Nicht nur «Hurra» im Departement Design (II)

Im zweiten Teil des Interviews bilanziert Hansuli Matter den Prozess und die Ergebnisse, die mit ODI einhergingen, und schätzt die neue Situation und Wirkung seines Departements ein.

Inwiefern beeinflusst die Infrastruktur auf dem Campus Toni die Betriebskultur?
Ich würde einiges anders machen, wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte: So würde ich mit ODI nicht in der Mitte des Bauprozesses, sondern bereits an dessen Anfang starten. Ich würde zuerst grundsätzlich über die Idee eines Campus nachdenken, über die Kommunikation dort, die Soft Skills, die Betriebskultur – dann erst über infrastrukturelle Bedürfnisse. Zudem würde ich – neben Architekten und Designern – weitere Leute ins Boot holen: vom Theater, aus der Administration, Künstler, Musiker.

Was haben wir uns vergeben?
Ich glaube, der Campus wäre heute viel generischer angelegt, weniger auf die spezifisch individuellen Bedürfnisse einzelner Abteilungen ausgerichtet. Das Haus wäre neutraler gebaut und nicht so sehr nach Disziplinen getrennt. Es gäbe Räume, Ateliers, Werkstätten und Bürozonen in mittlerer Qualität, die flexibler wären. Der Planungsprozess des Toni-Areals hat acht Jahre gedauert, und die Organisation, die uns vor acht Jahren beauftragt hat, ist nicht mehr dieselbe wie damals – die ZHdK verändert sich gerade stark. Die räumliche Aufteilung innerhalb des Hauses entspricht der Denklogik, die aus 36 damals isoliert aufgestellten institutionellen Einheiten heraus entstanden ist. Zum Glück ist diese Denklogik aber nicht einbetoniert – die meisten Wände sind aus Rigips. [lacht]

Ein Jahr vor dem Einzug wurde die räumliche Verteilung noch einmal überprüft. Warst Du damals involviert?
Nein, aber die performativen Bereiche waren teilweise über-, andere unterdotiert. Deshalb mussten tausende Quadratmeter – ich erinnere mich nicht mehr an die genaue Zahl – umgeplant werden. In der Mitte des Bauprozesses war das Grundkonzept von einer rein performativen Hochschule nicht mehr zentral, und man musste eine neue Balance finden. Das Bedürfnis der Departemente, sich zurückzuziehen und ihre Territorien zu eigenen zu erklären, ist heute recht ausgeprägt, weil sie das Gefühl haben, ihre Heimat verloren zu haben. Die Frage ist, ob wir einen Schritt zurückgehen oder einen Schritt nach vorne wagen, um dieses Problem zu lösen.

Produzieren die Allmende eine weitere Unsicherheit – zusätzlich zum Umzug und Neu-Einrichten?
Ja, man muss sich die Allmende erkämpfen, benutzen, zustellen, sich darin ausstellen. Ein Beispiel sind die grossen Schaufenster zu den Gängen, die ich persönlich sehr schätze – aber viele andere Personen verstellen sie sofort mit einigem Aufwand. Vielleicht brächte ODI 2.0. die Möglichkeit, die Fenster zu den Gängen einfach zuzumachen, aber eben auch wieder aufzumachen – als ganz normale Funktionalität. Manchmal genügt das Wissen allein, etwas Bestimmtes tun zu können.

Es gibt ein Bedürfnis nach Brachen, halböffentlichen Räumen, die für spontane Nutzungen zur Verfügung stehen und nicht gebucht werden können. Wie liesse sich diese Forderung umsetzen?
Diese Brachen und halböffentlichen Bereiche existieren bereits. Man muss diese jedoch sichtbar machen, auszeichnen. Die Menschen im Toni-Areal benötigen ein Hilfsmittel, denn sie trauen sich nicht, diese Brachen zu benutzen: was ist Brache, wo ist sie, wie funktioniert das? Auch muss der Zugang zu ungenutzten Räumen niederschwelliger werden – ein Buchungstool oder eine rein physische Auszeichnung wären denkbar.

Wie zufrieden sind Deine Mitarbeitenden mit ihren Arbeitsplätzen?
Wir haben sehr unterschiedliche Feedbacks. Die Studierenden sind glücklich über die Ateliers, die sie benutzen, die Administration hingegen ist sehr unzufrieden. Die Raumhöhe unserer Büro-Cluster ist niedriger als in den anderen Bereichen. Wir sind zudem nicht nur am engsten Lichthof platziert, sondern auch ziemlich weit unten, was lichtmässig schwierig ist, und Konfliktpotenzial schafft. An jedem Tisch sitzen zudem partiell mehrere Personen – das ist eine veritable Übernutzung. Von diesen Mitarbeitenden hört man verständlicherweise kein ‹Hurra›.

Was kann man ändern?
Wir haben in den vergangenen sechs Monaten alternative Szenarien entwickelt, die wir baldmöglichst umsetzen wollen. Ich verstehe die Kritik der Mitarbeitenden, begreife aber auch das FM, die Umnutzungen geordnet und transparent umsetzen wollen. Das Haus hat ja eigentlich genügend Platz, aber in seiner Nutzung weist es die Extreme von Über- und Unternutzung auf. Der Ausgleich muss erst hergestellt werden. Ein Kontingent an nicht im Vorfeld buchbaren Seminarräumen, kurzfristig buchbar, 24/7, wäre zum Beispiel sicher sinnvoll. Zudem muss man die aktuelle Auslastung über das ganze Toni-Areal analysieren: Viele Abteilungen buchen Seminarräume zwei Monate im Voraus – und brauchen die so der Nutzung durch andere entzogenen Räume schlussendlich nicht. Das FM ist gerade dabei, diese Raumnutzungsanalysen herzustellen, und ich bin sehr gespannt, ob sich unsere subjektive Wahrnehmung in den erhobenen Werten wiederspiegelt.

