Montag, 14. Mai, 14 Uhr bis Freitag, 18. Mai 2018, 17 Uhr

Teaching Experiments – Lernprozesse als transformative Praxis.
Workshop-Blockwoche mit öffentlichen Vorträgen

Anmeldung zu den Workshops unter:
gabrielle.schaad@zhdk.ch, mail@sandraoehy.com

Mitwirkende:
Savvas Ciriacidis (Architekt, Dozent HSLU, Zürich)
Anne Gruber (Kunstpädagogin / Wiss. Mitarbeiterin im Forschungsprojekt «Kalkül und Kontingenz» am IAE ZHdK, Zürich)
Lea Grunder (Architektin, Co-Teamleiterin Schweizer Pavillon Venedig 2016, Zürich) & Christian Kerez (Professor für Architektur und Entwurf, ETH Zürich, Berlin)
Raphael Hefti (Künstler, Zürich und London)
Tim Klauser (Architekt, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich, Köln und Zürich)
Julian Richter (Studio Director William Forsythe / Choreographic Objects, Frankfurt)
Susanne Traub (Leiterin Tanz und Performance,Stv. Leiterin Bereich Tanz und Theater, Goethe-Institut Zentrale, München)

Das Programm:

MONTAG, 14. MAI
14–16 Uhr Einführung «Teaching Experiments – Performing Textures» mit Gabrielle Schaad und Sandra Oehy
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum

DIENSTAG, 15. MAI
9–13 Uhr «Performing Infrastructure – Camping mit Tim»: Workshop mit Tim Klauser
Die Stadt als Haus, das Haus als Stadt, das TONI als Stadt der tausend Planeten und Räume. Mit einer performativen Expedition durch den Unterbau des Tonis erwandern wir dessen Infrastrukturzonen, die uns miteinander verbinden und die Logistik des alltäglichen Lebens beherrschen.
Treffpunkt zum Start: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum
14–16 Uhr «Performing Contingency» : Workshop mit Anne Gruber
Im Workshop wird anhand von Erfahrungsberichten aus dem Forschungsprojekt «Kalkül und Kontingenz» darauf eingegangen, welche Konsequenzen sich mit diesem Bildungsverständnis für die kunstpädagogische Arbeit ergeben können und in welchem Zusammenhang ‚Unterricht‘ und ‚Experiment‘ dabei stehen. Dazu werden Methoden aus der Praxisforschung vorgestellt und ausprobiert, mit denen sich eine Aufmerksamkeit für ‚Differenzen’ innerhalb eines Experiments entwickeln kann.
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum
16–17 Uhr Präsentation und offener Roundtable
«Scores and Contingency» von und mit Anne Gruber (Kunstpädagogin / Wiss. Mitarbeiterin im Forschungsprojekt «Kalkül und Kontingenz» am IAE, ZHdK, Zürich)
Welche Konsequenzen ergeben sich für das Unterrichten und das Lernen, wenn wir davon ausgehen, dass Bildungsprozesse unverfügbar und nicht planbar sind?
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Raum Design Studio Prozesse

MITTWOCH, 16. MAI
9–13 Uhr «Performing Incident»: Workshop mit Lea Grunder
Lea Grunders und Christian Kerez’ gemeinsame Experimente werfen folgende Fragen auf: Wie überlagern sich Zufall, Gestaltungswille und physikalische Verhaltensweisen von Materialien so, dass sie keine eindeutige Referenz mehr zulassen? Wie entwerfe ich einen komplexen architektonischen Raum, den ich selber nicht mehr interpretieren kann? Auf der Suche nach «incidental space» arbeiten wir mit verschiedensten Materialien, Masstäben und Techniken, um unsere Vorstellung von Raum zugleich zu weiten und zu schärfen.
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum
14–17 Uhr «Performing Choreographic Objects»: Workshop mit Julian Richter
Richter realisiert seit 2003 die «Choreographischen Objekte» von William Forsythe. Die Arbeiten entstehen für Museen, Skulpturenparks, Biennalen; in White Cube Räumen, Fabrikhallen und im öffentlichen Raum. Der Workshop untersucht Aufgabe, Prozess und Resultat bei der Entstehung der Werke.
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum

