Jahr: 2025

Alexis Victor Thalberg Preis 2025

2025 vergibt die Alexis Victor Thalberg-Stiftung zum dreizehnten Mal den Dokumentarfilmpreis für Filme, die an der Zürcher Hochschule der Künste entstanden sind. Die Gesamtsumme des Preises ist mit CHF 35‘000 dotiert, es werden mehrere Haupt- und Anerkennungspreise vergeben. Die Preise gehen an herausragende Dokumentarfilme, essayistische und transmediale Formate, die sich mit Bildern und Tönen des Wirklichen befassen. Alle eingereichten Projekte sind entweder im Rahmen von Studienarbeiten, als Semesterprojekte oder im Kontext eines PhD-Studiums entstanden.

Die Dokumentarfilmpreise der Alexis Victor Thalberg-Stiftung werden im Rahmen der Zürcher Dokumentarfilmtagung ZDOK vergeben. Anschliessend an die Verleihung findet ein Apéro statt.

Melak Madhi (Milo)

Filmstill Immortals © 2024 Filmgerberei, Rola Productions, SRF

Melak Madhi (Milo) hat einen Bachelor-Abschluss in Soziologie von der Universität Bagdad. Während ihres Studiums arbeitete sie als Sozialarbeiterin und Fotografin und engagierte sich in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Projekten. Als Freiwillige bot sie Computerkurse in Frauenorganisationen an, leistete psychologische Unterstützung für Opfer von Missbrauch und Gewalt und war in verschiedenen selbstorganisierten feministischen Gruppen aktiv.

Filmografie:
2024 Immortals – Dokumentarfilm

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ZDOK.25 Beiträge:

> Partizipatives Erzählen im Dokumentarfilm
> Panel: What’s in it for us?
Film:

> IMMORTALS (2024)

Marisa Meier

Marisa Meier wurde in Zürich geboren. Sie schloss 2019 ihr Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt International Producing und dem Dokumentarfilm Closing Time von Nicole Vögele (Ciné+ Special Jury Award, Locarno Film Festival) ab. Internationale Erfahrung sammelte sie durch Austauschprogramme an der la fémis in Paris, der UCLA in Los Angeles und der Al Quds Universität in Ramallah.

Zusammen mit Dennis Stormer gründete sie die Produktionsfirma Intuition Club. Ihr erster Kinofilm Youth Topia gewann 2021 mehrere Preise, darunter den Audience Award am Zurich Film Festival und die Preise der Jugendjury bei Film Fest Cottbus und Crossing Europe Linz. Marisa Meier ist Alumna der ZFF Academy, des Rotterdam Labs, des Robert Bosch Film Prize und der IDFAcademy. Sie arbeitet als Autorin, Produzentin und Regisseurin.

Filmografie (Auswahl):

TINY KITTEN VS. 2NARY SYSTEM (In Entwicklung) – Dokumentarfilm (Regie, Buch: Marisa Meier, Luisa Ricar; Produzentin: Franziska Sonder)
DER RAINBOW CLAN (In Entwicklung)Crime-Comedy-Serie (Buch: Marisa Meier, Andreas Stadler, Ervehea Cica; Produzentin: Flora Rumpler)
RIO NEGRO (In Vorproduktion) – Dokumentarfilm (Produzentin: Marisa Meier, Joaquin Ruano, Vita Spieß & Reiner Krausz)
2022/2023 UNLOCKED – Youtube-Serie (Regie & Produktion)
2021 YOUTH TOPIA – Spielfilm (Produzentin, Co-Autorin)
2018 CLOSING TIME – Dokumentarfilm (Produzentin)

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ZDOK.25 Beitrag:
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Einblicke in die partizipative Entstehung von TINY KITTEN VS 2NARY SYSTEM
zusammen mit Luisa Ricar, Franziska Sonder und Maia Arson Crimew

Beziehungsbildung in Langzeitdokumentarfilmen

Mehdi Sahebi im Gespräch

Bei dokumentarischen Dreharbeiten, die sich über mehrere Jahre erstrecken, begleiten Filmschaffende ihre Protagonist:innen durch verschiedene Lebensphasen. Dabei entstehen oft enge Verbindungen, die sie zu wichtigen Bezugspersonen machen – Bindungen, die häufig auch über die Veröffentlichung des Films hinaus Bestand haben. Das trifft auch auf den Filmemacher Mehdi Sahebi zu, der für seinen jüngsten Film seine Protagonist:innen über mehrere Jahre hinweg begleitete und den Zürcher Filmpreis 2024 gewann.

In der Masterclass an der ZHdK spricht Mehdi Sahebi über seine Arbeit an seinem neuesten Dokumentarfilm Gefangene des Schicksals (2023) und darüber, wie er heute auf seine Beziehungsarbeit mit den Menschen vor der Kamera blickt. Wie gelang es ihm, in der sensiblen Arbeit der Vergangenheitsbewältigung Vertrauen aufzubauen? Welche Dynamiken verändern das Verhältnis, wenn intime oder sogar illegale Szenen gedreht werden? Und vor allem: wie steht es um den Kontakt nach der Veröffentlichung des Films?
Dabei beleuchtet Mehdi Sahebi die feine Balance zwischen Nähe und Distanz sowie das wechselseitige Geben und Nehmen im komplexen Gefüge eines Dokumentarfilms. Als promovierter Ethnologe sucht er stets nach Definitionsansätzen, um die vielschichtigen Beziehungsgeflechte besser einteilen und verstehen zu können.

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Film:
> GEFANGENE DES SCHICKSALS (2023)
CV:
> Mehdi Sahebi

Mein Gegenüber

Rollenwechsel im Dokumentarfilm

von Lisa Gerig mit Living Smile Vidya

In meinem Film Die Anhörung (2023) wird eine Situation beleuchtet, die der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleibt: die Asylanhörung – das zentrale Element jedes Asylverfahrens, in dem über das Schicksal asylsuchender Menschen entschieden wird.

Für den Film haben wir das gesamte Anhörungssetting nachgestellt. Die Protagonist:innen tauchen einerseits erneut in die Welt ihrer eigenen Erfahrungen ein und übernehmen andererseits ebenso die Perspektive ihres Gegenübers: Die/der Befragte wird zur/zum Befragenden und umgekehrt.

Mit diesem Referat möchte ich Einblick in die vielschichtigen Prozesse hinter diesem Film geben: Warum haben wir uns für diesen neu geschaffenen Rahmen entschieden? Was hat dieser ermöglicht, was wurde erschwert? Welche Vorbereitungen waren nötig, um den Dreh für alle Beteiligten zumutbar, ja sogar bereichernd zu gestalten? Wie beeinflusste das nachgestellte Setting die Dynamik von Macht und Rollenzuschreibungen? Und warum entschieden sich die Protagonist:innen, sich erneut in eine so herausfordernde Befragungssituation zu begeben?

Zusammen mit meinen Protagonist:innen werfen wir einen Blick auf die künstlerischen Entscheidungen und die zwischenmenschliche Begleitung während des gesamten Prozesses – von der Vorbereitung bis zur Auswertung des Films.

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Film:
> DIE ANHÖRUNG
(2023)
CVs:
>
Lisa Gerig
> Living Smile Vidya