Katalin Gödrös

Nach dem Studium an der Filmakademie in Budapest (1992-1996), Schwerpunkt Produktion, arbeitete sie als Produktionsleiterin für Kinofilme in Berlin. In eigener Regie entstanden mehrere Kurzfilme und schließlich zusammen mit dem ZDF – Das kleine Fernsehspiel der erste Spielfilm »Mutanten«, der 2002 auf der Berlinale Premiere feierte. Ihr nächster Spielfilm »Songs of Love and Hate« premierte 2010 im Internationalen Wettbewerb in Locarno.

Seit 2001 schreibt Katalin Gödrös Drehbücher, adaptiert Romane für die Leinwand und führt Regie. Neben der ambitionierten Autorenregiearbeit, übernimmt sie auch mit Engagement Auftragsarbeiten bei Serien und Fernsehfilmen.

Seit fünfzehn Jahren unterrichtet sie Regie und Drehbuch in Berlin (dffb), Zürich (Focal, ZHDK) und ist Mentorin an der Drehbuchwerkstatt Zürich/München. Sie ist Professorin für Regie an der ifs Köln. Kulturpolitisch arbeitet sie eng mit der Romani Film Commission zusammen und unterstützt das Roma Filmfestival Berlin. Ihr neuster Film «Jakobs Ross» nach dem gleichnamigen Roman von Silvia Tschudi ist aktuell im Kino.

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> Das Referat bei ZFICTION.24 | Verletzlichkeit in der Beziehung Schauspiel-Regie

Scope for professional acting and digital transformations

ABSTRACT by Anja Klöck

The affirmative educational re-evaluation of theatre performance in the Enlightenment discourses of eighteenth-century Europe was accompanied by a reinterpretation of acting as a pedagogically relevant and independent artistic practice. This reinterpretation not only formed the basis for the establishment of the first acting classes at academies and conservatories, but also gave rise to one of the central requirements for professional actors ever since: universal representation. This refers to the ability to slip into different roles and play them all equally convincingly. 

The exclusions and inclusions of this understanding of theatre and acting, the spatial arrangements and images of people associated with it, have since been questioned and criticised in many ways. In particular, artistic work and debates over the last twenty years – from ‚everyday experts‘ and theatre with mentally or physically disabled people to participatory formats and issues of diversity, cultural appropriation and self-representation – have vehemently challenged the concept of universal representation and transformed what appears to be acting. 

In this talk, I would like to historicise current developments in computer and film technology and the ethical issues involved in these historical processes of reinterpretation and differentiation of acting and performance. Drawing on various constellations of show, play and technology, I will consider actors not only as performers or role-players, but also as mediators within concrete orders of knowledge and power.

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Spielräume professionellen Schauspielens und digitale Transformationen

ABSTRACT by Anja Klöck

Mit der affirmativen bildungspolitischen Neubewertung von Theateraufführungen in den Aufklärungsdiskursen im Europa des 18. Jahrhunderts geht die Umdeutung von Schauspielen als eine bildungsrelevante und eigenständige Kunstpraxis einher. Diese Umdeutung bildet nicht nur die Grundlage für die Einrichtung erster Schauspielklassen an Akademien und Konservatorien, aus ihr leitet sich auch eine der seither zentralen Anforderung an Berufsschauspielende ab: die Universalrepräsentanz. Damit ist die Fähigkeit gemeint, in verschiedene Rollen schlüpfen und alle gleichermaßen überzeugend spielen zu können.

Die Aus- und Einschlüsse dieses Theater- und Schauspielverständnisses, die damit einhergehenden Raumordnungen und Menschenbilder, sind seither vielfältig hinterfragt und kritisiert worden. Insbesondere künstlerische Arbeiten und Debatten der letzten zwanzig Jahre – von ‚Experten des Alltags‘ über Theater mit geistig oder körperlich beeinträchtigten Menschen bis zu partizipativen Formaten und Fragen von Diversität, kultureller Aneignung und Selbstrepräsentation — stellen das Konzept der Universalrepräsentanz vehement in Frage und transformieren das, was als Schauspielen in Erscheinung tritt.

