Author: apopa

Storytelling beyond the template – Open narrative structures in film education and dramaturgy

Abstract by Kathrin Resetarits

Film education and dramaturgy beyond the template

After a long wasteland in which the supremacy of a particular narrative form – propagated by rulebooks and instruction books – was cemented and propagated with almost religious zeal, cinematic narrative forms away from this structural template are once again coming more to the fore. The fact that something is breaking out here certainly has to do with the fact that strictly dramatic or plot-centered films are losing their appeal due to their predictability and over-standardization, and new series formats are becoming increasingly important on the market. Fortunately, this also promotes diversity in content, artistic expression, and the activation of otherwise passively entertained viewers. This liberation is the prerequisite for lively, resonance-generating and socially relevant storytelling.

New approaches are needed to deal with thematically bound and constellative structures in which plot is not a priority. Approaches and recipes can only be simply adopted to a very limited extent, since in many cases they lead to deformations and limitations of the intended content. The unquestioned must be questioned, basic narrative techniques that start before the dogmas of Hollywood production must be worked out or reweighted.

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Rüdiger Suchsland (EN)

Rüdiger Suchsland

Rüdiger Suchsland is a film critic and director. He studied history and philosophy in Munich. After graduating, he worked as a freelance journalist for various cultural editorial departments. Since 1998, he has worked mainly in the field of film criticism. As an author, he writes for the FAZ, film-dienst, Telepolis, Deutschlandfunk and various other national and regional publications. Since 1997 he has been an editor at artechock. In addition to all his reviews and in-depth interviews, he regularly publishes loose notes there with the irregular column “Cinema Moralia”, which combines current observations, short reviews, gossip, film politics and many indispensable tips into a text form that is free in every respect. From 1998 to 2004 he was a staff member of the Filmfest München and since 2002 at the Filmfestival Mannheim-Heidelberg as well as at the “Festival des deutschen Films” in Ludwigshafen. From 2004-2008 and again since 2012, he has been a board member at the Association of German Film Critics.
Suchsland says about his work as a film critic: “Film criticism is of course subjective. But it should definitely be committed and always curious. Film criticism always keeps some distance, always identifies with cinema, but only to a limited extent with ‘the film industry’. A really good film critic is always also a social and cultural critic.”

> Cinema Moralia on artechock.de (in German)

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Rüdiger Suchsland

Rüdiger Suchsland

Rüdiger Suchsland ist Filmkritiker und Regisseur. Er studierte Geschichte und Philosophie in München. Nach seinem Abschluss arbeitete er als freier Journalist für verschiedene Kulturredaktionen.
 Seit 1998 ist er hauptsächlich im Bereich der Filmkritik tätig. Als Autor schreibt er beispielsweise für die FAZ, den film-dienst, Telepolis, den Deutschlandfunk und diverse andere überregionale und regionale Publikationen. 
Seit 1997 ist er Redakteur bei artechock. Neben seinem sämtlichen Kritiken und ausführlichen Interviews veröffentlicht er dort mit der unregelmäßig erscheinenden Rubrik «Cinema Moralia» regelmäßig lose Notizen, die aktuelle Beobachtungen, Kurzkritiken, Klatsch, Filmpolitisches und viele unentbehrliche Hinweise zu einer in jeder Hinsicht freien Textform verbinden.
Von 1998 bis 2004 war er Mitarbeiter des Filmfest München und seit 2002 beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg sowie am «Festival des deutschen Films» in Ludwigshafen. 2004-2008 und wieder seit 2012 ist er Vorstandsmitglied beim Verband der deutschen Filmkritik. 
Über seine Arbeit als Filmkritiker meint Suchsland: «Filmkritik ist natürlich subjektiv. Sie sollte aber unbedingt engagiert und immer neugierig sein. Filmkritik hält immer etwas Distanz, identifiziert sich jederzeit mit dem Kino, aber nur begrenzt mit ,der Filmbranche‘. Ein wirklich guter Filmkritiker ist immer auch ein Gesellschafts- und Kulturkritiker.»

