Berner Jura

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Psychiatrische Dienste Biel-Seeland-Berner Jura, Klinik Bellelay

Im Gegensatz zu Deutschland war es in der Schweiz unüblich, Heil- und Pflegeanstalt zu trennen. Reine psychiatrische Pflegeanstalten gab es daher nur wenige: Rheinau (Kanton Zürich), Perreux (Kanton Neuchâtel), St. Katharinental (Kanton Thurgau) und Bellelay (Kanton Bern). Das Asyl wurde 1899 im ehemaligen Kloster Bellelay in einem abgelegenen Juratal eröffnet, es war die dritte psychiatrische Anstalt im Kanton Bern. Den sogenannt unheilbar Kranken vorbehalten, wurden unruhige, betagte, geistig behinderte Männer und Frauen – und auch Kinder- in die Anstalt verlegt. In Bellelay waren die Winter hart. Die Anstalt, für 260 Patienten konzipiert, beherbergte 1920 über 340 Kranke. Zum Platzmangel hinzu kam, dass die Wasserversorgung ungenügend war: es gab Typhusseuchen, getrennte Abteilungen und Aufenthaltsräume konnten nicht geboten werden. Als während des 1. Weltkrieges die finanzielle Unterstützung praktisch eingestellt wurde, häuften sich die Klagen. Der erste Direktor war 1899-1905 Ulrich Brauchli, der danach Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Münsingen wurde. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre verbesserte sich die Situation, ein Erweiterungsbau wurde erstellt, die Korridore, die als Aufenthaltsräume dienen mussten, wurden mit „Simon’schen Arbeitsbänken“ (nach dem Begründer der neuen Arbeitstherapie, Herrmann Simon von Gütersloh) ausgestattet. Es wurden mehr Kühe angeschafft, Gewächshäuser erbaut, eine Pferdezucht aufgebaut, alles unter Mitarbeit der Patientinnen und Patienten. 1930 erreichte der neu gewählte Direktor Hans Knoll (1888-1961), dass sich das Asyl Bellelay „Maison de Santé“ nennen und dadurch auch weniger kranke Patienten aufnehmen durfte. Da viele Patienten und Patientinnen bis zu ihrem Tod in Bellelay verbleiben mussten, wäre denkbar, dass sich hier – wie auch in der Pflegeanstalt Rheinau – Werke, Zeichnungen, Konstruktionen, Handarbeiten erhalten hätten. Die Klinikleitung teilte uns jedoch mit, dass sich keine Werke in der Klinik oder im Archiv fänden. Eine Untersuchung vor Ort wurde nicht durchgeführt.

Literatur

Fussinger, Catherine, Tevaearai, Deodaat, Lieux de folie – monuments de raison. Architecture et psychiatrie en Suisse romande, 1830-1930, S. 90 ff; S 157ff

Germann, Urs, „Arbeit, Ruhe und Ordnung: die Inszenierung der psychiatrischen Moderne – Bildmediale Legitimationsstrategien der Schweizerischen Anstaltspsychiatrie im Kontext der Arbeits- und Beschäftigungstherapie in der Zwischenkriegszeit“, in: Fangerau, Heiner, Nolte, Karen (Hrsg.), „Moderne“ Anstaltspsychiatrie im 19. Und 20. Jahrhundert – Legitimation und Kritik, S. 290-310

Knoll, H., La maison de santé de Bellay, Canton de Berne, Eckhardt & Pesch, Zürich, o.J. um 1931