17–19 Uhr öffentliche Abendvorträge und Diskussion
17:00 – 17:25 Uhr «Incidental Space» mit Lea Grunder (Architektin, Co-Teamleiterin Schweizer Pavillon, Architekturbiennale Venedig 2016, Zürich) & Christian Kerez (Professor für Architektur und Entwurf, ETH Zürich)
17:30 – 17:55 Uhr «Non-Thinking Bodies» von Julian Gabriel Richter (Studio Director William Forsythe / Choreographic Objects, Frankfurt)
18:00 – 18:25 Uhr «Performing Architecture» von Susanne Traub (Leiterin Tanz und Performance, Stv. Leiterin Bereich Tanz und Theater, Goethe-Institut Zentrale, München)
18:30 – 19:00 Uhr Schlussdiskussion moderiert von Sandra Oehy
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Raum Design Studio Prozesse

DONNERSTAG, 17. MAI
9–16 Uhr «Performing Ready-Mades»: Workshop mit Savvas Ciriacidis
Nichts fordert die Autorschaft mehr heraus und stellt den damit verbundenen kreativen Prozess fundamentaler in Frage als das Ready-Made. Wir beschäftigen uns mit der Idee des Ready-Made bezogen auf die Architektur.
(Mittagspause irgendwann dazwischen)
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum
14–18 Uhr Zusammenschluss mit Workshop «Performing Incident» mit Lea Grunder (Fortsetzung Mittwoch Morgen)
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum

FREITAG, 18. MAI
9–13 Uhr «Performing Acoustics and Optics»: Workshop mit Raphael Hefti
Der Künstler nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise ins Auge. Im spektakulären Orgelraum des Toni-Areals treffen die Instrumente des Optikers auf meditative Übung des Organisten. Gemeinsam mit einem Augenspezialisten erkunden wir Apparaturen der Wahrnehmung.
Ort: Toni-Areal, Orgelsaal (Konzertsaal 2), ZT 7.K06
14–16 Uhr Abschluss Fanzine-Produktion
Ort: Museum für Gestaltung Zürich / Schaudepot / Vermittlungsraum
17 Uhr Vernissage Fanzine
Ort: Eingangshalle Toni-Areal «Teaching Experiments» Ausstellungs-Booth

Kontakt & Information:
mail@sandraoehy.com
gabrielle.schaad@zhdk.ch

 

Organisiert von Gabrielle Schaad und Sandra Oehy
DKM, BA Kunst & Medien


Teaching Experiments – Lernprozess als transformative Praxis
Dieses Format bringt Studierende aus der gesamten Hochschule und externe Gäste während einer Woche zu jeweils halb- bis ganztätigen Workshops zusammen. Wir erproben verschiedene Lehr- und Lernhaltungen, um sie in ihrem institutionellen Rahmen kritisch zu diskutieren.

Julian Gabriel Richter
realisiert seit 2003 die Choreographischen Objekte von William Forsythe. Die Arbeiten entstehen für Museen, Skulpturenparks, Biennalen; in White Cube Räumen, Fabrikhallen und im öffentlichen Raum. Der Workshop untersucht Aufgabe, Prozess und Resultat bei der Entstehung der Werke. Die Keynote beschäftigt sich mit aktivem Nichtdenken und der Rolle des Körpers bei der Produktion und Installation der Choreographischen Objekte.

Anne Gruber
Transformative Bildungstheorien gehen davon aus, dass Lernprozesse vor allem dann ermöglicht werden können, wenn Routinen des Wahrnehmens, Denkens und Handelns irritiert und unterbrochen werden – also in Momenten, in denen eine Differenz zu dem Bekannten und Erwarteten entsteht. Solche Prozesse entziehen sich jedoch der Planbarkeit und lassen sich nur schwer steuern. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dieser Vorstellung von ‚Lernen‘ und möglichen ‚Erkenntnissen’ innerhalb des verbreiteten Begriffs der ‚künstlerischen Forschung‘? Im Workshop wird anhand von Erfahrungsberichten aus dem Forschungsprojekt ‚Kalkül und Kontingenz‘ darauf eingegangen, welche Konsequenzen sich mit  diesem Bildungsverständnis für die kunstpädagogische Arbeit ergeben können und in welchem Zusammenhang ‚Unterricht‘ und ‚Experiment‘ dabei stehen. Dazu werden Methoden aus der Praxisforschung vorgestellt und ausprobiert, mit denen sich eine Aufmerksamkeit für ‚Differenzen’ innerhalb eines Experiments entwickeln kann.