Trotz Eurer Raumschwierigkeiten ist das Departement Design sehr sichtbar im Haus.
Unsere Anmeldezahlen sind merklich gestiegen. Viele Menschen im Haus meinen, der Grund seien die grösseren und besseren Räume, die das Departement Design habe. Zusätzlich waren wir während der Diplomausstellung so präsent, dass einige Personen bemerkten, dass das Toni-Areal nicht eine Kunst-, sondern eine Designhochschule beherberge. Es stimmt, dass wir – gemeinsam mit der Musik – sehr präsent sind. Und das ganz bewusst! Ich wünsche mir dies jedoch für alle Disziplinen. Momentan ist die Sichtbarkeit der einzelnen Disziplinen sehr unregelmässig. So wird beispielsweise die Hyperaura oder die grosse Wand in der Halle mit Video-Installationen, Manifesten oder Kunstinstallationen nur von wenigen Departementen bespielt. Das Design ist recht selbstbewusst unterwegs. Insgesamt muss man jetzt zusehen, dass sich ein Ausgleich herstellt: dass die anderen auch manifester werden – oder wir moderater.

Wo bietet das Toni-Areal Orte der Begegnung, wo Rückzugsmöglichkeiten für Dich?
Mein Büro – eines der wenigen Einzelbüros im Toni-Areal – ist nicht mein eigentlicher Rückzugsort. Hier herrscht die Kultur, dass die Türe offensteht und immer alle hereinkommen können – was auch angenommen wird. Die Türe ist nur zu, wenn vertrauliche Besprechungen stattfinden. Ich würde sagen: Rückzug bieten mir der Dachgarten und der Musikklub. Begegnungen habe ich beim Mittagessen am Stammtisch. Das muss auch nicht lange geplant werden, da findet man immer jemanden. Das ist wie Social-Roulette: mal gucken, wer sich neben mich setzt.

Ein durchdachter Schlitz hat seinen Preis (I)

Lange vor dem Einzug ins Toni-Areal hat sich Hansuli Matter Gedanken zum Zusammenleben am neuen Ort gemacht und das Projekt «Orte des Informellen (ODI)» lanciert. Matter, der die Leitung des Departements Design zunächst interimistisch wahrgenommen hatte, ist zeitgleich mit dem Einzug ins Toni-Areal zum neuen Departementsleiter gewählt worden. Bei einem Besuch in seinem Büro auf der Ebene 4 sticht die Ordnungsstruktur seiner Unterlagen auf dem Schreibtisch ins Auge: «Keine Ordnung – eine Überlebensstrategie!». Teil I des Interviews mit Hansuli Matter.


Was hat Dich damals – als Leiter des Studiengangs Bachelor of Arts in Design – motiviert, Fragen des künftigen Lehrens, Lernens und Arbeitens am neuen Standort zu thematisieren?
Ausgangslage war das Projekt «Territorien der Künste» mit Design-Studierenden. In diesem Projekt haben wir Zukunftsmodelle für einen Campus der Künste entwickelt: Wie könnte eine Kunstschule gestaltet sein? Wie funktioniert Territorialverhalten? Welche Strategien für die Kunst gibt es? Gemeinsam mit der Hochschulleitung wuchs dann der Gedanke, die studentische Gedankenübung auf Fragen hinsichtlich des Toni-Areals anzuwenden: Was bedeutet das Informelle? Wie gestalten wir allgemeine Bereiche und wie grenzen sich gedachte Territorien davon ab? Wie soll das Zusammenleben funktionieren?

Durch die Vorgaben der Architektur kann man sich auf dem neuen Campus über die Disziplingrenzen hinweg begegnen – auch ausserhalb von Seminar- und Übungsräumen sowie Werkstätten. Warum sollte dieses «informelle Lernen» noch zusätzlich gefördert werden?
Es gilt, das Expertentum zu relativieren. Wer ist heute Experte und erklärt wem die Welt? Dass ausschliesslich Dozierende qua Status Experten sind, entspricht nicht mehr der Realität. Bei einem meiner Seminare, Einführung in Netzwerktechnologien, unterrichtete ich Studierende, die seit Jahren mit Sicherheitssystemen arbeiteten. Denen musste ich nichts von einer Firewall erzählen – und schon gar nichts Falsches. Vielmehr sollte das Know-how untereinander ausgetauscht werden. Diese Lernprozesse sind wertvoll und geschehen bei den Studierenden im Alltag untereinander – ohne Frontalunterricht.

Unterstützt das Toni-Areal informelle Arbeitsplätze?
Genau dafür haben wir uns mit ODI stark gemacht. Viele Projekte waren infrastrukturell angelegt. Jetzt ist es an der Zeit, eine Analyse zu machen: Wie funktioniert das Haus, wie es jetzt ist? Wo haben sich informelle Orte etabliert? Wo bräuchte es weitere Unterstützung? Der Sinn liegt nicht darin, alles mit Möbeln vollzustellen. Unser Grundsatz war, stellenweise eben nichts zu machen – und zu beobachten, wo sich was organisch entwickelt: auf der Rampe oder in Aufenthaltsräumen.

