu hat die Idee, die Kaskade auch als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum zu nutzen. Bingo! Wir sind ein gutes Team!

02.09.2014
Whoop, whoop! Der Countdown läuft! In zwei Wochen ist Eröffnung.
 Heute schon mal einen Rundgang mit Corine und der Stadtverwaltung gemacht. Gratuliert hat sie mir – und dann das «Du» angeboten.

Gattungstexte zum Toni: die E-Mail

Die E-Mail (Lara Russi)

Betreff: Grüsse vom Toni

Liebe Oma

Zum Glück hast Du jetzt ein iPad und kannst digitale Post bekommen. Du kannst es Dir kaum vorstellen, jetzt bin ich schon vier Wochen im Toni Areal. Mitte der 1980er-Jahre hast Du dort gearbeitet. Weisst Du, das Haus mit dem Turm und dem Milchmann aussen drauf. Erinnerst Du dich? Ich habe mich immer gefreut, wenn Du neue Joghurtsorten mitgebracht hast. Und mit den Gläsli haben wir alles Mögliche gebastelt.

Und jetzt studiere ich hier. 1999 hätte sich wohl kaum einer Deiner Arbeitskollegen vorstellen können, was noch alles mit diesem Areal passieren würde.
 Schön finde ich, dass sie die tolle Auffahrtsrampe erhalten haben. Und durch die Mitte des Gebäudes, über alle Stockwerke hinweg, führt eine Treppe. Zuoberst, im Turm, hat es sogar Wohnungen.

Ich mache morgen ein paar Fotos und maile sie Dir. So, jetzt muss ich aber los.
Ich umarm Dich & ganz liebe Grüsse auch von Michi.

Deine Lara

Gattungstexte zum Toni: der Dialog

Der Dialog – ZHAW und ZHdK im Gespräch (Laura Ferrara)

Z: Ich verstehe nicht ganz, warum Ihr 600 öffentliche Veranstaltungen organisiert. Was ist das Ziel dahinter?

Z: Öffentlichkeitsarbeit. Standort stärken. Kommunikation nach aussen. Es sollen ja nicht nur unsere 5000 Studierenden, Dozierenden und Mitarbeiter die Kaskade hoch unter runter flanieren können.

Z: Ja, aber hast Du ernsthaft gedacht, so beruhigst Du die Steuerzahler? Ich hab noch immer Köppels Geschrei im Ohr.

Z: Immerhin kann so auch s’ Vreni Meier einmal den teuren Steinwayflügel sehen und hören. Ganz ehrlich, ich weiss ja nicht, was Dein Beitrag sein soll?

Z: Langsam. Vielleicht so: Wenn’s brennt, ist das Institut für Angewandte Psychologie vor Ort. Studienabbrecher und Turmspringer. Und unsere Sozis schauen, dass im GZ Buchegg auch mal wieder auf Spanplatten gesprayt wird. Da kann «Saubers Züri» sich noch ein bisschen in Graue-Farbe-Anmischen üben. Zürii bliibt so im Weste chli suuber. Weisch.

Gattungstexte zum Toni: das Interview

Das Interview (Valerie Stucki)

Interviewerin: Toni, Du hast in den letzten fünfzehn Jahren einen grossen Wandel vollzogen. Wie fühlst Du Dich zum jetzigen Zeitpunkt?
Toni: Ich bin etwas nervös. Am 15. September werden 5000 Studierende in und um mich herum lungern. Sie kommen von der ZHdK und der ZHAW. Zudem wohnen auch Privatpersonen hier. Ich bin ja gespannt, wie sich das alles unter einen Hut bringen lässt.

Hast Du denn genug Platz für all diese Leute?
Die Bauleute haben sich da schon einiges überlegt. Es gibt beispielsweise eine breite Treppe. Da sollten alle aneinander vorbei kommen. Und ein Teil der Leute wird sowieso draussen stehen und rauchen. Ich habe gehört, dass bei der Treppe auch Sachen ausgestellt werden. Aber frag mich nicht, was. Ich hab nicht so viel Ahnung von Kunst.

