Im Gespräch mit dem Museum (I)

Wie wird das Toni-Areal genutzt? Wie wird das Neue angenommen? Es ist an der Zeit, einmal mit dem «Museum für Gestaltung – Schaudepot» über die Situation am neuen Ort zu sprechen. Im ersten Teil der Serie ist Chandra Brandenberger, Assistentin Leiterin Museumsdienste und Mitarbeiterin Museumsshop, im Gespräch.

Was ist Deine Aufgabe hier?
Ich bin seit 2001 an der ZHdK beschäftigt, seit 2013 im Museumsshop und am 1. Juli habe ich zusätzlich dazu die Assistenzstelle der Leiterin Museumsdienste übernommen.

Wie hast Du dem Umzug entgegengeblickt?
Ich bin eine von denen, die gesagt hat: «Ich gehe nie ins Toni. Furchtbar! Dieser Ort zwischen Autobahnauffahrt und Bahnlinien … » Und jetzt hat es sich so ergeben, dass ich doch da bin. Ich bin positiv überrascht. Ich finde es spannend hier. Im Toni ist natürlich auch alles viel moderner. Ich habe mich gefreut, einen in sich geschlossenen Shop zu haben. Früher, an der Ausstellungsstrasse, war alles offen: Man konnte morgens schlecht öffnen und abends nur schwer abschliessen, weil es immer Leute gab, die schon oder noch in die Ausstellung gehen oder etwas kaufen wollten. Zudem hatten wir an der Ausstellungsstrasse einen immensen Durchzug. Hier ist es nun leider sehr kühl.

Dass Du so überraschend Deine Haltung zum Toni geändert hast: War das ein bestimmter Moment oder ein Prozess?
Es hat angefangen, als ich bei einer Führung vor dem Einzug das erste Mal den Fuss hineingesetzt habe. Da gab es schon diesen Wow-Effekt. Schon da habe ich gemerkt, dass ich mir falsche Vorstellungen gemacht habe. Seit dem Einzug habe ich mir immer wieder Zeit genommen, um das Haus wirklich zu erkunden.

Wie zufrieden seid Ihr mit den räumlichen Begebenheiten des neuen Museums?
Es ist aufgrund der Klimatisierung sehr kalt. Man muss sich warm anziehen, auch jetzt im Sommer. Im Büro können wir kein Fenster aufmachen, obwohl ich immer das Bedürfnis danach habe – dies wird aber offenbar in Kürze geändert. Einschneidend ist auch, dass wir viel weniger Stauraum für den Shop haben und es keinen eigenen Rückzugsraum mehr für Pausen gibt. Angenehm finde ich, dass wir nicht mehr die erste Anlaufstelle für Fragen im Haus sind. Die Verpflegungsmöglichkeiten finde ich weniger gut – mir fehlen die zahlreichen Take-aways in der Umgebung. Das Essen in der Mensa oder im Migros-Restaurant finde ich nicht so prickelnd, aber das mag auch daran liegen, dass ich gewisse Lebensmitteleinschränkungen habe. Trotzdem nutze ich das Angebot ab und zu. Das tollste finde ich die Terrasse! Ich bin wirklich ein grosser Fan von ihr, vor allem jetzt im Sommer. Dort gibt es Vögel und Pflanzen, es ist super! Dennoch fehlt mir der schöne Park, das Grün um das Gebäude herum.

Wie ist das Museum aus Deiner Sicht in seiner neuen Heimat angekommen?
Sehr gut. Man merkt das einerseits an den Besuchern: Die meisten haben jetzt verstanden, dass wir an einem neuen Standort sind. Andererseits merkt man es an den internen Abläufen: Wir sind besser eingespielt, fragen uns nicht mehr ständig: «Was machen wir jetzt? Wie machen wir das?» Es gibt immer noch Kleinigkeiten, die verbessert werden könnten, aber die gibt es immer …

Wie wirkt sich die neue «Wohnsituation» auf Euch als Team aus?
Wir haben eine schwierige Zeit gehabt, denn der Einstieg war nicht ganz leicht. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, sondern nur für uns an der Front. Die nicht ganz einfachen ersten Monate haben sich in der Stimmung des Teams widergespiegelt. Jeder geht anders mit einer neuen Situation um. Die Sache ist, dass man sich nicht wirklich auf das Neue vorbereiten konnte. Vergleichbar mit einem Auftritt, für den man nicht üben kann. Wir mussten zu Beginn viel improvisieren, denn alles war anders als vorher. Darin ist nicht jeder gleich gut, darin lag die Herausforderung. Es hat 3–4 Monate gedauert und jetzt bin ich froh, dass wir uns wieder gefangen haben. Es braucht einfach ein bisschen Zeit, bis man halbwegs ankommt. Was das gesamte Team des Museums betrifft: der Verlag und die Leute von der Vermittlung sind noch an der Hafnerstrasse – das ist durchaus ein zusätzlicher Aufwand in der Zusammenarbeit. Voraussichtlich 2017 werden wir wieder zurückziehen. Doch auch dann werden wir zwei Standorte haben, denn die Sammlungen bleiben im Toni und die Ausstellungsräume hier werden voraussichtlich anders bespielt.

Als Mitarbeiterin im Museumsshop bist Du die Frau an der Front – und damit am nächsten am Publikum dran. Haben sich mit dem Standort auch die Besucher verändert?
Wir haben nicht mehr ganz so viele Touristen, die mal schnell hereinhüpfen. Zudem gab es ein gewisses Klientel an der Ausstellungsstrasse, auf die ich hier am Toni gerne verzichte: Es gibt viele Randständige in Kreis 5. Nette und Problemlose, aber eben auch solche, die kommen und blöd tun. Da musste ich mir schon einiges anhören – so gesehen ist es hier wesentlich angenehmer. Auch hier habe ich in der kurzen Zeit schon allerhand erlebt. Leute kommen aus dem Ausland, hören, dass es ein Designmuseum gibt und haben grosse Erwartungen. Wenn es dann «nur» zwei Wechselausstellungen gibt, die sie vielleicht thematisch nicht so sehr interessieren, dann verleihen diese Touristen ihrer Enttäuschung eben uns gegenüber Ausdruck. Das ist nicht immer einfach, denn sie sind manchmal sehr herablassend.

Begreifen die Besucherinnen und Besucher den Unterschied zwischen «Schaudepot» und Sammlung?
Ganz viele blicken noch nicht durch – gerade dass man in gewisse Bereiche nur mit Führung hineinkommt. «Schaudepot» heisst ja Museum plus Archive. Wir müssen da viel Aufklärungsarbeit leisten, und das mache ich auch gerne. Ich weise immer auf die Führungen hin, denn dann haben die Leute auch wirklich etwas von ihrem Eintritt. Bei den ausländischen Besuchern finde ich den Hinweis umso wichtiger, denn es ist eindrücklich, eine solche Sammlung sehen zu können, auch wenn die Führung in Deutsch ist. Viele sind dann auch froh und dankbar.

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