Wie lautet Deine Zwischenbilanz?
Es gibt ausgezeichnete Orte, die sehr gut funktionieren wie der Stammtisch. Er hat eine holzige, sinnliche Qualität und bedient funktionelle Ansprüche an Chill-out, Arbeitsplatz, Meetings, essen, entspannen. Diese Idee in die Riesenhalle zu übersetzen, hat vorbildlich geklappt. Man muss hinzufügen, dass bei jenen ODI-Projekten, die gut funktionieren, auch genügend Ressourcen zur Verfügung standen. Eine gute Idee ist das eine, deren Umsetzung das andere. Dahinter steckt eine Menge Entwicklungsarbeit und Aufwand.

Läuft Euer Projektauftrag denn noch?
Die HSL ist dabei, das Projekt zu evaluieren und weitere Schritte zu initiieren. Damit dies geschehen kann, benötigt es neben dem Willen auch angemessene Ressourcen: ohne Budget kann man lange an Papieren schreiben. Die Gelder für die erste ODI-Phase wurden grösstenteils aus dem Projektbudget für das Toni-Areal generiert.

Greenboxes, Vorhänge … Ihr hattet eine hohe Umsetzungsquote – fast 2/3 der 24 geplanten ODI-Projekte wurden realisiert.
Ja, und viele fallen kaum auf, fügen sich organisch ins Ganze ein. Die Betonbänke, die Y-Bänke, die Kabelvorhänge … Die Kabel sind aufgeräumt und das System wirkt ganz natürlich. Keiner käme auf die Idee, dass das eines unserer Projekte war, dass irgendjemand jemals über diese Schlitze nachdenken musste. Andererseits gab es Projekte, die bewusst nach dem Bottom-up-Prinzip funktionieren sollten. Das Urban Gardening auf der Dachterrasse ist ein solches Projekt: Die Initiatoren kamen zu mir – und ich konnte ihnen weiterhelfen und sie mit den richtigen Ansprechpartnern verknüpfen. Man kann in einem so grossen Haus nicht alles selbst bespielen, sondern ist auf eben solche Leute angewiesen, die selbst denken, machen und umsetzen, die von sich aus Ideen generieren.

Was ist mit den Projekten, die nicht umgesetzt wurden?
Manche Projekte, wie die Ruhekapseln, sind bewusst noch nicht realisiert worden, weil wir zunächst beobachten wollen, wo wir sie hinstellen könnten und welche Funktion sie haben sollen. Es gibt ja eine grosse Freiheit im Haus. Doch die Menschen im Toni-Areal gehen zurückhaltend mit ihr um, weil sie das Haus nicht lesen können bzw. die Freiheiten nicht sichtbar sind. So stellen sie Fluchtwege voll, obwohl nebenan die Freizonen und Räume wären, die unkompliziert bespielt werden können. Es braucht ein ‹enablement›. Die Mitarbeitenden und Studierenden an unserem Departement sind damit vertrauter, weil ich sie ermuntere: ‹Ihr müsst raus, da sind allgemein nutzbare öffentliche Zonen, die müsst Ihr bespielen!› Dadurch hat das Design derzeit eine hohe Präsenz innerhalb der ZHdK. Dabei könnten alle diese Räume nutzen! Es sind keine unzugänglichen Territorien.

Während der Diplomausstellung hat die Kaskade mit den Durchgängen und Schalträumen so funktioniert, wie sie von den Architekten angelegt war.
Der HSL-Konferenzraum war während der Diplomausstellung als Ausstellungsraum in Gebrauch. Somit hat die Hochschulleitung ihre Sitzung in einem Nebenraum abgehalten. Es ist toll, ad hoc zusätzliche Ausstellungsräume generieren zu können.

Wie hat sich der neue Ort auf die Konferenz ausgewirkt?
Wir waren irritiert und das Zeitmanagement hat für einmal nicht wirklich funktioniert. Ob das der Effekt des ungewohnten Raumes war, weiss ich allerdings nicht.

Im Gespräch mit dem Museum (III)

Die Mitarbeitenden des «Museum für Gestaltung – Schaudepot» erzählen über die Situation am neuen Ort. Nach Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, und Bernadette Mock, Leiterin Kommunikation, ist im letzten Teil der Serie Vanessa Gendre, Dokumentarin in der Grafiksammlung, im Gespräch.

Was ist Deine Aufgabe hier?
Einerseits habe ich als Dokumentarin mein Alltagsgeschäft: die Erschliessung der Objekte, die wir in der Grafiksammlung haben. Da ist der Altbestand, den wir ständig aufarbeiten und digitalisieren. Zudem bin ich an der Recherche und Auswahl für neue Objekte beteiligt. Wenn neue Objekte ins Haus kommen, erledige ich die Aufnahme in die Datenbank, indem ich das Objekt anhand eines Kriterienkatalogs beschreibe. Andererseits gehört die Vermittlung des Sammlungsguts zu meiner Aufgabe als Dokumentarin. Auch das ist nicht neu – bereits in der Förrlibuckstrasse, unserem alten Standort, hatten wir Führungen und im Schnitt alle zwei Jahre eine Ausstellung.

Was hat sich für Euch als Dokumentarinnen durch den Umzug verändert?
Für uns hat sich sehr viel geändert, nicht nur das Team und die Räumlichkeiten: Die vier Sammlungen sind zusammengekommen, die vorher auf unterschiedliche Standorte verteilt waren. Zudem ergibt sich durch die räumliche Nähe zwischen den Sammlungen ein viel engerer Austausch, was toll ist! Ganz allgemein ist die Nähe zum Museum neu: Man sieht plötzlich die Leute von der Werkstatt, vom Museumsbetrieb, der Kommunikation – man kann kurz hinein, mit ihnen sprechen. Ich finde, das Museum ist sehr gut am neuen Standort angekommen. Mit dem «Schaudepot» haben wir uns zudem eine neue Öffentlichkeit erschlossen. Das Feedback, das ich bei meinen Führungen bekomme, ist durchweg positiv.