Raphel Hefti
nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise ins Auge. Im spektakulären Orgelraum des Toni-Areals treffen die Instrumente des Optikers auf meditative Übung des Organisten. Gemeinsam erkunden wir Apparaturen der Wahrnehmung.

Tim Klauser
Die Stadt als Haus, das Haus als Stadt, das TONI als Stadt der tausend Planeten und Räume. Mit einer performativen Expedition durch den Unterbau des Tonis erwandern wir dessen Infrastrukturzonen die uns miteinander verbinden und die Logistik des alltäglichen Lebens beherrschen. Wir bewegen uns rhythmisch zwischen den verborgenen Zonen der Abfall-, Luft-, Elektrizitäts-, Wasser-, Daten- und Wohnraumversorgung, zirkulieren im Ökosystem des Tonis durch dessen Netzwerk aus Erschließungssträngen und Aufweitungen, und können schließlich anhand der Infrastruktur, welche weder abgeschlossen ist noch Objektcharakter besitzt, eine alternative Stadtgeschichte erzählen.

Savvas Ciriacidis / Alex Lehnerer / Susanne Traub
Nichts fordert die Autorschaft mehr heraus und stellt den damit verbundenen kreativen Prozess fundamentaler in Frage als das Ready-Made. Wir beschäftigen uns mit der Idee des Ready-Made bezogen auf die Architektur.

Armin Linke möchte unbedingt dabei sein, weiss aber erst kurz vor Workshopbeginn, ob er zum Aufbau nach Venedig muss.

Lea Grunder / Christian Kerez
In Grunders und Kerez’s Experiment wird folgenden Fragen nachgegangen:
Wie überlagern sich Zufall, Gestaltungswille und physikalische Verhaltensweisen von Materialien so, dass sie keine eindeutige Referenz mehr zulassen? Wie entwerfe ich einen komplexen architektonischen Raum, den ich selber nicht mehr interpretieren kann? Auf der Suche nach incidental space arbeiten wir mit verschiedensten Materialien, Masstäben und Techniken, um unsere Vorstellung von Raum zugleich zu weiten und zu schärfen. Die Keynote stellt die Grundfragen des Workshops in einen grösseren Kontext.

Gabrielle Schaad (*1982) ist freie Kunstkritikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im BA Kunst & Medien an der ZHdK sowie an der Gastdozentur für Architekturtheorie der ETH Zürich. Ihre Forschung betrifft Repräsentationskritik, transkulturelle Bewegungen und performative Praxen im Widerstreit zwischen Kunst, Architektur und Technologie.

Sandra Oehy (*1984) arbeitet als Ausstellungsmacherin seit mehreren Jahren an Projekten an den Schnittstellen von Praxis und Theorie im Bereich von Kunst und Architektur. 2016 kuratierte sie »Incidental Space«, ein Projekt mit dem Architekten Christian Kerez für den Schweizer Pavillon der Architektur-Biennale Venedig.
Die Gäste: Anne Gruber (Kunstpädagogin / Wiss. Mitarbeiterin im Forschungsprojekt »Kalkül u. Kontingenz« am IAE ZHdK, Zürich), Lea Grunder (Architektin, Co-Projektleiterin Bau Schweizer Pavillon Venedig 2016, Zürich) & Christian Kerez (Professor für Architektur und Entwurf, ETH Zürich), Raphael Hefti (Künstler, Zürich und London); Savvas Ciriacidis (Architekt, Dozent HSLU) & Alex Lehnerer (Assistenzprofessor für Architektur und Stadtentwicklung, ETH Zürich, Zürich); Armin Linke (Fotograf, Mailand und Berlin); Tim Klauser (Architekt, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, ETH Zürich, Köln und Zürich); Julian Gabriel Richter (Direktor Produktion William Forsythe Choreographic Objects, Frankfurt); Susanne Traub (Leiterin Theater und Tanz, Goethe-Institut Zentrale, München).