> Cinema Moralia auf artechock.de

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Erzählen abseits der Schablone – Offene Erzählstrukturen in Filmausbildung und Dramaturgie

Abstract by Kathrin ResetarIts

Filmausbildung und Dramaturgie abseits der Schablone

Nach einer langen Ödnis, in der die Vormachtsstellung einer bestimmten Erzählform – propagiert von Regelwerken und Anleitungsbüchern – mit fast religiösem Eifer zementiert und verbreitet wurde, rücken filmische Erzählformen abseits dieser Strukturschablone wieder mehr in den Vordergrund. Dass hier etwas aufbricht, hat sicher damit zu tun, dass streng dramatisch bzw. plot-zentriert erzählte Filme aufgrund ihrer Berechenbarkeit und Übernormierung an Attraktivität verlieren und neue Serienformate am Markt immer wichtiger werden. Dadurch wird aber erfreulicherweise auch Diversität in den Inhalten, künstlerischer Ausdruck und die Aktivierung der sonst passiv ge-und unterhaltenen Zuschauer*innen gefördert. Diese Befreiung ist die Voraussetzung für lebendiges, Resonanz erzeugendes und gesellschaftlich relevantes Erzählen.

Für den Umgang mit thematisch gebundenen und konstellativen Strukturen, in denen der Plot keine Priorität hat, braucht es neue Ansätze. Herangehensweisen und Rezepte können nur sehr begrenzt einfach übernommen werden, da sie in vielen Fällen zu Deformationen und Beschränkungen der intendierten Inhalte führen. Unhinterfragtes muss hinterfragt werden, grundlegende narrative Techniken, die vor den Dogmen der Hollywoodproduktion ansetzen, müssen erarbeitet bzw. neu gewichtet werden.

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Auf der Suche nach dem “dritten Kino”

ABSTRACT BY RÜDIGER SUCHSLAND

Was würde Romy Schneider heute eigentlich für Filme machen (können)? Oder Jean-Paul Belmondo?

Beobachtungen eines Kinogängers

In meinem Vortrag versuche ich einige Thesen zur Lage des Kinos in der Gegenwart zu formulieren. Grob gesagt möchte ich zunächst einen bestimmten Typ Film skizzieren, den es heute viel weniger, vielleicht überhaupt nicht mehr gibt. Es ist ein Typ Film, der Anspruch mit niveauvoller Unterhaltung verbindet, Exzess mit Tiefe.

Diesen Typ Kinofilm nenne ich mangels besserer Begriffe “das dritte Kino”. Dieses “dritte Kino” ist weder ein (post)moderner, von Fantasy und Weltentranszendenz getriebener Blockbuster, noch jenes (post)moderne Kunstkino, das den Weg in die Galerie schon halb zurückgelegt hat.

Zugleich war “das dritte Kino” schon immer die Synthese zwischen Elementen dieser beiden Filmtypen.

Im Vortrag, ganz klassisch ohne Bildausschnitt, versuche ich diese Leerstelle und meine Vermutung zu deren Gründen zu benennen.

Wichtig ist: Ich richte mich nicht gegen ein Kino, dass heute vorhanden ist, sondern ich plädiere für ein Kino, das es früher gab und das ich heute vermisse.

Meinen Vortrag verstehe ich als Anstoß, um sich wieder an diese Filme und an die vielen ungenutzten Möglichkeiten des Kino zu erinnern – wenn es gut läuft, dann werden alle anwesenden Filmemacher danach ganz wehmütig und haben sofort Lust, selber wieder solche Filme zu machen.

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Collecting Real Fictions

Abstract von Anna Sofie Hartmann

Eine Fallstudie, die die Recherche- und Entwicklungsmethode des Spielfilms “Giraffe” untersucht.

Was ist, wenn die Idee für einen Film von einem bestimmten Ort, von Gefühlen oder Beobachtungen über die Welt ausgeht und nicht von einer Figur oder einer Geschichte? Wie kann eine Erzählung aus der realen Welt um Sie herum ausgegraben werden, wie findet man den Fokus? Wie bringt man gesammelte und scheinbar disparate Ideen zu einem kohärenten dramatischen Ganzen zusammen?

In Collecting Real Fictions wird Anna Sofie über den Entstehungsprozess ihres zweiten Spielfilms «Giraffe» sprechen. Angefangen bei der Entwicklung der Ideen, über die Art und Weise, wie das Fotografieren von Orten und das Treffen mit Menschen den Schreibprozess beeinflusste, bis hin zu der Art und Weise, wie das Casting und die Arbeit mit Laiendarstellern den schließlich gedrehten Film beeinflusste, und nicht zuletzt, wie der Schnittprozess den Film wieder und wieder und wieder umschrieb.

Indem sie auf einem Kino beharrt, dessen Interesse darin besteht, der Kraft des Bildes Zeit zu geben und nicht nur eine Geschichte zu illustrieren, wird Anna Sofie erörtern, wie dieses Interesse konventionelle Erzählstrukturen sowohl überschneidet als auch mit ihnen kollidiert – und wie es möglich ist, innerhalb dieser Strukturen Räume für Momente reinen cineastischen Vergnügens zu finden.