Wie wirkt sich die neue «Wohnsituation» auf Euch als Team aus?
Es ist nicht vergleichbar, weil es anders ist. Ich denke, dass sich dieses «andere» nur bedingt auf das Gebäude zurückführen lässt. Wo wir vorher vier Kulturen hatten, haben wir jetzt eine Kultur, auch wenn die vier Sammlungen eigenständig sind. Im Zusammenhang mit dem Umzug hat es eine Reorganisation gegeben. Die Teambesetzung hat sich geändert – und dadurch auch die Zusammenarbeit. Das Team muss noch zusammenwachsen.

Hat sich mit dem neuen Standort auch das Publikum verändert?
Es sind viel mehr Besucherinnen und Besucher. Früher haben wir vor allem Fachführungen durchgeführt – Gestaltungsschulen waren unsere Stammkunden. Auch heute bekommen wir noch Anfragen von Leuten, die nur die Grafiksammlung sehen wollen. Doch hauptsächlich geben wir Führungen durch das ganze «Schaudepot» für interessierte Laien und viele Fachleute. Das Gebiet unserer Vermittlung ist breiter geworden.

Wie reagierst Du auf diese neuen Bedürfnisse?
Bei einer «Schaudepot»-Führung will ich eher einen Überblick vermitteln und erzähle viel aus dem Alltag: Wie sammelt man? Was sammelt man? Wie gehen wir mit einem Objekt um, wenn es in die Sammlung kommt? Welches Klima braucht es? Wie archiviert man? Ich gehe auch auf die Objekte ein, und es kommen Objekte aus allen vier Sammlungen vor. Bei einer Führung durch die Grafiksammlung hingegen muss ich weniger über meine Tätigkeit und mehr über die Objekte sprechen. Ich reagiere sehr sensibel auf die Bedürfnisse der Gruppen, und wenn es sich um Fachleute handelt, gehe ich mehr in die Tiefe.

Wie hast Du Dir das Wissen über die anderen Sammlungen angeeignet?
Oh, ich habe viel dazugelernt in den letzten Monaten. Wir Kollegen und Kolleginnen haben untereinander Termine vereinbart und Rundgänge gemacht – zusätzlich zu den Einführungen von den Kuratorinnen.

Begreifen die Besucherinnen und Besucher den Unterschied zwischen «Schaudepot» und Sammlung?
Das «Schaudepot» besteht aus dem Hochregallager, den verschiedenen Archivräumen, dem Katalograum, zwei Fotostudios, zwei Werkräumen, der Bürozone und den Ausstellungsräumen. Ich glaube schon, dass die Besucher verstehen, dass das Museum vier Sammlungen hat und diese Teil des «Schaudepots» sind. Bei einer Führung besuchen wir nur eine Auswahl an Archiven: Ich gehe beispielsweise nie ins Fotoarchiv, denn es ist nicht zur Präsentation angelegt. Zudem wähle ich immer nur eines von zwei Plakatlagern.

Wie zufrieden seid Ihr mit den räumlichen Begebenheiten des neuen Museums?
Für die Objekte bedeutet der Umzug eine massive Verbesserung der räumlichen und klimatischen Verhältnisse. Auch mit unserem Büro, ein Grossraumbüro, bin ich zufrieden. Es gibt gute Abtrennungen durch Büchergestelle. Mühsam sind die Alarme, die permanent irgendwo ertönen. Im Büro ist es eher kalt, aber das hat sich schon sehr verbessert inzwischen. Insgesamt komme ich gerne hierher.

Hast Du einen Lieblingsort?
Den Musikklub Mehrspur finde ich super. Auch das Chez Toni finde ich toll, vor allem am Abend. Es hat wirklich eine gute Stimmung dort und es gefällt mir, dass die Studis am Abend noch ein bisschen dort bleiben. Und die Dachterrasse … Aber ich merke, dass ich das Haus noch kaum kenne und mich eher in meinem Gebiet aufhalte. Vor allem bei der Diplomausstellung musste ich mich manchmal fragen, wo ich eigentlich gerade bin.

 

Wohnen im Turm

Simon (31) und Nina (30), Architekt und Designerin, sind Anfang April in eine der 100 Mietwohnungen im Toni-Areal gezogen. Die Lofts, Geschoss- oder Maisonettewohnungen des Gebäudes haben zwischen 2.5–5.5 Zimmer, erstrecken sich auf mindestens 60–160 m2 und liegen im 9. bis 22. Geschoss des Hochhauses. Alle Wohnungen verfügen über Loggien, die den Wohnraum zusätzlich erweitern. Simon und Nina haben eine der Maisonettewohnungen mit 83 m2, 3 Zimmern im 17. und 18. Geschoss. Man betritt die Wohnung über die untere Etage, auf der sich der private Bereich mit Schlafzimmer, Gästezimmer inkl. Ankleide sowie ein Bad mit Dusche befindet – dieser untere Teil der Wohnung ist gegen Norden ausgerichtet. Auf der oberen Etage liegt die Küche, das Wohnzimmer, ein Gästebad mit Wanne sowie eine 6-m2-Loggia mit einem grossformatigen Fenster, das heute offensteht und einen Blick auf den Süden der Stadt freigibt.