Wie gehst Du denn damit um, dass Du regelrecht als Kulturzentrum und als Treffpunkt für Kunst, Kultur und Design gehandelt wirst?
Ja, ich kenne diese Erwartungen. Aber man muss bedenken, ich war bis 1999 ein Milchverarbeitungsbetrieb. Mein Aushängeschild was nicht die Kunst, sondern ein überdimensionales Joghurt. Das einzige, was ich an Kulturellem mitbekam, spielte sich im Rohstofflager ab – dem Club an meiner vorderen Ecke.

Vermisst Du etwas?
Mir gefiel, dass ich auch am Wochenende von Leuten aufgesucht wurde. Klar, lief da nicht immer alles sauber, aber es war lebendig. Und … [schmunzelt] ich vermisse meinen Joghurt, für das ich doch oft belächelt wurde. Vor allem von den Leuten, die mit dem Zug vorbeifuhren. Heute schauen sie mich ganz anders an – die einen kritisch, die anderen bewundern meine Erscheinung. Ich bin sehr froh, dass sie mir die Rampe gelassen haben. Damit verbinde ich gute Erinnerungen. Die Skater waren immer willkommen.

Das klingt nun doch etwas nostalgisch …
Ja vielleicht. Aber ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr an vieles. Schliesslich wurde ich bis auf den Grund abgerissen und neu aufgebaut …

… und anscheinend noch nicht ganz fertig?
Nein, leider. Ich hätte ja schon vor einem Jahr fertig sein sollen. Aber ich bin geduldig.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Ich hoffe, dass Leben hier einzieht, dass es gut riecht und die Leute bei der Essensausgabe nicht zu lange anstehen müssen. Das kann schlechte Stimmung verbreiten. Ich freue mich darauf, den Gesprächen zuzuhören, ich werde viel Neues sehen und kennenlernen. Zudem glaube ich nicht, dass ich lange so aussehen werde – wie frisch aus dem Ei gepellt. Das hoffe ich zumindest.

Gattungstexte zum Toni: das Gebet

Das Gebet (Eve Hübscher)

Oh allmächtiger Gott wir danken Dir. Geheiligt sei der 15. September dieses Jahres, in welchem Du Deinen 5000 Schäfchen unter dem Himmelszelt die Pforten öffnetest zu einem Ort der Begegnung. Mögen die lichtdurchfluteten Räume ihre Seele erhellen und die Schaffenskraft durch Dein Wohlwollen beflügelt werden. Einst, oh gütiger Gott, versorgtest Du uns in dieser Stätte mit dem weissen Saft deiner lieblichen Tiere. Mögen die breiten Stufen die Wege dieser Menschen nun zusammenführen, möge der Boden fruchtbar sein, wo ihre Samen fallen.
Amen.

Gattungstexte zum Toni: das Manifest

Das Manifest (Teresa Schäppi)

«Platz für das Wissen»
Lange Zeit waren wir verteilt auf verschiedenen Standorten – geduldig hielten wir inne und warteten bis das letzte Licht erlosch. Hier, wo früher Joghurt in Becher und Milch in Flaschen gefüllt wurden, hier wo sich später Zürich tanzend vereinte, in Rauch, Drogen und Rausch ins Nirwana betäubte, hier sind jetzt wir! Wir, die Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden! Wir, die wissenshungrigen, die nicht warten können zu lernen, aufzunehmen, aufzusaugen, uns zu füllen und zu betäuben mit Wissen! Wir sind jetzt vereint unter einem Dach, wir sind die ZHAW und die ZHdK! Der Treffpunkt für Kunst, Kultur und Design anstelle von Milchproduktion und Nachtszene. Die grossen Lettern weisen den Weg zu uns, zum neuen «TONI AREAL» zu UNSEREM «TONI AREAL». In diesen, den unsrigen Hallen, das Wissen austauschend, interdisziplinär arbeitend, von Studierenden zu Lehrenden, von Lehrenden zu Studierenden.