Julian Gabriel Richter realisiert seit 2003 die Choreographischen Objekte von William Forsythe. / Photo: Dominik Mentzos


Das Black Mountain College (BMC 1933–1957) wurde durch unterschiedlichste Figuren geprägt. In der Vielfalt ihrer Haltungen, Angebote und sich wandelnden Methoden lag die Konsistenz des Unterrichts. Trotzdem wird vereinfachend zwischen den Phasen »art as experience« (1933–1945), »art as experiment« (1945–49) und »art as enactment« (1949–1957) unterschieden. Als »college« nicht primär auf die Ausbildung von KünstlerInnen spezialisiert, standen am BMC im Rahmen einer erweiterten Bildung Begegnungen zwischen unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungsfeldern im Zentrum.

Josef Albers als einer der Gründerväter der Schule vertrat eine mehr oder weniger autoritäre Linie, wobei er von einer Pädagogik des Lernens anstelle der Pädagogik des Lehrens ausging: Experimente mit klarer Aufgabenstellung nutzte er in Lehre und eigener Praxis zur Produktion von Variationen um die Wahrnehmung zu schärfen. Die sinnliche Erfahrung von Materialität und Umwelt stand am Ausgangspunkt zu weiterführenden technischen wie methodischen Studien von 1933 bis 1945. Mit der Ankunft von John Cage, Merce Cunningham und Richard Buckminster Fuller rückten von 1945 bis 1949 zeitbasierter Prozess, iterative Transformation und das Format des Experiments unbekanntem Ausgang ins Zentrum der holistischen Bildung. Nach dem Krieg forcierte Charles Olson als neuer Direktor der Schule das Gespräch in der Gemeinschaft und die Rolle des performativen »enactments« ins Zentrum. Kunst sollte nicht beschreiben, sondern aufführen.

Das gemeinschaftliche Lernformat geht der Frage nach, wie Künstler*innen und andere Praktiker*innen diese Forderungen in ihre aktuellen Praxis integriert oder abweichend weiterentwickelt haben. Inwiefern werden Vermittlung und Lehre dabei auch als ein substantieller Teil der (eigenen) künstlerischen oder entwerfenden Praxis verstanden? Dieses Format bringt Studierende aus dem Departement Kunst & Medien mit Studierenden aus der gesamten Hochschule und externen Gästen während einer Woche zu jeweils halb- bis ganztätigen Workshops zusammen. Wir werden in diesem Rahmen vielseitige Zugänge zwischen Kunst, Tanz, Architektur und Gesellschaft erproben. So begleiten wir den Architekten Tim Klauser auf eine Expedition in den Untergrund des Tonis. Mit der Kunstpädagogin Anne Gruber bewegen wir uns im Spannungsfeld von Kalkül und Kontingenz, mit Julian Richter tauschen wir uns über aktives Nichtdenken und die Rolle des Körpers bei der Produktion und Installation von Choreographischen Objekten aus. Lea Grunder lässt uns einen architektonischen Raum suchen, der keine eindeutige Referenz zulässt, und Susanne Traub und Savvas Ciriacidis beziehen mit „Performing Architecture“ das Ready-Made auf die Architektur. Schliesslich entführt uns Raphael Hefti am Ende der Woche auf eine Reise ins Auge. Die Instrumente eines Optikers treffen auf meditative Übung des Organisten. Gemeinsam erkunden wir Apparaturen der Wahrnehmung.

Das wiederholte Zusammentreffen mit unterschiedlichen Akteur*innen aus dem Feld der Kulturproduktion, unsere geteilte Aktivität und die Reflexion dieses gemeinsamen Prozesses dokumentieren wir fortlaufend in Form eines zum Schluss der Veranstaltung aufgelegten Fanzines. Die Studierenden übernehmen Sitzungsverantwortung für Gäste nach Wahl. Die Veranstaltung bringt daher nicht nur praktische Einsichten, sondern wirft auch Schlaglichter auf Formen der Zusammenarbeit indem verschiedene Lehr- und Lernhaltungen gemeinsam erprobt, dabei ebenso in ihrem institutionellen Rahmen verortet und kritisch diskutiert werden.

Die Workshops finden in einem halböffentlichen Setting in den Räumen des Museum für Gestaltung statt. Somit tragen auch aussenstehende Interessierte oder Besucher*innen des Museums, sofern sie sich darauf einlassen möchten, zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung bei.