 

[Nina & Simon zeigen ihre Wohnung …]
Nina: Die Wohnung verfügt über eine kontrollierte Wohnraumlüftung und eine regulierbare Fussbodenheizung. Wir sehen die Sonne morgens auf der einen Seite aufgehen und haben sie von Mittag bis zu ihrem Untergang auf der anderen Seite der Wohnung. Dadurch es ist sehr, sehr warm. Wenn, dann wäre ein Klimatisierung schön …
Simon: Die drei Monate, seitdem wir hier leben, waren viel intensiver als in unserer alten Wohnung, weil es so easy ist, abends noch eben an der Limmat entlang zu joggen oder ins Wasser zu springen.
Nina: AC/DC ist kürzlich im Stadion Letzigrund aufgetreten – wir konnten das Konzert von hier aus mitverfolgen! Die Hardau Türme sehen leider nicht so sexy aus, gerade wenn es regnet. Der Regen fliesst dann an der Fassade herunter, was etwas traurig wirkt. Wir haben kürzlich Freunden bei ihrem Umzug in die «James»-Überbauung geholfen und deren Wohnung ist auch schön. Ich denke aber, dass diese Wohnung hier besser zu uns passt.

Hier im Toni-Areal waren ja dutzende Wohnungen frei …
Simon: Man kann das Angebot freier Wohnungen auf der Internetseite nach Preisen sortieren und da sieht man relativ schnell, was in Frage kommt. Wir hatten uns 3000 Franken als Obergrenze gesetzt, die gleichsam relativ fiktiv war, weil wir – bis wir aus Toni-Areal gestossen sind – nie bis 3000 Franken gesucht hatten. Im Toni-Areal selbst hatten wir uns zunächst eine Wohnung für 2800 CHF angesehen – die haben wir allerdings nicht bekommen.
Nina: Die Wohnung lag auf der Westseite mit Blick zum Hotel. Sie hatte eine Ebene und nur zu einer Seite Fenster. Und schon die fanden wir total cool. Wir sind dann zur Verwaltung gegangen und haben das Dossier persönlich abgegeben. Als die zuständige Dame uns kurze Zeit später leider absagte, erzählte sie uns, dass sie eine andere, bessere frei hat, die 300 Stutz mehr kostet. Das erschien uns teuer, und auch vom Grundriss waren wir zunächst nicht so angetan. Wir fanden es komisch, dass der ganze private Bereich im unteren Teil der Wohnung liegt. Als wir die Wohnung besichtigt haben, wirkte der Grundriss ganz anders. Dann mussten sich die Eindrücke 2–3 Tage setzen, bevor wir uns beworben und einen Tag später schon die Zusage bekommen haben.

Hat der Grundriss demnach eine grosse Rolle gespielt?
Simon: Man ist schon auch ein bisschen spiessig. Als Architekt entwirft man selbst tolle, offene Wohnungen und denkt dennoch: eine Türe in der Küche wäre ja schon praktisch. Ich war mir wirklich nicht sicher, ob wir einziehen sollten und habe mich mit dem Grundriss an ein paar Freunde und Geschäftskollegen gewandt. Die haben auch gesagt: ‹Nun sei nicht so spiessig. Ist doch egal, ob die Badewanne oben oder unten ist.› Wenn man sich ein bisschen für Architektur interessiert, dann lernt man die Diversität dieser Wohnungen im Toni-Areal auch sehr schnell schätzen.
Nina: Dieser lange Gang sah auf dem Plan recht schmal aus. Und jetzt kommen wir sehr gut damit zurecht. Ich finde es wahnsinnig geschickt, wie die Wohnungen des Gebäudes ineinanderstecken, dass nicht alles gleich ist, und jede Wohnung ihre eigene Qualität hat.
Simon: Wenn man sich vor Augen führt, dass die Architekten mit einer Gesamtgebäudetiefe von 16 Metern umgehen mussten … Ein Haus, das Nord-Süd-orientiert ist, sollte maximal 12–13 Meter Tiefe haben. Nun waren die 16 Meter durch den bestehenden Bau quasi vorgegeben und die Herausforderung, diese Tiefe zu befüllen, haben EM2N gut gemeistert. Alle im Turm befindlichen Maisonettewohnungen erstrecken sich über die gesamte Tiefe. Die Treppen sowie die Bäder sind innenliegend, dadurch konnte man humane Raumtiefen gewinnen. Ja, es ist interessant, abwechslungsreich und geschickt, wie Nina sagt. > Weiterlesen…

Im Gespräch mit dem Museum (II)

Wir wollen wissen, wie es dem «Museum für Gestaltung – Schaudepot» am neuen Ort geht. Nachdem im ersten Teil der Serie Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, im Gespräch war, kommt nun Bernadette Mock, Leiterin Kommunikation, zu Wort.

Wie ist aus Deiner Sicht das Museum in seiner neuen Heimat angekommen?
Ich kann natürlich nicht für das Museum reden, sondern nur für mich. Ich gebe hier meine subjektive Wahrnehmung wieder. Zunächst ist der Umzug mit über 500‘000 Designobjekten ein Kraftakt gewesen. Als wir gezügelt waren, war es ungewohnt, in den neuen Büros zu sein. Zwischendurch ist es dort so kalt gewesen, dass wir unsere Hände heiss abspülen mussten. Vieles stimmt auch jetzt klimatisch noch nicht. Aber dann hatten wir eine fulminante Eröffnung – die Leute waren begeistert. Auch der neue Zugang zu den Sammlungen kommt sehr gut an. Wir bekommen sehr viel positives Feedback! Und inzwischen ist es schon normal geworden, im Toni-Areal zu sein.