Mit diesem Beitrag möchte ich aktuelle computer- und filmtechnische Entwicklungen und die damit einhergehenden ethischen Fragen in diesen historischen Prozessen der Umdeutung und Ausdifferenzierung schauspielerischen Handelns und Wirkens historisieren. Anhand unterschiedlicher Konstellationen von Schau, Spiel und Technik werde ich dabei Akteur:innen nicht nur als Handlungs- oder Rollenträger:innen betrachten, sondern als Vermittler:innen innerhalb konkreter Wissens- und Machtordnungen.

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Manuel Flurin Hendry

Manuel Flurin Hendry (*1973), Film Director from Switzerland

Manuel Flurin Hendry ist ein preisgekrönter Filmregisseur, Drehbuchautor und künstlerischer Forscher aus Zürich. Als Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) arbeitet er in verschiedenen Genres und Formaten, vom politischen Drama bis zur Familienkomödie. Als Forscher untersucht er die Auswirkungen von Computern auf die menschliche Psyche und die künstlerische Praxis. Er unterrichtet Filmregie an der Zürcher Hochschule der Künste und ist der Leiter des Forschungsprojekts „cineMINDS”.

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> Ausstellung ZFICTION.24 | Conversations with „Stanley“

Manuel Flurin Hendry (EN)

Manuel Flurin Hendry (*1973), Film Director from Switzerland

Manuel Flurin Hendry is an award-winning film director, screenwriter and artistic researcher born and based in Zurich, Switzerland. A graduate of the German Film and TV Academy Berlin (dffb), his work cuts across genres and formats, from political drama to high-key family entertainment. As a researcher, he investigates the impact of computation on human psychology, visual education and artistic practice. He teaches film direction at the Zurich University of the Arts and serves as the principal investigator of the «cineMINDS» project.

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> Exhibition ZFICTION.24 | Conversations with „Stanley“

Gespräche mit «Stanley»

ABSTRACT BY MANUEL FLURIN HENDRY

Mit seinem künstlerischen Forschungsprojekt «The Feeling Machine» untersucht der Filmregisseur Manuel Flurin Hendry, ob wir mit Gefühlstheorien aus dem Filmschauspiel emotional reaktive Roboter entwickeln könnten. Der Chatbot «Stanley» hat diese Frage für sich bereits mit «ja» beantwortet. Er hält menschliche Schauspieler für Schnee von gestern und fantasiert von der überlegenen Authentizität maschinell erzeugter Performances. Im Gespräch mit «Stanley» erhält das Publikum Einsicht in die bizarre Welt der künstlichen «Intelligenz» und erfährt am eigenen Leib, wie die Allmachtsfantasien (männlicher) Programmierer in Sprachmodellen wie ChatGPT ihren Ausdruck finden.

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Conversations with „Stanley“

ABSTRACT BY MANUEL FLURIN HENDRY

With his artistic research project „The Feeling Machine“, film director Manuel Flurin Hendry investigates whether we could develop emotionally reactive robots using theories of emotion from film acting. The chatbot „Stanley“ has already answered this question in the affirmative. He thinks human actors are yesterday’s news and fantasises about the superior authenticity of machine-generated performances. In conversation with „Stanley“, the audience gains an insight into the bizarre world of artificial „intelligence“ and experiences first-hand how the omnipotence fantasies of (male) programmers find expression in language models such as ChatGPT.

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Human Machines: Komödiantische Improvisation mit digitalen Sprachmodellen

ABSTRACT BY PIOTR MIROWSKI

Piotr Mirowski untersucht das Zusammenspiel zwischen künstlicher Intelligenz und Live-Performance und konzentriert sich dabei auf die Zusammenarbeit zwischen algorithmischen Sprachmodellen und Schauspieler:innen. Er schildert Erkenntnisse aus seiner Arbeit mit der Performance-Gruppe „Improbotics“, bei der Roboter und Menschen in Echtzeit und ohne Drehbuch auftreten und miteinander improvisieren. Mirowski untersucht die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz für die kreativen Künste und zeigt das Potenzial – und die Grenzen – für neue Formen des interaktiven Geschichtenerzählens und Schauspielens auf.