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Collecting Real Fictions

Abstract by Anna Sofie Hartmann

A case study examining the research and development method of the feature film “Giraffe”.

What if an idea for a film begins with a specific place, or from feelings or observations about the world and not with a character or a story? How do you excavate a narrative from the real world around you and find your focus? How do you bring collected and seemingly disparate ideas together to form a coherent dramatic whole?

In Collecting Real Fictions Anna Sofie will discuss the process of making her second feature film “Giraffe. Beginning with the gestation of the ideas, to how photographing places and meeting people influenced the writing process, to how casting and working with non-professional actors informed the film that was eventually shot, and not the least, how the editing process rewrote the film again and again and again.

In insisting on a cinema whose interest it is to give time to the power of the image, not merely to illustrate a story, Anna Sofie will discuss how that interest both intersects and clashes with conventional narrative structures – and how it’s possible to find spaces within those structure for moments of pure cinematic pleasure.

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From Reality to Fiction and back / Case study “La Mif”

Abstract by Fred Baillif

A group of teenage girls have been placed in a residential care home with social workers. This forced “family” experience creates unexpected tensions and intimacies. An incident triggers a chain of over-reactions. The fall-out reveals the weaknesses of the retrograde juvenile system, as well as the demons that haunt ‘La Mif’. A social drama, mirroring our ill-mannered morals.

In search of natural performances and unsuspected talents, Fred Baillif has developed a direct cinema style based on real people and improvisation. In this case, the process started with individual interviews with each of the residents and the employees of a children’s home. He then conducted improv workshops over two years, which progressively allowed characters to emerge. He gathered all the elements that came out and wrote a script. It didn’t have dialogues, but a general plot, an outline and some punchlines. The headmaster Claudia Grob (Lora) shared with him her strong frustration towards the youth protection system and doing so, she extremely inspired the story. Fred will share this experience and his vision of what people call “Cinema verité”.

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Was beschäftigt die Branche – Stoffentwicklungen bei Serien und Filmen

Abstract von Lars Wiebe & Jan Bennemann (Netflix)

Jan Bennemann und Lars Wiebe sind schon lange in der Filmbranche tätig und haben bei verschiedenen nationalen und internationalen Produktionsfirmen gearbeitet. Beide sind im letzten Jahr zu Netflix gewechselt und verantworten dort als Content Executives, gemeinsam mit weiteren Kolleg*innen, den fiktionalen Film- und Serienbereich von Netflix in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als Kreativ-Verantwortliche erreichen die beiden viele Projektentwicklungen und Pitches aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und so verfügen sie über einen einzigartigen Einblick in die Fülle und Breite der unterschiedlichsten Inhalte. Beiden begleiten häufig den Prozess der Stoffentwicklung in enger Zusammenarbeit mit den Kreativen und arbeiten selbst bei der Stoffentwicklung mit.

Mike Schaerer möchte im Gespräch mit Jan Bennemann und Lars Wiebe erörtern, welche Entwicklungen in der Dramaturgie und der Narration zu spüren sind, ob sich Trends in den inhaltlichen Themen und der Tonalitäten abzeichnen oder neue Entwicklungen in den Erzählweisen und -mustern durch die neuen Player am Markt entstehen. Außerdem interessiert ihn, inwieweit sie in ihrer Arbeit auf die Stoffentwicklung Einfluss nehmen und nach welchen Stoffen sie suchen.

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Vinca Wiedemann

Vinca Wiedemann machte ihren Abschluss als Filmeditorin an der National Film School of Denmark, wechselte aber bald in die Drehbuchentwicklung. Als Filmbeauftragte des Danish Film Institute und künstlerische Leiterin von New Danish Screen war sie für die Entwicklungs- und Produktionsförderung zahlreicher Spielfilme verantwortlich und trug maßgeblich zum Aufstieg des dänischen Kinos bei. Vinca ist eine international geschätzte Drehbuchberaterin und Story Supervisor für Regisseur:innen, z. B. arbeitete Lars von Trier bei seinen Drehbüchern für Melancholia und Nymphomaniac eng mit ihr zusammen, und derzeit arbeitet sie mit Thomas Vinterberg an dessen erster Fernsehserie. Sie war fünf Jahre lang Direktorin der National Film School of Denmark und ist international als Mitglied von Think Tanks, Filmjurys, Hauptrednerin sowie als Tutorin und Dozentin für künstlerische Zusammenarbeit und Filmfragen im Zusammenhang mit dem Entwicklungsprozess, Innovation, Bildung und Filmpolitik tätig.

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