Haben sich mit dem Standort auch die Besucher verändert?
Es ist wirklich eine Freude: Wir merken die neue Nähe zur Schule nun deutlicher. Uns kommen mehr ZHdK-Angehörige besuchen – Dozierende, Mitarbeitende, Studierende, auch von anderen Schulen, vor allem aus dem Bereich Grafik und Design. Doch insgesamt lassen sich die Besucherzahlen nicht mehr mit dem alten Standort vergleichen. Mit der Ausstellung «100 Jahre Schweizer Design» hatten wir noch den Bonus des Neuen. Doch heute ist es vor allem am Wochenende manchmal sehr ruhig. Ich denke, der Standort ist nicht mehr so ideal wie zuvor an der Ausstellungsstrasse, nahe am Hauptbahnhof: Die längere Anreise ist für viele ein Hindernis – und selbst wenn der Besucher angekommen ist, findet er uns nicht gleich. Aber das geht dem Department Musik mit den Konzertsälen ja nicht anders, nehme ich an.

Wie wirkt sich die neue Wohnsituation auf Euch als Team aus?
Das Team ist nun auf drei Standorte verteilt: Hier im Toni-Areal sind die Sammlungen, die Direktion mit der Kommunikation und den Kooperationen, der Museumsbetrieb sowie die Werkstatt. Die Ausstellungsabteilung mit der Vermittlung sowie die Publikationen sind an die Hafnerstrasse gezogen. Und das Museum Bellerive im Seefeld gehört ja auch zu uns. Dass unser Team geteilt ist, ist nicht neu: Früher waren, nebst dem Museum Bellerive, die Mitarbeitenden der Sammlungen auf verschiedene Standorte verteilt. Jetzt ist die Mehrheit von uns zusammen im Toni-Areal, nah an der ZHdK, an den Ausstellungen und an den Sammlungen, aber weniger nah an der Ausstellungsabteilung. Dass die Ausstellungsmacher nicht vor Ort sind, finde ich schwierig. Sie machen Ausstellungen für einen Ort, den sie nicht miterleben können: Wer besucht uns hier, wie sind die Reaktionen? Ich hätte es schön gefunden, den Neustart mit allen gemeinsam machen zu können. Doch aus Platzgründen war das leider nicht möglich.

Dafür sind jetzt die Sammlungen geöffnet …
… die es seit 140 Jahren gibt und nie öffentlich zugänglich waren! Durch die Öffnung nach aussen etabliert sich auch intern eine neue Kultur. Man denkt plötzlich nach aussen, und unter den Sammlungsmitarbeitenden spalten sich die Geister: «Jetzt kann man den Schatz endlich einmal zeigen.» Und: «Ich will den Schatz aber pflegen, bewahren und schützen.» Mit einem Mal haben die Sammlungsmitarbeitenden andere Funktionen: sie machen mehr Führungen, leisten mehr Vermittlungsarbeit als früher. Das geht von der Zeit weg, die sie für die Sammlungs-, Konservierungs-, Restaurierungsarbeit bräuchten. Und das ruft auch Unzufriedenheit und Kritik hervor.  > Weiterlesen…

Im Gespräch mit dem Museum (I)

Wie wird das Toni-Areal genutzt? Wie wird das Neue angenommen? Es ist an der Zeit, einmal mit dem «Museum für Gestaltung – Schaudepot» über die Situation am neuen Ort zu sprechen. Im ersten Teil der Serie ist Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, im Gespräch.

Was ist Deine Aufgabe hier?
Ich bin seit 2001 an der ZHdK beschäftigt, seit 2013 im Museumsshop und am 1. Juli habe ich zusätzlich dazu die Assistenzstelle der Leiterin Museumsdienste übernommen.

Wie hast Du dem Umzug entgegengeblickt?
Ich bin eine von denen, die gesagt hat: «Ich gehe nie ins Toni. Furchtbar! Dieser Ort zwischen Autobahnauffahrt und Bahnlinien … » Und jetzt hat es sich so ergeben, dass ich doch da bin. Ich bin positiv überrascht. Ich finde es spannend hier. Im Toni ist natürlich auch alles viel moderner. Ich habe mich gefreut, einen in sich geschlossenen Shop zu haben. Früher, an der Ausstellungsstrasse, war alles offen: Man konnte morgens schlecht öffnen und abends nur schwer abschliessen, weil es immer Leute gab, die schon oder noch in die Ausstellung gehen oder etwas kaufen wollten. Zudem hatten wir an der Ausstellungsstrasse einen immensen Durchzug. Hier ist es nun leider sehr kühl.

Dass Du so überraschend Deine Haltung zum Toni geändert hast: War das ein bestimmter Moment oder ein Prozess?
Es hat angefangen, als ich bei einer Führung vor dem Einzug das erste Mal den Fuss hineingesetzt habe. Da gab es schon diesen Wow-Effekt. Schon da habe ich gemerkt, dass ich mir falsche Vorstellungen gemacht habe. Seit dem Einzug habe ich mir immer wieder Zeit genommen, um das Haus wirklich zu erkunden.