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Human Machines: Improvisation Comedy with Large Language Models

ABSTRACT BY PIOTR MIROWSKI


Piotr Mirowski examines the dynamic interplay between artificial intelligence and live performance, focusing on the collaboration between large language models and actors. He will talk about lessons learned from his work with the performance group «Improbotics» where robots and humans engage in real-time, unscripted performances, adapting to the unpredictable nature of human and machinic co-performance. Mirowski explores the implications of this technology for the future of entertainment and the creative arts, highlighting the potential – and limitations – for new forms of interactive storytelling and acting.

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Maryam Touzani

Maryam Touzani wurde 1980 in Tanger geboren und studierte Journalismus in London, bevor sie nach Marokko zurückkehrte. Nachdem sie ihre Karriere als Filmkritikerin begonnen hatte, wollte Maryam Touzani ihre Ideen bald auf andere Weise ausdrücken und stellte sich hinter die Kamera, um zwei bemerkenswerte Kurzfilme zu drehen: QUAND ILS DORMENT und AYA VA À LA PLAGE. Danach arbeitete sie an MUCH LOVED von Nabil Ayouch mit.

2019 drehte sie ihren ersten Spielfilm ADAM, der für Un Certain Regard beim Festival de Cannes und bei zahlreichen anderen Filmfestivals ausgewählt wurde und auf der Shortlist für die Oscars stand. Danach arbeitete sie erneut mit Nabil Ayouch zusammen, mit dem sie das Drehbuch zu RAZZIA schrieb, in dem sie auch die Hauptrolle spielte, und zu CASABLANCA BEATS, der im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes lief.

Als Regisseurin kehrte sie 2022 mit dem hochgelobten THE BLUE CAFTAN nach Cannes zurück, der für Un Certain Regard ausgewählt wurde, den FIPRESCI-Preis gewann und auf der Oscar-Shortlist stand. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman und ihrem nächsten Spielfilm. 

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> Das Referat bei ZFICTION.24 | Guiding actors and non-actors

MARYAM TOUZANI (EN)

 
Born in Tangiers in 1980, Maryam Touzani studied journalism in London before returning to her native Morocco. Having begun her career as a film critic, Maryam Touzani soon desired to express her vision in a different way and stepped behind the camera to direct two noteworthy short films, QUAND ILS DORMENT and AYA VA À LA PLAGE. She then collaborated on Nabil Ayouch’s MUCH LOVED.

In 2019, she directed her first feature film, ADAM, selected for the Un Certain Regard at the Festival de Cannes, many other filmfestivals and shortlisted for the Oscars. She then collaborated once again with Nabil Ayouch, with whom she co-wrote RAZZIA, a film in which she also starred, and CASABLANCA BEATS, selected in Competition for the Festival de Cannes in 2021.

She returned to the Cannes Festival as a director with the highly acclaimed THE BLUE CAFTAN (2022), selected for Un Certain Regard, winning the FIPRESCI-Prize and shortlisted for the Oscars. She is currently working on her first novel and her next feature film. 

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> Lecture at ZFICTION.24 | Inviting Proximity: Cultivating Intimacy Through Screen Acting

Schauspiel-Coaching 

ABSTRACT by Mel Churcher

In ihrem Vortrag untersucht Mel Churcher die Rolle eines Schauspielcoaches, den Coaching-Prozess und die besonderen Herausforderungen bei der Vorbereitung von Schauspielenden auf ihre Rollen. Sie berichtet von ihren Erfahrungen mit einem breiten Spektrum von Klienten – von Anfänger*innen bis zu erfahrenen Schauspielenden – und beleuchtet die Unterschiede zwischen Theater- und Filmschauspiel, einschließlich der Komplexität der Vorbereitung auf Rollen in unbekannten Welten. Anekdoten aus Mels Karriere, darunter Coaching für „Das fünfte Element“, „Unleashed“ und „The Lady“, werden diese Punkte illustrieren. Die Sitzung schließt mit einer Frage- und Antwortrunde zur Diskussion ab. 

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