Wie zufrieden seid Ihr mit den räumlichen Begebenheiten des neuen Museums?
Es ist aufgrund der Klimatisierung sehr kalt. Man muss sich warm anziehen, auch jetzt im Sommer. Im Büro können wir kein Fenster aufmachen, obwohl ich immer das Bedürfnis danach habe – dies wird aber offenbar in Kürze geändert. Einschneidend ist auch, dass wir viel weniger Stauraum für den Shop haben und es keinen eigenen Rückzugsraum mehr für Pausen gibt. Angenehm finde ich, dass wir nicht mehr die erste Anlaufstelle für Fragen im Haus sind. Die Verpflegungsmöglichkeiten finde ich weniger gut – mir fehlen die zahlreichen Take-aways in der Umgebung. Das Essen in der Mensa oder im Migros-Restaurant finde ich nicht so prickelnd, aber das mag auch daran liegen, dass ich gewisse Lebensmitteleinschränkungen habe. Trotzdem nutze ich das Angebot ab und zu. Das tollste finde ich die Terrasse! Ich bin wirklich ein grosser Fan von ihr, vor allem jetzt im Sommer. Dort gibt es Vögel und Pflanzen, es ist super! Dennoch fehlt mir der schöne Park, das Grün um das Gebäude herum. > Weiterlesen…

Nestbau schreitet fort

Der Toniblog dokumentiert, wie sich die Studierenden, Mitarbeitenden und Besucherinnen und Besucher, kurzum Menschen, das Toni-Areal zu eigen machen. Nun ist es aber gerade die biologische Vielfalt, die als Kennzeichen gesunder Ökosysteme gilt. Dieser Aspekt rechtfertigt, hier einmal von der Betrachtung des sozialen Systems abzuweichen und über ein Amselpaar zu berichten.

So meldete die Vertiefung Syle & Design dem Facility Managament vor Kurzem, dass sich auf der Westseite des Toni-Areals an der Brüstung auf Höhe ihres Büros ein Amselpäarchen ein Nest gebaut habe. Die Storen erwiesen sich als Problem: Beim Hinunterrollen zerquetschten sie Nest, Vögel und Eier. Die Mitarbeitenden des Büros baten darum, in diesem gesonderten Fall die Storen im Raum 4.E07 abzuschalten. Das Facility Management nahm die Anfrage ernst, kann jedoch keine einzelnen Storen abschalten und wollte nicht die gesamte Westseite abstellen. Henriette von Style & Design sagt: «Wir haben zwar während des Tages acht gegeben, dass die Storen nicht herunterfahren, aber das war natürlich nicht pausenlos möglich.» Das Nest ist noch da, aber inzwischen ist es ist verlassen: «Wir haben das Amselpäarchen seit zwei Wochen nicht mehr gesehen, wahrscheinlich haben sie es sich doch anders überlegt. Schade.»

So ist es die Technik, die der Redaktorin dabei in die Quere kommt, die Hochschule als gesundes Ökosytem betrachten zu wollen. Geben wir uns fürs Erste damit zufrieden, dass die Studierenden in Ruhe brüten können.

 

 

Die Künste unter einem Dach

Wieder so ein Moment, der einen gewöhnlichen Arbeitstag zu einem unvergesslichen macht, weil ich, mit den vielen anderen, die gegen Abend noch am Campus sind, innehalte, den Stimmen aus dem Foyer folge und entdecke, was im neuen Gebäude noch so besonders ist wie am ersten Tag: Studierende, die Kunst machen.

 

 

Lasset uns beeten

 

Die Dachterrasse ist gewachsen. Um 69 Quadratmeter Garten. Garten, der von den Menschen im Toni-Areal bewirtschaftet werden soll. Ein interdisziplinäres Team aus Studierenden der ZHdK hat am vergangenen Montag zehn Boxen mit Hochbaubeeten aufgebaut – weitere zwei Boxen sind für Kompost da und die letzte Box dient als Werkzeugkiste. «Die versehen wir mit einem Zahlenschloss, damit alle Beet-Betreiber darauf zugreifen können», sagen zwei der Mitglieder aus dem Projektteam, Simon und Manuel.

Nachdem die Initiatoren von «Querbeet» zu Beginn dieser Woche über den E-Mailverteiler dazu aufriefen, sich für die Bepflanzung von «Querbeet» zu bewerben, sind keine 24 Stunden später 18 der 20 Beete nach dem Prinzip «first come, first serve» verteilt. Teams hatten den Vorzug vor Einzelpersonen: «Das ITZ hat ein Beet, die Masterklasse in Rhythmik, die Dachspatzen, die Vertiefung Ereignis im Master Design – Masterstudierende waren bei den Bewerbungen in der Überzahl!» Sie alle sind von nun an dafür zuständig, dass etwas gedeiht und die Kisten nicht vernachlässigt werden.

Auch wenn die sieben Studenten hinter ihrem Projekt stehen, sind sie vom Andrang doch überrascht: «Die meisten, denen wir davon erzählt haben, waren auf Anhieb begeistert. Doch wir konnten uns nicht sicher sein, ob sie die Verantwortung übernehmen wollen, ein solches Beet dann auch zu pflegen.» Überrascht waren sie auch, als das Material angeliefert war und es daran ging, den Garten aufzubauen: «Wir haben uns so verschätzt! Eigentlich wollten wir binnen eines Tages fertig sein …» Und das hat es, anders als die Leichtigkeit des Videos vermitteln mag, drei schweisstreibende, 13-stündige Arbeitstage lang gedauert.

Leere mit Leben füllen, Orte zum Verweilen schaffen

Rahel, die Initiatorin des Projekts, vermisst das Gärtnern, seit sie in Zürich wohnt. Die Schrebergärten, an denen sie auf dem Weg zum Toni vorbeikommt, wecken regelmässig ihren Neid. Die ZHdK-Studierende liebt die Dachterrasse des Toni-Areals. Doch irgendetwas hält sie davon ab, hier oben zu verweilen – ein Garten muss her. So ist die Idee von «Querbeet» geboren. Zwar ist sie gut im Harfenspiel, nicht aber darin, Projekte zu konzipieren und umzusetzen. Also wendet sie sich an das Departement Design und findet Hilfe über den E-Mail-Verteiler. Ende Februar ist das.

Im Nu melden sich Stella, Simon, Manuel und Fabian (Industrial Design) sowie Lucy (Scientific Visualization) bei Rahel. Manuel und Simon über ihre Motivation: «Wir müssen zugeben, dass uns die Tragweite der zeitlichen Auslastung nicht ganz bewusst war zu Beginn. Aber das Interdisziplinäre hat uns gereizt. Es macht total zufrieden, etwas Konkretes zu tun – und nicht nur drüber zu reden.» In einer späteren Projektphase wird noch Samira (Design) dazustossen, die die Gestaltung des Corporate Design von «Querbeet» übernimmt.

Disziplinen vermischen sich

Stolz zeigen mir die beiden das Konzept, das dem Team dazu verholfen hat, ihr Projekt zu verwirklichen. 24 Seiten mit Gliederung, Visualisierungen, Zeitplan, Kostenplan, Visionen und Materialüberblick. «Jeder hat etwas zum Konzept beitragen können.» Sie haben gut und genau geplant, das Konzept musste nur in wenigen Punkten angepasst werden. Während seiner Recherche stösst das Team aus Zufall auf WormUp, ein Unternehmen, das aus dem Inkubator für Cultural Entrepeneurship der ZHdK entstanden ist. WormUp bringt sich in der Kompostierung von «Querbeet» ein – mit Würmern, die den Kompost fressen und das Ausgangsmaterial um 85% reduzieren und in Pflanzendünger umwandeln. Und zuletzt ergibt sich noch eine Zusammenarbeit mit Matthias aus dem BA-Studiengang Cast – er realisiert das Video zum Projekt «Querbeet», das die Idee vermittelt und bewirbt.

Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus der Zusammenarbeit von verschiedenen Disziplinen am Toni etwas Gutes gedeihen kann. «Wir haben viel gelernt!», sagen Manuel und Simon. «Wie schafft man interdisziplinär in einem Team? Wir erklärt man der Grafikerin, dass es so wird, wie wir das wollen – und ihr gleichzeitig ihre gestalterische Freiheit lassen?» Sie hoffen, dass die Grundidee weiterhin trägt: dass auch der Garten eine Bühne für das Knüpfen neuer Bekanntschaften sein wird, woraus wieder interessante Projekte entstehen können.

Organisatorische, rechtliche und finanzielle Hürden

Über den richtigen Standort für die zehn Beete sind sie sich schnell im Klaren. Die nord-östlichste Ecke der Dachterrasse, die bisher besonders leer wirkt: «Und weil dort den ganzen Tag Sonne scheint. Hoffentlich nicht zu stark!» Zunächst gehen sie mit ihrem Konzept zu Hansuli Matter, Leiter des Departement Design. Der findet die Projektidee sehr gelungen und sagt ihnen finanzielle Unterstützung zu.

«Von da an waren die Hürden vor allem bürokratischer Natur.» Der Weg führt sie zu Marco Castellano, Leiter Raum / Bau der ZHdK, und weiter zu Alessandra Zanotelli, der Leiterin im Bereich Services im Facility Management. Sie übernimmt die Verhandlungen mit Allreal . Das Team muss viele Formulare ausfüllen, um die diversen Auflagen zu erfüllen. Die Informationen schiessen aus ihnen heraus: «Maximale Traglast der Dachterrasse ist 500 kg pro qm. Die Beete müssen sturm- und wetterfest sein. Der Mindestabstand zum Geländer muss 2 Meter betragen.» Simon ergänzt: «Die Schule hat mich wirklich überrascht – alle waren uns und unserem Projekt gegenüber sehr positiv gestimmt.»

Der Ernte entgegen

Um zu markieren, wo die Trennlinie zwischen zwei Beeten pro Box verläuft, hat das Team Skylines verschiedener Städte ausgelasert: «Unser Garten ist ein Garten in der Stadt – und hat eine Stadt im Garten. Und so kann man seine Erdbeere vor dem Eifelturm anpflanzen …» Beide lachen. Ein Depot von 50 Franken pro Beet-Betreiber gibt dem Team die Sicherheit, dass die Hobbygärtner es ernst meinen und ihr Beet nicht verwahrlosen lassen. «Allreal hat das Projekt zunächst bis November bewilligt. Dann evaluieren wir das Projekt und sehen wir weiter … »

Ideen für die Zukunft gibt es viele: «Beginnen wollen wir mit einem Eröffnungsfest! Zudem sind Grillabende in Planung … Und toll wären Workshops zum guten Anpflanzen, über Bewässerungssysteme und Vertical Gardening.» Die Zukunftsplanung steht und fällt mit der Zuschussbereitschaft weiterer Sponsoren und Kooperationspartner.

Manuel fasst zusammen: «Es war ein Glücksmoment, als der Garten fertig war und viel besser aussah als in unserer Phantasie» Leinen los für den höchstgelegenen Garten der Stadt Zürich: säen und giessen, grossziehen und jäten. Und mal sehen, was sich neben einer reichen Ernte sonst noch ergibt, wenn die Disziplinen beim Gärtnern ineinandergreifen.

 

Querbeet-Plakat 01

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